Kletterpflanzen als Gewinn für das Mikroklima
Die Begrünung von Hauswänden verbessert die Sauerstoffproduktion und filtert Staub und Abgase. Besonders wertvoll ist der Effekt auf das Mikroklima: Im Sommer schützen die Pflanzen vor intensiver Hitze, während sie im Winter eine isolierende Schicht gegen Kälte bilden.
Wertvoller Lebensraum auf kleinem Raum
Neben den klimatischen Vorteilen schaffen Kletterpflanzen unverzichtbare Rückzugsorte für die Tierwelt. In der dichten Blattstruktur finden zahlreiche Insekten und Vögel Nahrung und geschützte Nistplätze. So wird jede begrünte Wand zu einem kleinen Biotop, das die Artenvielfalt direkt an Ihrem Haus aktiv fördert.
Fassadenbegrünung
Unterschlupf für zahlreiche Kleintiere
(Bild: www.PxHere.com
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CC0)
Von Fassadengrün geht keine Gefahr für intakte Hauswände aus. Nur bei alten, rissigen Wänden können selbstkletternde Pflanzen in Ritzen eindringen und Mauerschäden begünstigen. Von begrünten Wänden gelangt höchstens einmal eine Spinne ins Innere des Hauses. „Invasionen“ wird es jedoch nicht geben, da sich in der Wandbegrünung eine Lebensgemeinschaft entwickelt, die sich selbst reguliert.
Schön ist auch eine Mischbegrünung von Fassaden, bei der Sie mehrere Arten gemeinsam pflanzen. Wichtig ist, gleichstarke Arten zu verwenden, etwa Efeu und Wilden Wein oder Alpenrebe. Der konkurrenzstarke Knöterich sollte immer allein bleiben.
Vorteile von Wandbegrünungen für das Haus
- Reduktion von Staub und Abgasen
- Schutz vor Sommerhitze und Winterkälte
- Lebensraum für Insekten und Vögel
- Regulation von Luftströmungen und Feuchtigkeit
- Verringerung von Temperaturschwankungen, die die Wand belasten
- Verlängerung der Haltbarkeit des Wandputzes (dieser hält bis zu dreimal so lang wie unbegrünter Putz)
- Verbesserung der Sauerstoffproduktion, besonders in Städten
Tipp: Wenn Sie Fassaden mit Pflanzen begrünen wollen, die auf Unterstützung durch Draht oder Lattengerüste angewiesen sind, bringen Sie die Hilfen etwa im Abstand von 5 bis 10 cm zur Wand an. Ein Abstand von 10 cm bietet den Vorteil, dass Fledermäuse und andere Tiere diesen Platz als sicheres Versteck oder Nistplatz nutzen. Bei der Anbringung von Spreizklimmern ist es sogar unbedingt nötig, 10 cm Abstand zwischen Lattengerüst und Wand zu lassen.
Immergrüne und winterharte Kletterpflanzen für jeden Standort
Viele Gartenbesitzer suchen gezielt nach Pflanzen, die nicht nur im Sommer für Sichtschutz sorgen, sondern auch im Winter ihre Struktur behalten. Hierbei unterscheidet man zwischen winterharten Arten, die Frost problemlos überstehen, und immergrünen Kletterpflanzen, die ihr Laub auch in der kalten Jahreszeit tragen.
Efeu (Hedera helix) – Der ökologische Alleskönner
Efeu ist eine richtige Allround-Pflanze
(Bild: www.pixnio.com
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Der heimische Efeu ist die wichtigste immergrüne Kletterpflanze für den naturnahen Garten. Er ist extrem langlebig und wird mit den Jahren immer wertvoller für die Tierwelt.
- Standort: Sehr anpassungsfähig; gedeiht in tiefem Schatten ebenso wie in der Sonne (dort hat er jedoch mehr Wasserbedarf).
- Besonderheit: Als Selbstklimmer hält er sich mit Haftwurzeln ohne zusätzliche Rankhilfe an Mauern fest. Er blüht erst im hohen Alter, dann aber im September und Oktober, wenn kaum noch andere Nahrung für Insekten vorhanden ist.
- Vorteil: Bietet ganzjährigen Sichtschutz und ist ein unverzichtbares Winterquartier für Vögel und nützliche Insekten.
Immergrünes Geißblatt (Lonicera henryi) – Der duftende Schlinger
Im Gegensatz zu seinen sommergrünen Verwandten behält diese Art ihre Blätter auch im Winter und sorgt so für dauerhaftes Grün an Pergolen oder Zäunen.
- Standort: Bevorzugt lichte, halbschattige Plätze mit „kühlem Fuß“ (den Wurzelbereich gerne beschatten oder mulchen).
- Besonderheit: Das Geißblatt gehört zu den Schlingpflanzen. Es benötigt ein vertikales Gerüst oder ein Rankgitter, um sich windend in die Höhe zu arbeiten.
- Vorteil: Bildet im Frühsommer rötlich-gelbe Blüten aus, die besonders in den Abendstunden duften und Nachtfalter anlocken.
Kletterspindel (Euonymus fortunei) – Robust und farbenfroh
Die Kletterspindel (auch Kriechspindel genannt) ist ein oft unterschätzter Kletterkünstler, der besonders durch seine Robustheit und die verschiedenen Blattfärbungen besticht.
- Standort: Von sonnig bis schattig; sehr anspruchslos an den Boden.
- Besonderheit: Bildet wie der Efeu kleine Haftwurzeln aus, wächst aber langsamer und ist daher auch gut für kleinere Hauswände oder als Begrünung von niedrigen Mauern geeignet.
- Vorteil: Extrem winterhart und stadtklimafest. Viele Sorten zeigen im Winter eine attraktive rötliche Färbung der Blätter.
Die beliebtesten Kletterpflanzen für den Garten im Überblick
Für viele Gärtner steht die optische Gestaltung im Vordergrund. Blüten, Farben und Düfte verwandeln funktionale Fassaden in vertikale Gärten. Die Auswahl der richtigen Pflanzen hängt dabei stark von der gewünschten Wuchshöhe und der Blütezeit ab. Die BUND Kletterpflanzen-Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die beliebtesten Kletterpflanzen für den Garten. Welchen Standort braucht die Kletterpflanze, wie hoch wächst sie und wann blüht sie? Jetzt BUND Kletterpflanzen-Plan kostenfrei sichern:
Rankhilfe oder Selbstklimmer: Wie finden Schlingpflanzen Halt?
Damit Kletterpflanzen ihre volle Pracht entfalten und sicher an Hauswänden oder Pergolen emporwachsen können, ist die Wahl der richtigen Unterstützung entscheidend. Jede Pflanze nutzt eine andere Technik, um an Höhe zu gewinnen. Man unterscheidet hierbei grundlegend zwischen Selbstklimmern und Pflanzen, die eine Kletterhilfe benötigen.
Selbstklimmer: Unabhängige Fassadenkünstler
Selbstklimmer (auch „Echtkletterer“ genannt) benötigen kein Gerüst. Sie besitzen spezielle Organe, mit denen sie direkt an Mauerwerk oder Holz haften.
- Haftwurzeln: Der Efeu und die Kletterhortensie bilden kurze Wurzeln aus, die sich in winzigen Unebenheiten des Untergrunds verankern.
- Haftscheiben: Bestimmte Arten des Wilden Weins besitzen kleine Scheiben an den Triebspitzen, die wie Saugnäpfe funktionieren.
- Wichtig: Diese Pflanzen eignen sich ideal für massive, rissfreie Wände. Bei bröckelndem Putz sollten sie jedoch gemieden werden, da die Wurzeln in Spalten eindringen könnten.
Schlingpflanzen und Ranker: Auf Unterstützung angewiesen
Diese Arten können ohne ein entsprechendes Gerüst nicht in die Höhe wachsen. Sie benötigen eine Rankhilfe, ein Rankgitter oder ein Drahtseilsystem.
- Schlingpflanzen (Winder): Pflanzen wie das Geißblatt, der Blauregen oder die Pfeifenwinde winden ihren gesamten Haupttrieb um eine Stütze. Sie benötigen bevorzugt vertikale Stäbe oder Seile.
- Ranker: Die Waldrebe (Clematis) oder der Wilde Wein nutzen fadenförmige Greiforgane (Ranken), um sich an dünnen Strukturen festzuhalten. Für sie sind engmaschige Gitter ideal.
- Spreizklimmer: Kletterrosen und Winterjasmin besitzen keine eigenen Halteorgane. Sie „stützen“ sich mit ihren Dornen oder steifen Trieben ab. Im Garten müssen diese Pflanzen an horizontalen Latten oder Drähten locker festgebunden werden.
Unterstützen Sie die ranken der Waldrebe gern mit einem Holzgerüst!
(Bild: Wikimedia Commons
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CC0 1.0)
Kletterpflanzen im Kübel
Viele Kletterpflanzen lassen sich auch hervorragend im Kübel auf dem Balkon oder der Terrasse ziehen.
- Voraussetzung: Der Kübel muss groß genug sein (mindestens 20 bis 40 Liter) und über einen guten Wasserabzug verfügen.
- Tipp: Ein integriertes Rankgitter im Topf bietet einjährigen Arten wie der Kapuzinerkresse oder der Schwarzäugigen Susanne sofortigen Halt und sorgt für einen schnellen Sichtschutz auf Augenhöhe.
Ökologischer Nutzen von Kletterpflanzen: Lebensraum für Insekten und Vögel
Kletterpflanzen sind mehr als nur ein optischer Blickfang oder ein Sichtschutz an Hauswänden. Im naturnahen Garten übernehmen sie die Rolle vertikaler Biotope, die auf kleinstem Raum wertvolle Nahrung und sichere Unterschlüpfe bieten. Besonders in dicht bebauten Gebieten wird jede Begrünung so zu einer Überlebensinsel für die heimische Fauna.
Ein Buffet für Bestäuber
Viele Kletterpflanzen sind wichtige Futterpflanzen für Insekten. Dabei haben unterschiedliche Arten spezialisierte „Gäste“:
- Geißblatt (Lonicera): Die röhrenförmigen Blüten verströmen besonders in den Abendstunden einen intensiven Duft und wirken wie ein Magnet auf Nachtfalter.
- Efeu: Als eine der wenigen Pflanzen blüht der Efeu erst sehr spät im Jahr (September und Oktober) und bietet Bienen und Schwebfliegen eine der letzten wichtigen Nektarquellen vor dem Winter.
- Waldrebe (Clematis) & Blauregen: Ihre Blütenpracht lockt zahlreiche Wildbienen und Hummeln an. Achten Sie bei der Auswahl darauf, Wildformen oder ungefüllte Sorten zu bevorzugen, damit die Insekten leichten Zugang zu Pollen und Nektar finden.
Wenn Sie gezielt Wildbienen in Ihren Garten locken möchten, finden Sie hier weitere Tipps zu Pflanzen für Wildbienen.
Blütenpracht in weiß und lila
(Bild: Acabashi, Wikimedia Commons
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CC BY-SA 4.0)
Sicherer Rückzugsort und Quartier
Dichte Verflechtungen bieten Schutz vor Witterung und Fressfeinden:
- Nistplätze für Vögel: Arten wie die Kletterhortensie oder Kletterrosen bilden mit der Zeit ein undurchdringliches Geflecht, das ideal für den Nestbau von Singvögeln geeignet ist.
- Quartiere für Fledermäuse: Besonders der immergrüne Efeu an Hauswänden bietet Fledermäusen wie der Zwergfledermaus ideale Tagesverstecke oder sogar frostfreie Winterquartiere hinter dem dichten Blätterkleid.
- Natürliche Vorratskammer: Die Beeren des Efeus oder des Wilden Weins sind im Spätwinter eine wichtige Energiereserve für Vögel.
Fragen und Antworten zu Kletterpflanzen im Garten
Welche Kletterpflanzen für den Garten sind winterhart?
Die meisten klassischen Kletterkünstler für unsere Breitengrade sind absolut winterhart. Besonders robust sind die heimische Waldrebe, der Efeu sowie die Kletterhortensie. Auch viele Arten des Geißblatts und der Wilde Wein überstehen frostige Winter problemlos.
Welche Pflanze rankt schnell und ist winterhart?
Wenn Sie eine schnelle Begrünung von Hauswänden oder Sichtschutzwänden benötigen, sind der Blauregen und der Knöterich unschlagbar. Sie legen mehrere Meter pro Jahr zu. Eine ökologisch wertvolle, sehr schnellwüchsige Alternative ist der Hopfen – er ist eine Staude, die im Frühjahr jedes Mal neu austreibt und in Rekordzeit Pergolen erklimmt.
Was sind die schönsten Kletterpflanzen?
Die „Schönheit“ liegt im Auge des Gärtners, doch Kletterrosen, Blauregen und Waldrebe zählen aufgrund ihrer prachtvollen Blüten und Farbenvielfalt zu den Favoriten. Für Liebhaber exotischer Optik ist die Passionsblume ein Highlight, während das Geißblatt durch seinen betörenden Duft besticht.
Können Kletterpflanzen auch im Kübel wachsen?
Ja, viele Kletterkünstler eignen sich für die Haltung im Kübel auf Balkon oder Terrasse. Besonders einjährige Arten wie die Kapuzinerkresse oder die Schwarzäugige Susanne wachsen schnell am Rankgitter. Mehrjährige Pflanzen wie Clematis oder schwachwüchsige Geißblatt-Arten benötigen ein ausreichend großes Gefäß und im Winter einen Schutz für den Wurzelballen, da dieser im Topf schneller durchfrieren kann.
Benötigen alle Kletterpflanzen eine Rankhilfe?
Nein, das hängt von der Klettertechnik ab. Selbstklimmer wie Efeu oder Wilder Wein halten sich mit Haftorganen selbstständig an Mauern fest. Schlingpflanzen (zum Beispiel Blauregen) und Ranker (zum Beispiel Clematis) benötigen zwingend eine Kletterhilfe wie Seile, Stäbe oder Gitter, um stabil in die Höhe zu wachsen.
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