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Brücken, Bohrinseln, Pipelines, Kabeltrassen, Windräder: Meere sind dicht bebaut

Nord- und Ostsee sind entgegen dem ersten Anschein dicht bebaut. Ölplattformen und die Brücken, die die Inseln verbinden, sind nur der kleine über das Wasser ragende sichtbare Teil. Auf dem Meeresgrund bilden Pipelines und Kabeltrassen ein dichtes Netz. Neue Prestigeprojekte wie die Ostseepipeline und die geplante Fehmarnbelt-Querung kommen demnächst hinzu. Doch der größte Teil der Verbauung der Meere steht mit der Errichtung der bis zu 80 geplanten Offshore-Windparks mit über 6.000 Windrädern erst noch bevor.

Offshore-Windpark; Foto: © benoitgrasser - Fotolia.com Offshore-Windpark  (Benoit Grasser / Fotolia.com)

Die Windenergie als erneuerbare Energie ist ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen den Klimawandel. Doch muss der massive Bau von Windrädern in unseren Meeren auch kritisch betrachtet werden: Beim Bau der Windräder entsteht eine massive Lärm­belastung der Meeresbewohner, was – vor allem bei Tieren, die sich durch Schall verständigen oder orientieren, wie z.B. die Schweinswale – zu starken bis tödlichen Störungen führen kann.

Weitgehend unberücksichtigt bleiben bisher die sogenannten kumulativen Belastungen durch viele Bauvorhaben. Hiermit ist die Betrachtung der Auswirkungen aller Projekte, Eingriffe und Nutzungen gemeint. Viele Umweltfolgen, die in direktem Zusammenhang mit einem Eingriff stehen, treten erst später auf und sind schwer vorhersagbar.

Damit ist beispielsweise ein Ausweichen der Fischerei auf andere Gebiete nach dem Bau eines Windparks gemeint. Es kommt dann nicht nur zu einer Beeinträchtigung durch den Bau und Betrieb des Windparks, sondern auch zu einer Erhöhung des Fischereidrucks in anderen teilweise weit entfernten Gebieten. Diese kumulativen Belastungen werden von den Genehmigungsbehörden viel zu wenig beachtet.

Besonders kritische Bauprojekte

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Ostseepipeline: Schutzgebiete umgraben für die Gasversorgung

Die Ostseepipeline ist mit einer Länge von 1.220 Kilometern derzeit das größte Bauvorhaben in der Ostsee. Mit ihr soll Erdgas direkt von Russland nach Deutschland geliefert werden. Die geplante Trasse durchläuft dabei mehrere marine Schutzgebiete und führt dann im Natura-2000-Gebiet Greifswalder Bodden an Land. Mehrere Riffe und Felsgebiete müssen dabei eingeebnet und 3.000 Hektar Meeresboden umgegraben werden.

Durch den Baulärm werden die letzten Ostsee-Schweinswale stark beeinträchtigt. Außerdem wird befürchtet, dass durch das Umgraben der Sedimente erneut Schad- und Nährstoffe in erheblichen Umfang in das Ostseewasser gelangen. Auch der Einsatz von giftigen Chemikalien beim Bau ist ein wichtiger Kritikpunkt. Ungeklärt ist bisher noch, wie mit den Kampfmitteln aus den Weltkriegen umgegangen werden soll, die im Baugebiet vermutet werden.

Diese Eingriffe schaden dem Ökosystem der Ostsee erheblich. Geeignete Kompensationsmaßnahmen sind noch nicht im ausreichenden Maße geplant.

Fehmarnbeltquerung: Teures und schädliches Prestigeprojekt

Ein verkehrspolitisch besonders umstrittenes Bauprojekt ist die Fehmarnbeltquerung. Das dänische Rødby soll über einen 18 Kilometer langen Absenktunnel durch den Fehmarnbelt mit der Insel Fehmarn verbunden werden. Dabei werden 89 Tunnelelemente, mit je 217 Meter Länge, in einen zuvor am Meeresgrund ausgehobenen Graben verlegt.

Doch der Tunnel führt mitten durch das Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt: Beim Bau des Tunnels muss der Meeresgrund auf einer Länge von 18 Kilometern abgetragen werden. Der Lebensraum der dortig einzigartigen Flora und Fauna wird dadurch zerstört.

Zudem drohen durch aufgewirbeltes Sediment massive Störungen auch von weiter entfernten Riffen und Sandbänken. Diese sind jedoch durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) besonders geschützt. Von den insgesamt 596 Arten, die in dem Gebiet nachgewiesen wurden, stehen 81 auf der "Roten Liste". Auch die in der Ostsee gefährdeten Schweinswale werden besonders während der Bauphase durch den Baulärm erheblich gestört.

Ein Umdenken beim Bau der verkehrspolitisch unsinnigen und umweltpolitisch nicht vertretbaren Fehmarnbeltquerung ist dringend erforderlich. Der BUND schlägt alternativ den Ausbau bestehender Verkehrswege, die Instandsetzung der Bahnverbindungen und ein optimiertes Fährkonzept vor. Weitere Alternativen können nicht überzeugen.

Der Bau eines Bohrtunnels würde die Folgen für die Umwelt zwar deutlich reduzieren. Aber es verbleiben ungelöste Konflikte für den Seehafen-Hinterlandverkehr, insbesondere auf der Schiene: Denn es existieren schlicht keine umweltverträglichen und bezahlbaren Trassen. Und Güterverkehr durch Badeorte zu führen, ist inakzeptabel.

Eine Alternativstrecke würde zudem fast zwei Milliarden Euro kosten. Dieses Geld wird aber für andere, aus Umweltsicht hoch prioritäre Güterbahnstrecken dringend benötigt. Zudem ist die Jütlandstrecke für den Verkehr nach Dänemark bereits heute gut ausgebaut und voll ausreichend. 

Leitart des Monats: der Tordalk

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Nadja Ziebarth

Nadja Ziebarth

BUND-Meeresschutzbüro
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