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Studien und Fakten zu den Auswirkungen von Glyphosat

In Deutschland ist das Problem des Übereinsatzes von Glyphosat in der Bauernschaft längst bekannt. So hat die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), die Interessenvertretung der industriell wirtschaftenden Landwirte, seit Anfang 2012 immer wieder auf das Problem des übermäßigen Einsatzes von Glyphosat hingewiesen. Die DLG fordert von den Landwirten, den Einsatz von Glyphosat auf ein Minimum zu reduzieren und stattdessen auf einen guten Ackerbau zu setzen (DLG-Mitteilungen 2/2012 pp 14-31; hier: pp 22-25).

In Europa finden sich Glyphosatrückstände in Brötchen und Mehl (siehe Ökotest 2013 und 2012). Glyphosat wurde auch im Urin von Menschen nachgewiesen. Das zeigt die Studie des BUND und Friends of the Earth, die im Juni 2013 veröffentlicht wurde. Sie ist die erste und einzige europaweit durchgeführte Studie zu Glyphosat im Urin. Natürlich handelt es sich um Stichproben. Aber selbst die Bundesregierung räumt aufgrund der BUND-Studie eine Hintergrundbelastung der Bevölkerung mit Glyphosat ein (Drucksache 17/14291, Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen 2013) (PDF).

Was sagt die Wissenschaft?

Im März 2015 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), einen Bericht (PDF) zum Krebspotenzial von Glyphosat veröffentlicht: Es sei "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" und fällt unter die zweithöchste Gefahrengruppe "2A". Der vollständige Bericht soll im Juli 2015 erscheinen. Darin wird detailliert erläutert, wie die IARC zu ihrem Urteil gekommen ist.

Glyphosathaltige Pestizide können über die Nahrung in den Körper gelangen. Zudem gibt es Hinweise von dänischen Wissenschaftlern, dass Glyphosat während der Schwangerschaft die Plazenta-Schranke überwinden kann (Poulsen 2009). Dies wird durch eine weitere dänische ex-vivo Studie (d.h. einer Studie mit nach der Geburt gewonnener Plazenta) bestätigt. 15 Prozent des Glyphosats im mütterlichen Blutkreislauf passierte in dieser Studie die Plazenta-Schranke (Mose 2008).

Glyphosat gilt als schädlich für ungeborenes Leben. Eine argentinische Studie zeigt im Laborversuch Deformationen durch Glyphosat bei Frosch- und Hühner-Embryonen. Hühner und Frösche dienen Embryologen als Modellorganismen, um im Labor nachzuvollziehen, was auch bei Menschen passieren könnte (Paganelli 2010). Regionen mit massivem Einsatz von glyphosathaltigen Pestiziden verzeichnen einen Anstieg von Missbildungen bei Neugeborenen (Red Agroforestal Chaco Argentina 2010 (PDF); engl. Fassung).

Sowohl glyphosathaltige Pestizide als auch deren Abbauprodukt AMPA wirken im Laborversuch genotoxisch. Sie können zu Mutationen führen und damit verbunden zu einem höheren Krebsrisiko (Hoeijmakers 2001). In Ecuador und Kolumbien werden glyphosathaltige Pestizide in Coca-Plantagen eingesetzt. Es steht zu befürchten, dass es während der Sprühperiode zu Belastungen der Menschen kommt, die zu genetischen Schäden und damit möglicherweise zu Krebs führen (Paz-y-Mino 2007; Bolognesi 2009). In der Provinz Chaco in Argentinien, wo Gentech-Soja angebaut und massiv Glyphosat angesetzt wird, verdreifachte sich die Krebsrate bei Kindern unter 15 Jahren zwischen 1990 und 2009. Die Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang mit den sich gleichzeitig ausbreitenden Gentech-Sojafeldern und der Zunahme des Sprühens von glyphosathaltigen Pestiziden aus der Luft (Red Agroforestal Chaco Argentina 2010 (PDF); engl. Fassung).

Zusätzlich gibt es Hinweise, dass Glyphosat das menschliche Hormonsystem negativ beeinflussen kann und so auch Störungen in der Schwangerschaft verursachen können (Gasnier, Seralini 2009 (PDF)). Studien an Ratten während Schwangerschaft und Stillzeit zeigen, dass männlicher und weiblicher Nachwuchs durch glyphosathaltige Pestizide geschädigt werden kann (Dallegrave 2007; Romano 2011 (PDF); Richard 2005). Auch die Pubertät der Tiere wird verzögert (Romano 2010). 

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