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TETRA: Behördenfunk mit Nebenwirkungen?

TETRA ist ein digitales, gepulstes Funksystem, dessen Sendeanlagen unabhängig vom Bedarf rund um die Uhr aktiv sind. Das Funksystem scheint sich bisher durch seine geringe Leistungsfähigkeit und beträchtliche Störanfälligkeit auszuzeichnen.

Angehörige der Rettungsdienste und Feuerwehren, die in ihrer Arbeit häufig genug ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, benötigen nicht nur leistungsfähige Kommunikationstechnik, sondern auch eine Technik, die nicht im Verdacht steht, zusätzliche Probleme mit sich zu bringen. TETRA, ein digitales, gepulstes  Funksystem, dessen Sendeanlagen unabhängig vom Bedarf rund um die Uhr aktiv sind, scheint sich jedoch eher durch seine geringe Leistungsfähigkeit und beträchtliche Störanfälligkeit auszuzeichnen.

Es ist vor allem ein weiterer Baustein in einer ständig zunehmenden Gesamtbelastung durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung, deren langfristige Wirkungen auf die menschliche Gesundheit bisher viel zu wenig berücksichtigt werden. Betroffen ist die gesamte Bevölkerung, insbesondere diejenigen Menschen, die in der Nähe der Sendeanlagen wohnen, vor allem aber die Einsatzkräfte, die mit den mobilen Geräten umgehen müssen. Der an vielen Orten Deutschlands wachsende Widerstand gegen den Ausbau von TETRA und LTE-Netzen zeigt, dass ein offener gesellschaftlicher Dialog nötig ist, in dem Risiken und Möglichkeiten zur Minimierung dieser Risiken offen dargelegt und diskutiert werden.

Hintergrund: Was ist TETRA?

TETRA soll bundesweit den bisherigen analogen Behördenfunk ersetzen. Mögliche Anwender:

  • Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS): Bundeskriminalamt, Zoll, Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz, Technisches Hilfswerk, Schutzpolizei, Bereitschaftspolizei, Kriminalpolizei, Landeskriminalamt, Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienste;
  • Industriebetriebe;
  • Versorger;
  • Verkehrsunternehmen;
  • und Sportstätten.

Es handelt sich um eine digitale Funktechnologie, die für verschiedene, geschlossene, Anwendergruppen ein gemeinsam genutztes Bündel von Frequenzen bereitstellt ("Bündelfunk") und relativ vielseitig erscheint: TeilnehmerInnen können innerhalb der Gruppen mit einzelnen Gesprächspartnern, mit Gruppen, auch gruppenübergreifend, sprechen und Daten austauschen oder abrufen: Lagepläne, Karten, Chemikalienregister und ähnliches. Die Mobilgeräte können auch ohne stationäre Anlage miteinander kommunizieren.

Soweit die Theorie. Die praktische Leistungsfähigkeit des Ausbaus wird von Experten jedoch stark in Zweifel gezogen. Heute gängige Mobiltelefone seien bereits um ein Vielfaches leistungsfähiger.

In Deutschland hat die Bundesanstalt für den Digitalfunk von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) die Aufgabe, einen einheitlichen Aufbau dieses Systems umzusetzen. Das Digitalfunknetz soll sich in Deutschland aus 4.300 bis 4.500 Basisstationen sowie zusätzlichen Vermittlungsstellen zusammensetzen. Pilotnetze sind in München, Aachen, Stuttgart, Hamburg, Berlin und Bremen in Betrieb. Einige Länder wie Großbritannien oder die Niederlande verfügen bereits über digitalen Behördenfunk nach TETRA-Standard.

Für die Sendeantennen können neben neuen Standorten bisherige Antennenstandorte von Polizei, Feuerwehr oder Landesbehörden genutzt werden, ebenso bestehende Funkmasten von Rundfunk- oder Mobilfunkbetreibern. Vor allem bei der Nutzung bestehender Antennenstandorte dürfte ein Ausbau leicht möglich sein, ohne dass die Bevölkerung davon Kenntnis erhält.

Fahrzeugsendeanlagen können dazu dienen, eine schlechte Empfangs-/Sendequalität der Mobilgeräte, z.B. in Gebäude hinein oder in entlegenen Orten, auszugleichen. Durch ihre höhere Sendeleistung fungieren sie dann temporär als Sende- und Empfangsanlage für die Mobilgeräte im direkten Umfeld.

Technische Problem mit TETRA

Erfahrungen in Großbritannien oder den Niederlanden haben gezeigt, dass das System bei Großeinsätzen mit Beteiligung mehrerer Organisationen und vielen Einsatzkräften versagt. Die Aussagen über die Datenübertragungsrate schwanken zwischen 3,0 kBit/s und 4,8 kBit/s. Dies liegt weit unter den Möglichkeiten eines normalen Handys. Die Übertragung von Fahndungsbildern oder Kartenausschnitten ist bei diesen Übertragungsraten kaum in vertretbarer Zeit möglich. Sie könnte erst durch eine kostspielige Aufrüstung erreicht werden. Die Polizeigewerkschaft hat sich sehr kritisch zur Leistungsfähigkeit und Sicherheit dieses Projektes geäußert. Es stellt sich die Frage, ob hier nicht ein technisch überholtes Projekt auf Kosten der Nutzer und der Allgemeinbevölkerung durchgezogen werden soll.

Hinweise auf gesundheitliche Gefährdungen

Auch Tetra bringt die bereits für andere digitale Mobilfunktechnologien beschrieben Risiken mit sich. Allerdings sendet TETRA auf einer Frequenz von ca. 400 MHz und damit deutlich langwellger als der kommerzielle Mobilfunk. Die Signale können deshalb tiefer ins Körpergewebe eindringen. Die Pulsung der Handgeräte liegt bei einer Frequenz von 17,65 Hz, dem Bereich der beta-Wellen des Gehirns (REM-Phase im Schlaf). Die Pulsung der Sendeanlagen liegt bei 70,6 Hz (4 Zeitschlitze mit jeweils 17,65 Hz) und damit im Bereich der elektrischen Aktivität der Muskeln. Möglicherweise sind diese Frequenzen für den menschlichen Organismus problematisch. Die TETRA-Basisstationen sind — ebenso wie die kommerziellen Mobilfunkantennen — Dauerstrahler, deren Organisationskanal ununterbrochen sendet, selbst wenn keine Kommunikation stattfindet.

Zu den in Großbritannien damit in Verbindung gebrachten gesundheitlichen Folgen gehören: Schlafstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Nasenbluten, Hautausschlag, Halluzinationen, Erschöpfung, beeinträchtigtes Immunsystem. Auch die Störung medizinischer Geräte einschließlich Herzschrittmachern wurde beschrieben. In Deutschland gilt für TETRA laut der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung ein Grenzwert von 2,0 W/m2. Dieser Grenzwert ist nur aufgrund thermischer Wirkungen abgeleitet worden; er gilt nur für stationäre Anlagen, d.h. nicht für mobile Geräte.

Forderungen des BUND

Der BUND betrachtet den Grenzwert von 2,0 W/m2 als wesentlich zu hoch. Bei Berücksichtigung nicht-thermischer Wirkungen und bei Beachtung des Vorsorgeprinzips müsste ein wesentlich größerer Sicherheitsfaktor zur Anwendung kommen und damit eine drastische Senkung des Grenzwertes für hochfre-quente, gepulste Strahlung erfolgen. Auch das EU-Parlament hält die in der Europäischen Union derzeitig geltenden Grenzwerte für unzureichend.

Solange die Risiken nicht ausgeräumt sind, muss sichergestellt werden, dass das Minimierungsprinzip verfolgt und jede vermeidbare Belastung der Anwohner und Nutzer verhindert wird. Umfassende und interessenunabhängige Forschung zu gesundheitlichen Gefahren durch langfristige Exposition mit gepulster Strahlung der hier benutzten Wellenlänge ist notwendig.

Eine transparente Informationspolitik und ein offener gesellschaftlicher Dialog unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger bei der Festlegung von Standorten von Sendeanlagen ist unabdingbar. Anwender und Anwohner müssen über Risiken und mögliche Schutzmaßnahmen informiert werden. Es muss eine ergebnisoffene Diskussion geben, wie ein geeignetes und gesundheitsverträgliches System aussehen sollte, anstatt ohne Prüfung der Unbedenklichkeit am Ausbau einer bereits heute veralteten Technologie zu haften.

Was sind hochfrequente Quellen?

  • gepulst: Handys und Mobil­funksende­masten, Schnur­los­telefone (DECT), WLAN, Bluetooth, digitales TV (DVBT) und Radio, Radar
  • nicht gepulst: Mikrowel­le, Radio (analog)

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