Was brauchen Wildkatzen?
Umso strukturreicher der Lebensraum, desto wohler fühlt sie sich. Die heimliche Waldbewohnerin liebt abwechslungsreiche Wälder mit Baumhöhlen, Totholzhaufen, Felsen und abgestuften Waldrändern. Dort findet sie ausreichend Verstecke für sich und ihre Jungen. Auf waldnahen Wiesen und reich mit Hecken und Waldinseln durchzogenem Grünland geht die Wildkatze gern auf Mäusejagd. Findet sie ausreichend Deckung, überquert sie auf ihren Wanderungen von Wald zu Wald sogar die Feldflur.
Tipps für wildkatzenfreundliche Wälder
Strukturreiche Wälder mit vielen Habitatbäumen und starkem Totholz bieten Wildkatzen und vielen anderen Arten Lebensraum und sichere Verstecke zur Jungenaufzucht. So entwickeln Sie Ihre Wälder naturnah und vielfältig:
- Bevorzugen Sie Einzelbaumnutzung statt Kahl- oder Großschirmschlägen.
- Belassen Sie möglichst 20 Habitatbäume pro Hektar für Höhlen und andere Strukturen. Eine horstweise Gruppierung kann Sicherheitsrisiken senken.
- Belassen Sie viel Totholz im Wald, vor allem starkes Stammholz, stehend und liegend, Kronen, Wurzelteller und Stubben. Wir empfehlen 40 Vorratsfestmeter pro Hektar oder 20 Prozent des lebenden Vorrates.
- Schonen Sie den Waldboden, indem Sie 40 Meter Abstand zwischen den Rückegassen lassen und die Befahrung hier auf ein Mindestmaß beschränken.
- Fördern Sie den Wasserrückhalt im Wald, indem Sie Entwässerung stoppen und Humusauflage sowie Bodenvegetation erhalten.
- Wandeln Sie naturferne Nadelforste schonend in naturnahe Laubwälder um.
- Verzichten Sie auf den Anbau von Reinkulturen aus Fichten oder Kiefern.
- Setzen Sie bei Neupflanzungen auf standortheimische Baumarten wie Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche, Linden, Ahorne, Hainbuche, Weißtanne.
- Sorgen Sie für ein waldfreundliches Wildtiermanagement, um die Naturverjüngung zu schützen und Zäune und Einzelbaumschutz zu reduzieren.
- Räumen Sie Kalamitätsflächen nicht und lassen Sie natürliche Wiederbewaldung zu. Falls unbedingt geräumt werden soll, dann von Oktober bis März.
- Lassen Sie auf einem Teil Ihrer Waldfläche natürliche Waldentwicklung zu.
- Wir empfehlen, Naturwälder (=dauerhaft ohne Holznutzung) auf 15 Prozent der Waldfläche auszuweisen. Sie bieten Lebensräume für Arten, die besonders auf Alters- und Zerfallsphasen von Wäldern angewiesen sind.
Lassen Sie sich beraten, zum Beispiel von den örtlichen Forstbehörden und fragen Sie nach Förderprogrammen.
Broschüre mit praktischen Empfehlungen
Die Broschüre „Wildkatzen im Wirtschaftswald“ gibt Ihnen Informationen dazu, wie Sie Ihren Wald fit für die Wildkatze machen können.
Empfehlungen eines Försters
So gestaltet Jürgen Reinecke (Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Oberes Sauerland, Forstbetriebsbezirk Nuhe) Wildkatzenverstecke:
„Integrieren Sie Strukturanreicherungen bei den anstehenden Forstarbeiten, um wertvolle Lebensräume ohne Mehrkosten zu schaffen. Diese müssen in den Arbeitsaufträgen angesprochen und zur Routine in den Arbeitsabläufen werden. Es ist ausreichend, Pflanzkulturen nur in Reihen oder individuell freizustellen, die Restvegetation schützt vor Wind und Sonne und bietet der Wildkatze Deckung. Schneiden Sie Einzelbäume erst ab einem Meter Höhe ab, um Hohlräume für Wildtiere zu schaffen.“
Schaffen Sie strukturreiche Waldränder
Ein stufig aufgebauter Waldrand oder Waldinnenrand bietet Wildkatzen Ruheplätze und Deckung, wenn sie zur Nahrungssuche die angrenzenden Wiesen aufsuchen. Gleichzeitig schützt er den Wald vor Sturmschäden, indem er Wind nach oben ableitet.
Hier stellen wir eine strukturreiche Waldrandgestaltung vor, die eine gewisse Fläche und Pflegeaufwand erfordert. Doch selbst die Umsetzung einzelner Teile dieser Maßnahme erhöht den Strukturreichtum und eröffnet der Wildkatze und vielen anderen Arten diverse Nahrungsquellen und Verstecke. Beispielsweise durch die Anlage von kleinen Buchten – in den Waldrand hinein oder dem Waldrand vorgelagert.
Konkrete Maßnahmen für die Wildkatze
So schützen Sie Wildkatzenleben!
Unbeabsichtigte Tötungen von Wildkatzen in der forstlichen Praxis können Sie vorbeugen:
- Beachten Sie die Zeit der Jungenaufzucht. Brennholzwerbung, Fällarbeiten, Abtransport von Holzpoltern und Häckseln von Energieholzmieten nur zwischen Oktober und Anfang März. Sonst könnten Jungtiere getötet werden.
- Räumen Sie Schadflächen nicht. Bei Räumungen könnten junge Wildkatzen von Maschinen überfahren werden. Falls Räumung unbedingt erfolgen soll, nur von Oktober bis Anfang März.
- Falls Sie Wildkatzenjunge finden, empfehlen wir, die Jungtiere nicht anzufassen und vor Ort zu belassen. Die Mutter holt ihren Nachwuchs in der Regel wieder ab. Stellen Sie Forstarbeiten für 24 Stunden ein. Falls Jungtiere nach 12 Stunden nicht abgeholt werden oder verletzt sind, kontaktieren Sie die örtliche Wildtierauffangstation oder das BUND-Wildkatzentelefon.
- Unterlassen Sie den Einsatz von Umweltgiften. Insektizide und Rodentizide sind besonders für Wildkatzenjunge gefährlich. Transportieren Sie geschlagenes Holz unverzüglich ab oder schlagen Sie es nur im Winter.
- Bauen Sie unnötige Zäune ab. Wildkatzen und andere Wildtiere können an Knotengitterzäunen hängen bleiben und sterben.
- Bringen Sie Querungshilfen an Knotengitterzäunen an.
- Schützen Sie Neupflanzungen lieber durch Hordengatter oder ökologischen Einzelbaumschutz
Die Zaunreste werden gesammelt und abtransportiert.
(Maik Przyklenk)
Querungshilfen für Wildkatzen
Falls der Abbau von bestehenden Zäunen keine Option ist, empfehlen wir, Kletter- und Durchsteighilfen an Zäunen zu errichten. Wenn neue Knotengitterzäune errichtet werden, planen Sie schon beim Aufbau Querungshilfen mit ein. Wildkatzen nehmen diese gerne an.
Bauen Sie eine Wildkatzenburg!
Gibt es kaum natürliche Versteckmöglichkeiten im Wald, nutzen Wildkatzen auch von Menschen errichtete Strukturen wie Holzpolter. Um Wildkatzen einen ökologisch wertvollen Lebensraum zu schaffen, raten wir, ihr eine Burg zu bauen. Alternativ können Sie nicht verkauftes Holz aufschichten und es als „ewige Holzpolter“ sichern.
Hordengatter selber bauen
Wildkatzen und andere Wildtiere können beim Versuch engmaschige Drahtzäune (Knotengitterzäune) zu übersteigen, hängen bleiben und sterben. Deshalb rät der BUND, Neupflanzungen durch Hordengatter zu schützen.
So entsteht ein Wildkatzenwald von morgen
Ebenso wichtig für die Wildkatze: Wiesen und Gewässer
Tipps für wildkatzenfreundliches Offenland und Waldwiesen
Wildkatzen lieben extensiv genutzte Wiesen, Weiden und Lichtungen. Sie dienen als Nahrungshabitat, Verstecke und Wanderkorridore.
- Erhalten Sie Waldwiesen.
- Fördern Sie die extensive Nutzung waldnaher Flächen.
- Schaffen Sie Strukturen wie heimische Feldgehölze, Streuobstwiesen, Einzelbäume und Lesesteinhaufen.
Tipps für wildkatzenfreundliche Kleingewässer
Gewässer im Wald und am Waldrand bieten Lebensraum für viele Arten und schaffen ein kühles Mikroklima. Wildkatzen nutzen diese zur Jagd und als Leitstrukturen auf ihren Wanderungen.
- Vermeiden Sie die weitere Entwässerung der Landschaft, indem Sie in Absprache Gräben verschließen und kleinere Fließgewässer renaturieren.
- Renaturieren Sie Feuchtgebiete, Bachtäler und Fließgewässer, indem Sie strukturreiche Ufer- und Auenbereiche schaffen.
- Legen Sie Wiesenbrachen und Auwälder entlang von Gewässern an und pflanzen Sie am Ufer heimische Sträucher in Gruppen.
Fördermöglichkeiten für Maßnahmen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, für die Förderung von Wildkatzenlebensräumen eine Unterstützung zu erhalten. Für viele Maßnahmen gibt es bundesweite und länderspezifische Fördermöglichkeiten. Folgend listen wir zwei Förderprogramme auf.
Klimaangepasstes Waldmanagement (KWM)
Ziel: Wälder widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels machen und sie als natürliche Kohlenstoffspeicher erhalten
Förderfähige Maßnahmen:
- Waldumbau zur Schaffung klimaresilienter Mischwälder
- Altbäume aus der Nutzung nehmen zur Schaffung von Wurfhöhlen (Habitatbäume)
- Erhöhung des Totholzanteils für Versteckmöglichkeiten
- Natürliche Waldentwicklung zur Erhöhung des Strukturreichtums
- Wasserrückhalt im Wald zur Verbesserung der Nahrungsverfügbarkeit
Voraussetzung: Einhaltung der Kriterien des klimaangepassten Waldmanagements
Zuwendung: Mindestauszahlungsbetrag von 85 € pro ha pro Jahr (Zuschuss jährlich und flächenbezogen bis zu 100 € pro ha pro Jahr)
Förderlaufzeit: 10-20 Jahre
Förderberechtigte: Privatwaldeigentümer*inne und Kommunen
Hinweis: Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) stellt das „Klimaangepasste Waldmanagement“ (KWM) zentrale Förderprogramme zur Verbesserung der Klimaresilienz und der natürlichen Klimaschutzleistungen von Wäldern dar.
Koordinierungsstelle & Beratung: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), Tel: +4938436930600, klimaanpassung-wald(at)fnr.de
GAK-Förderung Wald (Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz)
Ziel: Förderung einer wettbewerbsfähigen Land- und Forstwirtschaft, umwelt- und ressourcenschonende Land- und Forstwirtschaft
Förderfähige Maßnahmen:
- Waldumbau zur Schaffung klimaresilienter Mischwälder
- Naturnahe Waldbewirtschaftung zur Vermeidung von Wildkatzenverlusten bei der Holzernte
Zuwendung: kein pauschaler durchschnittlicher Zuwendungsbetrag, da die finanzielle Unterstützung extrem stark variiert, das Förderinstrument deckt eine enorme Bandbreite ab – von kleinteiligen Hektarprämien bis hin zu millionenschweren Infrastrukturprojekten
Voraussetzung: siehe GAK-Rahmenplan
Förderberechtigte: Privatwaldbesitzende, Kommunale und körperschaftliche Waldbesitzer, Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse
Fördermittelgeber & Beratung: zuständige Landesforstämter oder Forstbehörden der Bundesländer
Weitere Fördermöglichkeiten finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Ernährung sowie auf der Website von der Fachagentur Nachwachsender Rohstoffe.
Mehr zur Wildkatze
- Wildkatzenschutz
- Geschichte des Wildkatzenschutzes in Deutschland
- Europäische Wildkatze
- Bedrohung der Wildkatze
- Wildkatze schützen: Mitmach-Angebote beim BUND
- Ausflugsziele: Wildkatzen erleben
- Projekt "Wildkatzenwälder von morgen"
- Projekt "Vorsicht Wildkatze"
- BUND-Ansprechpartner*innen für die Wildkatze