12. August 2026 | Publikation
12. August 2026 | Publikation
06. August 2026 | Publikation
15. April 2026 | Publikation
13. April 2026 | Publikation
06. Oktober 2025 | Publikation
Welche chemischen Substanzen (Stoffe) sind in der Umwelt problematisch? Wie müssen nachhaltige Produkte und Chemikalien konzipiert werden? Wie sind die globalen Auswirkungen unseres Umgangs mit Ressourcen, Chemikalien und Produkten? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich der Arbeitskreis Umweltchemikalien/Toxikologie des BUND beschäftigt. In den vergangenen Jahren wurde dazu ein umfassendes Konzept entwickelt und als BUND Position 69 "Herausforderungen für eine nachhaltige Stoffpolitik" veröffentlicht. Hier werden wesentliche Erkenntnisse wissenschaftlich hergeleitet und begründet und daraus Forderungen für das künftige Handeln in Politik und Gesellschaft entwickelt. Das sind die wesentlichen Punkte:
Der „BUND-Standpunkt 23: Stoffbewertung im Lichte des Vorsorgeprinzips: Persistenz, Gefährlichkeit und Risiko“ zeigt die Grenzen der vorherrschenden risikobasierten Regulierung von Chemikalien auf. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wann eine Regulierung anhand von Gefährlichkeitsmerkmalen im Sinne des Vorsorgeprinzips unerlässlich ist. Die Fallbeispiele beschäftigen sich mit den persistenten Ewigkeitschemikalien PFAS, den hormonellen Schadstoffen Bisphenole und Mikroplastik. Es wird verdeutlicht, warum es eine klare Ausrichtung der Chemikalienpolitik am Vorsorgeprinzip braucht
Der Arbeitskreis Umweltchemikalien / Toxikologie hat in den letzten Jahren eine Reihe von weiteren fachlich fundierten Positionen und Hintergrundpapieren erarbeitet. Hier finden sich die wichtigsten:
Die stofflichen Belastungen sind mit dem Klimawandel und dem Verlust an biologischer Vielfalt eng verbunden. Ohne unseren Umgang mit Stoffen und damit auch unsere Wirtschaftsweise und Lebensstile spürbar zu verändern, werden die Ziele der internationalen Vereinbarungen zu Klima und Biodiversität nicht erreichbar sein. Der BUND-Hintergrund "Nachhaltige Stoffpolitik zum Schutz von Klima und Biodiversität" zeigt auf, warum sowohl auf internationaler Ebene als auch im europäischen und nationalen Rahmen die Wechselwirkungen zwischen Biodiversitäts-, Klima- und Stoffpolitik stärker berücksichtigt und notwendige Maßnahmen zügig angegangen werden müssen. Mehrere Mitglieder des Arbeitskreises publizierten hierzu den wissenschaftlichen Fachartikel „The Necessity of a Global Binding Framework for Sustainable Management of Chemicals and Materials—Interactions with Climate and Biodiversity“.
Aufbauend auf den oben genannten Grundlagen wirkt der Arbeitskreis Umweltchemikalien/Toxikologie daran mit, Positionen und Handlungsempfehlungen für bestimmte Bereiche zu erarbeiten. So wurde unter anderem zusammen mit den Arbeitskreisen Gesundheit und Wasser die BUND-Position 70 "Arzneimittel in der Umwelt" erarbeitet. Arzneimittel sind biologisch hochaktive Stoffe, die verbreitet als Mikroschadstoffe in Gewässern und Böden gefunden werden. Antibiotika induzieren das Vorkommen resistenter Keime in der Umwelt. Bei der Zulassung spielen Umweltwirkungen nur eine geringe Rolle. Es wird aufgezeigt, wie der Schutz der Umwelt verbessert werden kann, ohne dass die medizinische Versorgung beeinträchtigt wird. Das Ziel ist auch hier: deutlich weniger schädliche Arzneimittel in der Umwelt!
Organische Fluorchemikalien (PFAS) sind erst durch den Menschen in großen Mengen in die Umwelt gelangt. Dort werden sie jedoch fast gar nicht biologisch abgebaut. Sie werden daher auch „Forever Chemicals“ genannt. Im gemeinsam mit dem Arbeitskreis Bodenschutz/Altlasten verfassten Hintergrundpapier "Fluorchemikalien: Langlebig, gefährlich, vermeidbar" werden diese besonders persistenten und damit hoch problematischen Chemikalien und deren Wirkungen beschrieben. Das Papier zeigt auf, warum in diesem Bereich so rasch wie möglich ein Verzicht auf Herstellung und Gebrauch dieser gesamten Stoffgruppe notwendig ist und enthält entsprechende Empfehlungen und Forderungen des BUND.
Eine besondere Bedeutung im Bereich der PFAS hat die Chemikalie Trifluoressigsäure TFA. Sie entsteht aus vielen anderen PFAS-Chemikalien, wie fluorierten Kältemitteln, Pestiziden und Arzneimitteln. Die Konzentrationen in der Umwelt und in Lebensmitteln wie Gemüse, Getreide und Wein sind bereits heute bedenklich. Einen Überblick zu diesem Thema gibt der Artikel: „Trifluoressigsäure - Mobil, persistent, gefährlich?“ an dem mehrere Mitglieder des Arbeitskreises mitgewirkt haben
Klärschlamm ist weit mehr als ein Abfallprodukt: Er sammelt Schadstoffe aus unserem Abwasser, enthält aber zugleich wertvolle Nährstoffe wie Phosphor. Die BUND-Position „Klärschlamm – Nährstoffquelle und Schadstoffsenke“[MG2] zeigt, warum die bisherige bodenbezogene Entsorgung ökologische Risiken birgt und die Mitverbrennung Chancen der Kreislaufwirtschaft verschenkt. Sie macht deutlich, wie wichtig eine schadstoffarme Abwasserpolitik und die konsequente Rückgewinnung von Phosphor für Gewässerschutz, Landwirtschaft und Ressourcensicherheit sind. Wer sich für Umwelt-, Wasser- und Rohstofffragen interessiert, erhält hier fundierte Hintergründe und klare umweltpolitische Forderungen.
Da seit Publikation dieser Position im Jahr 2023 kein Fortschritt zu verzeichnen ist, wurde 2026 zusätzlich der „BUND-Standpunkt 25: Neuer Anlauf für das Phosphorrecycling aus Klärschlamm notwendig“ veröffentlicht. Statt vielversprechende Verfahren zur Marktreife zu bringen, setzte man einseitig auf Monoverbrennung, während der wertvolle Rohstoff Phosphor größtenteils ungenutzt bleibt. Eine fundierte ökologische Bewertung der verschiedenen Verfahren zum Phosphorrecycling fehlt bis heute. Der BUND fordert daher ein befristetes Moratorium mit klaren Auflagen, um die Zeit für belastbare Vergleichsdaten und eine zukunftsfähige Strategie zu nutzen.
Plastik ist allgegenwärtig – in unserem Alltag, in den Ozeanen, in der Luft. Das BUND-Hintergrundpapier „Plastik – Radikales Umdenken nötig“ zeigt, wie tiefgreifend Kunststoffe in natürliche Stoffkreisläufe eingreifen und warum ein radikales Umdenken notwendig ist. Dabei geht es nicht nur um die sichtbaren Abfälle, sondern auch um unsichtbare Rückstände wie Mikro- und Nanoplastik, die sich in Böden, Gewässern und letztlich auch in unserer Nahrungskette wiederfinden. Die Publikation macht deutlich, wie eng die Frage der Plastiknutzung mit globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust verknüpft ist. Sie beleuchtet, wie Produktionsprozesse, Recyclingsysteme und sogenannte Additive – also chemische Zusatzstoffe in Kunststoffen – Auswirkungen auf Mensch und Natur haben. Wer verstehen will, warum die bisherigen Strategien nicht ausreichen, findet hier fundierte Analysen. Gleichzeitig zeigt die Publikation auf, welche Alternativen denkbar sind und wie ein Wandel in Stoffströmen gelingen kann.
Die chemische Industrie in Deutschland und Europa steht vor großen Herausforderungen. Das bisherige Geschäftsmodell des kontinuierlichen Wachstums steht nicht nur wegen starker Konkurrenz in Asien, hoher Energiekosten und instabiler Lieferketten unter Druck. Der hohe Verbrauch von Energie und Ressourcen sowie die Belastungen für Gesundheit und Ökosysteme durch Chemikalien sind nicht nachhaltig. Welche Anforderungen stellen sich hieraus für die Industrie, die Politik und die Gesellschaft? Hierzu sind einige Gedanken aus dem Arbeitskreis heraus entstanden, die in der wissenschaftlichen Fachpublikation „The Need for Change: A Roadmap for the Sustainable Transformation of the Chemical Industry“ veröffentlicht wurden. Zu dieser Publikation fand auch ein Expertengespräch „Zukunft der Chemieproduktion: nachhaltig, klimaneutral, zukunftsfest und konkurrenzfähig" im Mai 2026 statt.
Carbon Capture and Utilization (CCU) – in deutscher Sprache die Abscheidung und Nutzbarmachung von Kohlenstoff – ist eine Technologie, bei der aus Wasserstoff und Kohlendioxid Methan oder weitere organische Grundchemikalien hergestellt werden. Der „BUND-Standpunkt 22: Carbon Capture and Utilization“ beleuchtet, welche Chancen und Herausforderungen mit diesen Technologien verbunden sind. Es wird deutlich, wie Suffizienz, Konsistenz und Effizienz zusammengedacht werden müssen. Es wird dargestellt, wie die Rohstoffe der Chemieindustrie in der postfossilen Welt aussehen können und ob und wann es sinnvoll ist, auf CCU zu setzen.
Im Arbeitskreis Umweltchemikalien/Toxikologie arbeiten junge Studierende und erfahrene Wissensschaffende aus Instituten, Universitäten und Behörden vertrauensvoll zusammen. Unser Vision: Eine gemeinsame nachhaltige Zukunft mit möglichst geringen Umweltbelastungen im Rahmen der planetaren Leitplanken gestalten. Wir freuen uns auf Mitwirkende. Welche Frage interessiert dich?
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