Was versteht man unter Mulchen?
Unter Mulchen versteht man das Abdecken der Bodenoberfläche mit unverrotteten organischen Stoffen. Diese uralte Technik ist der natürlichen Humusbildung im Wald nachempfunden. Neben dem Kompostieren und einer durchdachten Fruchtfolge bildet das Mulchen eine der drei zentralen Säulen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Es unterstützt die dauerhafte Humusbildung und sorgt dafür, dass die Erde ein lebendiges, sich ständig regenerierendes System bleibt.
Mulchen setzt langsam Nährstoffe frei: Laub aus dem Vorjahr bildet hier eine kleine Deckschicht.
Was sind die Vorteile des Mulchens?
Eine Mulchschicht hat viele ökologische und praktische Vorteile:
- Aktivierung des Bodenlebens: Das Mulchmaterial dient als wertvolle Nahrung für Mikroorganismen und Regenwürmer und aktiviert dadurch das Bodenleben.
- Ständiger Nährstoffnachschub: Während das Material verrottet, werden kontinuierlich Nährstoffe frei. Je nach Wahl des Materials kann dies sogar eine effektive Stickstoffdüngung für die Pflanzen ersetzen.
- Erhalt der Bodenstruktur: Die Abdeckung bewahrt eine günstige Krümelstruktur der Erde. Sie verhindert, dass der Boden bei Hitze verkrustet oder bei Regen verschlämmt.
- Schutz vor Austrocknung und Erosion: Die Schicht minimiert die Verdunstung und schützt vor oberflächlichem Bodenabtrag. So bleiben wertvolle Stoffe dort, wo sie gebraucht werden, statt bei Starkregen abgeschwemmt zu werden.
- Ausgeglichenes Bodenklima: Mulch sorgt für stabile Feuchtigkeits- und Temperaturwerte im Wurzelraum. Das mindert den Stress für die gemulchten Pflanzen bei extremen Wetterlagen.
- Unterdrückung von unerwünschtem Beikraut: Eine dichte Lage entzieht den Keimlingen von Beikräutern das Licht und unterdrückt deren Wachstum auf natürliche Weise.
- Stärkung der Abwehrkräfte: Während der Zersetzung bilden sich natürliche Abwehrstoffe. Diese werden von den Pflanzen aufgenommen und stärken deren Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten von innen heraus.
Vorteile für Gärtner*innen: Effizienz durch Mulchen
Mulchen ist nicht nur für das Ökosystem ein Gewinn, sondern erleichtert auch die tägliche Arbeit im Garten spürbar:
- Geringerer Arbeitsaufwand: Da die Mulchschicht den Boden dauerhaft locker hält und das Wachstum unerwünschter Beikräuter unterdrückt, reduziert sich das Hacken und Jäten in den Beeten.
- Einsparung von Gießwasser: Weil die Bodenfeuchtigkeit unter der Abdeckung erhalten bleibt, müssen die Pflanzen seltener gegossen werden. Das spart Zeit und schont die Ressource Wasser.
- Reduzierter Düngereinsatz: Da die Bodenorganismen durch die Zersetzung des Materials kontinuierlich Humus und Nährstoffe produzieren, wird wenig oder kein zusätzlicher Dünger benötigt.
- Saubere Ernte: Erdbeer-Beete, die klassich mit Stroh gemulcht werden, bleiben so sauberer, denn die Erde kann sich nicht in jede Pore setzen.
Bei Hitze im Sommer: Eine kleine Schicht aus Mulch hält die Erde im Beet länger feucht.
Mulch-Arten: Welches Material für welches Beet?
Nicht jedes Mulchmaterial eignet sich für jede Stelle im Garten. Die Auswahl sollte sich nach den Bedürfnissen der jeweiligen Pflanzen richten. Hier finden Sie für verschiedene Einsatzgebiete empfohlene Materialien zum Mulchen und ihre Besonderheiten:
- Gemüsebeet: Rasenschnitt, Stroh, grober Kompost – stickstoffreich, fördert schnelles Wachstum
- Stauden und Gehölze: Laub, Rindenmulch, Holzhäcksel – langsame Zersetzung, schützt dauerhaft
- Kräutergarten: Trockenes Jätgut (dünn aufgetragen), feiner Kies – die kleinen Steine schützen die Wurzeln und speichern Wärme
- Obstbäume: Laub, zerkleinerter Baum- und Heckenschnitt – schützt das flache Wurzelwerk (Baumscheiben)
Ergänzender Tipp: Für weitere Informationen zu spezifischen Pflanzenarten zum Mulchen werfen Sie einen Blick in unseren Detail-Tipp: Diese sechs Pflanzen sind bestes Mulchmaterial.
Überall zu finden: Brennnesseln sind eignen sich gut als Mulch-Material.
Damit das Mulchmaterial seine volle Wirkung entfaltet, ist die richtige Anwendung entscheidend:
- Vorbereitung: Den Boden vor dem Auftragen gut lockern und von unerwünschten Beikraut-Wurzeln befreien.
- Abstand halten: Aussaat und junge Setzlinge unbedingt freilassen, um Fäulnis an den Stängeln zu vermeiden und den Austrieb nicht zu behindern.
- Schichtdicke: Grünes, saftiges Material wie frischer Rasenschnitt darf nur sehr dünn (circa ein bis zwei Zentimeter) gestreut werden, da sonst Fäulnis droht. Trockenes Material wie Stroh oder Laub kann eine Schicht von zwei bis zehn Zentimeter bilden.
- Zeitpunkt: Schwere Böden benötigen im Frühjahr Licht und Wärme. Hier sollten Sie eine Winterabdeckung frühzeitig entfernen, damit die Erde abtrocknen und sich erwärmen kann.
Warum ist Mulchen umstritten?
Trotz der vielen Vorteile gibt es Punkte, die Sie beachten sollten:
- Stickstoff-Bindung: Holziges Material wie Rindenmulch oder grobe Späne benötigen für ihre Zersetzung Stickstoff. Diesen entziehen sie vorübergehend dem Boden. Bei Gemüsebeeten sollte daher unter holzigem Mulch eine zusätzliche Gabe von stickstoffreichem Dünger (zum Beispiel Hornspäne) erfolgen.
- Feuchtigkeit und Schnecken: In sehr nassen Sommern kann eine dicke Mulchschicht auf schweren Böden Staunässe fördern und Schnecken als Unterschlupf dienen. In solchen Fällen ist trockenes Stroh die bessere Wahl gegenüber frischem Grünmulch. Auch Pilzbefall ist möglich, wenn die Mulchschicht zu dick ist.
- Gefährdung der Artenvielfalt: Was im Beet erwünscht ist, gilt nicht für artenreiche Wiesen. Eine permanente Mulchschicht reichert den Boden stetig mit Nährstoffen an. Dies führt dazu, dass stark wachsende, konkurrenzstarke Pflanzen wie Gräser oder Brennnesseln die Oberhand gewinnen. Filigrane Wildblumen, die auf nährstoffarme Standorte angewiesen sind, verlieren dadurch ihren Lebensraum und werden verdrängt. Für den Erhalt der Artenvielfalt ist es hier oft besser, das Schnittgut abzutransportieren, statt es als Mulch liegenzulassen.
Fragen & Antworten rund ums Mulchen
Schutz vor Austrocknung: Der Boden zwischen den Gemüsepflanzen ist bei Tobi möglichst immer bedeckt.
(Bild: Corinna Hölzel)
Was ist Mulchen?
Mulchen ist das Bedecken des Bodens mit organischen Materialien wie Stroh, Rasenschnitt oder Laub, um die Feuchtigkeit zu halten und das Bodenleben zu fördern.
Was eignet sich am besten zum Mulchen?
Das hängt vom Bereich ab. Im Gemüsegarten sind Stroh und Rasenschnitt ideal, für Stauden und Wege eignet sich Rindenmulch oder zerkleinerter Strauchschnitt. Obstbäume dagegen können Sie mit Laub oder zerkleinertem Baum- oder Heckenschnitt mulchen.
Was darf man nicht mulchen?
Pflanzen, die sehr trockenheitsliebend sind (zum Beispiel Steingartenpflanzen), vertragen oft keine feuchte organische Abdeckung. Auch bei extrem schweren, zur Staunässe neigenden Böden sollte man in nassen Jahren vorsichtig sein.
Warum sollte man im Hochbeet mulchen?
Ein Hochbeet trocknet aufgrund seiner exponierten Lage schneller aus als ein Bodenbeet. Eine Mulchschicht bewahrt die wertvolle Feuchtigkeit und liefert kontinuierlich Nährstoffe für die intensive Bepflanzung.
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