Dramatische Rettung führt zum Sensationsfund: Wildkatze kehrt nach Schleswig-Holstein zurück

27. Januar 2026 | Wildkatze, Wälder, Naturschutz

Eine kleine Sensation zum Jahresbeginn: Erstmals seit Jahrhunderten wurde in Schleswig-Holstein eine Europäische Wildkatze genetisch bestätigt. Damit ist diese streng geschützte Art offiziell in das nördlichste Bundesland zurückgekehrt.

Wenn Wildkatzen beim Überklettern von Knottengitterzäunen abrutschen, kann sich eine Schlinge um eine Kralle bilden. Das Tier kann sich dann nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Diese Wildkatze hatte Glück: Sie wurde vom Jäger Jan Haberkamm rechtzeitig gefunden und freigeschnitten.  (Jan Haberkamm)

Wie wurde die Wildkatze entdeckt? 

Rettung aus dem Knotengitterzaun

Der Jäger Jan Haberkamm entdeckte im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg eine Wildkatze in einer äußerst kritischen Situation. Das Tier hatte sich in einem Knotengitterzaun mit der Kralle verfangen und konnte sich nicht selbst befreien. Der Jäger schnitt sie aus dem Zaun und rettete ihr so das Leben. Viele andere Wildtiere haben leider nicht so viel Glück. Das Video der Rettungsaktion finden Sie hier.

So wurde die Art bestimmt

Wildkatzen sehen Hauskatzen sehr ähnlich. Auf dem Bildmaterial des Jägers sind jedoch einige typische Fellmerkmale der Europäischen Wildkatze zu erkennen, etwa der buschige Schwanz. Trotzdem besteht die Gefahr, sie zu verwechseln. Herr Haberkamm zeigte nicht nur bei der Rettung schnelle Reaktion, sondern sammelte auch Haare, die das Tier am Zaun hinterlassen hatte. Das Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein ließ diese genetisch untersuchen. Das Ergebnis ist eindeutig: Es handelt sich um eine Europäische Wildkatze.

Knotengitterzäune als tödliche Falle

Seit Jahren engagieren wir uns dafür, diese Zäune, dort wo sie nicht mehr nötig sind, zu entfernen. Neu angelegte Pflanzflächen schützen wir stattdessen mit wildtierfreundlichen Gattern aus Holz oder befestigen plastikfreien Schutz an einzelne Setzlinge. Dort, wo Knotengitterzäune notwendig sind, können Über- und Durchsteighilfen für Tiere angebracht werden. Solche Zäune können sonst auch für andere wandernde Wildtiere wie Rehe, Feldhasen, Rothirsche und sogar Igel gefährlich sein. 

Wer überwucherte oder vernachlässigte Knotengitterzäune entdeckt, kann die Eigentümer*innen der Flächen darauf hinweisen oder sich bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde melden. Die lokalen BUND-Gruppen unterstützen vor Ort dabei, passende Lösungen zu finden.

Der Wildkatze auf der Spur

In Schleswig-Holstein beginnt jetzt das erste große Lockstock-Monitoring. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird nach den ersten Hinweisen weiter gezielt nach der Wildkatze gesucht. Auch in vielen anderen Bundesländern begeben sich viele Freiwillige im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ auf die Suche nach der Art. Der Lockstock ist eine sanfte, sogenannte nicht-invasive Methode, um Wildkatzen nachzuweisen, ohne sie zu fangen oder zu stören.

Wildkatze jetzt auch im BUNDfunk

Gemeinsam mit Thomas Mölich, Biologe und wissenschaftlicher Leiter und Sprecher für das „Rettungsnetz Wildkatze“, sprechen wir in einer aktuellen Podcast-Folge darüber, wie man eine Wildkatze von einer Hauskatze unterscheidet und warum Wildkatzen zeigen, dass ein Wald gesund und vielfältig ist. Jetzt mehr erfahren!

Lebensraum für die Wildkatze verbessern

Gemeinsam mit Partner*innen und Freiwilligen vor Ort macht der BUND den Lebensraum der Wildkatze wieder fit. Das Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Jetzt hier informieren und mitmachen!

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