Tiere im Garten: So schaffen Sie einen Lebensraum für die heimische Natur
Ein naturnaher Garten ist ein lebendiges Ökosystem und ein wichtiger Rückzugsort für unsere heimischen Tiere. In Zeiten schwindender natürlicher Lebensräume stellt das Gärtnern einen aktiven Beitrag zum Artenschutz dar.
Der wichtigste Schritt zu einem tierfreundlichen Garten ist der konsequente Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Dünger. Diese Stoffe greifen massiv in das sensible Gleichgewicht ein und entziehen vielen Tierarten die Lebensgrundlage. Ein gesunder Garten reguliert sich weitgehend selbst: Wo keine Chemie eingesetzt wird, siedeln sich Nützlinge an, die Schädlinge auf natürliche Weise in Schach halten. So legen Sie das Fundament für ein summendes und zwitscherndes Paradies direkt vor Ihrer Tür.
Welche Tiere leben im Garten? Ein Blick auf die Artenvielfalt
In naturnahen Gärten können bis zu 2.500 verschiedene Tierarten nachgewiesen werden. Diese enorme Vielfalt macht das „Ökosystem Garten“ stabil und lebendig. Dabei sind es nicht nur die auffälligen Wildtiere im Garten, sondern vor allem die vielen kleinen Tiere im Garten, die eine tragende Rolle für das biologische Gleichgewicht spielen.
Vögel: Die musikalischen Gäste
Die Amsel macht als "Schwarzdrossel" ihrem Namen alle Ehre.
(Bild: Federlesen, Wikimedia Commons
/
CC BY-SA 4.0)
Rund 100 verschiedene Vogelarten können unsere Gärten als Lebensraum nutzen. Besonders heimische Gehölze und Bäume dienen ihnen als unverzichtbare Nahrungsquelle und sicherer Nistplatz. Ein vogelfreundlicher Garten bietet das ganze Jahr über Beobachtungsmöglichkeiten und ein lebendiges Konzert.
Zu den häufigsten und wichtigsten Vogelarten, die Sie in deutschen Gärten antreffen können, gehören:
- Amsel: Der „schwarze Sänger“ ist fast überall zu Hause und sucht auf dem Rasen nach Regenwürmern.
- Kohlmeise & Blaumeise: Diese flinken Akrobaten sind Stammgäste an Futterstellen und nutzen gerne Nistkästen zur Brut.
- Rotkehlchen: Der zutrauliche Begleiter im Garten liebt bodennahe Verstecke und ernährt sich bevorzugt von kleinen Insekten.
- Haussperling (Spatz): Als gesellige Tiere treten sie meist in Gruppen auf und nisten gerne in Nischen an Gebäuden.
- Buchfink: Einer der häufigsten Singvögel, der vor allem durch seinen rhythmischen „Finkenschlag“ auffällt.
- Star: Bekannt für sein metallisch glänzendes Gefieder und sein Talent, andere Geräusche nachzuahmen.
Durch das Anpflanzen von Beerensträuchern und das Belassen von Altbäumen schaffen Sie für diese Arten einen wertvollen Lebensraum.
Säugetiere: Igel, Eichhörnchen und Fledermäuse
Der Braunbrustigel ist in ganz Deutschland verbreitet.
(Bild: Michael Gäbler, Wikimedia Commons
/
CC BY-SA 3.0)
Unter den Säugetierarten sind der Igel und das Eichhörnchen die bekanntesten. Während der Igel am Boden nach Käfern und Larven sucht, finden Eichhörnchen in den Baumkronen geschützten Lebensraum. Auch Fledermäuse sind wichtige Gartenbewohner: Sie nutzen dichte Begrünungen als Tagesversteck und jagen nachts nach Insekten.
Insekten: Die größte Vielfalt
Die Insekten bilden mit über 30.000 Arten in Deutschland die größte Gruppe.
- Bestäuber: Rund 560 Wildbienenarten sowie rund 650 Schmetterlingsarten sind auf ein reiches Angebot an heimischen Pflanzen angewiesen.
- Libellen: Als geschickte Jäger fangen sie Mücken und andere Fluginsekten direkt im Flug.
- Käfer: Neben dem Marienkäfer sind Laufkäfer und Weichkäfer wichtige Regulatoren, die Schädlinge auf natürliche Weise kontrollieren.
- Schwebfliegen & Florfliegen: Während die erwachsenen Tiere Blüten besuchen, räumen ihre Larven als „Blattlauslöwen“ in den Beeten auf.
Spinnentiere und nützliche Bodenbewohner
Abseits der Insekten leisten viele andere Kleintiere einen wichtigen Beitrag zur Bodengesundheit:
- Spinnen: Mit rund 1.000 Arten in Mitteleuropa sind sie hochspezialisierte Jäger, die das Insektengleichgewicht regulieren.
- Asseln und Milben: Als „Gesundheitspolizei“ zersetzen sie abgestorbenes Laub und fördern die Humusbildung.
- Regenwürmer: Sie lockern den Boden tiefgründig auf und wandeln organisches Material in wertvolle Nahrung für Pflanzen um.
Amphibien und Reptilien: Lurche und Kriechtiere
Der Grasfrosch gehört zur Gattung der "Echten Frösche".
(Bild: Holger Krisp, Wikimedia Commons
/
CC BY 3.0)
Naturnahe Gärten mit Teichen, Steinhaufen oder Totholz ziehen spezialisierte Arten an:
- Lurche: Erdkröten, Frösche und Molche fühlen sich in feuchten Steinritzen oder Gartenteichen wohl und jagen dort Schnecken und Insekten.
- Reptilien: Eidechsen und Blindschleichen benötigen sonnige Plätze und Verstecke in Trockenmauern oder Totholzhaufen.
Wie fördere ich Nützlinge als Grundlage für den naturnahen Garten?
Der bekannteste Nützling: der Marienkäfer
(Bild: Dominik Stodulski, Wikimedia Commons
/
CC BY-SA 3.0)
In einem gesunden Naturgarten ist der Einsatz von Chemie überflüssig, da Nützlinge die Regulation von Schädlingen übernehmen. Das Prinzip ist einfach: Je vielfältiger der Lebensraum, desto stabiler ist das Gleichgewicht.
Einige Tierarten sind besonders effektiv darin, den Bestand von Blattläusen und anderen Pflanzenschädlingen auf natürliche Weise zu regulieren:
- Marienkäfer: Er ist der bekannteste Nützling. Sowohl die erwachsenen Käfer als auch ihre gefräßigen Larven vertilgen hunderte Blattläuse pro Tag.
- Florfliege: Die zarten, grünlichen Insekten werden auch „Goldaugen“ genannt. Besonders ihre Larven sind als „Blattlauslöwen“ gefürchtet und räumen in Beeten und an Stauden gründlich auf.
- Schwebfliegen: Während die erwachsenen Tiere wichtige Bestäuber sind, ernähren sich ihre Larven bevorzugt von Blattläusen.
Heimische Gehölze, ein wenig Wildnis und der Verzicht auf Gift (sowohl Pestizide als auch Schneckenkorn) locken die nützlichen Tiere an.
Aber Nützlingsförderung beginnt bereits unter der Erde. Regenwürmer lockern das Erdreich auf, verbessern die Belüftung und wandeln organisches Material in wertvollen Humus um. Ein bodenlebender Reichtum an Mikroorganismen und Würmern ist die Voraussetzung für kräftige, widerstandsfähige Pflanzen, die weniger anfällig für Krankheiten sind. Mehr zum Biologischen Pflanzenschutz erfahren Sie hier.
Warum sind heimische Gehölze und Bäume die beste Nahrung für Insekten?
Wer seinen Garten in einen echten Lebensraum verwandeln möchte, muss bei der Wahl der Pflanzen wählerisch sein. Die Faustregel lautet: Heimisch schlägt exotisch. Während viele gezüchtete Zierpflanzen aus fernen Ländern in unseren Gärten zwar prächtig blühen, bieten sie der heimischen Tierwelt oft weder Nahrung noch Schutz. Die Wahl sollte also möglichst immer auf heimische Pflanzenarten fallen.
Welche Bäume fördern die Biodiversität besonders?
Besonders heimische und alte Obstbaumsorten sind wichtig für Insekten und meist auch eine Bereicherung für uns. Ob Apfel, Birne, Kirsche, Quitte oder Pflaume: die oft frühen Blüten bieten reichlich Nektar und Pollen für blütenbesuchende Insekten.
- Felsenbirne: Die Blüten sind Nahrungsquelle für viele zeitige Insekten. Die Beeren sind schmackhaft für uns und für Vögel. Ein anspruchsloser Baum, der in jeden Garten gehört. Passt auch gut in kleine Gärten.
- Faulbaum: Dieser wenig bekannte einheimische Baum ist eine perfekte Wahl für den Garten. Er ist Raupenfutterpflanze für rund 30 Schmetterlingsarten und seine Beeren werden von vielen Vögeln gefressen
- Kornelkirsche: Gute Bienenweide und wichtige Vogelnahrung. Kornelkirsche blüht frühzeitig im Jahr leuchtend gelb und ist damit die Alternative zur nicht heimischen Forsythie.
Warum sind Hecken und Sträucher so wichtig für Tiere?
Nicht nur große Bäume, sondern auch Hecken aus heimischen Wildsträuchern wie Weißdorn, Schlehe, Wildrosen, Himbeere, Brombeere oder Vogelbeere sind ideal für den naturnahen Garten. Sie erfüllen gleich mehrere Funktionen:
- Nahrungsquelle: Die Blüten locken Bestäuber an, während die Früchte im Herbst eine wichtige Reserve für Vögel sind.
- Nistplätze: Das dichte Geflecht der Zweige bietet Vögeln sicheren Schutz vor Räubern und ideale Bedingungen für den Nestbau.
- Lebensraum: In der Strauchschicht finden auch Eichhörnchen und Siebenschläfer Schutz und Nahrung.
Durch das Pflanzen von heimischen Gehölzen schaffen Sie ein stabiles Fundament, von dem alle – von der winzigen Larve bis zum Singvogel – profitieren.
Wohnraum schaffen: Nisthilfen, Insektenhotels und Laubhaufen
Ein tierfreundlicher Garten zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nur Nahrung, sondern auch dauerhaften Wohnraum bietet. Oft reichen schon kleine Strukturen aus, um spezialisierten Tierarten ein Zuhause zu geben. Durch gezielte Maßnahmen wie das Aufstellen von Nisthilfen oder das Belassen von „wilden Ecken“ fördern Sie die Artenvielfalt direkt vor Ihrer Haustür.
Hängen Sie unterschiedliche Nistkästen für verschiedene Vögel auf.
(pixabay)
Blühende Buffets: Die Wildblumenwiese
Eine Wildblumenwiese ist das Herzstück des Gartens für Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber. Im Gegensatz zu einem kurz geschorenen Rasen bietet sie ein kontinuierliches Angebot an Nektar und Pollen.
- Wildblumenwiese anlegen: Verwenden Sie regionales Saatgut mit heimischen Wildblumen, da diese perfekt auf die Bedürfnisse unserer heimischen Insekten abgestimmt sind. Detailierte Informationen, wie Sie eine Wildblumenwiese anlegen, finden Sie hier.
- Pflege: Mähen Sie die Wiese nur ein- bis zweimal im Jahr, damit die Pflanzen aussamen können und als insektenfreundliche Struktur erhalten bleiben. Räumen Sie das Mahdgut nach ein paar Tagen von der Fläche. So können Samen ausfallen und in der Wiese verbleiben, die Wiese aber mager bleiben.
Mehr über bienenfreundliche Pflanzen erfahren Sie auch auf der Seite „Pflanzen für Wildbienen“.
Unterschlupf schaffen: Insektenhotels und Nistkästen
Da natürliche Baumhöhlen und offene Bodenstellen in besiedelten Gebieten oft fehlen, sind künstliche Angebote eine wertvolle Ergänzung:
- Insektenhotels: Diese dienen vor allem solitären Wildbienen als Brutstätte. Achten Sie auf saubere Bohrungen in Hartholz (nicht ins Stirnholz bohren) oder hohle Pflanzenstängel. Wie Sie Nisthilfen für Wildbienen selbst bauen, erfahren Sie in unserem Artikel zu Wildbienen-Nisthilfen.
- Nistkästen: Hängen Sie unterschiedliche Nistkästen für verschiedene Vögel auf – von der klassischen Meisenhöhle bis zum Halbhöhlenkasten. Dies hilft den Vögeln, auch in strukturarmen Gärten erfolgreich zu brüten. Sie können Nistkästen auch selbst bauen.
Winterquartiere: Laub und Totholz nutzen
Ein zu aufgeräumter Garten ist für viele Tiere lebensfeindlich. Besonders für das Überwintern sind ungestörte Bereiche essenziell:
- Laubhaufen: Lassen Sie das Laub im Herbst unter Hecken und Bäumen liegen oder kehren Sie es zu einem großen Laubhaufen zusammen. Es dient als isolierender Unterschlupf für den Igel und viele nützliche Käfer.
- Totholz: Ein Stapel aus alten Ästen und stehende und liegende Totholzstämme ist einige der wichtigsten Elemente im Naturgarten. Sie bieten Eidechsen einen Sonnenplatz, dienen Holzbienen sowie vielen Nützlingen als Kinderstube und Nahrungsquelle.
Indem Sie diese Strukturen in Ihren Garten integrieren, schaffen Sie viele sichere Rückzugsorte, die das ganze Jahr über von heimischen Tieren genutzt werden.
Stauden und Pflanzen: Ein Buffet für Schmetterlinge und Raupen
Ein bunter Garten ist für uns Menschen ästhetisch – für Schmetterlinge ist er überlebenswichtig. Da 80 Prozent unserer heimischen Tagfalter bedroht sind, hilft jede gezielte Pflanzung. Ein wirklich insektenfreundlicher Garten bietet dabei Nahrung für den gesamten Lebenszyklus: vom Nektar für die Falter bis zum Blattgrün für die Raupen.
Der Admiralfalter verdankt seinen Namen der griechischen Mythologie, in welcher "Atalanta" eine Jägerin war.
(Bild: Christian Fischer, Wikimedia Commons
/
CC BY-SA 4.0)
Welche Pflanzen im Garten ziehen Schmetterlinge an?
Um möglichst viele Arten mit wenig Aufwand zu unterstützen, sollten Sie auf diese heimischen Allrounder setzen:
- Salweide (Salix caprea): Der wichtigste Frühblüher. Die Salweide bietet Nahrung für fast 200 Raupenarten und ist im zeitigen Frühjahr die erste Rettung für hungrige Falter.
- Wasserdost & Oregano: Diese Kräuter und Stauden sind wahre Magneten. Besonders der Oregano lockt im Hochsommer über 50 verschiedene Schmetterlingsarten an.
- Wiesenklee & Flockenblume: Diese robusten Dauerblüher liefern bis weit in den Herbst hinein hochwertigen Nektar.
Eine vollständige Liste und detaillierte Pflanztipps finden Sie im Artikel “Diese zehn Pflanzen lieben Schmetterlinge”.
Gärtnern mit Geduld
Einfach, aber effektiv: Eine Blumenwildnis ist gut fürs Auge und eine Oase für zahlreiche Tiere.
(Bild: Yoky, Wikimedia Commons
/
CC BY-SA 3.0)
Ein tierfreundlicher Garten bedeutet auch, Fraßspuren an Blättern zu akzeptieren. Wo Raupen fressen, entstehen später Schmetterlinge. Werden diese Blätter konsequent entfernt oder mit Spritzmitteln behandelt, bleibt der Garten schmetterlingsfrei. Indem Sie eine Vielfalt an heimischen Stauden pflanzen und auch mal ein „Unkraut“ wie zum Beispiel Brennnesseln stehen lassen, schaffen Sie ein Buffet, das den Fortbestand unserer heimischen Schmetterlingswelt sichert.
Fragen und Antworten rund um Tiere im Garten
Welche Tiere leben im Garten?
In einem naturnahen Garten siedelt sich eine beeindruckende Vielfalt an: Vögel wie Meisen und Rotkehlchen, Säugetiere wie Igel und Eichhörnchen sowie nützliche Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Auch Amphibien wie Erdkröten und zahlreiche Nützlinge (z. B. Marienkäfer und Florfliegen) finden hier ein Zuhause.
Wie mache ich meinen Garten insektenfreundlich?
Ein insektenfreundlicher Garten lässt sich durch einfache Maßnahmen umsetzen:
- Verzichten Sie konsequent auf chemische Spritzmittel und Schneckenkorn.
- Pflanzen Sie heimische Gehölze und Stauden mit ungefüllten Blüten.
- Schaffen Sie „wilde Ecken“ mit Laubhaufen, „Unkräutern“ und Totholz.
- Bieten Sie Wohnraum durch Nisthilfen und Insektenhotels an.
Welche Tiere sind nachts im Garten aktiv?
Sobald es dunkel wird, kommen die nachtaktiven Tiere im Garten aus ihren Verstecken. Der Igel geht auf die Jagd nach Käfern und Larven, während Fledermäuse nach Insekten suchen. Auch viele Nachtfalter, die von duftenden Pflanzen wie dem Geißblatt angelockt werden, sind erst nach Sonnenuntergang unterwegs.
Publikationen