Was sind Sandaale?
Sandaalschwarm über einer Sandbank.
(Foto: Dutch Maritime Productions)
Woran erkenne ich Sandaale?
Es gibt verschiedene Sandaal-Arten. Sie unterscheiden sich unter anderem in Größe, Vorkommen und Aussehen. Alle Sandaale haben aber gemeinsam, dass sie schlanke, silbrig glänzende Fische sind, die in großen Schwärmen leben.
Wie groß werden Sandaale?
Sandaale sind eher kleine Fische. Je nach Art haben sie eine Körpergröße von maximal 20 bis 40 Zentimetern.
Sind Sandaale mit dem Aal verwandt?
Nein, Sandaale sind nicht mit dem Aal verwandt. Mit ihren langgestreckten, aalartigen Körpern erinnern sie jedoch an die richtigen Aale. Der Name „Sandaal“ kombiniert dieses Aussehen und die Tatsache, dass sie sich gerne in sandigen Meeresböden eingraben.
Welche heimischen Sandaal-Arten gibt es?
Wie viele verschiedene Arten der Sandaal-Familie gibt es?
Zur Familie der Sandaale gehören mindestens 18 verschiedene Arten. Vier dieser Arten spielen im Ökosystem der Nordsee eine große Rolle: Der Kleine Sandaal (Ammodytes marinus), der Tobiasfisch (Ammodytes tobianus), der gefleckte große Sandaal (Hyperoplus lanceolatus) und der ungefleckte große Sandaal (Hyperoplus immaculatus).
Worin unterscheidet sich der Tobiasfisch von anderen Sandaalen?
Tobiasfische bevorzugen die flachen Küstenzonen. Andere Sandaal-Arten wie der Kleine Sandaal sind eher in tieferen Bereichen im offenen Meer (offshore) vorzufinden. Der Tobiasfisch ist besonders anpassungsfähig. So kann er sich beispielsweise an einen schwankenden Salzgehalt anpassen und kommt daher auch in Brackwasser gut zurecht. Brackwasser ist eine Mischung aus Süß- und Salzwasser, dazu zählt auch die Ostsee. Im Unterschied zum sehr ähnlichen Kleinen Sandaal (Ammodytes marinus) ist der Schwanzflossenansatz beim Tobiasfisch beschuppt. Außerdem sind die Bauchschuppen, die beim Kleinen Sandaal nur unregelmäßig angeordnet sind, in dichten, sich regelmäßig überlappenden Winkeln angeordnet.
Lebensraum: Wo leben Sandaale?
Sandaale sind im sandigen Meeresboden gut versteckt.
(Foto: Dutch Maritime Productions)
In welchen Meeren kommen Sandaale vor?
Sandaale leben in kalten und gemäßigten Regionen des Atlantik, Pazifik und Indischen Ozeans sowie in Nord- und Ostsee. Sie sind überwiegend auf Sandbänken zu finden und bevorzugen sandige Böden, die nicht zu feinkörnig, aber gut belüftet sind. Haben sie einmal ihre „Haus-Sandbank“ ausgewählt, bewegen sie sich dort kaum mehr weg.
Warum graben sich Sandaale in den Sand ein?
Sandaale brauchen einen sandigen Meeresboden, um sich eingraben zu können und ihre Eier abzulegen. Durch das Eingraben sind sie nicht nur gut vor Räubern versteckt, sondern sparen auch Energie: Da Sandaale keine Schwimmblase haben, müssen sie im freien Wasser dauerhaft in Bewegung sein, um sich im Wasser zu halten.
Welche Rolle spielen Sandaale in der Nahrungskette?
Wovon ernähren sich Sandaale?
Sandaale ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton, also Kleinstlebewesen wie kleine Krebse und Würmer, aber auch Fischlarven. Mit ihrem spitzen Maul sieben sie das Plankton aus dem Sand oder fangen es im freien Wasser.
Welche Feinde hat der Sandaal?
Sandaale haben einen hohen Fettgehalt und kommen in großen Schwärmen vor. Deshalb sind sie eine überlebenswichtige Beute für Seevögel, Wale und größere Fische. Der Populationseinbruch von Papageientauchern, Dreizehenmöwen, Eissturmvögeln und anderen Seevogelkolonien in der Nordsee hängt direkt mit schrumpfenden Sandaal-Populationen zusammen.
Warum werden Sandaale gerne als Köder beim Angeln verwendet?
Sandaale stehen im Zentrum des Nahrungsnetzes in Nord- und Ostsee. Sie sind die Hauptnahrung vieler Raubfische, die auch durch den Sandaal als Köder angelockt werden.
Bedrohung durch den Menschen
Wie und wo werden Sandaale gefangen?
Sandaale werden in der Nordsee mit Grundschleppnetzen gefangen. Schiffe ziehen diese schweren Netze direkt über die Sandbänke. Dadurch richten sie großen Schaden bei Artengemeinschaften im und am Meeresboden an. Besonders dramatisch ist Fischerei mit Grundschleppnetzen, wenn sie in Meeresschutzgebieten stattfindet. Viele Sandbänke stehen aufgrund ihres einzigartigen Lebensraumes offiziell unter Schutz. So zum Beispiel auch die Doggerbank, die größte Sandbank der Nordsee. Trotzdem ist dort die Fischerei mit Grundschleppnetzen erlaubt. Das ist nicht nur unsinnig, sondern verstößt auch gegen europäisches Naturschutzrecht. Deswegen klagt der BUND gegen die Bundesregierung: Für den echten Schutz von Meeresschutzgebieten.
Ist die Fischerei eine Bedrohung für Sandaale?
Ja, denn in der Nordsee werden Sandaale in großem Umfang gefischt. Die Überfischung der Sandaale führte in den 1990er Jahren zu einem dramatischen Einbruch der Nordsee-Populationen. Trotz reduzierter Fangquoten konnten sich die Sandaale bis heute nicht vollständig davon erholen.
Sind Sandaale für Menschen essbar?
Die Sandaalfischerei ist zwar eine millionenschwere Industrie – die ökologisch wertvollen Fische werden aber nicht für den menschlichen Verzehr, sondern ausschließlich für die Verarbeitung zu Fischmehl und Fischöl gefangen. Ebenfalls werden Sandaale gerne als Angelköder benutzt. Grundsätzlich sind Sandaale nicht giftig, aber im Allgemeinen keine beliebte Speisefischart.
Wo kann man Sandaale kaufen?
Sandaale findet man nicht im Supermarktregal, denn die Sandaalfischerei ist eine „Industriefischerei“. Der Fang dient nicht für den menschlichen Konsum, sondern wird direkt zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Der größte Teil davon wird für Tierfutter verwendet: Für Aquakulturen, aber auch für Tierzucht an Land, zum Beispiel als Futter für Schweine und Hühner.
Infografiken zu Sandaalen
Der Bericht über die Industriefischerei von Sandaalen in der Nordsee stellt die Bedeutung der Sandaale im Nahrungsnetz der Nordsee dar und beleuchtet, wie die Jagd auf Sandaale ein Schutzgebiet für die Produktion von Futtermitteln zerstört. Die Folgenden Infografiken zeigen den Sandaal in seinem Nahrungsnetz sowie seine Rolle in der industriellen Fischerei.
Sandaale sind im Nahrungsnetz der Nordsee zentral. Sie ernähren sich in erster Linie von Zooplankton und sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Schweinswale, Seehunde, Seevögel und Raubfische, wie Kabeljau und Nagelrochen. Die Pfeile zeigen die Abhängigkeit der Meereslebewesen voneinander.
(Illustration: A. Rusch / dieprojektoren.de)
Die Sandaalfischerei im Gebiet der Doggerbank: Die durchschnittliche jährliche Fangmenge von 94.000 Tonnen entspricht 9 Milliarden einzelnen Sandaalen, dem Gewicht von 625 Blauwalen und der Futtermenge, die 3,4 Millionen Papageientaucher satt bekommen würde.
(Illustration: A. Rusch / dieprojektoren.de)
Der Weg der Sandaale von der Doggerbank bis in den Supermarkt: Sandaale werden auf der Doggerbank von großen Trawlern gefischt. Sie werden anschließend in Fabriken zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet, welches als Tierfutter in der Aquakultur und der Massentierhaltung verwendet wird. So gelangen die Sandaale schließlich in Form von Fisch- und Fleischprodukten, sowie Eiern auch in deutschen Supermärkte.
(Illustration: A. Rusch / dieprojektoren.de)
Mehr Informationen
- Meeresschutz
- Meeresschutzgebiete, insbesondere der Doggerbank