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Endlich Schutz für Natura-2000-Meeresschutzgebiete!

Die Erfüllung des marinen Natura-2000-Schutzgebietsnetzwerkes ist eine der größten Herausforderungen für den EU-weiten Meeresnaturschutz und muss dringend umgesetzt werden. Der EU-Aktionsplan zur Biodiversität von 2006 sah vor, das EU-Ziel für 2010 zu erreichen. Das konnte aber nicht eingehalten werden.

Schutzgebietsverordnungen völlig unzureichend

Im Januar 2016, mehr als elf Jahre nach der Ausweisung der Schutzgebiete im Jahr 2004, gab die Bundesregierung die Entwürfe für Schutzgebietsverordnungen für die Natura-2000-Gebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in das öffentliche Beteiligungsverfahren.

Seit Jahren blockieren Streitigkeiten der beteiligten deutschen Ministerien aus den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft, Forschung und Wirtschaft mit dem federführenden Bundesumweltministerium jegliches Vorankommen.

Noch immer wird in den Schutzgebieten, den wertvollsten Ökosystemen vor unseren Küsten, flächendeckend gefischt, es fahren tausende Schiffe und es finden Rohstoffabbau und militärische Manöver statt. Dabei steht es schlecht um die Lebensgemeinschaften in Nord- und Ostsee. Laut nationaler Roter Liste sind fast ein Drittel der untersuchten Arten gefährdet. Grund dafür sind nach eigener Aussage der Bundesregierung die Fischerei, der Kies- und Sandabbau und der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen.

Die Schutzgebietsverordnungen sollten dies ändern. Doch das Ergebnis ist enttäuschend. Die Kompetenz des zuständigen Bundesumweltministeriums soll durch die neuen Verordnungen stark beschnitten werden, indem sich die Nutzerressorts faktisch ein Vetorecht gegen effektive Schutzmaßnahmen sichern. Nahezu jedes Ressort fordert Ausnahmen und kaum eine Meeresnutzung soll verboten werden. Ein Zusammenschluss des BUND und weiterer Umweltverbände hat eine gemeinsame Stellungnahme geschrieben und fordert eine grundsätzliche Überarbeitung der Entwürfe.

Zum Hintergrund: Über die Natura-2000-Gebiete

Seehund auf Helgoland; Foto: Milan Salje Drei Vertreter der Natura 2000-Schutzgebiete: Ein Seehund auf Helgoland  (Milan Salje)

Deutschland hat im Jahr 2004 zehn Natura-2000-Gebiete in den außerhalb der Küstengewässer liegenden Gebieten seiner Ausschließlichen Wirtschaftszone in der Ostsee und in der Nordsee benannt. Damit war Deutschland der erste Mitgliedstaat, der die Nennung seiner marinen Gebiete vervollständigt hatte, sowie eines der wenigen Länder, die überhaupt Meeresgebiete benannt haben.

Seenelke; Foto: Jörg Schmiedel Eine Seenelke, typisch für das Sylter Außenriff und das Fehmarnbelt  (Jörg Schmiedel)

Sobald Gebiete offiziell als Natura-2000-Gebiete nominiert werden, ist der betreffende Mitgliedstaat dazu verpflichtet, eine Verschlechterung zu verhindern und einen guten Schutzstatus zu erhalten oder zu erreichen.

Eine junge Trottellumme im Vogelschutzgebiet Östliche Deutsche Bucht; Foto: Henning Kunze Eine junge Trottellumme im Vogelschutzgebiet Östliche Deutsche Bucht  (Henning Kunze)

Es können einzelne Nutzungen verboten oder räumlich und zeitlich eingeschränkt werden. Innerhalb des Natura-2000-Netzwerkes sollten aber auch eine bestimmte Anzahl an Meeresschutzgebieten ausgewiesen werden, in denen keinerlei menschliche Nutzung und direkte Beeinträchtigungen wie Einleitungen von Abwässern und Ähnliches vorkommen.

Diese sogenannten "no-take-zones" können, wenn sie in geeigneten Bereichen ausgewiesen werden, als Rückzugsgebiete für bedrohte Arten dienen, Schutz für bedrohte und seltene Lebensräume bieten und natürliche Entwicklungsprozesse zulassen.

Diese Gebiete könnten als wertvolle Referenzgebiete dienen, die uns einen Blick auf das gewähren, was unter den heutigen, schlechten Umweltbedingungen ohne direktes menschliches Eingreifen an mariner Natur – nämlich an mariner Wildnis – möglich ist. Der BUND fordert endlich einen realen Schutz der Natura-2000-Gebiete.

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Nadja Ziebarth

BUND-Meeresschutzbüro
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