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Plastikfrei reisen

01. August 2019 | Chemie, Naturschutz, Nachhaltigkeit, Suffizienz

Eine gute Vorbereitung kann viel Plastik einsparen.  (Sandra Harris / Unsplash)

"Ich nehme nur Fotos mit und hinterlasse nur Fußabdrücke!"

Wenn es ums Reisen geht, werden Sprüche wie diese oft als Lebensmotto verkauft. Was wir beim Reisen jedoch wirklich hinterlassen, sieht in der Regel ganz anders aus.

Plastikmüll vermehrt sich stetig, ob nun in Ländern, wo er häuig in der Mülltonne landet, oder in Ländern, in denen er oft in die Natur "weg"-geschmissen wird: Der Müll bleibt auf unserem Planeten – und das für eine unangenehm lange Zeit. Denn man kann nichts wirklich wegschmeißen, weil es nun mal kein "weg" auf der Erde gibt.

Hat man in seinem Alltag bestimmte Verhaltensmuster und Konsumgüter schon auf "plastikfrei" umgestellt, ist dies auch bei einem Ausflug oder einer Reise kein Hexenwerk mehr. Dennoch stößt man unterwegs immer wieder auf andere Schwierigkeiten als in seinem gewohnten Umfeld, weshalb eine Mischung aus guter Vorbereitung und flexibler Anpassung das A und O für plastikfreies Reisen ist.

Reiseequipment I: die eigene langlebige Trinkflasche (... denn ohne Wasser kommen wir nicht weit)

Wir verbrauchen in nur zwei Wochen circa 30 Flaschen Wasser, wobei im Urlaub besonders gerne auf die Plastikvariante zurückgegriffen wird. Wie dem Plastikatlas 2019 zu entnehmen ist, sind Einwegflaschen Teil der größten Plastikproduktion. Alleine in Deutschland würde die Einwegflaschen-Produktion pro Jahr 13-mal bis zum Mond reichen, wenn man alle Flaschen aneinanderlegen würde.

Mit einer eigenen Flasche sind blitzschnell Berge an Plastikflaschen ersetzt, der Weg in den Supermarkt hat sich erledigt und als angenehmer Nebeneffekt bleiben einem auch noch unnötige Ausgaben erspart. Ist einem die Trinkflasche zu sperrig für Handtasche oder Rucksack, gibt es praktische Flaschen mit Tragegurten zum Umhängen oder sogar einen handlichen Wasserfilter-Strohhalm. Unterwegs gibt es mehr Auffüllmöglichkeiten, als viele denken. Immer hilft es zu fragen, sei es in Restaurants, Gasthäusern, Museen, Flugzeugen, öffentlichen Orten oder Privatpersonen: Eine Wasserflasche am Wasserhahn aufzufüllen ist fast überall möglich und wesentlich günstiger, als Wasser zu kaufen – oder sogar kostenlos.

Ist man jedoch in Ländern unterwegs, in denen man nicht ohne weiteres das Wasser aus dem Hahn trinken kann, sollte man sich informieren, denn auch dort gibt es oftmals zahlreiche Alternativen zu Plastikflaschen. Übrigens: Insider-Tipps von andern Reisenden oder Einheimischen sind am besten, damit lassen sich weltweit Wasser-Auffüll-Stationen finden.

  • So gibt es beispielsweise in Bangkok und anderen Städten Thailands Wasser-Auffüll-Automaten, die in den Straßen für jede*n zugänglich sind.
  • In Rom sind dank des aus der Antike stammenden Wassersystems auch heute noch Trinkwasser-Stationen in der ganzen Stadt verteilt
  • Auch Trinkwasser-Karten sind hilfreich, z.B.: Refill Deutschland und Refill Asien und Trinkwasserquellen in Europa 

Dennoch gibt es auch Orte mit wenigen oder ganz ohne Auffüllmöglichkeiten, in denen als Alternative eine Trinkflasche mit integriertem Filtersystem oder ein externer Wasserfilter als Reiseequipment empfehlenswert ist.

Reiseequipment II: Stofftaschen und plastikfreie Behälter

Durst gelöscht? Dann kann es ja jetzt ans Essen gehen: Einkaufsmöglichkeiten gibt es weltweit mehr als genug, die Kunst ist es, plastikfreie Varianten zu finden. In vielen Ländern bilden die Wochen- bzw. die täglichen Märkte eine gute Möglichkeit. Dort findet sich meist ausschließlich unverpacktes und regionales Obst, Gemüse, Getreide und vieles mehr. Doch ohne eigene Taschen und Dosen endet der Einkauf auch hier mit einem Arm voller Plastiktüten. Bei Restaurants empfiehlt es sich, bei Einheimischen zu essen und Fast Food-Ketten sowie verpacktes ToGo-Food zu vermeiden. Beim Urlaub in Deutschland hilft ein Blick auf  die Liste der Unverpackt-Läden, Ökomärkte und Milchtankstellen.

Ohne Besteck wird nur in wenigen Gegenden gegessen und gerade auf Märkten und in Straßen-Läden gehen Unmengen an Plastikbestecken über die Theken. Ein Campingbesteck-Set oder eine Löffel-Gabel Kombination sollten daher unterwegs ebenfalls zur Grundausstattung gehören. 

Reiseequipment III: Das gute alte Stofftuch

Sei es ein Geschirrtuch oder ein Stofftaschentuch, sie sind praktische Begleiter auf jeder Reise. Benötigt man eine Serviette, ein Taschentuch, einen Lappen oder etwas zum Einwickeln des Essens, bieten sich Stofftücher als nachhaltige und plastikfreie Variante an.

Reiseequipment IV: Der plastikfreie Kulturbeutel

Grundsätzlich gilt: Von "plastikfrei in der Dusche", über "plastikfrei Zähne putzen", bis "plastikfreie Deos selber machen", all dies kann auch bei der Reise umgesetzt werden.

Möchte man Pflegeprodukte nur in kleinen Mengen mitnehmen, sollte man beim Verpacken und Abfüllen darauf achten, dass Glasfläschchen, Dosen oder Stofftücher verwendet werden. Das feste Shampoo (meist auch für den Körper verwendbar) kann in einer Dose aufbewahrt werden. Ist das Shampoo nach dem Duschen noch nass, aber keine Zeit mehr zum Trocknen, kann man es einfach in einen Waschlappen packen. Dort werden die weichen Seifenreste eingesaugt und können samt Waschlappen einfach zum nächsten Waschen benutzt werden.

Reiseequipment VI: Praktische "Allrounder"

Um so wenig wie möglich neuen (Plastik-)Müll zu erzeugen, gibt es ein Set an praktischen Hilfsmitteln:

  • Nähsachen, um gerissene Sachen zu flicken,
  • ein Taschenmesser-Set (Multi-Tool) als Schere, Deckelöffner oder für kleine Reparaturen,
  • eine Kordel zum Befestigen jeglicher Dinge oder als Wäscheleine,
  • ein auffüllbares, plastikfreies Feuerzeug,
  • ein Taschenaschenbecher, damit keine Zigarettenstummel auf dem Boden landen,
  • eine Rolle Müllbeutel, falls keine Mülleimer in der Nähe sind – und um unterwegs Müll zu sammeln,
  • der eigene Verstand: auch „Nein“ zu sagen und keine unnötigen Souvenirs kaufen, die oft nach ein paar Monaten wieder im Müll landen,
  • auch vor Ort Ver- und Ausleihen statt Produkte zu kaufen, die nur ein paar Mal eingesetzt werden und danach in der Ecke verstauben. 

Und zu guter Letzt: Was beim Fliegen zu beachten ist

Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass man am besten auf dem Boden bleiben sollte, geht es dann doch mal in die Lüfte, sollten ein paar Dinge schon am Flughafen beachtet werden:

  1. Die Trinkflasche (sicherheitshalber nicht aus Glas) muss beim Sicherheitscheck leer sein und kann danach an einer Refill-Station, auf der Toilette oder im Flugzeug aufgefüllt werden.
  2. Mit eigenem Essen in der Dose kann das viele Plastik der aufwändig verpackten Fluggerichte vermieden werden. Man sollte vorher daran denken, die zum Flug gehörende Mahlzeit bei der Airline abzubestellen, um eine unnötige Produktion zu vermeiden. 
  3. Beim Besteck sollte auf ein Holz-Set geachtet werden, da scharfe und spitze Gegenstände nicht durch den Sicherheitscheck gelassen werden.
  4. Möchte man Tee oder Kaffee trinken, empfiehlt es sich, neben der Trinkflasche auch einen Kaffeebecher oder eine Tasse einzupacken.
  5. Bei einem längeren Flug sollte man nicht vergessen, die Holz-Zahnbürste fürs Handgepäck einzuplanen,
  6. Einweg-Kopfhörer, Einweg-Decken und Ähnliches können vermieden werden, wenn man seine eigenen Sachen dabei hat.

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