Die Hohe Garbe aus der Luft

BUND-Auenzentrum Burg Lenzen: für Flüsse und Menschen

Wundersam wild und artenreich, unabdingbar für Hochwasservorsorge und Klimaschutz – intakte Auen sind wichtig für Mensch und Natur. Doch sind sie in Deutschland kaum noch vorhanden. Grund für den BUND, sich mit seinem Auenzentrum auf Burg Lenzen für den Erhalt und die Entwicklung dieser wertvollen Refugien einzusetzen.

Auen sind natürliche Überflutungsflächen von Flüssen, geprägt durch das Kommen und Gehen des Wassers. Diese hohe Dynamik gestaltet ein reichhaltiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume, so dass hier auf engem Raum zahlreiche seltene und teils bedrohte Pflanzen und Tiere vorkommen. 

Allerdings stehen unseren Flüssen in Deutschland nur noch rund ein Drittel ihrer ehemaligen Überflutungsflächen zur Verfügung. Davon sind knapp neun Prozent intakt; von dem einst prägenden Auwald ist nur noch rund ein Prozent übriggeblieben. Wir arbeiten daran, diese wertvollen Lebensräume und ihre wichtigen Ökosystemleistungen wiederherzustellen.

Das sind unsere Ziele und Aufgaben im Auenzentrum:

  • Visionen umsetzen: BUND-Projekte für lebendige Flüsse und Auen
  • Synergien schaffen: gut für Klima, Artenvielfalt und uns Menschen
  • Neues wagen: von der Forschung in die Praxis 
  • Netze spannen: Lebensräume und Menschen verbinden
  • Gemeinsam wirken: Auenwerkstätten für Beteiligung und Austausch 
  • Menschen begeistern: Flussauen als ideale Lern- und Erlebnisorte

Unsere Projekte für intakte Flusslandschaften

Pflanzaktion an der Elbe im Jahr 2018  (Dieter Damschen)

Eine unserer zentralen Aufgaben ist es, bundesweit bedeutsame Modellvorhaben zur Revitalisierung unserer Flüsse und ihrer Auen zu entwickeln und umzusetzen. So sorgen wir dafür, dass Flussauen wieder natürlich überflutet werden, pflanzen neue Auwälder und legen Tümpel für Rotbauchunke und Weißstorch an. Wie das erfolgreich gelingen kann und warum auch wir Menschen davon profitieren, untersuchen wir gemeinsam mit unseren Partner*innen aus Forschung und Praxis.

Aktuelle Projekte

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Auenentwicklung in der brandenburgischen Elbtalaue

Im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg sollen sich südöstlich von Wittenberge rund 211 Hektar Aue wieder natürlich entwickeln können. Dafür untersuchen wir zunächst die Rahmenbedingungen, also etwa den Einfluss von wiederbelebten Flutrinnen und neuem Auwald auf das Hochwasserrisiko, die Schadstoffbelastung des dabei anfallenden Erdaushubes sowie die Bedarfe der Anwohnenden. Die Ergebnisse sind Grundlage für ein nachfolgendes Projekt, in welchem dann konkrete Maßnahmen für eine naturnahe Aue in dem Gebiet umgesetzt werden.

Unsere Ziele:

  • Wir untersuchen die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Auenentwicklung zwischen Elbe-Kilometer 431 und 446.
  • In einer Auenwerkstatt binden wir die regionalen Akteursgruppen und die Anwohnenden in das Vorhaben ein.
  • Wir klären zentrale Fragen zur Balance zwischen Naturschutz und Hochwasservorsorge.
  • In Kooperation mit dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung entwickeln wir konkrete Maßnahmen zur Wiederherstellung wertvoller Auenlebensräume.

Fakten zum Projekt

Laufzeit der Voruntersuchung: 01.07.2024 bis 30.06.2026
Umsetzung geplant ab 07/2026

Förderung: Bundesprogramm Blaues Band Deutschland durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Projektpartner: Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg

"MediAN − Mechanismen der Ökosystemdienstleistungen in Hartholz-Auwäldern: Wissenschaftliche Analyse sowie Optimierung durch Naturschutzmanagement"

Als Praxispartner in diesem Forschungsprojekt haben wir den Auenwald-Biotopverbund an der unteren Mittelelbe konsequent weiterentwickelt. Ziel war es, seltenen und wertvollen Hartholz- Auwald im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg zu pflanzen sowie die Öffentlichkeit über die neusten Forschungsergebnisse zum Wert dieser Ökosysteme, insbesondere für den Klimaschutz, zu informieren.

Das sind die größten Erfolge:

  • Entlang von 47 km an der Unteren Mittelelbe haben wir etwa 13.000 Bäume und Sträucher gepflanzt sowie junge Bäume vor Wildverbiss geschützt. Dadurch kann sich der Hartholz-Auwald entwickeln und Teil des Biotopverbunds werden.
  • Durch die Zusammenarbeit mit unseren Forschungspartnern haben wir wichtige Erkenntnisse zu Pflanzdesigns und zur Etablierung einer auentypischen Krautschicht gewonnen, die nun in unsere praktische Arbeit einfließen.
  • Wir haben Partner aus Wissenschaft und Praxis zusammengebracht und dadurch einen wertvollen Wissenstransfer ermöglicht.
  • Mit vielfältiger Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit haben wir die neuesten Forschungsergebnisse vermittelt und den Wert von Auwäldern für den Naturschutz und das Klima deutlich gemacht.

Fakten zum Projekt:

  • Laufzeit: 2/2017 bis 12/2023, aktuell Pflege der Pflanzungen
  • Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA) sowie Drittmittelgeber
  • Verbundpartner: Universität Hamburg, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, Technische Universität Berlin, Loki Schmidt Stiftung

Publikation zum Projekt: Hier herunterladen

"Auenentwicklung zwischen Elbe und Aland"

Die Garbe-Niederung umfasst neben dem wertvollem Auwald der Hohen Garbe auch den angrenzenden Polder mit artenreichen Auenwiesen und vielen Gewässern. Wir haben in der Hohen Garbe den Wasserhaushalt weiter verbessern und im Polder gemeinsam mit den Landnutzer*innen auentypische Tiere und Pflanzen fördern.

Das sind die größten Erfolge:

  • Eine erweiterte Flutrinne leitet nun auch kleine Hochwasser tief in die 420 ha große Hohe Garbe. Das wichtige für den Erhalt des Waldes und schafft eine vielfältige und lebendige Aue.
  • Wir haben vier neue Kleingewässer angelegt, in denen Amphibien wie die stark gefährdete Rotbauchunke, aber auch Kammmolch sowie Moor- und Laubfrosch einen Lebensraum finden.
  • Durch die Anlage kleiner Inseln in einem Gewässer sind attraktive Brutplätze für Kiebitz & Co. entstanden, was den Bestand der deutschlandweit gefährdeten Wiesenbrüter fördert.
  • Kartierungen haben gezeigt, dass der 750 Hektar große Garbe-Polder ein wertvoller Naturraum ist, indem jedoch Amphibien sowie Wat- und Wasservögel unter Wassermangel leiden. In Folgeprojekten wollen wir dieses Problem gezielt angehen.
  • Mit hochwertigen Bildungsangeboten und kontinuierlicher Berichterstattung haben wir die Bildungslandschaft im ländlichen Raum bereichert und das Bewusstsein für den Schutz der Flussauen gestärkt.

Fakten zum Projekt:

  • Laufzeit: 1/2021 bis 12/2023, aktuell Planung einer weiteren Flutrinne
  • Unterstützung: Deutsche Postcode Lotterie
"Lebendige Auen für die Elbe"

Ziel war es, die Hohe Garbe als seltenen und wertvollen Hartholzauenwald an der Elbe zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dieses Vorhaben haben wir unter Beteiligung regionaler Interessengruppen und Anwohner*innen umgesetzt und eine breite Öffentlichkeit für die Schönheit und den Wert von Auenwäldern begeistert.

Das sind die größten Erfolge:

  • Wir haben 130 ha für die BUNDstiftung erworben und so den Auenwald langfristig geschützt und zugleich die Voraussetzungen für die Renaturierungsmaßnahmen geschaffen.
  • Durch Schlitzung eines alten Deiches und die Reaktivierung von Flutrinnen ist die 420 Hektar große Garbe wieder mit der Dynamik der Elbe verbunden.
  • Der Auwald der Hohen Garbe kann sich in Zukunft natürlich, ganz ohne menschliche Eingriffe entwickeln und hat sich sogar um 40 Hektar auf 225 Hektar vergrößert. Starthilfe gab die Pflanzung von 14.000 Bäumen und Sträuchern.
  • Wir haben eine alte Nebenrinne ausgebaggert und Kleingewässer neu angelegt und aufgewertet und dadurch die auentypische Vielfalt gefördert.
  • Wir haben mit attraktiven Naturerlebnisangeboten die nachhaltige Regionalentwicklung gestärkt und ein Netzwerk von Unterstützer*innen an der Elbe gewonnen.

Fakten zum Projekt:

  • Laufzeit: 11/2012 bis 10/2021, anschließend Flächenbetreuung, Pflege von Maßnahmen und Evaluation
  • Förderung: Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz sowie Drittmittelpartner
  • Projektpartner: BUNDstiftung, WWF-Aueninstitut im Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Technische Universität Berlin (Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung), Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
  • Website zum Projekt

 

Naturschutzgroßprojekt "Lenzener Elbtalaue"

Mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe hat das Auenzentrum die erste große Deichrückverlegung in Deutschland umgesetzt und Hochwasservorsorge mit Naturschutz verbunden. Bis 2024 haben wir in Erfolgskontrollen ermittelt, wie sich die wieder erlangte Auenlandschaft entwickelt und welche Arten profitieren.

Das sind die bislang größten Erfolge:

  • In Kooperation mit dem Land Brandenburg haben wir der Elbe 420 Hektar ihrer ehemaligen Auen zurückgegeben. Das sind allein 10 % der seit 2009 wiedergewonnenen Überschwemmungsflächen in Deutschland.
  • Die Aue puffert Extremereignisse wie dem Jahrhunderhochwasser 2013 genauso wie die Dürren der letzten Jahre regional ab und wirkt als Kohlenstoffsenke dem Klimawandel entgegen.
  • Oase der Biodiversität: Aus den Initialmaßnahmen hat sich eine lebendige Auenlandschaft mit seltenem Auwald und Auengewässern entwickelt, in der zahlreiche Arten Lebensraum finden.
  • Die vielfältige Auenlandschaft ist ein Besuchermagnet geworden und trägt dazu bei, die Region nachhaltig touristisch zu entwickeln.

Fakten zum Projekt:

  • Laufzeit: 2002 bis 2011, Evaluation bis 2025
  • Förderung: Bundesprogramm Chance.Natur durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz sowie Drittmittelpartner
"Dornburger Alte Elbe"

Wir möchten das größte Altwasser Deutschlands, die Dornburger Alte Elbe, wieder zum Leben erwecken. Seltene Arten wie Rotbauchunke und Grüne Mosaikjungfer kommen hier vor, sind aber von der akuten Verlandung des Gewässers bedroht. Im Umfeld der Stadt Magdeburg informieren wir Anwohner*innen und Gäste über die Besonderheiten des Natura-2000-Gebiets.

Das sind die bislang größten Erfolge:

  • Wir haben prioritäre Flächen und Maßnahmen zum Erhalt von Rotbauchunke, Kranichbrutplätzen etc. identifiziert.
  • Planungsunterlagen liegen umsetzungsreif vor.
  • Wir haben Umweltbildungsangebote für Kinder und Jugendliche sowie naturkundliche Führungen und Spaziergänge in das Projektgebiet durchführt.

Fakten zum Projekt:

  • Projektlaufzeit: 8/2020 bis 9/2024, aktuell Vorbereitung Umsetzungsprojekt
  • Förderung: der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) 
  • Durchführung durch das Projektbüro in Magdeburg in enger Kooperation mit dem BUND Landesverband Sachsen-Anhalt 
Blaues Band Oberweser

Seit 2015 unterstützen wir die BUND Landverbände Niedersachsen, NRW und Hessen bei der Entwicklung der 200 km langen Oberweser:

  • Als Gründungsmitglied des „Initiativkreises Oberweser“ haben wir Visionen für mehr Flussnatur im Einklang mit Naturtourismus entwickelt und für diese mit einer Flusskonferenz und Regionalgesprächen geworben.
  • Wir haben den Landesverband Niedersachen erfolgreich bei der Antragstellung von Projekten im Bundesprogramm Blaues Band Deutschland beraten.
  • Wir haben das Projekt „Blaues Band Oberweser – Potentiale erkennen, Maßnahmen initiieren“ inhaltlich und strategisch begleitet.

Aktuell unterstützen wie bei der Vorbereitung von Umsetzungsprojekten.

Impressionen aus den Projekten

(zum Vergrößern Bilder anklicken)

Menschen begeistern für naturnahe Auen

Burg Lenzen Burg Lenzen, der Sitz des BUND-Auenzentrums  (Dieter Damschen)

Das BUND-Auenzentrum hat seinen Sitz auf der Burg Lenzen, mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Die denkmalgeschützte Burg beherbergt auch das BUND-Besucherzentrum und bietet mit dem Ahead-Burghotel optimale Tagungsmöglichkeiten. Mit regelmäßigen Veranstaltungen für kleine und große Fluss-Akteure werben wir für die Bedeutung und den Schutz von Flussauen und begeistern für ihre wilde Schönheit. 

Die Vernetzung und der Wissenstransfer zwischen Öffentlichkeit, Politik, Forschung und Praxis ist uns ein weiteres wichtiges Anliegen. Dazu stehen wir im ständigen Austausch mit anderen Verbänden und Vereinen, wissenschaftlichen Instituten und Behörden.

Für die breite Öffentlichkeit bietet das Auenzentrum vielseitige Informationen zu naturnahen Flussauen. Mit unserer "Auenwerkstatt" haben wir ein ideales Austauschforum entwickelt, um kontinuierlich mit Anwohner*innen und regionalen Akteur*innen zu Naturschutzmaßnahmen in Kontakt zu sein. Dazu gehören Informationsveranstaltungen und -materialien sowie Exkursionen in Projektgebiete.

So unterstützen Sie den Auenschutz

Unser Ziel ist es, einen Biotopverbund mit lebendigen Auen zu schaffen. Sie unterstützen mit Ihrer Spende die Elbarbeit des BUND-Auenzentrums Burg Lenzen:

  • Mit 25 Euro helfen Sie, Pflanzungen zu betreuen, Zäune zu kontrollieren und zu reparieren. Dafür benötigen wir rund 1.500 Euro jährlich.
  • Mit 50 Euro ermöglichen Sie uns, unser Wissen weiterzugeben. Für ein umfangreiches Monitoring des Projekts benötigen wir rund 25.000 Euro pro Jahr.
  • Mit 100 Euro unterstützen Sie uns, die dritte Flutrinne wiederherzustellen. Für diese müssen wir einen Anteil von 30.000 Euro aufbringen.

Auenlebensräume hautnah erleben

Besucher*innen können rund um die Burg Lenzen die Vielfalt und Schönheit einer Fluss- und Auenlandschaft erfahren: Vom BUND-Besucherzentrum führen spannende Exkursionen zu Fuß, per Rad und im Kanu in die Elbtalaue. Ergänzend bieten Ausstellungen in den historischen Gemäuern der Burg sowie das AuenReich im Burgpark einen idealen Einstieg in das Thema Fluss und Auenschutz.


 

Bildungsangebote im Projekt "Lebendige Auen für die Elbe"

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