Stadt, Land, Fluss: Deutsche Flüsse von A bis Z

Beim Rateklassiker Stadt-Land-Fluss geht es um schnelle Antworten. Hier finden Sie auf einem Blick weniger bekannte einheimische Flüsse mit Anfangsbuchstaben quer durch das Alphabet. Und einige Besonderheiten deutscher Fließgewässer gibt es oben drauf!

Fluss mit A

  • Aach
  • Alster
  • Agger

Es gibt mehrere Flüsse mit dem Namen und der Namensendung Aach (z.B. die Haidgauer Ach oder den Tiroler Achen). Das Wort „aha“ bedeutet in althochdeutsch bedeutet „Wasser“ oder „Fluss“. Die Radolfzeller Aach (kurz: Ach) ist ein Nebenfluss des Rheins im Süden von Baden-Württemberg. Seitdem ein Wehr gebrochen ist und die Aach einen natürlichen Mäander bildet, kümmert sich der BUND intensiv um die Renaturierung.

Fluss mit B

  • Blies
  • Bode
  • Bröl

Die Bode ist ein kiesgeprägter Tieflandfluss zwischen Harz und Saale mit erheblichen Salzeinleitungen durch die Industrie. Schwämme, Moostierchen und Muscheln verschwinden bei hoher Salzbelastung vollständig. Heimische Fischarten, wie Bachforellen, Bachneunauge, Rotfeder haben hier keine Chance zu überleben! Deshalb kämpfen in Sachsen-Anhalt der Landesanglerverband und der BUND für einen Stopp der Salzeinleitung in die Bode!

Fluss mit C

  • Chemnitz
  • Creußen
  • Crussowgraben

Die Creußen ist ein Mittelgebirgsbach in Oberfranken und in der Oberpfalz mit noch naturnahen Gewässerstrukturen. Nach dem Fluss mit dem griechischen Namen Maíandros (heute die Flüsse Menderes in der Türkei) werden natürliche Flussschlingen Mäander genannt. Der Name Creußen soll sich von germanisch krū́sa- für „kraus, gelockt“ ableiten, also auch einem geschwungenen Flusslauf.

Fluss mit D

  • Delvenau
  • Dömnitz
  • Donau

Die Delvenau ist ein zerstückelter Fluss entlang der Landesgrenze von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Sie liegt damit am ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen, der zum Refugium für mehr als 1.200 seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten und jetzt als Grünes Band geschützt ist.

Fluss mit E

  • Elbe
  • Ems
  • Erpe

Die Elbe kann von der letzten Staustufe in der Tschechischen Republik bis zur Staustufe Geesthacht bei Hamburg über 600 Kilometer der Länge nach frei fließen. Damit große Wanderfische wie Störe von ihren Laichgebieten in die Nordsee und wieder zurück schwimmen können wurde, wurde in Geesthacht eine entsprechend große Fischaufstiegsanlage gebaut. Das BUND Auen-Zentrum sorgt dafür, dass ehemals abgetrennte Bereiche der Aue bei Hochwasser überflutet werden und für Fische wieder erreichbar sind – das ist wichtig für die Biologische Vielfalt, den Hochwasserschutz und speichert sogar CO2.

Fluss mit F

  • Finow
  • Fliede
  • Fermersbach

Die Finow in Brandenburg wurde bereits vor 400 Jahren kanalisiert, um die Flusseinzugsgebiete von Elbe und Oder miteinander zu verbinden. Im 19. Jahrhundert wurden für die Binnenschifffahrt Schleusen neu gebaut, jedoch wurde im 20. Jahrhundert parallel dazu der Oder-Havel-Kanal samt Schiffshebewerk geschafften, um Berlin mit Szczecin (Stettin) zu verbinden. Für die verkehrliche Schifffahrt hat die Finow keine Bedeutung mehr, nur noch kleine Abschnitte haben die Kennzeichen eines Fließgewässers.

Fluss mit G

  • Gera
  • Glan
  • Grove

Die Grove ist ein kleiner ausgebauter Fluss in Niedersachsen, der immer noch stark gewunden ist und Auwald-Reste aufweist. Es wurden Kiesbetten geschüttet, so dass hier wieder Meerforellen und Neunaugen laichen. Um die Ufer-Streifen naturnah entwickeln zu können wird der Dialog mit der Landwirtschaft gesucht.

Fluss mit H

  • Hafenlohr
  • Haidgauer Ach
  • Hunte

Die Hafenlohr im Spessart ist ein Zufluss des Main. Vor allem ist sie eine gerettete Flusslandschaft, denn in den 1970ern sollte sie einem Speichersee zum Opfer fallen. Durch den Widerstand der Zivilgesellschaft vor Ort und den Widerstand der betroffenen Gemeinden konnte dies verhindert werden. So können im Hafenlohrtal weiterhin heimische Lurche wie Feuersalamander und Grasfrosch leben.

Idyllisch fließt die Hafenlohr durch eine naturbelassene Aue – ein wertvolles Biotop für viele Arten.  (travelview / via canva.com)

Fluss mit I

  • Ilmenau
  • Ilster
  • Isar

Die Isar ist ein Alpenfluss und hatte vor der Regulierung breit verzweigte Flussarme und Kiesinseln, die sich ständig umlagerten. Doch vor etwa 100 Jahren war es vorbei mit der Wildnis: Der Fluss wurde begradigt, mit Ufersteinen befestigt und mit engen Deichen von den Auen getrennt. Eine Flussrenaturierung soll der Isar helfen, mehr ihrer ursprünglichen Lebenskraft zurückzugewinnen.

Fluss mit J

  • Jade
  • Jagst
  • Jeetze

Die Jeetze wird in ihrem Verlauf durch Sachsen-Anhalt und Niedersachsen vom Tieflandbach zum Tieflandfluss. In der Jeetze gibt es stabile Populationen von Neunaugen. Gefährdet sind diese lebendigen Fossilien, wenn es zu einer Verschlechterung der Wasserqualität, zu Lebensraumverlusten und Wanderhindernissen kommt. Aber auch der Besatz mit der invasiven Art Regenbogenforelle (Fressfeind), Dürresommer und steigende Wassertemperaturen führen zu Schäden. Eine wichtige Schutzmaßnahme ist der Verzicht auf Gewässerausbau in intakten Flüssen und Bächen.

Fluss mit K

  • Kirnitzsch
  • Kümmernitz
  • Kyll

Die Kirnitzsch fließt von Tschechien nach Sachsen und mündet in die Elbe und ist einem guten ökologischen Zustand. Es kommen Bachneunauge und Groppe vor. Die Kirnitzsch ist ein schnell strömender Mittelgebirgsfluss mit flutender Wasserpflanzenvegetation wie dem flutenden Wasserhahnenfuß. Die natürlichen und naturnahen Wasserläufe und Uferzonen der Kirnitzsch und der Polenz sind Teil des Nationalparks Sächsische Schweiz.

Tief schneidet sich die Kirnitzsch durch das poröse Elbsandsteingebirge.  (pisces2386 / via canva.com)

Fluss mit L

  • Lauter
  • Lech
  • Lippe

Die Lippe mündet nach 220 Kilometern als großer sand- und lehmgeprägter Tieflandfluss bei Wesel in den Rhein. Obwohl der Fluss von starker menschlicher Nutzung geprägt wurde, haben sich im Lippetal noch viele Auen erhalten, die entsprechend unter Schutz stehen. Die Lippe bietet sehr gute Voraussetzungen, um wieder ein frei fließender Fluss im Sinne der Europäischen Verordnung zur Wiederherstellung der Natur zu werden. Deshalb will sich der BUND NRW für die weitere Renaturierung der Lippe einsetzen, wo sich schon eine breite Allianz von Stakeholdern zusammen mit dem BUND gefunden hat.

Fluss mit M

  • Main
  • Mulde
  • Meglitze

In der einstigen Auenlandschaft der Mulde wurde fast hundert Jahre Braunkohle abgebaut. Durch den BUND wurde aus der Tagebaulandschaft die Goitzsche-Wildnis entwickelt. An ihrem Unterlauf weist die Mulde noch unverbaute Ufer und naturnahe Auenbereich auf.

Fluss mit N

  • Neetze
  • Nister
  • Nuthe

Die Nister ist ein 64 Kilometer langer Zufluss der Sieg und weist hervorragende Laichgebiete für den Lachs auf. Obwohl der Rhein Deutschlands wichtigstes Gewässer für den Transport mit dem Binnenschiff ist, ist die Rheinstrecke Mündung in Nordsee bis zur Mündung der Sieg bei Bonn ohne Staustufen. Es würden für den Lachs also ideale Voraussetzungen bestehen, um im Spätherbst über die Sieg zu den Laichgebieten zu ziehen. Das Problem ist aber, dass auf den Weg dorthin mehrere Staudämme überwunden werden müssten, die für den Lachs nicht passierbar sind. Deshalb müssen Sieg und Nister wieder zu einem lebendigen und durchgängigen Lachsgewässer wieder hergestellt werden.

Mittelalterliche Bruchsteinbogenbrücke über die Nister beim Kloster Marienstatt nahe Hachenburg im Westerwald.  (vora / via canva.com)

Fluss mit O

  • Oder
  • Orla
  • Örtze

Die Oder entspringt in Tschechien, fließt durch Polen und wird dann zum deutsch-polnischen Grenzfluss. Diese Grenzlage während des Kalten Kriegs sorgte dafür, dass der Strom über 400 Kilometer bis zur Mündung in die Ostsee nicht von Staudämmen unterbrochen wird. Wegen salzhaltigem Abwasser aus der Industrie kam es zu einer giftigen Algenblüte, die für ein Massensterben bei Fischen, Muscheln und Schnecken sorgte. Deshalb hat die internationale Koalition »Zeit für die Oder« – aus deutschen, polnischen und tschechischen Umweltverbänden, inklusive dem BUND – die Vision „Zukunft für die Oder“ erarbeitet.

Fluss mit P

  • Peene
  • Prims
  • Prüm

Die Peene wird gerne als „Amazonas des Nordens“ bezeichnet. Tatsächlich ist sie einer der letzten kaum verbauten Flüsse Deutschlands. Ohne einen Staudamm im Weg können die Fische in die Ostsee und zurück wandern stufen. Der Fluss windet sich durch eine weitgehend unberührte Flusswildnis mit riesigen Moorflächen.

Fluss mit Q

  • Quabbe
  • Queidersbach
  • Queich

Der Queidersbach ist Mittelgebirgsbach in Rheinland-Pfalz und mündet in die Moosalbe. Auch wenn die Zeit des Mühlenbetriebs schon lange vorbei ist, ist die Gewässerstruktur des Queidersbach immer noch stark beeinträchtigt. Für die Fische ist der ökologische Zustand unbefriedigend, auch die Werte für die Durchgängigkeit und Morphologie werden nicht eingehalten.

Fluss mit R

  • Rappenalpbach
  • Regen
  • Rhein

Der Rappenalpbach war einer der wenigen noch verbliebenen Wildbäche Deutschlands, der intakt und in ökologisch sehr gutem Zustand war – ein absolut seltener und besonders wertvoller Naturschatz. Durch illegale Baggerarbeiten wurde der Bach in einen schmalen, kanalisierten Lauf gezwängt. Zwei Gerichtsverfahren klärten, wer verantwortlich ist und wer die Kosten für die Sanierung zu tragen hat. Die Sanierungsarbeiten ruhen seit zwei Jahren. Inwieweit sich der Rappenalpbach jemals von dem Naturfrevel erholt, ist offen.

Gemächlich schlängelt sich die Radolfzeller Aach in Rielasingen-Worblingen.  (PR-Photos / via canva.com)

Fluss mit S

  • Salzach
  • Schleuse
  • Sieg

Die Salzach ist in Deutschland der einzige Voralpenfluss, der nicht durch Staustufen unterbrochen ist. Doch dieses Flussjuwel ist bedroht, denn die Bayerische Staatsregierung hat sich für den Bau eines Wasserkraftwerks ausgesprochen. Der BUND Naturschutz kämpft gegen dieses Vorhaben und setzt sich für eine Renaturierung der Salzach ein.

Fluss mit T

  • Tegeler Fließ
  • Thyra
  • Tiroler Achen

Die Thyra ist ein Mittelgebirgsbach im Südharz. Am naturnahmen Lauf kommen immer noch Baumarten der Weichholzaue vor. Das kleine Fließgewässer ist als Hotspot der Biologischen Vielfalt der Lebensraum für Fischotter, Großes Mausohr, Groppe und Bachneunauge. Anders als die Groppe ist das Bachneunauge kein Fisch, sondern ein Rundmaul.

Fluss mit U

  • Uecker
  • Unstrut
  • Urft

Die Unstrut ist ein 192 km langer, linker Nebenfluss der Saale. In Thüringen hat die Unstrut den Anschluss zu 89 Prozent ihrer natürlichen Überschwemmungsgebiete verloren, in Sachsen-Anhalt aber nur 15 Prozent. Die gute Nachricht ist, dass Deichrückverlegungen im Sinne des ökologisches Hochwasserschutzes überlegt werden.

Ein malerischer Anblick der Unstrut bei Freyburg im Burgenlandkreis – im Hintergrund Weinanbau. Insbesondere im Oberlauf ist der Fluss jedoch stark verändert.

Fluss mit V

  • Vechte
  • Vils
  • Volzine

Die Volzine ist ein erheblich veränderter knapp 25 km langer Flusslauf im Oderbruch. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das weit verzweigte Netz der Oder begradigt, mit Deichen gesichert und das Hinterland zur Besiedlung und für die Landwirtschaft trockengelegt. Der nun fehlende Raum bei Hochwasser zeigte sich 1997, wo nur mit knapper Not der Deich gehalten werden konnte.

Fluss mit W

  • Wakenitz
  • Werra
  • Wümme

Die Werra entspringt im südlichen Thüringer Wald. Mit der Fulda bildet sie ab Hann. Münden die Weser, die bei Bremerhaven in die Nordsee mündet Das Einzugsgebiet der Weser und ihrer Quellflüsse liegt ausschließlich in Deutschland. Nach mehr als 100 Jahren Kalibergbau gehören Weser und Werra zu den am stärksten mit Salz belasteten Flüssen Europas. Der BUND setzt sich dafür ein, dass Weser und Werra wieder zu artenreichen Süßwasserökosystemen werden. Sowohl mit Klagen gegen die Salzeinleitung als auch mit dem Renaturierungsprojekt Blaues Band Oberweser.

Fluss mit X

  • Xanderklinge
  • Xirias
  • Ruisseau de Xoarupt

Die Xanderklinge ist ein Bach in Baden-Württemberg, der in den Mittelgebirgsfluss Nagold mündet. Als „Klinge“ werden in Teilen Süddeutschlands Kerbtäler oder Seitentäler von größeren Tälern bezeichnet. Der Ruisseau de Xoarupt in Frankreich fließt wie die Xanderklinge letzlich über den Rhein in die Nordsee.

Fluss mit Y

  • Ybbs
  • Ysper
  • Yoncq

Mit Ypsilon beginnt in Deutschland kein Name eines Flusses, aber es fließen welche in die gemeinsamen Flusseinzugsgebiete: die Ybbs und Ysper in Österreich in die Donau, der Yoncq in die Maas. Eine wesentliche Errungenschaft des gemeinsamen EU-Wasserrechts ist, dass das Gewässer-Management in Europa grenzüberschreitend erfolgt, wie es beispielsweise in der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau geschieht.

Fluss mit Z

  • Zeller Bach
  • Zenn
  • Zschopau

Die Zenn ist ein Mittelgebirgsfluss, der in die Regnitz mündet. An der Zenn und dem Nachbarfluss Bibert siedeln sich wieder Biber an. Mittlerweile lässt sich der Biber andernorts in Deutschland wieder gut beobachten. Seine Wiederausbreitung ist ein Erfolgsprojekt, auch weil Flüsse und Bäche renaturiert. Weiterhin muss aber noch für seine Akzeptanz geworben werden.

Kurzinfo zu deutschen Flüssen

Hotspots der Biodiversität

Nirgendwo in Mitteleuropa sind mehr Tier- und Pflanzenarten anzutreffen als in naturnahen Flüssen und Auen. Der natürliche Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser bietet Lebensräume für artenreiche Wiesen und Auwälder. Hier können nicht nur Fische wandern, sondern auch Otter, Biber, Wasservögel und Libellen beobachtet werden.

Verlust der Auenlandschaft

In Deutschland bilden Bäche und Flüsse ein Netz von etwa 590.000 Kilometern, wovon nur noch ein Prozent ohne starken menschlichen Einfluss ist. Die meisten Flüsse sind begradigt oder verbaut. Das ist besonders für Wanderfische wie Aale, Störe oder Lachse ein großes Problem. Sie sind gefährdet, weil sie durch die Barrieren nicht zwischen ihren Lebensräumen Meer und Fluss wechseln können.

Auen schützen vor Hochwasser

Besonders frei fließende Flüsse sind wichtig, denn sie bieten unter anderem durch ihre Auen mehr Sicherheit beim Hochwasserschutz. Nur noch ein Drittel der Flussauen steht bei Hochwasser als Überschwemmungsfläche zur Verfügung. Dabei werden großen Hochwasser immer häufiger. Unsere Flüsse brauchen deutlich mehr Raum. Zusätzlich können Auen große Wassermengen wie ein Schwamm aufnehmen und wieder langsam in die Landschaft abgeben oder zur Grundwasserneubildung beitragen.

Mehr zu Hochwasser

Kampf gegen Ausbau

Die wertvollen Ökosysteme Auen und Flüsse sind weiterhin in Gefahr: Politik und Wirtschaft treiben den Ausbau der Flüsse voran – mit oft dramatischen ökologischen Folgen. Der BUND kämpft für lebendige Flüsse und gegen unsinnige Ausbaupläne. Wichtige Hebel dazu sind die Europäische Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und die Europäische Wasserrahmenrichtlinie.

Nicht zuletzt dienen Flüsse auch als Ort der Erholung, egal ob beim Schwimmen, Paddeln oder Radfahren entlang eines der vielen Flussradwege Deutschlands. Auen sind ein bedeutender Kohlenstoffspeicher und daher nicht nur für das lokale Klima relevant.

BUND-Bestellkorb