Trockenheit und Dürren nehmen durch den Klimawandel zu.
(ulleo / pixabay)
Als Folge der Klimakrise gibt es immer häufiger Dürren und Hitzewellen. Flüsse führen zeitweise extremes Niedrigwasser und die Grundwasserspiegel sinken. Gleichzeitig häufen sich Hochwasser- und Starkregenereignisse. Flüsse sind komplexe Ökosysteme, auf die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angewiesen sind.
Welche Folgen hat Niedrigwasser?
Niedrigwasser in Flüssen kann Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme erheblich belasten. Mit sinkenden Wasserständen in Flüssen nimmt der Sauerstoffgehalt ab. Besonders problematisch ist die Kombination aus niedrigem Wasserstand und hohen Temperaturen. In wärmerem, nährstoffreichem Wasser vermehren sich Algen oft schneller. Die entstehenden „Algenblüten“ entziehen dem Wasser Sauerstoff. Durch diese Euthrophierung werden Fische und Kleinlebewesen lebensbedrohlich gefährdet.
Welche Folgen hat Niedrigwasser für Tiere?
Wenn flache Uferbereiche und Kiesbänke austrocknen, gehen die Laich- und Aufwuchsgebiete von Fischen und anderen Wasserbewohnern verloren. Fische, Muscheln und andere Wasserlebewesen können bei starkem Sauerstoffmangel sterben. Wenn Insektenlarven, Muscheln oder Fische sterben, fehlt anderen Tieren die Nahrungsgrundlage – etwa Wasservögeln oder größeren Fischen. Tiere, die an das Wasser gebunden sind, verlieren durch Austrocknung große Teile ihres Lebensraums. Das betrifft zum Beispiel alle Arten, die im Wasser jagen. Auch Vögel, die am schlammigen Boden nach Nahrung suchen, sind betroffen. Die Veränderungen des Lebensraums sind rasant und Tiere und Pflanzenarten haben keine Möglichkeit, sich anzupassen.
Welche Folgen hat Niedrigwasser für Natur im Uferbereich?
Auch die Natur im Uferbereich leidet unter dem Niedrigwasser. Wasserpflanzen können austrocknen oder durch höhere Wassertemperaturen geschädigt werden. Die Wurzeln der Uferpflanzen erreichen absinkendes Wasser nicht mehr und können absterben. Besonders gefährdet sind die ohnehin seltenen und bedrohten Auen-Lebensräume. Am Rhein könnten durch das Niedrigwasser beispielsweise flache Altarme mit ihrer teilweise noch intakten Vegetation austrocknen. Im ungünstigsten Fall werden sie vom Hauptstrom abgeschnitten und verlieren dann ihre Funktion als Rückzugs- Fortpflanzungs- und Ernährungsgebiete.
Vorbelastung der Gewässer
Dabei sind unsere Gewässer bereits stark vorbelastet: zum Beispiel durch die Einleitung von Abwässern, Einträgen aus der industriellen Landwirtschaft oder Eingriffe wie Begradigung und Aufstauen der Flüsse. Über 90 Prozent der Gewässer in Deutschland verfehlen den in der Wasserrahmenrichtlinie geforderten “guten ökologischen Zustand”.
Fragen und Antworten zu Klimakrise und Wasserhaushalt
Klimaveränderungen und der Biodiversitätsverlust hängen eng miteinander zusammen. Bei zunehmenden Extremwetterereignissen, wie Dürren und Sturzfluten, sind unmittelbare Folgen für die Artenvielfalt und die Ökosysteme zu erwarten, zum Beispiel werden Lebensräume oder Laichgewässer zerstört. Trocknet ein Fluss, Bach oder See aus, können ganze Populationen von Fischen, Amphibien oder Muscheln sterben.
Nein. Im Gegenteil: Forscher*innen haben festgestellt, dass es mittlerweile über das gesamte Jahr betrachtet mehr Niederschläge gibt. So hat der jährliche Niederschlag seit 1881 um circa zehn Prozent zugenommen. Allerdings unterscheiden sich Winter- und Sommermonate immer stärker voneinander: So gibt es durchschnittlich mehr Niederschläge im Winter und weniger im Sommer. Und wenn Niederschlag im Sommer fällt, dann häufig in Form von Starkregen. In kürzester Zeit fallen dann große Mengen von Regen. Diese großen Wassermassen kann der Boden aber nicht aufnehmen, das Wasser fließt einfach ab. Zudem erwarten Expert*innen im Sommer auch eine erhöhte Wasserverdunstung. Durch den Klimawandel hat sich die Vegetationszeit, also die Zeit, in der Pflanzen wachsen, blühen und fruchten, in Deutschland mittlerweile um circa zwei Wochen verlängert. In dieser Zeit verbrauchen Pflanzen sehr viel Wasser und die Grundwasserspiegel sinken weiter.
Steigt die Lufttemperatur, nimmt auch die Wassertemperatur, einschließlich des Grundwassers, zu. Forscher*innen gehen davon aus, dass sich die Wassertemperaturen bis zum Jahr 2100 um 1-2 Grad erwärmen. Eine exakte Vorhersage ist dabei schwierig, denn die Wassertemperatur ist von vielen Faktoren abhängig, wie vom Wasserstand, von der Beschattung, dem Durchfluss und der Gewässerbewirtschaftung. Zu der Erwärmung trägt einerseits der Klimawandel bei, andererseits sind auch Kraftwerke, die aufgewärmtes Kühlwasser in Flüsse zurückleiten, ein Problem.
Erwärmen sich die Gewässer, verringert sich der Sauerstoffgehalt. Dadurch geraten Pflanzen und Tiere in Stress, massenhaftes Fischsterben kann die Folge sein. Unsere Wasserqualität verschlechtert sich.
Das Grundwasser dient als Wasserspeicher für Böden, Pflanzen, Tiere und Menschen. Übrigens ist es auch der größte und älteste kontinentale Lebensraum. Insgesamt wird geschätzt, dass bis zu 100.000 Arten von Organismen im Grundwasser leben, zum Beispiel Krebstiere, Schnecken, Milben und Würmer. Diese teils seltenen Lebewesen reinigen das Grundwasser auch für uns Menschen. Denn Grundwasser ist die Grundlage unserer Trinkwasserversorgung.
In weiten Teilen des Landes sinken die Grundwasserspiegel in den letzten 30 Jahren allerdings kontinuierlich. Dadurch trocknen die Auen aus und Flüsse, Bäche oder Seen können trockenfallen.
Außerdem ist das Grundwasser auf etwa einem Fünftel der Gesamtfläche Deutschlands bereits in einem schlechten chemischen Zustand. Die Nitratwerte sind zu hoch. Grund dafür sind zum Beispiel Stickstoffdüngerüberschüsse aus der Intensiv-Landwirtschaft oder Pestizide.
Die sinkenden Grundwasserstände, steigenden Schadstoffeinträge und die zunehmende Erwärmung wirken sich negativ auf die Grundwasserökosysteme aus und sind damit auch für den Menschen und unsere Trinkwasserversorgung ein ernstzunehmendes Problem.
Moore und Auen dienen als Wasserspeicher. Sie funktionieren schwammartig: Niederschläge nehmen sie auf und geben sie langsam an die Flüsse weiter, so dass diese nicht auf einen Schlag zu viel Wasser führen.
Leider führt die derzeitige und vergangene Politik dazu, dass Auen, Sümpfe und Moore trockengelegt werden und wurden. Unsere Art der Landnutzung, die zum Beispiel intensiven Ackerbau beinhaltet, führt zu einer Entwässerung großer Flächen. Dadurch gehen nicht nur wertvolle Lebensräume verloren, sondern es werden auch große Mengen an Treibhausgasen wie CO2 und Methan frei, die von Mooren und Auen zuvor gespeichert wurden. So wird die globale Erwärmung weiter angefacht.
In Deutschland wird Trinkwasser zu etwa zwei Dritteln aus dem Grundwasser gewonnen. Die sinkenden Grundwasserspiegel können deshalb auch in Zukunft zu eingeschränkter Trinkwasserverfügbarkeit in manchen Regionen führen. Vor allem im Sommer, wenn der Bedarf besonders hoch ist, kann die Trinkwasserversorgung mancherorts möglicherweise für kurze Zeiträume nicht sichergestellt werden. Auf der Fläche gedacht ist unsere Trinkwasserversorgung aber noch nicht gefährdet.
Wir sind in den letzten Jahren zwar immer besser im Wassersparen geworden, aber mit zunehmend langanhaltenden Trockenperioden und Hitzewellen wird die Nachfrage nach Wasser insgesamt steigen, zum Beispiel für die Bewässerung in der Landwirtschaft. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir mit unseren Wasserressourcen nachhaltig umgehen, sie schützen und nicht weiterhin mit z.B. Nitrat verschmutzen.
Durch extremes Niedrigwasser wird die Schifffahrt stark beeinträchtigt. Doch eine Fahrrinnenvertiefung geht mit hohen ökologischen Kosten einher. Das Ziel des Ausbaggern ist es das wenige vorhandene Wasser in schmaleren und tieferen Rinnen zu konzentrieren, damit die schwer beladenen Schiffe nicht auf Grund laufen. Das funktioniert nur weil damit der umliegenden Landschaft noch mehr Wasser entzogen wird. Darunter werden dann auch Land- und Forstwirtschaft leiden, die ohnehin schon mit der Trockenheit zu kämpfen haben.
Durch die Begradigung der Flüsse verkürzt sich der Flusslauf, das Wasser fließt also schneller ab und stromabwärts steigt die Überschwemmungsgefahr. Der Fluss gräbt sich immer weiter in sein Bett ein, dadurch sinkt der Grundwasserspielgel auch in der Umgebung. Die Folge sind ausgetrocknete Felder oder vertrocknete Auwälder entlang der Flüsse.
Wo ein Fluss oder Bach aufgestaut wird, wärmt sich das Wasser stärker auf und die Sauerstoffkonzentration nimmt ab. Darunter leiden Wasserqualität und Artenvielfalt. Die Stauwerke beenden die Durchgängigkeit eines Flusses – nicht nur für das Geschiebe aus Kies und Sand, sondern für Wasserlebewesen jeglicher Art. So können zum Beispiel Wanderfische wie Lachs und Aal die Hindernisse wie z.B. Talsperren oftmals nicht überwinden und sind von ihren Laichgebieten abgeschnitten. Auch für den Bau von Wasserkraftwerken werden Flüsse aufgestaut. Gelangen Fische in die Turbinen, endet das meist tödlich. Wasserkraft ist also keineswegs eine grüne Energie!
Innerstädtische Gebiete haben schon jetzt bei starken Regenfällen Probleme mit der Entwässerung: Wenn viel Niederschlag in kurzer Zeit fällt, ist der Boden häufig nicht in der Lage, die gesamte Wassermenge aufzunehmen. Sturzfluten, steigende Wasserstände und Überschwemmungen sind die Folge.
Ein großes Problem ist die Versiegelung, das heißt die vollständige Bebauung, Asphaltierung oder Betonierung von Flächen. Regenwasser kann nicht direkt in den versigelten Boden einsickern, sondern wird meistens gemeinsam mit dem Abwasser in sogenannte Mischkanalisationen abgeleitet. Diese Kanalisationen sind meist aber nicht für derart hohe Wassermengen in so kurzer Zeit dimensioniert. Es kommt zu Überläufen: Schad- und nährstoffbelastetes Abwasser fließt ungeklärt in die Flüsse, Bäche oder Seen. Dies belastet nicht nur die Ökosysteme, sondern kann, wenn diese Gewässer vom Menschen genutzt werden, auch die Gesundheit gefährden.
Bei sinkender Wasserqualität drohen übrigens Badeverbote, beispielsweise aufgrund von Cyanobakterien (sogenannte Blaualgen) und erhöhten Keimzahlen. Grund dafür sind Nährstoffe und Hitze.
Um das Wasser, das gerade in heißen Sommermonaten dringend benötigt wird, in der Stadt zu halten, sind mehr Grünflächen, welche Wasser wie ein Schwamm bei starkem Regen aufnehmen und dann verzögert wieder abgeben können, notwendig. Wenn das Wasser dann verdunstet, kühlt das übrigens auch die Innenstädte ab.
So retten Sie unser Wasser
Beispiele, wie Ihre Spende hilft:
- Mit 25 Euro helfen Sie, politisch Druck zu machen, damit Deutschland endlich die bestehenden EU-Regeln für den Schutz des Wassers einhält.
- Mit 50 Euro ermöglichen Sie, Feuchtgebiete wie Auen und Moore wiederzuvernässen und Gewässer zu renaturieren, damit sie als Wasserspeicher dienen können.
- Mit 100 Euro unterstützen Sie uns, Rechtsgutachten und Anwalts- sowie Gerichtskosten für unsere Klagen rund um den Schutz des Wassers zu finanzieren.