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Wie Pestizide das Überleben der Bienen gefährden

Ob Obst, Gemüse, Nüsse, Honig oder Kräuter – viele dieser Lebensmittel sind auf Bestäubung angewiesen. Eine immense Arbeit von vor allem Honig- und Wildbienen. Ihre Leistung entspricht in Deutschland etwa 2 Milliarden, in Europa ca. 15 Milliarden Euro. Doch unsere fleißigen Bienen sind in Gefahr! So setzt zum einen die industrielle Landwirtschaft auf Monokulturen statt auf Vielfalt, so dass Bienen nicht mehr ausreichend Futter finden. Aber vor allem macht der Einsatz von Pestiziden den Bienen das Überleben schwer.

Honigbienen. Foto: PollyDot / CC0 1.0 / pixabay.com  (PollyDot / pixabay.com)

Besonders verheerend sind dabei die Nervengifte aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide. Die u.a. von Bayer und Syngenta hergestellten Gifte stören das Orientierungsvermögen und Gedächtnis der Bienen und schwächen ihr Immunsystem. In der Folge finden die Tiere nicht mehr zu ihrem Stock zurück und werden anfälliger für Krankheiten, die zum Kollaps des ganzen Bienenvolkes führen können. Weltweit klagen Imker*innen bereits über den Verlust von Bienenvölkern.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Bienen und Pestizide

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In welchen Produkten sind die bienengefährdenden Neonikotinoide enthalten?

Sowohl Gießmittel als auch Sprays oder Stäbchen können Neonikotinoide enthalten. Die meisten Produkte mit dem Namen "Lizetan" und "Calypso" beinhalten den Wirkstoff Thiacloprid aus der Gruppe der Neonikotinoide. Bei "Careo"-Produkten wird oft der Wirkstoff Acetamiprid verwendet, ebenfalls ein Neonikotinoid. Die vollständige Liste (PDF) aller für den Kleingarten zugelassener Produkte mit Neonikotinoiden finden Sie hier.

Ist "Compo Zierpflanzenspray" eine Alternative zu Lizetan, Calypso oder Careo?

Nein, das ist keine Alternative. "Compo Zierpflanzenspray" und "Compo-Schildlaus-Spray" enthalten Dimethoat als Wirkstoff. Dimethoat ist ebenfalls ein starkes Nervengift und für Bienen sehr gefährlich. Es darf keinesfalls auf blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen ausgebracht werden. Alternative Mittel sind Gesteinsmehle, Mineralien, Hefen oder Algenprodukte.

Sind alle Pestizide gefährlich?

Der BUND ist gegen den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden sowohl in der Landwirtschaft als auch im Privatgarten. Es gibt eine Vielzahl natürlicher Mittel und alternativer Methoden wie Mischkulturen, Fruchtfolgen und die Schaffung von Lebensraum für Nützlinge, die erfolgreich Einsatz in der ökologischen Landwirtschaft finden und auch im Hobbygarten angewandt werden können. Nur so können wir die Artenvielfalt schützen und Wasser, Böden und Nahrung frei von Giften halten. 

Wie kann ich ohne Pestizide gärtnern?

Pflanzen Sie heimische Pflanzenarten und -sorten, die zu Klima und Boden passen und beachten Sie die richtigen Pflanzabstände und die Bodenpflege. So garantieren Sie gesunde Pflanzen, die widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge sind. Mischkulturen zum Beispiel verhindern, dass sich Schädlinge schnell und großflächig ausbreiten können. Maßnahmen wie seltenes Mähen der Wiese, Schaffen von wilden Ecken und Strukturen, Belassen von abgeblühten Stauden schaffen Lebensraum für Nützlinge, die die Schädlinge im Zaum halten. Wenn es doch mal zu viel wird mit den ungeliebten Insekten, kann man Gitter oder Netze anbringen, Schädlinge absammeln, mit Pflanzensud wie Schachtelhalmbrühe oder Brennnesseljauche gießen oder gezielt Nützlinge wie zum Beispiel Nematoden, Schlupfwespen oder Raubmilben einsetzen.

Mehr Tipps zum pestizidfreien Gärtnern finden Sie hier.

Wie kann ich bienenfreundlich gärtnern?

Wählen Sie heimische Pflanzen und verabschieden Sie sich von Exoten und Züchtungen mit gefüllten Blüten. Schaffen Sie ein Blühangebot von Frühjahr bis Herbst. Mähen Sie Ihren Rasen nicht zu oft (ein bis zweimal im Jahr), damit bienenattraktive Pflanzen wie Klee, Gänse­blümchen und Löwenzahn zur Blüte kommen können. Schaffen Sie wilde Ecken, wo Natur sich selbst überlassen ist. Entscheiden Sie sich für bienenfreund­liche Pflanzen und lassen Sie Küchenkräuter blühen. Honigbienen und auch Wildbienen lieben Thymian, Lavendel oder Borretsch. Pflanzen Sie Obstbäume und Beerensträucher: Das ist nicht nur gut für Bienen, sondern sichert auch eine leckere Ernte.

Hier finden Sie ausführliche Tipps für wildbienenfreundliche Gärten und detaillierte Informationen zu Bienenweiden und Artenlisten.

Was muss jetzt passieren?

Der BUND fordert:

Was sind eigentlich Neonikotinoide?

Neonikotinoide zählen zu den Nervengiften und zugleich systemischen Pestiziden, d.h. sie werden über die Wurzel aufgenommen und verteilen sich dann in der gesamten Pflanze. Mit dem Pollen oder über Guttationstropfen (Wassertropfen auf der Blattrückseite) können diese dann direkt von den Bienen aufgenommen werden. Die Stoffgruppe steht in dringendem Verdacht, das weltweit zu beobachtende Bienenvölkersterben mit auszulösen. Deshalb hatte die EU-Kommission zum 1. Dezember 2013 europaweit drei Neonikotinoid-Wirkstoffe nur noch eingeschränkt zugelassen, bis es neue Erkenntisse zur Bienengefährlichkeit gibt: Clothianidin, Thiomethoxam und Imidacloprid. Die Hersteller Bayer und Syngenta klagen gegen das Teilverbot vor dem Europäischen Gerichtshof. 

Ausführliche Informationen zu Neonikotinoiden

Wie wirken Neonikotinoide auf Bienen?

Wissenschaftler*innen haben belegt, dass Neonikotinoide u. a. das Orientierungs­vermögen der Bienen schädigen. Im Juni 2014 ist dazu auch erstmals eine Meta-Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) erschienen, die über 200 Studien zusammengefasst hat. Diese liefern zahlreiche deutliche Hinweise, dass Neonikotinoide Insekten (also auch Bienen), Regenwürmer, Fledermäuse, Vögel und weitere Organismengruppen stark schädigen, ohne dass ihre Einwirkung sofort zum Tode führt. Beispielsweise können diese Pestizide das Immunsystem schädigen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Bisher gab es wenige Untersuchungen über Umwelteinflüsse speziell auf Königinnen. Eine im Oktober 2015 veröffentlichte Studie zeigt, dass auch Bienenköniginnen Schädigungen durch Neonikotinoide erlagen können. Sie wiesen eine schlechtere Fortpflanzungsleistungen (weniger Arbeiterinnenbrut) derjenigen Königinnen nach, die den Pestiziden ausgesetzt waren. Die Gesundheit von Bienenköniginnen ist essentiell für die Honigleistung und die Entwicklung eines Bienenvolkes. Die Studie bestärkt die Notwendigkeit eines verbesserten Risikomanagements, um Artenvielfalt zu schützen und die für uns wichtige Bestäuberleistung von Insekten nicht noch weiter zu gefährden. 

Warum kann der Verlust von Orientierung und Kommunikation für Bienen tödlich sein?

Orientierungsfähigkeit und Kommunikation sind überlebenswichtige Fähigkeiten für einzelne Bienen. Sogar das Überleben des gesamten Bienenvolkes hängt davon ab. Bienen kommunizieren über eine Art Tanz, der aufzeigt, wo ihre Artgenossen gute Quellen für Nektar, Honigtau oder Pollen finden können. Ist ihr Navigationsgedächtnis gestört, können sie sich nicht mehr "merken", wo sie wichtige Nahrungsquellen gefunden haben – und dies auch nicht mehr an die Arbeiterinnen in ihrem Bienenstock weitergeben. Manche Bienen finden auch gar nicht mehr zurück zu ihrem Volk und verenden kläglich. In der Häufung kann das alles sogar zum Tod ganzer Bienenvölker führen.

Sind Neonikotinoide auch gefährlich für Menschen?

Indirekt schon, denn wenn Honigbienen und andere wildlebende bestäubende Insekten geschädigt oder getötet werden, trifft dies jeden von uns: Die Insekten bringen allein in Deutschland jedes Jahr mit ihrer Bestäubungsleistung einen volkswirtschaftlichen Nutzen von zwei Milliarden Euro. Ohne sie müssten wir Bundesbürger also auf ein Drittel unserer Nahrungsgrundlage verzichten. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Bienen und Mensch durch einen Pestizid-Cocktail in Honig und Pollen sind noch nicht hinreichend untersucht worden – eine gesundheitsschädigende Wirkung auf Menschen kann daher nicht ausgeschlossen werden. Gleichwohl sind einige Bayer-Produkte mit Neonikotinoiden – beispielsweise dem hier im Streit stehenden Thiacloprid – immer noch behördlich zugelassen (PDF)

Welche Beweise gibt es dafür, dass auch Thiacloprid eine Gefahr für Bienen ist?

Nach dem Teilverbot von drei bienengefährdenden Neonikotinoiden hat sich bei der Behandlung von Raps der Pestizidwirkstoff Thiacloprid auf dem Markt durchgesetzt. Auch dieses Neonikotinoid, das Bayer in mehreren seiner Präparate verwendet, beeinträchtigt nach neuesten Forschungsergebnissen (PDF) des renommierten Neurobiologen Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin aus dem März 2014 das Navigationsgedächtnis der Honigbienen, stört deren Tanzkommunikation und reduziert die Pollensammelaktivität. Zudem ist durch das staatliche Deutsche Bienenmonitorring (DEBIMO) bekannt, dass dieses Pestizid am häufigsten als Rückstand im Bienenbrot (Pollen) nachgewiesen wird. 

Warum sind einige Neonikotinoide überhaupt noch zugelassen?

Der BUND kritisiert, dass Präparate mit Neonikotinoiden trotz neuer wissenschaftlicher Studien immer noch zugelassen sind (PDF). Die Zulassungsbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), hat das Neonikotinoid Thiacloprid sogar als "bienenungefährlich" eingestuft. Politik und Behörden hinken den wissenschaftlichen Erkenntnissen weit hinterher. Sogenannte subletale Effekte, die nicht unmittelbar tödlich sind, werden bei der Zulassung kaum oder gar nicht berücksichtigt. Der Verlust der Orientierungsfähigkeit beeinträchtigt Bienenvölker jedoch stark bei der Nahrungssuche. Kehren viele Flugbienen nicht zu ihrem Stock zurück, wird das Bienenvolk geschwächt und es sinkt die Chance zu überleben. 

Was sagen die Imker*innen zu Neonikotinoiden?

Auch Imker*innen wehren sich schon seit längerer Zeit gegen Neonikotinoide. Mehrere deutschsprachige Imkerverbände haben beispielsweise bei der Klage von Bayer und Syngenta gegen die EU-Kommission eine Prozessbeteiligung beantragt und sind als solche vor dem Europäischen Gerichtshof auch zugelassen worden. Sie haben dadurch Einsicht in alle Schriftsätze und können eigene Argumente einbringen, die das Gericht berücksichtigen muss. Auf diese Weise möchten die Imker*innen verhindern, dass es zu einer außergerichtlichen Einigung hinter verschlossenen Türen kommt.

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Publikation

Protest vs. Bayer

Protest bei Bayer-Hauptversammlung gegen bienengefährdende Pestizide und Gift im Honig Protest bei Bayer-Hauptversammlung gegen bienengefährdende Pestizide und Gift im Honig  (Mick Vincenz / BUND)

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