Plastik: UN verhandelt über Abkommen

11. August 2025 | Chemie, Meere, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik, Suffizienz, Lebensräume

Bis zum 14. August beraten Vertreter*innen von mehr als 160 Staaten darüber, wie die Flut an Plastik reduziert werden kann. Die Verhandlungen gelten als letzter Anlauf, nachdem im letzten Jahr ein Treffen gescheitert war. Wie zeigen, was wirklich zu weniger Plastik führt.

Einweg Plastikbecher auf der Wiese im Jahr 2023 sind 5,9 Millionen Tonnen Plastikmüll in Deutschland entstanden. Ein Teil davon landet in der Natur.  (ThamKC / via canva.com)

Weltweit wurden im Jahr 2022 rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Wenn die Weltgemeinschaft die Produktion von Plastik nicht einschränkt, wird sich bis 2060 die Menge verdreifachen. Das zeigt eine Berechnung der OECD (OECD’s Global Plastics Outlook: Policy Scenarios to 2060). In dem UN-Abkommen muss deswegen festgehalten werden, dass weniger Plastik produziert wird.

Update vom 15.8.2025: Die Verhandlungen des UN-Plastikabkommens sind gescheitert. Die Öl-, Gas- und Chemieindustrielobby konnte ihre Interessen durchsetzen. Statt die globale Plastikflut einzudämmen, kann jetzt immer mehr Plastik aus Öl und Gas produziert werden. Warum das fatal ist, lesen Sie hier: 

Plastik reichert sich in Umwelt an

Plastik ist sehr langlebig. Bis es sich zersetzt, können Jahrhunderte vergehen. Entsprechend reichert sich Plastik in Böden, Wasser und Meeren an. Jedes Jahr sterben Millionen Meerestiere und Vögel durch Plastik-Abfall. Sie verheddern sich darin oder verwechseln die Plastikteile mit Nahrung.

Plastik ist gesundheitsschädlich

Sowohl in männlichen Hoden als auch im menschlichen Gehirn wurde Mikroplastik nachgewiesen. Es gibt Hinweise darauf, dass das die Fruchtbarkeit schädigen und die Spermienzahl bei Männern verringern kann. Über 4.200 problematische Zusatzstoffe können in Plastik enthalten sein, wie zum Beispiel Bisphenole oder Phthalate. Sie werden nach und nach freigesetzt und stehen im Verdacht krebserregend, fortpflanzungsschädlich oder hormonell schädlich zu sein. Auch bei der Herstellung von Plastik können giftige Stoffe freigesetzt werden, zum Beispiel Benzol oder Vinylchlorid. Besonders betroffen sind Menschen, die in Öl- und Gasverarbeitungsstätten arbeiten oder in der Nähe leben. Öl und Gas  sind die Grundstoffe für Plastik. Raffinerie- und Produktionsprozesse setzen Emissionen frei, die das Nervensystem schädigen und zu Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen, Krebs, Leukämie und genetischen Auswirkungen wie niedrigem Geburtsgewicht führen können.

Plastikmüll in Deutschland

Alleine im Jahr 2023 sind 5,9 Millionen Tonnen Plastikmüll in Deutschland entstanden. Nur etwa ein Drittel davon wird recycelt; der Rest wird verbrannt. Bei jedem Recyclingvorgang wird Energie verbraucht und es geht Material verloren. Am besten ist es also, wenn so wenig Plastik wie möglich überhaupt erst entsteht. Um das zu erreichen, muss die Politik Regelungen verabschieden. 

Drei Forderungen an die deutsche Politik, um Plastik zu reduzieren:

1. Wir brauchen eine Verpackungssteuer. Tübingen hat sie als erste deutsche Kommune bereits im Jahr 2022 erfolgreich eingeführt.

2. Hersteller von Plastik sollen die Steuerabgabe, die die EU auf nicht recycelten Plastikmüll erhebt, selbst bezahlen, statt sie wie bisher den Steuerzahler*innen zuzumuten. 

3. Das Verpackungsgesetz muss überarbeitet werden. Alle Lebensmittel, Getränke und Kosmetikprodukte sollten in Mehrwegverpackungen oder unverpackt angeboten werden.

Diese drei Dinge können Sie tun, um Plastik zu sparen:  

1. Kaufen Sie Produkte unverpackt oder in Mehrweg- statt Einwegverpackungen.  Supermärkte, Restaurants und Kioske müssen ab einer bestimmten Größe Mehrwegverpackungen für Speisen und Getränke anbieten. Fragen Sie nach, wenn Sie die Mehrwegangebote nicht entdecken. 

2. Trinken Sie Leitungswasser statt Wasser aus Plastikflaschen. Mit Sprudelgeräten für zu Hause können Sie Ihr Wasser ganz einfach selbst mit Kohlensäure anreichern und sparen neben Plastik auch lästige Schlepperei.

3. Setzen Sie auf Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik. Mit der kostenfreien ToxFox App des BUND können Sie Produkte scannen und direkt sehen, ob sie Mikroplastik oder flüssige Kunststoffe enthalten.

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