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Offshore-Windenergie: nur mit wirksamen Lärm- und Naturschutz

Windenergieanlagen im Meer ("Offshore-Windparks") liefern mehr und gleichmäßiger Energie als Anlagen an Land. Allerdings sind sie teurer und werfen erhebliche Fragen hinsichtlich des Natur- und Lärmschutzes auf. Der BUND befürwortet die Windenergienutzung im Meer nur, wenn diese Probleme gelöst und Forschungsergebnisse aus dem Betrieb der ersten Anlagen berücksichtigt werden.

Offshore-Windpark; Foto: © benoitgrasser - Fotolia.com  (Benoit Grasser / Fotolia.com)

Der BUND tritt dafür ein, dass größere und höhere Windenergieanlagen mit größerem Ertrag errichtet werden – neu oder als Repowering –, so dass insgesamt die Zahl der Anlagen bezogen auf den Strombedarf begrenzt werden kann. Der Betrieb von Windenergieanlagen im Meer hat gegenüber Anlagen an Land Vorteile aufgrund eines größeren und gleichmäßigeren Energieertrags. Langfristig ist ein Potenzial von 30 Gigawatt installierter Leistung und einem Ertrag von 120 Terawattstunden erschließbar. In dieser Berechnung wurden durch die Raumordnungspläne Vorranggebiete festlegt. Offshore-Windenergieanlagen in Natura-2000-Gebieten wurden hierbei ausgeschlossen.

Allerdings ist die Windenergienutzung offshore teurer als an Land und zudem mit spezifischen Problemen des Naturschutzes und der Prävention von Schiffsunfällen verbunden. Der BUND spricht sich nur für die Windenergienutzung offshore aus, wenn hierbei die Kriterien des Naturschutzes beachtet und die Forschungsergebnisse aus dem Betrieb der ersten Anlagen berücksichtigt werden.

Verzicht auf Rammtechniken schützt den Schweinswal

Da in deutschen Gewässern die Offshore-Anlagen in relativ großer Wassertiefe gebaut werden, sind Verankerungen im Meeresboden erforderlich. Ein besonders kritischer Aspekt ist hierbei das übliche Einrammen ("pile driving") der Fundamente. Hierbei entstehen Schallpegel, die bei Tieren, insbesondere Schweinswalen, zu irreversiblen Hörschäden führen, wenn Pegel in Höhe von 160 Dezibel überschritten werden.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat eine Schutzzone um die Baustelle von 750 Metern vorgeschrieben, außerhalb derer der genannte Schallpegel unterschritten werden muss. Ohne Lärmminderungstechniken kann dieser Grenzwert nicht eingehalten werden. Daher wurden bei bisherigen Projekten zum Teil Lärmminderungstechniken, wie etwa Luftblasenschleier, ausprobiert, die aber nicht zur Einhaltung des Grenzwerts führten. Berechnungen ergeben, dass die  Hälfte der gesamten Population von Schweinswalen in deutschen Gewässern vertrieben werden könnte.

Der BUND fordert, auf die Rammtechnik zu verzichten und Alternativen (Bohr- und Einschwemmtechnik) zu erproben bzw. weitere Lärmminderungsmethoden zu erforschen. Grenzwertüberschreitungen dürfen nicht akzeptiert werden! Der BUND spricht sich darüber hinaus gegen die geplanten Kabeltrassen in Nord- und Ostsee durch die Nationalparke aus. Kabelnutzungen müssen anstelle von Einzelanbindungen zu "Sammel-Steckdosen auf See" gebündelt werden.

Gefahr von Schiffsunglücken minimieren

Der Bau von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee erhöht die Gefahr von Schiffsunfällen. Der BUND fordert, dass das maritime Notfallvorsorgekonzept der Bundesregierung an diese Veränderungen angepasst wird. Rechtzeitig vor Errichtung müssen die notwendigen Maßnahmen getroffen werden, um den als Folge von Schiffshavarien wie der "Pallas" erreichten Sicherheitsstandard zu halten. Dazu gehört unter anderem die ständige Verfügbarkeit von ausreichender Notschleppkapazität zur Einhaltung der festgelegten Hilfszeit, so dass ein zuvor havariertes und dadurch manövrierunfähig Schiff spätestens zwei Stunden vor Kollision mit einem Windpark von einem Notschlepper erreicht wird.

Um Schiffe auf Kollisionskurs rechtzeitig erkennen zu können, muss die Radarüberwachung erweitert werden. Die vorgesehene "automatische" Überwachung anhand von Daten des automatischen Schiffsidentifikationssystems AIS ist nicht ausreichend.

Offshore-Windparks in unmittelbarer Nähe von vielbefahrenen Schifffahrtsrouten – wie den Verkehrstrennungsgebieten in der Nordsee oder der Kadett-Rinne in der Ostsee – sind zu schützen. Beispielsweise, indem die Betonnung der Kadett-Rinne verlängert und eine Empfehlung zur Lotsenannahme für diese Schifffahrtsrouten bei der internationalen Schifffahrtsorganisation IMO durchgeführt werden.

Weitere Forschung ist notwendig

Die ersten nunmehr in Betrieb gehenden Offshore-Windenergieanlagen bieten die Möglichkeit, eine umfassende Begleitforschung (Modellierung und Langzeitstudien) bezüglich der Auswirkungen der Windenergieanlagen auf das Benthos und die pelagischen Meereslebewesen durchzuführen. Hierzu zählt auch die Untersuchung, inwieweit Neozoen gefördert werden. Der BUND möchte, dass die Forschungsergebnisse bei den Genehmigungen weiterer Offshore-Windparks sowie beim Betrieb und eventuellem Ersatz von Altanlagen berücksichtigt werden. Die Daten müssen transparent und öffentlich zugänglich sein.

Darüber hinaus ist die Modellierung der Vogelzug-Beeinflussungen erforderlich, um die Anordnung der Windenergieanlagen in der AWZ für den Vogelzug zu optimieren bzw. um Maßnahmen wie das kurzzeitige Abstellen der Windenergieanlagen für den ungehinderten Vogelzug zu ermöglichen.

Natura-2000-Gebiete auf See sind mit entsprechenden Pufferzonen als Vorranggebiete für den Naturschutz auszuweisen. Der Ausbau der Windenergie in der Ostsee sollte auf die bisher genehmigten Bereiche beschränkt bleiben.

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Publikation zum Thema

Klimastreik am 20.9.

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Nadja Ziebarth

BUND-Meeresschutzbüro
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