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Herbizidresistente Gentech-Pflanzen: Artenvielfalt in Gefahr

Über 80 Prozent aller Gentech-Pflanzen sind herbizidresistent. Herbizidresistente Pflanzen überstehen die Anwendung eines Totalherbizids, d.h. im Gegensatz zu allen anderen Pflanzen auf dem Acker sterben sie nicht ab, wenn sie mit Unkrautvernichtungsmitteln besprüht werden.

Pestizide auf dem Acker. Foto: hpgruesen / CC0 1.0 / pixabay.com Wenn ein Acker mit Unkrautvernichtungsmitteln besprüht wird, sterben herbizidresistente Pflanzen nicht ab.  (hpgruesen / pixabay.com)

Derzeit sind auf dem Markt: Soja, Mais, Baum­wolle, Raps, Zuckerrübe und Luzerne, die gegen "Roundup" von Monsanto und "Liberty Link" von Bayer resistent sind.

Die Umweltwirkungen herbizidresistenter Pflanzen ließ die britische Regierung in den Jahren 2000 bis 2002 im weltweit bislang größten Freilandexperiment untersuchen.

Insgesamt 192 Flächen in ganz Großbritannien wurden je zur Hälfte mit herbizidresistenten Raps-, Zuckerrüben- und Maissorten bepflanzt und mit dem entsprechenden Herbizid behandelt. Auf der anderen Hälfte der Flächen wurden konventionelle Sorten ausgesät und die praxisüblichen Mittel gespritzt.

Artenvielfalt in Gefahr

Der Anbau von Raps und Zuckerrüben mit Herbizidresistenz zeigte massive Auswirkungen auf die Vielfalt der Wildkräuter auf und neben dem Acker und in der Folge auch auf die davon abhängige Insektenwelt. An den Feldrändern des Gentech-Rapses wurden 44 Prozent weniger Blütenpflanzen und 39 Prozent weniger Samen festgestellt, bei Gentech-Zuckerrüben wurden 34 Prozent weniger Blütenpflanzen und 39 Prozent weniger Samen gezählt. Beim Anbau von herbizidresistentem Mais konnte gegenüber konventionellem Mais ein Ansteigen der Artenvielfalt festgestellt werden. Der Grund: Auf den konventionellen Maisversuchsflächen wurde das Herbizid Atrazin eingesetzt. Atrazin ist jedoch seit 1991 in Deutschland und seit Oktober 2003 aufgrund seiner Toxizität in der gesamten EU verboten. Damit sind die Mais-Ergebnisse nicht auf den Anbau in Deutschland übertragbar und in der EU nicht zu verwenden.

In den USA gefährdet der massive Einsatz von Glyphosat den Fortbestand des für seine spektakuläre Wanderung berühmten Monarchfalters. Im Mittleren Westen, dem Hauptverbreitungsgebiet des Monarchfalters, hat sich der Einsatz von Glyphosat auf den Gentech-Soja- und -Maisfeldern von 1999 bis 2013 vervierfacht. Im gleichen Zeitraum ging dort der Bestand der Hauptfutterpflanze der Schmetterlingsraupe, der Seidenpflanze, um 99 Prozent zurück. Die Falterpopulation ging in diesem Zeitraum um 88 Prozent zurück. Auch der Glyphosat-bedingte Rückgang nektarreicher Wildpflanzen wirkt sich negativ auf Bruterfolg und Wanderungsverhalten des Schmetterlings aus.

Resistente Ackerunkräuter, mehr Gifteinsatz auf dem Acker

Bei rund der Hälfte aller weltweit angebauten genveränderten Pflanzen handelt es sich um Soja. Keine andere Gentech-Pflanze wird häufiger angebaut als die herbizidresistente Sojabohne des US-Konzerns Monsanto. 2013 wuchs sie auf 84,5 Millionen Hektar, überwiegend in den USA, Argentinien und in Brasilien. 2014 wuchsen sie noch auf 73,4 Millionen Hektar. Die Erfahrungen in beiden erstgenannten Ländern gleichen sich: Bereits nach drei Jahren bilden Ackerunkräuter Resistenzen gegen das Spritzmittel "Roundup", der Verbrauch an Herbiziden steigt.

Es sind inzwischen zahlreiche Unkräuter resistent gegen Glyphosat (Wirkstoff in "Roundup"). Die von der Industrie gesponserte Website www.weedscience.org listet 35 Arten auf. Um die Unkräuter überhaupt noch in den Griff zu bekommen, werden weitere, zum Teil hochgiftige Mittel verwendet. In den USA dürfen 2,4-D-resistente Gentech-Pflanzen (Soja und Mais) inzwischen in 15 US-Bundesstaaten angepflanzt werden.

Was diese chemische Aufrüstung für die ortsansässige Bevölkerung bedeutet, zeigt ein im Januar 2009 von der Grupo Reflexión Rural (GRR) aus Argentinien veröffentlichter Bericht. Danach haben die jährlich 220 Millionen Liter Glyphosat, mit dem die inzwischen auf rund 21 Millionen Hektar angebauten Sojakulturen besprüht werden, eine gesundheitliche Katastrophe bewirkt. Krebs, Missbildungen, Autoimmunerkrankungen, Atemwegs- und Hautkrankheiten sind auf dem Vormarsch.

Der US-Agrarwissenschaftler Professor Charles M. Benbrook prognostizierte 2012 in einer Studie, welche Auswirkungen der großflächige Anbau von herbizidresistenten Gentech-Pflanzen für Europa bis 2025 haben würde. Anhand von US-Daten und europäischen Agrarstatistiken entwirft er jeweils drei Szenarien für Soja-, Mais- und Zuckerrübenpflanzen:

  • Szenario 1: Es werden keine herbizidresistenten Gentech-Pflanzen angebaut. Die Folgen: Im Mittel würde der Glyphosat-Einsatz um rund 88 Prozent ansteigen, weil das Spritzmittel auch in der konventionellen Landwirtschaft verwendet wird.
  • Szenario 2: Es bauen EU-Landwirte großflächig herbizidresistente Gentech-Pflanzen an. Die Folgen: Im Mittel würde der Glyphosat-Einsatz um 824 Prozent ansteigen.
  • Szenario 3: Es kommt es zu einem begrenzten Anbau von herbizidresistenten Gentech-Pflanzen, beispielsweise durch vorgeschriebenen Fruchtwechsel. Die Folgen: Im Mittel würde der Glyphosat-Einsatz um 409 Prozent ansteigen.

In Kanada, dem Gentech-Raps-Land Nr. 1, tritt Raps inzwischen als Unkraut auf – Rapspflanzen, die die herbizidresistenzen mehrerer genveränderter Sorten in sich vereinen, wachsen unkontrollierbar auf Flächen, auf die sie nicht gehören.

"Roundup" beziehungsweise sein Wirkstoff Glyphosat ist jedoch nicht nur für Pflanzen toxisch, sondern auch für Mikroorganismen und Tiere, beispielsweise Amphibien. Es beeinträchtigt die Aufnahme von Mikronährstoffen und zeigt negative Wirkungen auf das Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit.

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