Wo liegt die Doggerbank?
Die Doggerbank ist mit einer Fläche von rund 25000 km² etwa sieben Mal so groß wie Mallorca und damit die größte Sandbank inmitten der Nordsee. Sie erstreckt sich über die Meeresgewässer von Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Dänemark.
Grundschleppnetze im Meeresschutzgebiet
Wegen der großen ökologischen Bedeutung der Doggerbank wurde der deutsche Teil 2017 als Meeresschutzgebiet ausgewiesen.
Doch die zerstörerische Fischerei mit Grundschleppnetzen ist weiterhin erlaubt und der besondere Fischreichtum wird weiter ausgebeutet. Große Netze werden mit schweren Metallketten oder Kufen über den Boden gezogen. Sie hinterlassen tiefe Spuren der Verwüstung im Meeresboden und trübe Sandwolken im Wasser.
Schutzgebiete ohne Schutz
Die Ausweisung der Schutzgebiete alleine sagt noch nichts über die erlaubten Nutzungen aus. Ohne spezifische Verbote dürfen auch zerstörerische Praktiken wie die Grundschleppnetzfischerei weiterlaufen. Eine BUND-Analyse von 2024 ergab, dass die Hälfte der geschützten Meeresgebiete in der deutschen Nord- und Ostsee mit Grundschleppnetzen befischt wird. Bis auf Dänemark haben alle Länder ihre Teile der Doggerbank als Schutzgebiet ausgewiesen. Bislang verbietet nur Großbritannien die Grundschleppnetzfischerei für seinen Teil der Sandbank.
BUND klagt für den Schutz der Doggerbank
Was auf der Doggerbank und in vielen weiteren Schutzgebieten passiert, ist unrechtmäßig. Deswegen klagt der BUND gegen die Bundesregierung. Deutschland weigert sich, eine Verträglichkeitsprüfung für Fischerei durchzuführen. Dabei ist diese Prüfung das Kernstück des europäischen Naturschutzrechts. Mit der Verträglichkeitsprüfung wird sichergestellt, dass industrielle Projekte die Schutzziele der Schutzgebiete nicht beeinträchtigen. Europäisches Naturschutzrecht muss auch in den deutschen Meeresschutzgebieten richtig angewandt werden. Mit unserer Klage werden wir den europäischen Meeresnaturschutz stärken und eine Vorlage für alle europäischen Mitgliedstaaten schaffen.
Auf diesem Klageweg ist der BUND nicht alleine. Mit unseren europäischen Partner-NGOs gehen wir im Rahmen der Kampagne #SchutzFürSchutzgebiete (#ProtectedMeansProtected) EU weit gegen Meereszerstötung vor. So wurden weitere Klagen gegen Grundschleppnetz-Fischerei in Schutzgebieten in Schweden, Spanien und den Niederlanden gestartet. Auch bei der Europäischen Kommission wurde eine Beschwerde eingelegt.
Eifriges Getummel: Auf einer Sandbank wandert eine Wellhornschnecke mit Einsiedlerkrebs auf dem Gehäuse. Im Hintergrund sieht man einen Schwarm Sandaale.
(Dutch Maritime Productions)
Warum ist die Doggerbank so besonders?
Vor Tausenden von Jahren bildete die Doggerbank eine Landbrücke zwischen England und dem Festland, bevor sie versank und nun 10 bis 40 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Durch ihre zentrale und erhöhte Lage in der Nordsee treffen dort kalte Wassermassen aus dem Norden und wärmere Wassermassen aus dem Süden aufeinander. Diese einzigartigen Bedingungen führen zu einer hohen Algenproduktion (Primärproduktion). Das bedeutet eine große und breite Nahrungsgrundlage für viele Meerestiere – und dadurch eine herausragende Artenvielfalt, besonders am Meeresboden. Dort finden sich langlebige Muschelarten und Fische wie Sandaale, Scholle oder Seezunge. Dieser Fischreichtum zieht auch Seevögel, Wale, Haie und Rochen an. Das macht die Doggerbank zu einem weltweit bedeutsamen Meeresgebiet.
So schützen Sie unsere Meere
Wir kämpfen für echten Schutz der Meere und ihrer Bewohner. Doch dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Beispiele, wie Ihre Spende hilft:
- Mit 25 Euro helfen Sie uns, Müllsammel-Aktionen an Stränden durchzuführen. Zudem setzen wir uns für weniger Unterwasserlärm und ein Ende der Plastik- und Schadstoffeinträge ein.
- Mit 55 Euro ermöglichen Sie uns, an politischen Verhandlungen über Fischfangquoten teilzunehmen und Beifänge sensibler Arten wie der Kegelrobbe effektiv zu reduzieren.
- Mit 75 Euro unterstützen Sie uns, politischen Druck auszuüben – notfalls juristisch. Für den Schutz unserer Natur gehen wir im Fall der Fälle bis zur letzten Instanz.
So wollen wir die Doggerbank wiederherstellen
Ein Taschenkrebs vertilgt einen Sandaal.
(Dutch Maritime Productions)
Durch die intensive Fischerei und den schlechten Zustand der Nordsee ist auf der Doggerbank bereits ein Teil der Artenvielfalt verloren gegangen. Doch die Chancen sind groß, dass sich das Ökosystem wieder erholen kann – sobald die zerstörerischen Nutzungen verboten sind und das Schutzgebiet tatsächlich geschützt ist.
Wir sind Teil einer internationalen Koalition, die sich für die Wiederherstellung der gesamten Doggerbank einsetzt. Unter dem Motto „Rewilding Doggerbank“ entwickeln wir mit anderen NGOs und wissenschaftlichen Instituten aus den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien einen Aktionsplan zur Wiederherstellung der Doggerbank und möchte aktiv zur Renaturierung des Ökosystems beitragen.