Gaskraftwerke in Deutschland

Deutschland steht vor der Herausforderung, sein Energiesystem klimafreundlich und zukunftssicher zu gestalten. Die Bundesregierung treibt den Neubau von Gaskraftwerken als Ergänzung zu Wind- und Solarenergie für die Versorgungssicherheit voran. Doch neue Gaskraftwerke heizen die Klimakrise an, verschlingen Milliarden an Subventionen, produzieren teuren Strom und machen uns abhängig von Gasimporten. Diese Seite liefert Hintergründe, Zahlen und Einschätzungen rund um den Status quo und die Perspektiven der Gaskraftwerke und der weiteren Gasinfrastruktur in Deutschland.

Was ist ein Gaskraftwerk?

Ein Gaskraftwerk ist eine Anlage zur Stromerzeugung, in der meist fossiles Erdgas verbrannt wird, um Wärmeenergie in elektrische Energie umzuwandeln. Gaskraftwerke lassen sich vergleichsweise schnell an- und abschalten und sollen daher als flexibles Backup dienen. Allerdings produzieren sie im Vergleich zu den erneuerbaren Energien sehr teuren Strom, erhöhen die Abhängigkeit von Gasimporten und sind schädlich für das Klima.

Wie funktioniert ein Gaskraftwerk?

Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Hamm-Uentrop  (Tim Reckmann / wikimedia)

Ein Gaskraftwerk produziert Strom, indem Erdgas verbrannt wird – meist erfolgt dies in einer Gasturbine oder in einem Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (GuD). Gasturbinenkraftwerke zeichnen sich durch hohe Flexibilität aus, sind jedoch weniger effizient. GuD-Anlagen nutzen die entstehende Abwärme und erzielen dadurch deutlich höhere Wirkungsgrade. Bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird zusätzlich die anfallende Wärme beispielsweise für Fernwärme verwendet.

Wie viele Gaskraftwerke gibt es in Deutschland?

Derzeit sind in Deutschland rund 90 Gaskraftwerke mit einer installierten Leistung von 35,5 Gigawatt in Betrieb. In den kommenden Jahren sollen jedoch Milliarden an Subventionen in den Bau und Betrieb zusätzlicher Gaskraftwerke investiert werden.

Geplante größere Gaskraftwerke mit einer Leistung von mindestens 0,5 Gigawatt sollen unter anderem an folgenden Standorten entstehen: Altbach/Deizisau, Bergkamen, Bexbach, Burghausen, Dinslaken (Voerde), Gelsenkirchen (Scholven 2), Großkrotzenburg (Staudinger Gaskraftwerk), Hamm, Heilbronn, Karlsruhe, Lippendorf, Mehrum, Quierschied, Schkopau, Spremberg (Schwarze Pumpe), Weisweiler und Werne (Gersteinwerk).

Karte mit allen geplanten Gaskraftwerken

Was kostet ein Gaskraftwerk?

Die Kosten eines Gaskraftwerks setzen sich zusammen aus:

  • Baukosten: Durch die global gestiegene Nachfrage sind die Baukosten für Gaskraftwerke zuletzt massiv gestiegen. Ein neues GuD-Kraftwerk mit 0,5 Gigawatt kann deshalb über eine Milliarde Euro kosten.
  • Stromerzeugungskosten: Diese entstehen hauptsächlich durch Betriebskosten, den CO2-Preis und die Kosten für fossiles Erdgas. Strom aus Gas könnte künftig zur Kostenfalle werden: Da immer mehr günstiger Strom durch erneuerbare Energien erzeugt wird, kommen die teuren Gaskraftwerke immer weniger Stunden im Jahr zum Einsatz (Merit-Order). Zudem ist mit steigenden Kosten für CO2-Zertifikate zu rechnen, und auch der Gaspreis hängt stark von der politischen Weltlage ab.

Ohne staatliche Subventionen wird der Bau neuer Gaskraftwerke in Zukunft daher kaum wirtschaftlich sein.

Folgekosten

Gesellschaftliche Folgekosten entstehen, wenn klimatische Veränderungen beispielsweise zu mehr extremen Wetterereignissen, einer höheren gesundheitlichen Belastung oder einem Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge führen.

Wenn man die Folgekosten der Klimakrise berücksichtigt, ist der Vergleich eindeutig: Strom aus Wind- und Solaranlagen kostet weniger als 10 ct/kWh, während Strom aus neuen Gaskraftwerken mit bis zu 67 ct/kWh extrem teuer ist. Auch wenn die Kosten für Stromnetzausbau und Speicherung einberechnet werden, liegen die Kosten der erneuerbaren Energien deutlich unter denen von Gaskraftwerken. 

Klimabilanz: Wie klimaschädlich sind Gaskraftwerke?

Obwohl Gaskraftwerke bei der Stromerzeugung weniger CO2 ausstoßen als Kohlekraftwerke, fällt ihre Klimabilanz dennoch schlecht aus. Der Hauptgrund dafür sind zusätzliche Methanemissionen entlang der gesamten Lieferkette. Besonders problematisch ist dies beim Einsatz von Fracking-Gas aus den USA, das durch Flüssiggasimporte einen zuletzt steigenden Anteil an der Gasversorgung in Deutschland einnimmt. Wir müssen aus Erdgas aussteigen.

Gaskraftwerke können nur dann zu einem klimaneutralen Stromsystem beitragen, wenn sie mit klimafreundlichen Brennstoffen wie grünem Wasserstoff betrieben werden. Deshalb fordert der BUND, das alle Gaskraftwerke spätestens bis zum Jahr 2035 verbindlich auf den Betrieb mit grünem Wasserstoff umzustellen sind.

So setzen Sie sich für den Gasausstieg ein

Mit Ihrer Spende setzen Sie sich mit uns für den sofortigen Stopp der Naturzerstörung, den konsequenten Gasausstieg sowie eine naturverträgliche Energiewende ein. Beispiele, wie Ihre Spende hilft:

  • Mit 25 Euro helfen Sie, die Öffentlichkeit mit In­fo­materialien und Auf­klärungskam­pagnen für den Kli­ma­schutz zu sensibilisieren.
  • Mit 50 Euro stärken Sie den politischen Druck und fordern den Ausstieg aus fossilen Energien und eine sozial gerechte Klimapolitik.
  • Mit 100 Euro unterstützen Sie juristische Schritte gegen klimaschädliche Gesetze und Bauvorhaben sowie fehlende Maßnahmen für den Klimaschutz.

Ausbau der Gasinfrastruktur in Deutschland

Bau einer Gas-Pipeline in der Nähe von Schwandorf in Bayern  (Christian Duschinger / via canva.com)

Der umfangreiche Ausbau von Gaskraftwerken ist nur ein Aspekt der rückwärtsgewandten Energiepolitik der Bundesregierung. Gleichzeitig mit dem Bau neuer Kraftwerke entsteht auch eine neue Gasinfrastruktur: Dazu gehören neue Terminals für den Import von Flüssigerdgas (LNG), Pipelines und Gasbohrungen.

Auf der Gemeinsam-Gegen-Gas-Karte, die in Kooperation mit vielen weiteren Organisationen erstellt wurde, wird der Ausbau der Gasinfrastruktur in Deutschland sichtbar gemacht:

Wer baut Gaskraftwerke in Deutschland?

Gasturbine bei der Fertigung  (industryview / via canva.com)

Zu den Unternehmen mit den größten Ausbauplänen für Gaskraftwerke zählen EP Energy Transition über das Tochterunternehmen LEAG und das Schwesterunternehmen EPH, sowie RWE, STEAG, Uniper, EnBW und Trianel.

Politische Einflussnahme und Rolle der Gaslobby

Im Zusammenhang mit den geplanten Subventionen für Gaskraftwerke wird in der öffentlichen Berichterstattung immer wieder die enge Verbindung zwischen Politik und Gaswirtschaft deutlich.

Besonders die Rolle von Katherina Reiche, die zuvor für einen großen Energiekonzern tätig war, steht dabei im Fokus. Medien berichten, dass Argumente und Positionen der Gaslobby teilweise wörtlich Eingang in Gesetzesentwürfe finden. Beispielsweise sollen die Kriterien für die Subventionsvergabe nach Willen der Gaslobby so gestaltet werden, dass Batteriespeicher keine Chance haben und vor allem Gaskraftwerke bevorzugt werden. 

Was wir als BUND vor Ort unternehmen

Derzeit sind in Deutschland mehrere große Bohrprojekte für Erdgas geplant, die erhebliche Umweltauswirkungen haben könnten. Der BUND Naturschutz in Bayern setzt sich gegen Gasbohrungen in Reichlin am Ammersee ein, während der BUND Niedersachsen gegen Bohrprojekte vor Borkum vorgeht. 

Für den Import von verflüssigtem Erdgas werden an den Küsten sogenannte LNG-Terminals sowie Pipelines gebaut, um das Gas zu transportieren. Die BUND Landesverbände in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sprechen sich entschieden gegen den Ausbau aus. Die Terminals zementieren fossile Abhängigkeiten, werden vor allem für den Import von besonders klimaschädlichen Fracking-Gas aus den USA genutzt und schaden der lokalen Umwelt.

Alternativen zum Ausbau der Gasinfrastruktur

Für ein klimaneutrales Energiesystem der Zukunft sind Lösungen erforderlich, um Zeiten zu überbrücken, in denen weder Wind weht noch die Sonne scheint. Doch dabei sollte der Fokus viel stärker auf mehr Flexibilität im Stromsystem liegen, beispielsweise durch Speicher, Lastmanagement, dynamische Stromtarife oder flexibilisierte Biogasanlagen. 

Ebenso müssen Stromnetze naturverträglich ausgebaut werden. Bei der Subventionsvergabe dürfen klimafreundliche Lösungen wie Batteriespeicher nicht benachteiligt werden. Gaskraftwerke müssen zudem bis 2035 verbindlich auf einen klimafreundlichen Betrieb mit grünem Wasserstoff umgestellt werden. Das Ausbremsen der Energiewende und der rückwärtsgewandte Gas-Kurs der Bundesregierung ruft zunehmend Protest der Klimabewegung hervor. Gemeinsam mit ihnen fordert der BUND, dass weitere Flüssiggas-Terminals ebenso wie neue Gasborprojekte gestoppt werden müssen. Der BUND setzt sich für eine konsequenten Energie- und Wärmewende ein, damit bis spätestens 2040 der Gasausstieg Realität wird.

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