Steckbrief Kegelrobbe
Kegelrobbe am Strand
(Stefan Menzel)
Die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) ist Deutschlands größtes Raubtier. Kegelrobben heißen so, weil ihre Schnauze und die Zähne sich wie ein Kegel verjüngen. Bei Männchen ist die Fellfärbung dunkel mit hellen Flecken, bei Weibchen ist das Fell silbergrau mit dunkelgrauen Flecken. Kegelrobben haben hochsensible Tasthaare (Vibrissen) an Schnauze und Augenbrauen. Damit nehmen sie feinste Schwingungen wahr und können auch im trüben Wasser und im Dunkeln jagen.
Wie groß sind Kegelrobben?
Kegelrobben-Männchen können über 300 Kilogramm auf die Waage bringen und bis zu 230 Zentimetern lang werden. Weibchen sind mit etwa 180 Kilogramm deutlich kleiner. An ihrem Gebiss und den Zähnen sieht man deutlich, dass sie Raubtiere sind. Sie ernähren sich von Fischen.
Wo leben Kegelrobben?
Kegelrobben leben in der Nordsee und Ostsee. Teile ihres Lebens verbringen Kegelrobben an Land. Sonst sind die Meere ihr Lebensraum. Zum Atmen müssen sie an die Wasseroberfläche kommen, weil sie wie Landsäugetiere Lungen haben. Sie brauchen fischreiche Meeresgebiete, in denen sie Nahrung finden, und ungestörte Liegeplätze an Land. Kegelrobben sind sehr mobil und folgen ihrer Beute (vor allem Fischen, Krebstieren und Weichtieren) über weite Strecken. 100 km pro Tag bei 20 km/h sind keine Seltenheit.
Kegelrobbenbabies
Kegelrobbenbabies kommen im Winter an Land zur Welt (in der Ostsee zwischen Februar und März). Sie saugen nur etwa zwei Wochen lang beim Muttertier. Die Muttermilch hat einen Fettgehalt von 50 Prozent. Damit nehmen die Kegelrobbenbabies 1,8 Kilo pro Tag zu. Bei der Geburt wiegen Kegelrobben ungefähr 15 kg und sind circa 50 cm groß. Nach zwei Wochen sind die Robbenbabys schon bei circa einem Meter Länge und 50 kg Gewicht. Nach nur zwei bis drei Wochen lässt die Mutter die Robbenbabies alleine. Nur etwa die Hälfte der Jungtiere überlebt das erste Lebensjahr. Die Jungtiere kommen mit einem flauschig weichen Fell zur Welt. Damit können sie zunächst noch nicht ins Wasser. Das weiße Fell ist für ein Leben im Packeis die optimale Tarnung.
Sind Robben gefährlich?
Robben sind Wildtiere. Sie können beißen und Krankheiten übertragen.
Bildergalerie: Kegelrobbe
(zum Vergrößern Bilder anklicken)
Gefährdung der Kegelrobbe
Ist die Kegelrobbe geschützt?
In Deutschland und der EU ist die Kegelrobbe nach Bundesnaturschutzgesetz und Fauna-Habitat-Richtlinie der EU streng geschützt.
Kegelrobben waren fast ausgerottet
Kegelrobben wurden Anfang des 20. Jahrhunderts massiv bejagt. Damals hieß es, sie würde den Fischern Konkurrenz machen. Nachdem die Population in der Ostsee von rund 100.000 auf rund 3.000 Individuen geschrumpft war, wurden die Tiere in Deutschland im Jahr 1955 unter Schutz gestellt. Auch in anderen Ostseeanrainerstaaten wurde die Kegelrobbe geschützt. Doch das Jagdverbot reichte nicht zur Erholung der Kegelrobbenpopulation nicht aus. Viele Weibchen waren wegen umweltschädlicher Chemikalien, die in die Ostsee eingeleitet wurden, unfruchtbar geworden. Erst nach dem Verbot der Chemikalien nahm die Kegelrobbenpopulation langsam wieder zu. Die Rückkehr der Tiere in die deutschen Küstengewässer der Ostsee hat fast 100 Jahre gedauert.
Erholung der Robbenpopulation: Erfolgsgeschichte
Kegelrobben in der Nordsee
In der Nordsee haben sich schon länger wieder Kegelrobben angesiedelt. Bei Zählungen in den Jahren 2024/2025 wurden über 12.000 Kegelrobben gezählt. Der Großteil der Tiere, rund 8.600 Kegelrobben, leben im niederländischen Wattenmeer. Im niedersächsischen Wattenmeer wurde eine Population von 1.500 Kegelrobben festgestellt, auf Helgoland waren es circa 1000 Tiere. Im schleswig-holsteinischen und im dänischen Wattenmeer wurden jeweils 100 Robben gezählt. Deutsche Kegelrobben-Wurfplätze liegen an der Nordsee zwischen Sylt und Amrum, zwischen Borkum und Juist, auf Helgoland und bei der niederländischen Insel Terschelling.
Kegelrobben in der Ostsee
In den vergangenen Jahren haben sich die Kegelrobbenbestände in der nördlichen Ostsee erholt. Hier leben heute wieder mehrere zehntausend Kegelrobben. Ostseeweit leben wieder rund 50.000 Kegelrobben (Daten aus dem Jahr 2023, Helsinki-Kommission). Auch nach Deutschland kehren Kegelrobben zurück: So können zum Beispiel vor der Greifswalder Oie Kegelrobben beobachtet werden.
Welche Schutzmaßnahmen brauchen Robben?
Eine Kegelrobbe am Strand von Dierhagen.
(Bild: Edlich
/
BUND)
1. Ruhige Strände und Liegeplätze schützen
Robben brauchen ruhige Strände, an denen sie sich an Land erholen können. Besonders während der Geburtensaison sind ruhige Strände unabdingbar:
- Kegelrobben und Seehunde bringen ihre Jungtiere an Land zur Welt.Die Jungtiere werden einige Wochen von der Mutter gesäugt und dürfen in dieser Zeit auf keinen Fall gestört werden.
- Störungen können Jungtiere dauerhaft von ihrer Mutter trennen, wodurch sie nicht überleben würden.
- Ein Grund, warum sich an der deutschen Ostseeküste noch keine Wurfplätze etabliert haben, sind die stark genutzten Strände. Auch ruhige Liegeplätze sind wichtig.
Der BUND setzt sich dafür ein, Robben besser vor Störungen zu schützen. Dafür müssen großräumige Schutzzonen um Robbenliegeplätze eingerichtet werden. Diese Zonen sollten für den Freizeitbootsverkehr gesperrt werden. Zum Beispiel Dänemark schützt Robbenliegeplätze auf diese Weise.
2. Beifang in der Fischerei reduzieren
Nach wie vor sterben viele Robben als Beifang in der Fischerei. Deswegen ist es essentiell, die Fischerei für Robben sicherer zu gestalten und robbensichere Fanggeräte ostseeweit zu etablieren.
3. Robbenjagd muss international einstellt werden
In Schweden, Finnland und Estland dürfen alle drei Robbenarten bejagt werden. Zwar gelten strenge Regeln und jährlich wird nur eine geringe Anzahl an Robben geschossen. Dennoch bedrohen Jagd und Umweltbelastungen die Kegelrobbenpopulation. Dadurch könnte es zu einem erneuten Zusammenbruch der Population kommen.
4. Folgen der Klimakrise begrenzen
Eigentlich bringen Kegelrobben ihre Jungtiere auf Eis zur Welt. Durch die wärmeren Winter gibt es aber immer weniger Meereis. Wenn die Robbenjungtiere an Land geboren werden, sinkt aber die Überlebensrate. Der Anstieg des Meeresspiegels führt zum Verlust vieler Liegeplätze wie zum Beispiel Schären, Findlinge oder Sandbänke.
5. Fischbestände sichern
Kegelrobben brauchen Fische, um sich ausreichend ernähren zu können. Durch jahrzehntelange Überfischung ist die Nahrungsverfügbarkeit für Robben geringer als im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig wird das Meer zunehmend lebensfeindlicher für Fische, da sich sauerstoffarme Zonen ausbreiten. Grund dafür sind hohe Nährstoffeinträge hauptsächlich aus der Landwirtschaft, die zur Eutrophierung der Meere führen. So entstehen sogenannte „Tote Zonen“, in denen keine Fische mehr leben, weil es zu wenig Sauerstoff gibt. In den letzten Jahren konnte eine Abmagerungen von Kegelrobben beobachtet werden. In Schweden fanden Wissenschaftler*innen der Universität Göteborg in einer Langzeitstudie heraus, dass die mittlere Speckschichtdicke der Kegelrobben abgenommen hat.
Fazit: Kegelrobben brauchen also den Schutz ihres Lebensraums. Der BUND setzt sich auf internationaler Ebene und auf Bundes- und Landesebene für den Schutz der Meere als Lebensraum ein.
So schützen Sie unsere Meere
Wir kämpfen für echten Schutz der Meere und ihrer Bewohner. Doch dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Beispiele, wie Ihre Spende hilft:
- Mit 25 Euro helfen Sie uns, Müllsammel-Aktionen an Stränden durchzuführen. Zudem setzen wir uns für weniger Unterwasserlärm und ein Ende der Plastik- und Schadstoffeinträge ein.
- Mit 55 Euro ermöglichen Sie uns, an politischen Verhandlungen über Fischfangquoten teilzunehmen und Beifänge sensibler Arten wie der Kegelrobbe effektiv zu reduzieren.
- Mit 75 Euro unterstützen Sie uns, politischen Druck auszuüben – notfalls juristisch. Für den Schutz unserer Natur gehen wir im Fall der Fälle bis zur letzten Instanz.
Was tun, wenn Sie eine Kegelrobbe sehen?
Ein Kegelrobben-Weibchen säugt ihr Junges
(Stefan Menzel)
Wenn Sie eine Kegelrobbe am Strand oder im Wasser entdecken, beobachten Sie das Tier aus sicherer Entfernung und vermeiden Sie jede Störung.
- Halten Sie mindestens 100 Meter Abstand.
- Verhalten Sie sich leise. Robben sind geräuschempfindlich.
- Lassen Sie den Fluchtweg ins Wasser frei.
- Leinen Sie Hunde unbedingt an.
- Posten Sie keine Robben-Fotos auf Social Media, solange die Robbe noch an Land ist.
- Wenn die Robbe wiederholt zu Ihnen schaut, sind Sie zu nah. Die Robbe fühlt sich nicht mehr wohl. Ziehen Sie sich dann langsam zurück.
- Meiden Sie Liegeplätze mit Wasserfahrzeugen (gilt auch für SUP, Kajaks, Kanus, Jetski und Surfbrett) und halten Sie einen Mindestabstand von 500 Metern.
- Melden Sie Ihre Robbensichtung. In Mecklenburg-Vorpommern an das BUND-Robbentelefon: +49 1523 7969472 oder beim Deutschen Meeresmuseum Stralsund: +49 173 9688267. In Schleswig-Holstein über die RobbenApp des Landes Schleswig-Holstein oder informieren Sie die Seehundstation Friedrichskoog. Wenn Sie Robben melden, helfen Sie dabei, sie zu schützen: In Mecklenburg-Vorpommern bauen ehrenamtliche BUND-Robbenbetreuer*innen dann eine temporäre Schutzzone am Strand auf.
Achtung, das sollten Sie auf keinen Fall machen: Robbe anfassen, füttern oder verfolgen und auch keine Selfies mit der Robbe machen. Immer wieder passiert es, dass Baby-Kegelrobben fälschlicherweise von Strandbesuchern als verlassen betrachtet und gestört werden. Dabei sind sie oft alleine am Strand, während das Muttertier zum Fressen im Meer unterwegs ist.
So schützt der BUND Kegelrobben
So schützt der BUND in Mecklenburg-Vorpommern Kegelrobben:
Der BUND hat in Mecklenburg-Vorpommern ein Netzwerk für Robben mit rund 250 ehrenamtlichen Robbenbetreuer*innen, vielen Küstengemeinden, Wasserrettungsorganisationen und Naturschutzvereinen aufgebaut.
Alle Küstengemeinden haben vom BUND Robbenschutzausrüstungen erhalten, die im Falle einer rastenden Robbe am Strand aufgebaut wird. So wird für die Kegelrobbe eine temporäre Schutzzone eingerichtet, durch die störende Interaktionen zwischen Menschen und Robben nicht zustande kommen.
Der BUND hat eine Meldestelle für Robbensichtungen eingerichtet. Über das BUND Robbentelefon (+49 1523-7969472) können Robben gemeldet werden, die sich am Strand ausruhen. An der Robbenschutzzone informiert dann eine ehrenamtliche Robbenbetreuer*in die Strandgäste.
Durch die lange Abwesenheit von Robben haben Menschen den Umgang mit den Wildtieren verlernt. Hier informiert der BUND mit Infotafeln, Broschüren, Robbennewslettern, Website, Vorträgen oder Aktionstagen.
Der BUND bietet BUND-Robbenausfahrten mit der MS Seebär an. Bei den Schifffahrten teilen BUND-Referent*innen ihr Wissen über Kegelrobben
- 2025 erreichte der BUND, dass in den Küstengewässern von Mecklenburg-Vorpommern Fischreusen nur noch mit Robbenschutzvorrichtung erlaubt sind.
- Der BUND setzt sich dafür ein, dass Gemeinden Strandabschnitte längerfristig beruhigen und für die Strandnutzung sperren, um den Robben Lebensraum zurückzugeben. Besonders in der Zeit der Jungtieraufzucht sind diese Maßnahmen sehr wichtig. 2025 gab es in einer Gemeinde die erste Robbenschutzzone in Mecklenburg-Vorpommern. Dort konnten Robben über mehrere Wochen lang einen Strand nutzen konnten, der für Menschen gesperrt war.
Der BUND setzt sich politisch dafür ein, dass etablierte Robbenliegeplätze besser geschützt werden. Dabei handelt es sich meistens um Liegeplätze, die an sehr abgelegenen Orten zu finden sind und nur aus großen Steinen oder kleineren Inseln bestehen. Alle etablierten Liegeplätze befinden sich zwar in Schutzgebieten, doch trotzdem werden Robben durch Freizeitboote regelmäßig gestört. Neben der politischen Arbeit sucht der BUND auch den Dialog mit Wassersportvereinen, um auch hier Informations- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn oft passieren Störungen von Robben aus Unwissenheit.
Sie leben in Mecklenburg-Vorpommern? Dann werden Sie Robbenschützer*in! Der BUND schult Sie.
So schützt der BUND in Schleswig-Holstein Kegelrobben:
Im Projekt “Robbe in Sicht” klärt der BUND Schleswig-Holstein über Kegelrobben und Seehunde an der schleswig-holsteinischen Ostsee auf. Der BUND veranstaltet Infoabende, entwickelt digitale Bildungsangebote, Flyer, Poster und Sticker.
Der BUND Schleswig-Holstein vernetzt Akteur*innen aus Naturschutz, Forschung, Verwaltung und Tourismus, um Wissen zu bündeln und gemeinsam das Bewusstsein für den Schutz von Kegelrobben und Seehunden an der Ostseeküste zu stärken.
Der BUND Schleswig-Holstein setzt dich dafür ein, dass geeignete Robbenruheplätze ermittelt werden. Gemeinsam mit den zuständigen Naturschutzbehörden, den Seehundjäger*innen, der Wissenschaft, den Kommunen und weiteren Akteur*innen können diese Bereiche gesucht werden. Geprüft werden könnten beispielsweise Küstenabschnitte im Naturschutzgebiet „Markelsdorfer Huk“ im Naturschutzgebiet „Nördliche Seeniederung Fehmarn“, in der Geltinger Birk oder an der Nordspitze des Naturschutzgebietes „Halbinsel Holnis“.