Erdgas – Entstehung, Nutzung und Ausstieg

Erdgas ist ein fossiler Energieträger, den die Industrie nutzt. Mit Erdgas wird geheizt und Strom erzeugt. Doch die Förderung und Nutzung sind teuer, zerstören Umwelt und Klima und machen Deutschland abhängig von anderen Ländern. Die Lösung: Aus der Gasnutzung aussteigen und Erneuerbare Energien ausbauen.

Was ist Erdgas?

Definition und Zusammensetzung

Erdgas ist ein brennbares Gasgemisch, das überwiegend aus Methan (CH4) besteht. Es gehört zu den fossilen Brennstoffen und ist nicht erneuerbar.

Wie entsteht Erdgas?

Unser heutiges Erdgas entstand über Millionen Jahre aus den Überresten von Pflanzen und Tieren. Diese sanken auf den Meeresboden, wurden von Sedimenten wie Sand, Ton und Gesteinen bedeckt. Fehlender Sauerstoff führte dazu, dass die Überreste nicht verwesen konnten, sondern sich zu Faulschlamm entwickelten. Aus dem Faulschlamm bildeten sich unter hohem Druck und hohen Temperaturen Erdöl und Erdgas. Wegen ihrer geringeren Dichte stiegen sie durch poröse Gesteinsschichten auf und sammelten sich unter undurchlässigen Schichten zu Erdgaslagerstätten.

Wie wird Erdgas gewonnen?

Fracking ist eine besonders umweltschädliche Methode zur Erdgasgewinnung.  (Foto: sasacvetkovic33 via canva)

Erdgas wird meist über Bohrungen an Land oder im Meer gewonnen, die in die Gesteinsschichten der Lagerstätten getrieben werden. Ist die Lagerstätte erreicht, strömt das Gas aufgrund des hohen Drucks im Gestein oft von selbst an die Oberfläche. Bei unkonventionellen Lagerstätten kommt zusätzlich die umstrittene Fracking-Methode zum Einsatz: Eine Mischung aus Wasser, Sand und chemischen Zusätzen wird in das Gestein gepresst, um Risse zu erzeugen und das Gas freizusetzen. In Deutschland ist unkonventionelles Fracking verboten. In den USA, woher wir das meiste Flüssiggas importieren, ist unkonventionelles Fracking erlaubt. Das hat starke Auswirkungen auf die nahe Umwelt und Bevölkerung. Konventionelles Fracking in durchlässigeren Gesteinsschichten ist in Deutschland unter Auflagen außerhalb von Schutzgebieten erlaubt.

Erdgas in Deutschland

Wofür wird Erdgas genutzt?

Deutschland ist vielen Bereichen noch stark von Erdgas abhängig:

  • Viele Heizungen und Wasser in Haushalten und im Gewerbe werden durch Erdgas warm (Im Jahr 2024: 43 Prozent des Gesamtverbrauches in Deutschland).
  • Erdgas wird in der Industrie z.B. sowohl als Rohstoff in der Chemie als auch als Prozessenergie in der Metallverarbeitung eingesetzt. (Im Jahr 2024: 37 Prozent des Gesamtverbrauchs in Deutschland)
  • Für Gas-Kraftwerke dient Erdgas als Brennstoff zur Stromerzeugung (Im Jahr 2024: 13 Prozent des Gesamtverbrauchs) und zur Erzeugung von Fernwärme (Im Jahr 2024: 7 Prozent des Gesamtverbrauchs).

Wo in Deutschland wird Erdgas gefördert?

Nur etwa fünf Prozent des Erdgasverbrauchs in Deutschland wird über heimische Förderung gedeckt. Diese Vorkommen leisten somit keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgungssicherheit. Dennoch werden aktuell neue Gasbohrungen vor Borkum, am Ammersee und in der polnischen Ostsee vorangetrieben. Das geschieht, obwohl die Internationale Energieagentur klargestellt hat, dass zur Erreichung der Pariser Klimaziele keine neuen Öl- und Gasfelder mehr erschlossen werden dürfen. Auch aus Naturschutzsicht bestehen große Bedenken gegen die Förderung in der Nähe des Wattenmeer UNESCO-Weltkulturerbes oder in der Nähe von Trinkwasser- bzw. Naturschutzgebieten wie in Bayern. Die BUND-Landesverbände in Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern setzen sich deshalb gegen die Bohrungen ein.

Woher wird Erdgas nach Deutschland importiert?

Flüssiges Gas (engl. liquefied natural gas, LNG) wird mit Schiffen bei einer dauerhaften Kühlung von etwa minus 160 Grad Celsius transportiert.  (Foto: Miguel Perfectti via canva)

Bis zum Lieferstopp im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 kam der Großteil des Gases aus Russland. Heute stammen das Erdgas überwiegend aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien.

Über LNG-Terminals wird vor allem Fracking-Gas aus den USA importiert, das besonders umweltschädlich ist: Bei dessen Förderung, Verflüssigung und Transport entweichen enorme Methanmengen, es wird viel Energie verbraucht und durch giftige Chemikalien werden Wasser, Böden und Klima massiv belastet.

Auch das Erdgas, das über Belgien und die Niederlande nach Deutschland gelangt, besteht größtenteils aus Flüssiggas, das aus Ländern wie den USA oder Katar stammt. Auf diesem Weg gelangt weiterhin ein Teil russischen Erdgases in die deutschen Gasnetze, auch wenn die EU plant, den Import bis Ende 2027 zu verbieten.

Die BUND-Landesverbände Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und setzen sich gegen den überdimensionierten Ausbau von LNG-Terminals in Deutschland und ihre negativen Folgen für Klima und Umwelt ein.

Wie wird das Erdgas gespeichert?

Erdgas wird in unterirdischen Speichern gelagert, zum Beispiel in ehemaligen Erdgas- oder Salzstöcken. Diese Speicher dienen dazu, saisonale Schwankungen in der Nachfrage auszugleichen, besonders in den Wintermonaten. Deutschland verfügt über mehrere große Speicher, die zusammen einen erheblichen Teil des Jahresverbrauchs abdecken können.

Warum müssen wir aus dem Erdgas aussteigen?

Erdgas ist klimaschädlich

Entgegen seinem Image ist Erdgas extrem klimaschädlich. Zum einen entsteht bei seiner Verbrennung wie bei anderen fossilen Energieträgern CO2. Noch problematischer ist Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas: Es ist ein sehr starkes Treibhausgas, das bis zu 84-mal schädlicher als CO2 über 20 Jahre ist. Es entweicht beim Abbau, Transport oder der Speicherung von Erdgas. Somit heizt Erdgas die Klimakrise sogar doppelt an. Gerade Fracking-Gas aus den Vereinigten Staaten ist damit noch klimaschädlicher als Kohle. Deshalb müssen wir bis spätestens zum Jahr 2040 aus dem Erdgas aussteigen.

Erdgas ist umweltschädlich

Die Förderung von Erdgas greift massiv in Natur und Landschaft ein. Beim Bohren, insbesondere beim Fracking, werden große Mengen Wasser und Chemikalien eingesetzt, die Böden und Grundwasser belasten können. Der Bau von Pipelines, Bohrplattformen oder LNG-Terminals zerstört Lebensräume und beeinträchtigt Ökosysteme. Beim Transport und an Förderanlagen entweichen Methan und gesundheitsschädliche Schadstoffe. Zudem führen Unfälle oder Leckagen immer wieder zu lokalen Verschmutzungen. Auch die Verbrennung von Erdgas verschlechtert die Luftqualität und kann zu Atemwegserkrankungen und anderen Krankheiten führen.

Erdgas ist teuer

Ein Mann installiert eine Wärmepumpe. Wärmepumpen sind eine günstige und gleichzeitig klimaschonende Alternative zu fossilem Heizen.  (Bild: Welcomia via canva.com)

Für Verbraucher*innen ist die Abhängigkeit von Erdgas teuer. Im Gegensatz zu Erneuerbaren Energien liefern Gaskraftwerke den teuersten Strom. Wenn diese Kraftwerke neu gebaut werden, müssen sie vom Staat mit Milliarden subventioniert werden. Doch besonders Gasheizungen werden in Zukunft zur Kostenfalle für Verbraucher*innen. Da immer mehr Menschen erneuerbar heizen, werden die Kosten der Gasnetze auf weniger Menschen umgelegt. Auch der CO2-Preis wird Erdgas in den nächsten Jahren zusätzlich verteuern.Im Jahr 2024 hat Deutschland Erdgas im Wert von 19 Milliarden Euro importiert. Für die Gaswirtschaft, die durch wenige mächtige Konzerne entlang der Gaslieferkette geprägt ist, ist das ein gutes Geschäft. Damit alle Menschen zukunftssicher und bezahlbar heizen können, muss die Bundesregierung die Wärmewende vorantreiben und sozial ausgestalten.

Erdgas macht uns abhängig

Die Energiekrise 2022 hat gezeigt: Unser hoher Erdgasverbrauch macht uns abhängig von Autokraten wie Putin. Momentan beziehen wir große Mengen von extrem klimaschädlichem Fracking-Gas aus den Vereinigten Staaten und werden damit durch Trump erpressbar. Mit dem USA-EU Zolldeal sollen diese Mengen sogar noch um ein Vielfaches steigen. Damit würden die Fehler der Gas-Politik der Jahre vor dem Ukraine Krieg wiederholt. Die Bundesregierung muss stattdessen eine Strategie entwickeln, wie sie bis zum Jahr 2040 den Gasausstieg in allen Sektoren schafft.

So setzen Sie sich für den Gasausstieg ein

Mit Ihrer Spende setzen Sie sich mit uns für den sofortigen Stopp der Naturzerstörung, den konsequenten Gasausstieg sowie eine naturverträgliche Energiewende ein. Beispiele, wie Ihre Spende hilft:

  • Mit 25 Euro helfen Sie, die Öffentlichkeit mit In­fo­materialien und Auf­klärungskam­pagnen für den Kli­ma­schutz zu sensibilisieren.
  • Mit 50 Euro stärken Sie den politischen Druck und fordern den Ausstieg aus fossilen Energien und eine sozial gerechte Klimapolitik.
  • Mit 100 Euro unterstützen Sie juristische Schritte gegen klimaschädliche Gesetze und Bauvorhaben sowie fehlende Maßnahmen für den Klimaschutz.

Gasausstieg: Welche Alternativen gibt es?

Eine saubere, sichere und bezahlbare Energieversorgung ist mit Erdgas nicht machbar. Der Ausstieg gelingt nur durch einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien, ein flexibles Stromsystem und eine sozial gestaltete Wärmewende. Die nötigen Technologien – etwa Wind- und Solaranlagen, Batteriespeicher oder Wärmepumpen – existieren längst. Mit ihnen ist eine zukunftssichere und klimafreundliche Energieversorgung möglich, die zudem günstiger für die Bürger*innen ist. Statt weiter fossile Geschäftsmodelle zu sichern, muss die Bundesregierung diese konsequent unterstützen. Viele Unternehmen, Kommunen und Bürger*innen haben sich vor Ort bereits auf den Weg gemacht und treiben die Energie- und Wärmewende durch ihren Einsatz voran.

Der BUND fordert:

  • Konsequenten und naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien
  • Klimafreundliche und sozial gerechte Wärmewende vorantreiben
  • 100 Prozent Erneuerbare Energien im Stromsektors bis 2035
  • Erdgasausstieg in allen Sektoren bis spätestens 2040

Jetzt im Podcast: Wie werden wir in Zukunft heizen?

In der ersten Folge des Podcasts "BUNDfunk" sprechen Niklas (Audioredakteur) und Julius (Referent für Klima- und Energiepolitik) über die Wärmewende und den Gasausstieg. Warum ist fossiles Gas teuer und mies für das Klima, wie findet man heraus, ob man bei sich zuhause eine Wärmepumpe einbauen kann und was hat es mit dem viel diskutieren „Heizungsgesetz“ auf sich?

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