Was ist Hochwasser?
Hochwasser bezeichnet eine vorübergehende Überschwemmung von normalerweise trockenem Land. Es entsteht durch oberirdische Gewässer, eindringendes Meerwasser in Küstengebieten, nicht abfließenden Starkregen oder durch einen Anstieg des Grundwassers.
Definitionen
Bei pluvialem Hochwasser entstehen Überflutungen durch Starkregen. Bei fluvialem Hochwasser überschwemmen Flüsse das Land, indem sie über die Ufer treten, ausgelöst durch starke, anhaltende Niederschläge oder Schneeschmelze.
(BUND / STOCKMAR + WALTER)
Hochwasser
Ein Hochwasser bezeichnet einen deutlich erhöhten Wasserstand, meist in Bezug auf einen Fluss. Die Ursachen werden dabei unterschieden:
- Fluviales Hochwasser: ausgelöst durch Schneeschmelze, ergiebige Niederschläge oder Sturmfluten an der Küste
- Pluviales Hochwasser: ausgelöst durch Starkregen, unabhängig von einem Fluss
Überschwemmungen
Eine Überschwemmung bezeichnet den natürlichen Zustand, bei dem Wasser Bereiche bedeckt, die normalerweise trocken sind. Sie entsteht meist durch fluviales Hochwasser, wenn ein Fluss über die Ufer tritt und angrenzende Gebiete wie Auen oder Feuchtgebiete überflutet. Wichtig: Natürliche Überschwemmungsflächen haben eine Schutzfunktion – sie nehmen Wasser auf und reduzieren so das Hochwasserrisiko für Siedlungen, Industrie und Infrastruktur.
Überflutungen
Eine Überflutung ist in der Regel eine unerwünschte Ansammlung von Wasser in bebauten Gebieten, die meist durch pluviales Hochwasser (starken Regen) verursacht wird. Das Wasser sammelt sich rasch an und überlastet die Kanalisation sowie Entwässerungssysteme, was zu Wasserschäden an Straßen und Gebäuden führt.
Hochwasser in Deutschland – Ein Überblick
Ein Blick auf frühere Hochwasserkatastrophen in Deutschland verdeutlicht, wie entscheidend die Fähigkeit von Landschaften ist, Wasser zurückzuhalten.
- 2024: Bei einem Hochwasser in Süddeutschland gab es sechs Tote und über vier Milliarden Euro Schaden.
- 2021: Die Flut im Ahrtal und an der Erft forderte 180 Menschenleben und hinterließ langfristige Verwüstungen.
- 2016: Es starben sieben Menschen durch lokale Sturzfluten und Starkregen im Landkreis Rottal-Inn, der am stärksten betroffen war. Das Hochwasser ist allgemein bekannt unter der Sturzflut von Simbach und verursachte in Bayern Schäden von geschätzten 1,25 Milliarden Euro.
- 2013: Orkan „Xavier“ sorgte in Norddeutschland für schwere Sturmfluten. In Hamburg gab es die zweithöchste Sturmflut in der Geschichte der Stadt – mit bis zu 6,09 Meter über Normalnull lag der Pegel rund vier Meter über dem mittleren Hochwasser.
- 2002: Das Hochwasser an Elbe und Donau verursachte 11,6 Milliarden Euro Schaden und 45 Tote in Tschechien, Österreich und Deutschland, davon 21 in Sachsen. Weitere schwere Überflutungen an der Elbe folgten 2006, 2011 und 2013.
- 1997: Das Oderhochwasser war die bisher größte bekannte Flut der Oder. Die Schäden beliefen sich auf über 4 Milliarden Euro. Insbesondere in den Nachbarländern Tschechien und Polen war die Flut verheerend und forderte dort 74 Todesopfer. „Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen“, sagte Bundeskanzler Helmut Kohl damals.
Eine verheerende Katastrophe: Hochwasser im Ahrtal 2021
(Christoph Hardt/Geisler-Fotopress
/
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Wie entsteht Hochwasser?
Einfach ausgedrückt bedeutet Hochwasser, dass mehr Wasser vorhanden ist als üblich. Das Wasser kann nicht schnell genug abfließen oder im Boden versickern und sammelt sich daher an.
Das kann verschiedene Gründe haben. Oft spielen Veränderungen durch menschliche Eingriffe eine große Rolle. Hat ein Fluss ausreichend Platz, breitet sich das Wasser in die Breite aus (Breitwasser). Zwischen Deichen hingegen steigt der Wasserspiegel an und das Wasser fließt deutlich schneller.
Arten von Hochwasser
- Binnenhochwasser: Überschwemmung durch Flüsse oder Bäche
- Küstenhochwasser: Überschwemmung an Küsten und Flüssen, meist ausgelöst durch eine Kombination von Stürmen und Gezeitenflut
- Fluviales Hochwasser (Flusshochwasser): Überschwemmung durch Flüsse, die über die Ufer treten, zum Beispiel durch starke, langanhaltende Niederschläge im Einzugsgebiet oder Schneeschmelze
- Pluviales Hochwasser: Überflutung durch Starkregen
- Sturzflut: extrem schnell auftretende Überschwemmung durch Starkregen, die eine hohe Fließgeschwindigkeit erreichen kann
- Grundhochwasser: Grundwasser, das nach Ablauf des Hochwassers von unten gegen den Boden drückt und auch noch Wochen nach dem Hochwasser zu Gebäudeschäden führen kann
- Hundertjähriges Hochwasser: Wasserstand, der statistisch nur einmal in hundert Jahren auftritt (Jahrhunderthochwasser oder Jahrhundertflut)
Menschliche Einflüsse
Durch menschliches Eingreifen in die Natur steigt das Risiko von Hochwasser.
- Durch den Deichbau gehen natürliche Überschwemmungsgebiete an Flüssen verloren.
- Für die Schifffahrt wurden Flüsse begradigt, mit Staustufen und Buhnen verbaut sowie vertieft. Dadurch steigt die Fließgeschwindigkeit und Hochwasserwellen gelangen wesentlich schneller und höher flussabwärts.
- Durch diese immer noch massive Versiegelung der Landschaft versickert bei starken Niederschlägen weniger Wasser im Boden. Stattdessen rauscht es direkt über die Kanalisation, Gräben und Drainagen in Vorfluter, Bäche und Flüsse. In Deutschland wird stündlich eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes mit Beton versiegelt.
- Zudem gehen mit Mooren, Wäldern und Grünland weitere wertvolle Biotope mit Schwammfunktion verloren.
Einfluss vom Klimawandel
Ein Sommergewitter über Wiesbaden – solche Starkregenereignisse nehmen in Häufigkeit und Intensität zu.
(ollo
/
via canva.com)
Die Klimakrise verschärft das Hochwasserrisiko in Deutschland. Extreme Wetterlagen mit starken Niederschlägen nehmen in Deutschland und Mitteleuropa zu, was vor allem auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen ist.
Langfristig ist damit zu rechnen, dass Hochwasserkatastrophen häufiger auftreten und die Abstände zwischen besonders starken „hundertjährigen Hochwassern“ kürzer werden.
Temperatur
Bei höheren Temperaturen enthält die Atmosphäre mehr Wasserdampf, was häufiger und intensiver zu Starkregen führt. Besonders im Sommer wird dieser Effekt durch die Erwärmung der Meere zusätzlich verstärkt.
Boden
Längere und extremere Trocken- oder Niederschlagsphasen wirken sich auch negativ auf die Eigenschaften des Bodens aus, sodass das Hochwasserrisiko steigt.
- Ist der Boden bereits voll mit Wasser, fließt Niederschlag direkt ab.
- Ist der Boden durch längere Dürreperioden stark ausgetrocknet oder sogar verkrustet, nimmt er zunächst kaum Niederschlag auf. Trockener Boden wirkt im Gegensatz zu feuchtem Boden wie eine Barriere und kann weniger schnell Wasser aufnehmen.
Hochwassergefahr – Wo und wann droht Hochwasser?
Überschwemmte Flächen an der Elbe bei Lenzen bei mittlerer Eintrittswahrscheinlichkeit – solche Karten stehen oft bei Anwendungen der Bundesländer zur Verfügung.
Hochwasser kann generell überall auftreten – selbst an unscheinbaren Bächen.
Hochwassergefahr droht aber insbesondere in bebauten Feuchtgebieten, in zubetonierten Städten und an Flussabschnitten, die ins Meer münden. Durch die zunehmenden Extremwetterlagen können sich Gefahrenlagen schneller entwickeln. Frühwarnsysteme verbreiten Warnungen über verschiedene Kanäle und weisen die Bevölkerung auf Sicherheitsvorkehrungen hin.
Hochwassergefahrenkarten zeigen die Gefährdung vor Ort auf und unterstützen das Risikomanagement. Meist sind diese auch für Bürger*innen über Online-Kartendienste der Bundesländer aufrufbar.
Wie kann man Hochwasser verhindern?
Hochwasser ist ein natürlicher Vorgang, der sich nicht verhindern lässt. Um die Ursachen für zunehmende Hochwasser langfristig zu bekämpfen, sind konsequenter Klimaschutz zur Verlangsamung der Erderwärmung, Klimaanpassung und vorsorgende Schutzmaßnahmen notwendig. Verheerende Überschwemmungen können durch ökologischen und technischen Hochwasserschutz begrenzt werden.
Ökologischer vs. technischer Hochwasserschutz
Ökologischer Hochwasserschutz
Ökologischer Hochwasserschutz gibt dem Wasser dort mehr Raum, wo es Engstellen gibt und der Abfluss beeinträchtigt ist. Gleichzeitig werden ökologisch wertvolle Bereiche wieder mit dem Fluss verbunden und tragen so zum Arten- und Klimaschutz bei.
- Deichrückverlegung: Neubau eines Deichs in größerer Entfernung vom Fluss und anschließender Schlitzung oder teilweiser Rückbau des alten Deichs, sodass eine ehemalige Überschwemmungsfläche wieder mit dem Fluss verbunden ist.
- Flussrenaturierung: stellt die natürliche Dynamik und Strukturvielfalt von Flüssen wieder her, z.B. durch Maßnahmen wie den Rückbau von Begradigungen, dem Anschluss von Altarmen und dem Anlegen oder der Wiederherstellung von Flutrinnen.
Ökologischer Hochwasserschutz ist weniger kostenintensiv und reguliert den Wasserstand bei Hochwasser auf natürliche Art. Er nutzt den Boden als zentralen Wasserspeicher. Außerdem wird die biologische Vielfalt gefördert, Kohlenstoffdioxid gebunden und Wasser für Dürrephasen gespeichert. Bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen wie Deichrückverlegung und Renaturierung können allerdings Konflikte entstehen. Um die erforderlichen Flächen bereitzustellen, ist die bisherige Landnutzung häufig nicht mehr möglich. Es kann sogar notwendig sein, Gebäude zurückzubauen.
Technischer Hochwasserschutz
Technischer Hochwasserschutz bedeutet, dass man mit Bauwerken das Hochwasser stoppt oder mit steuerbaren Poldern den höchsten Wasserstand verringert.
- Hochwasserrückhaltebecken: regulierbare Stauanlagen, die sich bei hohen Flusspegeln mit Wasser füllen und damit die abfließende Wassermenge bei Hochwasser reduzieren können.
- Deiche/Dämme: künstliche Erdwälle zum Schutz vor Überschwemmungen.
- Mobile Hochwasserschutzelemente: funktionieren wie Deiche, können bei Platzmangel mit ausreichend Vorlaufzeit flexibel zum Einsatz kommen.
- Polder: von Deichen begrenzte Flächen. Man unterscheidet in Trockenpolder und Nasspolder, je nach dem, ob das Land trocken oder nass gehalten wird. Trockenpolder werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt und nur im Ausnahmefall geflutet. Das erzeugt meist hohe Schäden. Nasspolder werden hingegen häufiger geflutet und bieten Lebensraum als Feuchtgebiet.
- Schöpfwerke: pumpen Wasser entgegen dem natürlichen Gefälle ab und leiten es in eingedeichte Gewässer oder Polder.
Technischer Hochwasserschutz ist in Risikogebieten unverzichtbar, wenn ein Rückbau der besiedelten Überschwemmungsgebiete nicht möglich ist. Allerdings besteht die Gefahr von Fehlern:
- Deiche können überspült, umspült oder aufgeweicht werden und unter Druck brechen.
- Mobile Hochwasserschutzelemente können nur bei einem vorhersehbaren Hochwasser helfen, denn der Aufbau verlangt eine gewisse Vorlaufzeit sowie funktionierende Logistik.
- Die Anlagen müssen teils vom Menschen gesteuert werden, wodurch falsche oder fehlende Entscheidungen zum Verhängnis werden können.
Technische Maßnahmen sind nicht nur teuer im Bau, sondern verursachen hohe laufende Kosten für Kontrolle, Instandhaltung und Sanierung. Wenn landwirtschaftlich genutzte Polder geflutet werden, ist der Staat dazu verpflichtet, für die dadurch entstehenden Schäden aufzukommen. Technischer Hochwasserschutz bekämpft die Symptome, aber nicht die Ursachen für Hochwasser.
Die Bedeutung von Flussauen und Überschwemmungsflächen
Luftbild der Hohen Garbe – eine Überschwemmungsfläche, die der Elbe vom BUND in einem weiteren Projekt zurückgegeben wurde.
Natürliche Auen sind Flusslandschaften, die durch das Wechselspiel von Hoch- und Niedrigwasser geprägt sind. Sie bestehen wesentlich aus Auwäldern, Feuchtwiesen, Mooren und Kleingewässern. Wie ein Schwamm können sie große Wassermassen zurückhalten und bei Trockenheit wieder abgeben.
Auen müssen mit Flüssen verbunden sein, um Hochwasser regulieren zu können. Werden sie jedoch durch menschliche Eingriffe vom Fluss getrennt, spricht man von einer Altaue.
Renaturierungsmaßnahmen im ökologischen Hochwasserschutz verfolgen unter anderem das Ziel, solche Altauen wieder an den Fluss anzubinden. Diese sogenannten rezenten Auen sind natürliche Überschwemmungsgebiete. Sie haben mehrere Vorteile:
- Im Gegensatz zu Poldern werden Auen natürlicherweise ab einem bestimmten Wasserstand überschwemmt und tragen kontinuierlich und zuverlässig zum Hochwasserschutz bei. Ein gutes Beispiel dafür ist das erfolgreiche Naturschutzgroßprojekt „Lenzener Elbtalaue“.
- Renaturierungen von Flüssen haben das Potenzial, Menschenleben und Güter zu schützen.
- Durch die Wiederherstellung natürlicher Auen wird die Artenvielfalt erhöht und das Ökosystem Fluss in einen guten Zustand gebracht.
Verlust der Auen
In den letzten 200 Jahren wurden Deutschlands Flusslandschafen massiv verändert, sodass mittlerweile zwei Drittel unserer Auen verloren sind. Ein Großteil der Altauen sind Industrie, Landwirtschaft, Siedlungen und Straßenbau zum Opfer gefallen. Nun trennen Deiche den Fluss von seinen ehemaligen Flächen ab, zwängen den Strom ein und lassen so die Pegel steigen.
Der Erhalt an den Fluss angeschlossener Auen unterscheidet sich regional sehr stark. Bei den kleineren Ostseezuflüssen in Mecklenburg-Vorpommern sind noch 81 Prozent der Auen mit Flüssen verbunden. Deutlich weniger rezente Auen gibt es dagegen in den Flussgebieten von Rhein (31 Prozent), Elbe (27 Prozent), Donau (25 Prozent) und Oder (13 Prozent).
Schwammstadt: Wasser in der Stadt zurückhalten
Statt Beton und Asphalt: Rasengittersteine bieten Fahrzeugen halt – aber lassen Regen durch
(mycteria
/
via canva.com)
Vor allem in Städten sind viele Flächen versiegelt und betoniert. Das Konzept der Schwammstadt und Schwammlandschaft zielt darauf ab, solche versiegelten Flächen zu öffnen und dadurch mehr Möglichkeiten zur Wasserspeicherung zu schaffen. Städtische Grün- und Wasserflächen sollen das Regenwasser direkt dort aufnehmen, wo es fällt. Zu den Maßnahmen eines Schwammstadt-Konzepts gehören beispielsweise:
- begrünte Dächer und Fassaden
- die Umwandlung von versiegelten Flächen in Grünflächen
- das Pflanzen von Bäumen
- Ufer-Renaturierungen an städtischen Flüssen oder Seen
Durch diese Maßnahmen wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Gleichzeitig gelangt weniger verunreinigtes Wasser durch überlaufende Abwasserkanäle in die Gewässer. Die Stadt wird grüner und lebenswerter. Die Verdunstung des zurückgehaltenen Wassers hilft, die Stadt in zunehmend heißen Sommern zu kühlen.
Politische und gesellschaftliche Herausforderungen
Bei der Entscheidung, wie viel Geld in den ökologischen und wie viel in den technischen Hochwasserschutz investiert wird, müssen die Prioritäten neu überdacht werden. Zwischen 2014 und 2024 lagen die jährlichen Investitionen in die Planung, den Bau und die Sanierung von Deichen deutschlandweit im Durchschnitt bei 301 Millionen Euro, während für Deichrückverlegungen lediglich sieben Millionen Euro pro Jahr aufgewendet wurden. Dabei ist ökologischer Hochwasserschutz vielerorts die sinnvollere Lösung. Der Klimawandel erhöht zusätzlich den Handlungsdruck. Dennoch gibt es bei der Umsetzung von Maßnahmen zum ökologischen Hochwasserschutz einige Herausforderungen:
- Es braucht eine gute Abstimmung der Koordination zwischen Bund und Ländern. Eine unsichere Finanzierung kann langfristig geplante Projekte bremsen. Die verfügbaren Gelder müssen außerdem fair verteilt werden, sodass Hochwasserschutz in Deutschland gleichmäßig umgesetzt werden kann.
- Die Bevölkerung muss miteinbezogen werden, damit Bau- oder Renaturierungsmaßnahmen vor Ort Akzeptanz finden.
- Mit der Wirtschaft und Industrie können außerdem Flächennutzungskonflikte entstehen, die die Umsetzung von ökologischem Hochwasserschutz verzögern.
BUND-Forderungen zum Hochwasserschutz
- Priorität für den ökologischen Hochwasserschutz: Wenn der Fluss zu wenig Raum hat, hilft technischer Hochwasserschutz nur bedingt.
- Flächenfraß stoppen: Damit Schwammlandschaften entstehen können, braucht es mehr Raum für naturnahe Flüsse und Auen. Im Widerspruch dazu stehen die weitere Verbauung und Kanalisierung unserer Fließgewässer für die Binnenschifffahrt, Land- und Forstwirtschaft sowie Wasserkraft. Die Netto-Neuversiegelung muss auf Null gesenkt werden. Neubau sollte es nur noch auf versiegelten Flächen geben, zusätzlich braucht es mehr Deichrückverlegungen.
- Renaturieren: Feuchtgebiete wie Auen und Moore müssen sich wieder naturnah entwickeln können, damit sich ihre ökologischen Funktionen wie der Wasserrückhalt in der Landschaft voll entfalten.
- Klimaschutz forcieren: Alles, was den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert, macht extreme Wetterereignisse wie Starkregen weniger wahrscheinlich. Die Bundesregierung muss die Klimaziele einhalten!
- Bodenschutz ist Hochwasserschutz: Böden nehmen Regenwasser auf, speichern große Mengen davon und können das Wasser später an die Pflanzen zurückgeben. Gesunde Böden sind von Vorteil – beim ökologischen Landbau beispielsweise kann doppelt so viel Wasser versickern wie bei der konventionellen Land- und Forstwirtschaft.
- Umbau zu Schwammstädten: Je mehr Wasser eine Stadt speichern kann, desto besser ist sie vor Hochwasser geschützt. Daher muss die Bundesregierung die klammen Kommunen stärker finanziell und beratend unterstützen.
- Bürgerdialoge: Die Menschen in Hochwassergebieten müssen sowohl bei technischen als auch bei ökologischen Schutzmaßnahmen frühzeitig und professionell eingebunden werden. Nur so lassen sich zeitintensive Konflikte minimieren.
Auf der Karte sind gut 4000 Kilometer unseres Flussnetzes grün hervorgehoben. Der BUND lässt derzeit vom Bundesumweltministerium prüfen, ob sie im Sinne einer EU-Verordnung wiederhergestellt werden können. Die EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur bietet die Möglichkeit, die Bewirtschaftung der Wassermengen zu unterstützen und die Widerstandsfähigkeit gegen Dürren und Hochwasser durch naturbasierte Lösungen zu verbessern. Gesunde Wälder, Moore und Auen können Wasser aufnehmen, für Dürrezeiten speichern und bei Hochwasser als Überschwemmungsflächen zur Verfügung stehen. Sie halten Wasser in der Landschaft. Die Wasser- und Klimaresilienz muss in den bis 2026 zu erstellenden nationalen Wiederherstellungsplänen vollständig berücksichtigt werden.
Ihre Spende, damit wir Umwelt und Natur langfristig schützen können
Höhere Dämme allein reichen nicht aus, um vor Hochwasser und Überschwemmungen zu schützen. Wir müssen die Ursachen bekämpfen und auf ganz vielen Ebenen handeln. Deshalb bitten wir Sie: Geben Sie dem Schutz natürlicher Lebensräume, z.B. für mehr Artenreichtum und ökologischen Hochwasserschutz, in Politik und Öffentlichkeit eine starke Stimme. Unterstützen Sie uns jetzt mit Ihrer Spende, damit wir Umwelt und Natur langfristig schützen können!
Infografiken zu Hochwasser
Fazit – Warum ökologischer Hochwasserschutz wichtiger denn je ist
- Der menschengemachte Klimawandel erhöht das Risiko für Hochwasserkatastrophen. Natürliche Auen mindern Hochwasserschäden und schützen gleichzeitig das Klima, indem sie CO2 binden.
- Ökologischer Hochwasserschutz ist günstiger als technischer Hochwasserschutz. Überschwemmungsgebiete zu bebauen, bedeutet außerdem ein hohes Risiko für teure Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Ökologischer Hochwasserschutz leistet zudem Wertschöpfung durch die Stärkung der Biodiversität und des Tourismus.
- Natürliche Auen überfluten natürlicherweise ab einem bestimmten Wasserstand. Technischer Hochwasserschutz dagegen muss von Menschenhand gesteuert werden und kann auch über menschliche Fehlentscheidungen hinaus versagen.
- Auen dienen als Wasserspeicher für Trockenzeiten und tragen so zur Grundwasserneubildung bei. Außerdem filtern sie Nähr- und Schadstoffe aus dem Wasser, wodurch auch die Meere vor Überdüngung geschützt werden.
- Schwammstadtkonzepte für Hochwasserschutz in Städten sorgen für mehr Begrünung und Entsiegelung. Das entlastet nicht nur die Kanalisation bei Starkregen – Stadtgrün kühlt auch die Umgebung, filtert die Luft und sorgt für mehr Lebensqualität.
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