Solarthermie-Kraftwerk.

Wärmewende: Bezahlbar und ökologisch

Die Wärmeversorgung von Gebäuden ist für knapp 20 Prozent der CO2 Emissionen in Deutschland verantwortlich. Die Abhängigkeit von fossilem Gas und Öl hat in den letzten Jahren zu massiven Kostensteigerungen und Unsicherheit beim Heizen geführt. Hohe Heizkosten belasten immer mehr Menschen. Um langfristig klimaschonend und für alle finanzierbar zu Heizen, müssen wir auf erneuerbare Wärme, Effizienz und die Senkung des Energieverbrauchs setzen.

Heizung größter Energiefresser im Haushalt

Die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland wird für die Erzeugung von Wärme und Kälte verbraucht. Die Heizung im Keller ist der größte Energiefresser in deutschen Haushalten. Für den Klimaschutz ist die Art, wie geheizt wird, eine der größten Herausforderungen – die jahrelang politisch vernachlässigt wurde. Sieben von acht Wohnungen in Deutschland werden aktuell durch fossile Energieträger beheizt. Den Löwenanteil machen dabei Gasheizungen aus, die in knapp der Hälfte aller Wohnungen für Wärme sorgen. Danach kommen Ölheizungen und Fernwärme, die noch überwiegend aus fossilem Gas oder Kohle stammt. Dahinter stehen starke wirtschaftliche Interessen, die den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen verzögern.

Wärmewende ist zentraler Baustein beim Klimaschutz

Solarthermie-Kraftwerk. Solarthermie-Kraftwerk in Potsdam.  (Bild: picture alliance/dpa/Soeren Stache)

Bei der Gewinnung, beim Transport und bei der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle werden große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase freigesetzt. Es ist klar: ohne eine ehrgeizige Wärmewende wird Deutschland seine Klimaziele dauerhaft und deutlich verfehlen. Die sukzessive Abkehr von heute dominantem fossilem Gas (Erdgas) ist der Schlüssel für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Dazu gehört aus Sicht des BUND ebenso, alle Effizienz- und Einsparpotentiale zu nutzen. Denn durch die Dämmung von Gebäuden und den effizienten Betrieb von Heizungen, kann der Wärmeenergiebedarf deutlich gesenkt werden. Der verbleibende Wärmebedarf kann dann durch erneuerbare Wärmequellen wie Solarthermie und Wärmepumpen und die Nutzung von Abwärme gedeckt werden. Eine Wärmeversorgung, die überwiegend auf fossilen Energieträgern beruht, führt zu einer starken Abhängigkeit von Importen und ihren schwankenden Preisen. Insbesondere unsere Abhängigkeit von Erdgas ist eine Achillesferse der Energieversorgung. Das haben die Heizkostensteigerungen und die Angst vor Versorgungslücken nach dem Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine deutlich gezeigt.

Haushalte mit geringem Einkommen besonders betroffen

Haushalte mit geringem Einkommen sind davon besonders betroffen. Sie müssen überproportional viel Geld für Heizkosten ausgeben, wohnen besonders häufig in schlecht gedämmten Wohnungen und haben als Mieter*innen keine Möglichkeit, ihre Heizart selbstzu bestimmen. Der Anteil der Menschen, die von Energiearmut bedroht oder bereits betroffen sind, nimmt auch in Deutschland zu. Mit einer konsequenten Wärmewende können Heizkosten gesenkt werden und eine sichere Wärmeversorgung für alle sichergestellt werden. Dazu brauchen wir gezielte Förderprogramme für erneuerbare Wärme und die energetische Gebäudemodernisierung und ehrgeizige Effizienzvorgaben. In Mietwohnungen müssen die Kosten zwischen Miete*innen, Vermieter*innen und öffentlicher Hand gerecht verteilt werden.

Wärmewende wird vor Ort gestaltet

Ein Mann installiert eine Wärmepumpe. Die Wärmewende wird vor Ort gestaltet, zum Beispiel mit Wärmepumpen.  (Bild: Welcomia via canva.com)

Wärme kann nur über sehr kurze Strecken transportiert werden. Die Wärmewende wird daher wesentlich vor Ort gestaltet und entschieden. Bis spätestens Mitte 2028 müssen alle Kommunen in Deutschland eine Analyse über ihren Wärmebedarf und einen möglichen Umbau ihrer Wärmeversorgung vorlegen. Davon hängt die Entwicklung eventuell vorhandener Nah- und Fernwärme ab.  Auch die Umsetzung der in der Novellierung des Gebäudeenergiegesetz gemachten Vorgaben zur Umrüstung von Haus- und Wohnungsheizungen wird von den kommunalen Wärmeplänen mitbestimmt.

Wasserstoff und Biomasse keine guten Alternativen

Dabei dürfen in der kommunalen Wärmeplanung keine Fehlanreize gesetzt und falschen Lösungen gefördert werden. Ein aktuell von Industrieverbänden beworbener Fokus auf Wasserstoff oder Biomasse wäre verheerend für das Klima und würde Verbraucher*innen einem unnötigen Kostenrisiko aussetzen. Erneuerbarer Wasserstoff ist kostspielig, extrem energieintensiv in der Herstellung und voraussichtlich mittelfristig nur eingeschränkt verfügbar. Biomasse setzt in der Verbrennung Treibhausgase frei und kann naturverträglich ebenfalls nur äußerst begrenzt gewonnen werden. Beide Energieträger dürfen daher nur in einem geringen Umfang und nur in Wärmenetzen eingeplant werden.

Solarthermieanlagen und Großwärmepumpe sind erprobte Lösungen

Stattdessen müssen wir auch auf kommunaler Ebene auf Energieeinsparung und wirklich zukunftsfähige Technologien setzen. Dazu gehören beispielsweise Solarthermieanlagen und Großwärmepumpen, die in einzelnen Städten auch schon zum Einsatz kommen. Die Wärmewende wird jetzt gestaltet und geht uns alle an. Die Entscheidungen, die jetzt gefällt werden, bestimmen über Jahrzehnte wie wir heizen und wer uns mit Energie versorgt. Umso wichtiger ist es, dass jetzt alle Weichen in Richtung einer wirklich klimafreundlichen, sozialen und effizienten Wärmeversorgung gestellt werden.  

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Kontakt

Ronja Heise

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Wärmewende
E-Mail schreiben Tel.: +49 30 275 86-220

Jan Warode

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Atompolitik und Wärmewende
E-Mail schreiben Tel.: +49 30 27586-568

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