Was ist Ihr Lieblingsbaum?

Wir haben nach Ihrem Lieblingsbaum gefragt. Viele Menschen haben uns daraufhin ihre persönliche Lieblingsbaum-Geschichten geschickt. Eine kleine Auswahl der Erzählungen finden Sie hier.

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Romantische Trauerweide von Petra

"Mein Lieblingsbaum, eine Trauerweide, steht am Stadtgraben in Wolfenbüttel und begleitet mich durch mein bereits 65 Jahren dauernden Leben. Als Kind ging ich dort mit meiner Oma zum Entenfüttern und ich war fasziniert von den langen Ästen, die dort ins Wasser hingen. Auch meine erste Jugendliebe traf ich dort, es war ein romantisches Plätzchen. Leider musste ich meine Heimatstadt aufgrund eines Berufswechsels meines Vaters verlassen. Aber immer wenn ich dort bin besuche ich "meine" Trauerweide."

Alter Boskoop von Magnus

"In den frühen 1960er Jahren haben meine Eltern einen alten rund 3500qm großen Obstbaumgarten dazugekauft. Es war noch die Zeit, in der Kartoffeln und Gemüse selbst angebaut und verbraucht wurden. Leider mussten deswegen viele der alten Obstbäume gerodet werden. Ich habe den Garten vor 30 Jahren übernommen. Es waren noch einige Apfelbäume vorhanden, unter anderem Jacob Lebel, Schafnase (lebt noch und trägt reichlich) und ein sehr alter Boskoop, der sicherlich 100 Jahre alt war. 

Dieser hatte bis zum vergangenen Jahr überlebt. Er hat zuletzt immer noch getragen. Sein Stamm war schon hohl und die Rinde wurde nur noch vom Efeu zusammengehalten. Leider hat ihn im vergangenen Jahr ein starker Sturm gebrochen. Er soll aber erst einmal liegen bleiben. Ich habe schon vor Jahren von diesem Baum Stecklinge geschnitten, und eine Baumschule hat für mich einen neuen/alten Boskoop gepfropft. Dieser trägt schon seit Jahren reichlich. 

Der große Garten wurde durch mich vollkommen anders "gepflegt" und flächenweise sich selbst überlassen. Das war nicht immer einfach, da meine Eltern, die in Sichweite wohnten, eine andere Vorstellung von einem "ordentlichen Garten" hatten. Aber ich habe mich durchgesetzt und einen naturnahen Garten schaffen können."

Kindheits-Kastanie von Haik

"Für mich gibt es eigentlich nicht den einen Lieblingsbaum. Als Kind liebte ich eine alte Kastanie mit weit ausladenden Ästen auf dem Nachbargrundstück bei meiner Oma bei Schwerin. Leider durften wir nicht hineinklettern, weil sie im Nachbargarten stand und weil Oma aus Sorge um uns es nicht erlaubt hätte. 

Jedoch konnte man herrlich in ihrem Schatten auf der Natursteinmauer sitzen, welche die Grundstücksgrenze bildete. Unsere Oma ist schon lange nicht mehr auf dieser Welt und in ihrem Haus leben fremde Leute, daher waren wir schon lange nicht mehr dort. Ich hoffe aber sehr, dass es die Kastanie noch gibt und dass es ihr gut geht. […]" 

Musikalische Weide von Fredmann Lill

"Mein Lieblingsbaum ist die Weide. Aber eigentlich mag ich alle, insbesondere, alte Bäume.

Daher sende ich Ihnen als meinen Beitrag ein Lied, das ich speziell den alten Bäumen gewidmet habe."

Birne als Kletterbaum von Stefanie

"Als ich Kind war – in den 1970er Jahren – hatte ich einen Lieblingsbaum, einen Birnenbaum, auf dem ich regelmäßig geklettert bin. Er stand auf einem riesigen, verwilderten Gelände, zusammen mit anderen Obstbäumen, vielen Brennnesseln und großen Wiesen in Dortmund-Aplerbeck in der Nähe des Mehrfamilienhauses, wo ich aufgewachsen bin. Leider wurde das Grundstück 1979 zu gebaut und der Baum gefällt.

Heute, mit mittlerweile 56 Jahren, klettere ich schon mal zusammen mit der neunjährigen Tochter von Freunden auf Bäume. Dann denke ich schon mal an damals zurück."

Liebevoll gepflegte Kirsche von Sigrid

“Diesen blühenden Kirschbaum habe ich in meinem Garten entdeckt, als er ca. 20 cm hoch war und sich ausgesät hatte. Ich baute um ihn herum ein Zäunchen, damit ihn niemand übersieht und verletzt. Ich hegte und pflegte ihn wie ein Kind; nach 20 Jahren sah er so aus wie auf meinem Foto. Er spendet Schatten, unter ihm steht eine Gartenbank und schenkt jede Menge Süßkirschen. Eine Erfolgsgeschichte!”

Wegweisende Kastanie von Kirsten

"An der Straße in der Nähe des Alsterlaufes ist mir bei einem nächtlichen Spaziergang an Silvester eine Kastanie aufgefallen. Sie hat einen mächtigen knorrigen Stamm und eine beeindruckende Krone. Im Frühjahr habe ich sie dann auch fotografiert. Mir gefallen die üppigen prallen Kastanienaustriebe besonders und natürlich auch die Blüten.

Einige Zeit später traf ich nach vielen Jahren meine Jugendliebe wieder. Vorher haben wir uns nie getroffen, obwohl wir eigentlich im gleichen Stadtviertel und mit dem gleichen Beruf viele Gelegenheiten gehabt hätten. Wir wurden wieder ein Paar und dann stellte sich heraus, dass er genau bei dieser Kastanie schon über 10 Jahre seinen Schrebergarten hatte."

Rauschende Pappel von Carmen

"Mein Lieblingsbaum ist die Pappel. Ich liebe das Rauschen, wenn der Wind die Blätter bewegt. Das gibt mir immer so ein geborgenes Heimatgefühl!

Als ich vor 30 Jahren von Baden-Württemberg hier an meinen neuen Wohnort in Hessen zog, gab es hier eine lange Pappelallee. Da lernte ich dieses wundervolle Rauschen der Pappeln kennen. Ich verbinde es mit Heimat und es erzeugt in mir immer ein warmes Gefühl.

Die Pappeln decken im Frühjahr die ganze Landschaft mit "wolligem Schnee-Samen", das finde ich auch drollig. Ich liebe auch die schöne Rinde der Pappeln und dass sie so schnell wachsen und mächtig groß sind. Das ist ein Gefühl von Sicherheit und Trutz/Standhaftigkeit."

Dorflinde im Wandel von Brigitte

"Vor dem Elternhaus meines Mannes im hessischen Erdbach stand eine alte Dorflinde. Leider zerfiel sie. Ein Mann aus unserem Ort brachte ein Schild an den Baumstumpf mit der Inschrift "750 Jahre vergingen wie ein Traum, nun wächst aus mir ein neuer Baum!" Aus dem alten Baumstumpf ist tatsächlich eine neue Linde entstanden, die nun am alten Platz in der Dorfmitte steht, sehr zur Freude der Dorfbewohner.“

Schattenspendende Tanne von Beate

"Mein Lieblingsbaum ist eine große Tanne vor meinem Balkon. Sie ist höher als das zweistöckige Haus, ca. 20 Jahre alt. […] Mein Balkon ist an der Westseite und die Tanne schützt mich vor der Straße und vor allem vor der Sonne. Die Straße heizt sich im Sommer sehr stark auf. Ich bin soooo dankbar für ihren Schatten und dass sie einfach für mich da ist, jeden Tag. Ich liebe sie sehr.

Letzten Sommer habe ich, weil es so lange heiß und trocken war, einen Gießwagen für sie bestellt, auf meine Rechnung. Falls sie gefällt wird, werde ich hier ausziehen."

Historische Eibe von Torsten

"Ich bin aktives Mitglied beim BUND Mainz-Bingen (Wildbienenbotschafter) und zugleich ehrenamtlicher Umwelt- und Artenschutzbeauftragter der Ortsgemeinde Bodenheim.

Mein Lieblingsbaum ist eine Eibe im Dollespark der Gemeinde Bodenheim. Ich wurde vor zwei Jahren auf sie aufmerksam, da mir ihr Wuchs und ihr Stammdurchmesser außergewöhnlich erschien. Der Baum zog mich förmlich in seinen Bann und mein Bauchgefühl sagte mir, dass er etwas ganz Besonderes an sich hat.Die Eibe wurde anhand des Stamm-Durchmessers auf beachtliche 260 Jahre geschätzt.

Bei meiner historischen Recherche in Archiven und dem örtlichen Museum stieß ich auf eine kleine Sensation: Die Eibe ist wahrscheinlich das Relikt eines Wallgrabens, der die damalige Siedlung während des Mittelalters vor Eindringlingen schützte. Der Wall wurde um 1800 im Zuge der Französischen Revolution entfernt, die Eibe überlebte.

Und mehr noch: Diese Eibe ist nicht der einzige Zeitzeuge. Einige hundert Meter entfernt steht eine ganze Gruppe von Eiben, eine davon hat einen Stamm-Durchmesser, der ein Alter von 310 Jahren vermuten lässt. Und diese Eiben-Gruppe steht ebenfalls im Bereich des ehemaligen Wallgrabens.

Alle diese Eiben wachsen zudem ganz in der Nähe zweier fränkischer Gräberfelder, was vermuten lässt, dass sie Nachkommen von Eiben-Pflanzungen dieser Kultstätten sein könnten.

Als Umwelt- und Artenschutzbeauftragter ist es mein Ziel, diese Bäume in Form eines Naturdenkmals unter Schutz stellen zu lassen. Darauf arbeite ich auch hin.

Lange Zeit haben sie die Menschen vor Eindringlingen geschützt, nun brauchen sie selbst Schutz von und vor uns Menschen.
Sie sind nicht nur Denk- sondern auch Mahnmal für den ökologischen Wert alter Bäume.
Keine „Ersatz-Pflanzung“ dieser Welt kann einen alten Baum wirklich ersetzen. Dazu ist der ökologische Wert eines alten Baums viel zu hoch, und seine Habitat-Struktur einzigartig.

Die Eiben sollen somit ein Stück weit auch als Botschafter fungieren:
Als Zeuge der Vergangenheit und Mahner für Gegenwart und Zukunft.
Für den Wert und Erhalt alter Bäume."

Geretteter Ahorn von Melanie

"Mein Lieblingsbaum ist der kleine Ahornbaum, den meine kleine Tochter mit mir vor zwei Jahren in unseren Garten gepflanzt hat und um den sie sich so liebevoll kümmert. Ein Gärtner hatte ihn herausgerissen und er lag auf einem Grünschnitt Anhänger und hat meiner Tochter so arg leid getan, dass wir ihn mitgenommen haben."

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