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Fehlender Schutz vor elektromagnetischen Feldern

Um die schädliche Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu begrenzen, sehen die Rechtsvorschriften zwei Möglichkeiten vor: den Schutz vor Gefahren durch Gefahrenabwehr und den Schutz durch Vorsorge.

Gefahrenabwehr

Liegt ein wissenschaftlicher Nachweis für Schäden vor, muss der Gesetzgeber Regelungen erlassen, die vor diesen Schäden schützen. Allerdings ist die Führung eines solchen Nachweises angesichts sich rasant entwickelnder neuer Technologien nicht einfach. Grundsätzlich wird von einer Unschädlich­keits­vermutung hinsichtlich dieser Technologien ausgegangen, ohne dass die vermeintliche Unschädlichkeit tatsächlich vorab nachgewiesen wird. Eine umfassende Risikobewertung kann hier nur nachhinken.

Nachweise liegen unbestritten für hochfrequente Felder hinsichtlich der Wärmewirkung (z.B. Absterben von Zellen durch Überhitzung) und im niederfrequenten Bereich für die Wirkung von induzierten Strömen (z.B. Herzflimmern) vor.

Gefahrenabwehr ist in der Regel mit verbindlichen Vorgaben – zum Beispiel in Form von Grenzwerten – verbunden. In diesem Sinne dienen die Grenzwerte der Verordnung über elektromagnetische Felder lediglich dem Schutz vor akuten Gefahren.

Vorsorge

Liegen noch keine wissenschaftlichen Nachweise vor, weil z.B. der genaue Wirkzusammenhang noch nicht bis ins Detail geklärt ist, dafür aber fundierte wissenschaftliche Anhaltspunkte für eine Umwelt- oder Gesundheitsgefährdung sprechen, wird das Vorsorgeprinzip relevant.

In umfangreichen und vielfältigen wissenschaftlichen Studien wurden bereits weit unterhalb der aktuellen geltenden Grenzwerte zahlreiche schlüssige und konsistente, starke und mögliche Hinweise für gesundheitliche Effekte festgestellt (z.B. Störungen des Zentralnerven- und Hormonsystems, Begünstigung von Krebs und Genschäden). Diese wissenschaftlichen Ergebnisse werden durch das Erfahrungswissen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Medizinern, Patienten und Baubiologen bestätigt. Über Langzeitfolgen und über Auswirkungen auf sensible Personengruppen wie Schwangere, Kinder, Kranke und dem werdenden Leben wissen wir jedoch noch viel zu wenig.

Der BUND leitet daher zur Vorsorge und zum individuellen Schutz im Bereich Hochfrequenz einen Vorsorgewert von einem Mikrowatt pro Quadratmeter (1 µW/m2) ab, der als erster Schritt in der Bundes-Immissionschutzverordnung festgelegt werden müsste.

Lebewesen sind an natürlich vorkommende Felder angepasst. Im Vergleich zur natürlichen Hintergrundstrahlung (etwa 0,000001 Mikrowatt pro Quadratmeter, µW/m2) zeigen typische Messwerte in Wohnsiedlungen einige Tausend Mikrowatt pro Quadratmeter. Das ist eine milliardenfach höhere Strahlungsintensität.

Allein dieser gewaltige Unterschied zeigt die dringende Notwendigkeit für Schutzmaßnahmen. Menschen, die sich nicht dem Risiko elektromagnetischer Strahlung aussetzen wollen oder die besonders sensibel reagieren, müssen die Möglichkeit haben, sich zu schützen. Voraussetzung dafür ist eine öffentliche und transparente Informationspolitik zu den Gefahren und Risiken durch elektromagnetische Felder. Davon sind wir heute leider weit entfernt.

Es kommt darauf an, dass die ungewollte Einwirkung elektromagnetischer Strahlung vermieden wird und ein hinreichender Schutz gewährleistet wird. Dies betrifft vor allem besonders schutzbedürftige Gruppen wie Kinder, Ungeborene, Kranke und Elektrosensible, darf allerdings nicht auf diesen Personenkreis beschränkt werden. Vor allem der Schutz von Wohnungen bzw. Schlafräumen und Räumen, in denen sich Menschen länger aufhalten, muss gewährleistet sein.

Wenn BürgerInnen dies wünschen, müssen solche Räume frei von technisch erzeugten Feldern bleiben bzw. werden. Das Recht des Einzelnen auf den Schutz vor nicht gewollten bzw. schädlichen Feldeinwirkungen muss dringend geschaffen werden.

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