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E-Scooter: Keine Hilfe bei der Verkehrswende

31. Juli 2019 | Energiewende, Mobilität, Nachhaltigkeit, Suffizienz, Ressourcen & Technik

Seit Mitte Juni sind in Deutschland E-Scooter erlaubt. Inzwischen sind mehr als 13.000 der Elektro-Tretroller auf deutschen Straßen unterwegs; die Flotten konzentrieren sich auf die Metropolen, allein in Berlin gibt es inzwischen vier Sharing-Anbieter. Die meisten E-Scooter gibt es in Berlin, gefolgt von Hamburg und München.

Gerade in den Städten benötigt der Radverkehr nicht weniger, sondern deutlich mehr Platz als bisher.  (Mika Baumeister / Unsplash)

Grundsätzlich ist es aus Sicht des BUND immer begrüßenswert, neue Fortbewegungsmittel auf ihre Potentiale hin zu untersuchen. Insbesondere sollte die Frage geklärt werden, wie E-Scooter dabei helfen könnten, die starren, fürs Auto optimierten Strukturen in unseren Städten aufzubrechen. Besonders in Kombination mit einem verbesserten öffentlichen Verkehr könnten E-Scooter ein kleiner Baustein zur Verkehrswende sein.

Dass man ihnen aber als "Spielwiese" die Radwege zugeteilt hat, sei keine gute Idee, wie BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg meint: "Gerade in den Städten benötigt der Radverkehr nicht weniger, sondern deutlich mehr Platz als bisher. Die meist ohnehin zu schmalen Radwege für E-Roller mit fragwürdiger Ökobilanz freizugeben, weist in die falsche Richtung." Dazu kommt noch, dass dies eine Entscheidung war, die ohne jede vorgeschaltete Diskussion erfolgt ist, im Gegenteil: Der Bundesrat hat vollkommen überstürzt den Weg für E-Roller auf Radwegen freigemacht.

"Die Einführung der E-Scooter wäre indes eine gute Gelegenheit gewesen, im Vorfeld endlich grundsätzlich darüber sprechen, wieviel Raum wir welcher Art der Fortbewegung einräumen wollen. Die im Vergleich zum Autoverkehr ohnehin schon sehr begrenzte Fläche, die dem Radverkehr aktuell zugestanden wird, nun auch noch mit E-Scooter teilen zu müssen, ist viel zu kurz gedacht. Wer Verkehrsmittel abseits des Autos stärken oder neu etablieren will, muss ihnen zusätzlichen Raum geben; und dieser Raum muss dafür dem Autoverkehr entzogen werden. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass zukünftig auch auf Radwegen der motorisierte den nichtmotorisierten Verkehr verdrängt."

Klar ist: Der Radverkehr hat (von den eigenen Füßen einmal abgesehen) die weit und breit beste Umweltbilanz. Es entstehen keine Schadstoffe, kein Lärm, Räder brauchen wenig Platz und das Radfahren ist gut für Gesundheit und Fitness. Elektroroller haben zumindest auch keine schlechten Auswirkungen für unsere Luft, sie produzieren weniger Lärm und weniger Staus als Autos. Allerdings sind E-Scooter von Verleihunternehmen oft nach nur wenigen Monaten kaputt. Für die Akkuherstellung werden viele seltene Rohstoffe genutzt und viele Fragen rund um Entsorgung und Recycling sind derzeit noch nicht geklärt. 

Angesichts der bisherigen Erfahrungen kann man noch nicht sagen, dass E-Scooter im Verleih einen positiven Nutzen für unsere Mobilität haben. "Als nachhaltig kann man den Einsatz solcher Roller zumindest im Verleihbetrieb nicht bezeichnen", so die Einschätzung von Jens Hilgenberg, "Sie ersetzen oft nicht das Auto, sondern ziehen Nutzer*innen an, die sonst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Nahverkehr unterwegs wären. So ist der Umwelt nicht geholfen."

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