Tobi neben seinem Lieblings-Totholzplatz.
(Bild: Corinna Hölzel)
Tobias Bode ist 2. Vorsitzender seines Kleingartenvereins NW 18 in München. Der gelernte Landschaftsgärtner und Dipl.-Ing. (FH) Freiraumplanung arbeitet als Autor und Regisseur bei „Querbeet“, der Gartensendung des Bayerischen Rundfunks. Außerdem ist er Autor des Buches „Unser naturnaher Kleingarten“, das im pala-verlag erschienen ist. Wir haben Tobias in seinem Garten in München Moosach besucht und ihn nach seinen Tricks für einen naturnahen Kleingarten gefragt.
Was für einen Kleingarten hast du?
Mit meiner Frau Bine bewirtschafte ich einen 250 qm großen Kleingarten in der Kleingartenanlage NW18 in München Moosach. Wir haben den Garten 2018 übernommen und ihn komplett in einen naturnahen Kleingarten umgestaltet. Vorher waren hier nur Rasen und Betonplatten. In unserem Schrebergarten zeigen wir, dass man die Vorgaben des Bundeskleingartengesetzes wunderbar mit Naturgarten-Elementen kombinieren kann.
Warum ist euch das naturnahe Gärtnern so wichtig?
In Tobis Garten blüht und summt es überall.
(Bild: Corinna Hölzel)
Der Garten ist nicht nur für unsere Ernte da. Auch Insekten, Vögel und viele Arten mehr sollen hier Lebensraum und Nahrung finden. Das ist extrem wichtig, weil Kleingärten ein riesiges Potential haben, Artenvielfalt zu fördern. Es gibt in allen Kleingartenanlagen kleinstrukturierte Lebensräume mit Hecken, alten Bäumen und Gemüsebeeten. Deshalb experimentieren wir und tun uns auch einen Gefallen, weil wir jede Menge Tiere beobachten können.
Was sind deine drei Lieblingspflanzen?
1. Der Natternkopf: Er ist nicht nur wunderhübsch, sondern hat uns auch die spezialisierte Wildbiene, die Natternkopf-Mauerbiene, in den Garten gebracht. Der Natternkopf ist zweijährig und wächst auf trocken und sandigen Böden. Er ist auch gut für Überraschungen: Er wandert gern durch unseren Garten und taucht an Stellen auf, an denen man nicht mit ihm rechnet, beispielsweise im Gemüsebeet. Er wird dann auch mal 1,80 Meter hoch.
Reseden-Maskenbienen umschwärmen ihre Namensgeberin.
(Bild: Katrin Hößl)
2. Die Resede: Das ist meine aktuelle Lieblingspflanze. Eine zwei- bis mehrjährige Wildblume, die es gerne sonnig mag. An ihr schwirrt und summt es wild. Gerade beobachten wir die Reseden-Maskenbiene dort.
3. Lungenkräuter: Die finde ich im Frühling klasse. Die bringen schon früh die ersten Farbtupfer. Wenn dann dort die pummeligen Pelzbienen unterwegs sind, ist das einfach toll.
Welche Gartentipps hast du für Kleingärtner*innen?
Der erste Tipp: Die Gartenordnung und das Bundeskleingartengesetz genau lesen, denn wir haben es nicht mit einem Privatgarten zu tun. Im Kleingarten muss ein Drittel der Fläche mit Nutzpflanzen bestückt sein, denn wir haben ja günstiges Pachtland im Kleingarten. Zweiter Tipp: Einfach locker angehen und das machen, was einem selbst gefällt. Also Abstand vom Perfektionismus halten.
Wie passt ein naturnaher Kleingarten mit der Gartenordnung zusammen?
Grundsätzlich muss man die Drittelregelung einhalten, also zu einem Drittel muss der Garten aus Gemüse, Obst oder Kräutern bestehen. Wenn ich das erfülle, kann ich meinen Garten naturnah, englisch oder asiatisch gestalten, wenn ich dabei die Vorgaben der jeweiligen Gartenordnung beachte. Dazu gehört auch die Nutzung. Also, dass ich das Gemüse nicht nur anbaue, sondern auch ernte. Wenn ich ein Wiesenstück habe, das ich nicht mähen möchte, damit Insekten Nahrung finden, empfehle ich, den Rand zu mähen. Dann wird die Absicht klar.
Bildergalerie: Der Naturgarten von Tobias Bode in München Moosach
Was sind aus deiner Sicht die größten Sünden im Kleingarten?
Natürlich sind synthetische Pestizide und Dünger tabu, das ist in München auch so geregelt. Generell, also deutschlandweit, habe ich den Eindruck, dass oft zu schnell nach Mitteln gegriffen wird, um etwas loszuwerden wie zum Beispiel Blattläuse. Bei uns in der Anlage ist auch torfhaltige Erde verboten, weil alle Gärten bei uns zertifizierte Naturgärten im Rahmen von „Bayern blüht – Naturgarten“ sind. Das passt schon mal. Neu ist ein Kirschlorbeer-Verbot für Kleingärten in München. Kirschlorbeer darf nicht mehr gepflanzt werden und bei einer Gartenübergabe müssen die alten raus. Es landet leider auch noch zu viel Kunststoff im Garten, wie beispielsweise Folien auf Baumscheiben. Da schauen wir hier genau hin.
Viele Gärtner*innen kämpfen ja mit Trockenheit im Kleingarten. Was sind da deine Tipps?
Schutz vor Austrocknung: Der Boden zwischen den Gemüsepflanzen ist bei Tobi möglichst immer bedeckt.
(Bild: Corinna Hölzel)
Im Gemüsebeet experimentieren wir viel. Wir mulchen mit eigenen Brennnesseln und Rasenschnitt von den Nachbarn. Beim Pflanzen arbeiten wir mit Schafwollpellets. Bei Tomaten geben wir die Pellets mit in die Pflanzlöcher rein. Das ist ein Stickstoffdünger und hält gleichzeitig das Wasser an der Wurzel. Wir haben das auch mit roher Schafwolle probiert. Die haben wir beim Pflanzen um die Wurzelballen gewickelt. Auch das hat gut funktioniert, weil Schafwolle ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen kann. Wir sammeln natürlich Regenwasser und gießen selten, aber dann intensiv. So gelangt das Wasser in tiefe Schichten. Außerdem haben wir Schneckenringe: Die schützen die Pflanzen vor Schnecken und sind gleichzeitig gute Gießringe. So fließt das Wasser dahin, wo es gebraucht wird: An die Wurzeln.
Der Einsatz von Schafwolle war schon ein super Tipp für den Gemüseanbau. Hast du noch mehr Tipps?
Immer den Boden bedecken! Vor dem Winter den Boden mit Laub und Holzresten abdecken. Dann vor der Aussaat im März alles wegräumen, damit sich der Boden erwärmen kann. Da merkt man schon, dass die Tierchen gearbeitet haben. Das ist einfach die beste Bodenvorbereitung. Wir graben nicht um, sondern lockern den Boden nur zum Pflanzen. Aber wir wenden ihn nicht von unten nach oben.
Was liebst du an eurem Garten besonders?
Mit meiner Frau hier sitzen und den Garten genießen ist herrlich. Hier ziehen immer mehr Tiere ein. Das ist für mich ein Zeichen, dass wir ziemlich viel richtig machen. Vorher waren hier vielleicht ein paar Honigbienen und Mauerbienen. Mittlerweile haben wir eine unglaubliche Vielfalt an Spinnen und Wildbienen . Aber auch der anspruchsvolle Gartenrotschwanz nistet hier.
Was ist dein bisher schönstes Gartenerlebnis?
Auch die Blattschneiderbiene ist in Tobis Garten unterwegs.
(Bild: Katrin Hößl)
Wir saßen hier und auf einmal fliegt ein 20 cm langer trockener Grashalm in circa 50 cm Höhe vorbei Richtung Gemüsebeet. Da haben wir uns gefragt, was da passiert. Und als wir genau hinguckten, sahen wir eine Schneckenhausmauerbiene, die dabei war, ihr Schneckenhaus zu tarnen. Und dann entdeckten wir noch sechs andere kleine Tippis. Die Biene legt ihre Eier in ein leeres Schneckenhaus, dreht es um und tarnt es. Dafür sollten die Gärten nicht zu aufgeräumt sein. Leere Schneckenhäuser, Halme oder Mulchmaterial finden sie im aufgeräumten Garten mit Golfrasen nicht.
Bist du mal richtig gescheitert?
Nach zwei Jahren bezogen Schmalbienen und Grabwespen das Sandarium.
(Bild: Corinna Hölzel)
Man scheitert ständig irgendwie. Als wir unser Sandarium angelegt haben, ist zwei Jahre lang gar nichts passiert. Aber jetzt sind Schmalbienen dort unterwegs, also richtig scheitern ist das nicht. Man probiert etwas aus und dann lernt man daraus. Wir haben hier 100 verschiedene Pflanzen gepflanzt, von denen sind jetzt noch 70 da. Einige kommen wieder, einige nicht. Die haben dann wohl die Staudenkataloge nicht gelesen, wo sie eigentlich wachsen sollten. Aber da kommt immer was Neues dazu, das ist die Dynamik der Natur, kein Scheitern.
Zu welchem Anteil könnt ihr euch selber versorgen?
Von der Selbstversorgung sind wir weit entfernt. 2019 kam eine zehnminütige Hagelfront hier durch, danach war alles Pflanzenmatsch. Tomaten und Kürbisse kaufen wir nicht, da sind wir safe. Von einer Tomatenpflanze Primabella haben wir letztes Jahr 500 Früchte geerntet, und konnten sogar noch Tomatensoße einkochen. Und von den 25 Butternut-Kürbissen liegt einer immer noch da.
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