Riesenhai schwimmt im Wasser.

Gigant in Not: Der Riesenhai zwischen Nordsee und Ausrottung

Still gleitet der Riesenhai durch die Meere – auch die Nordsee. Das Maul weit geöffnet filtert er scheinbar mühelos winziges Plankton aus dem Wasser. Der Hai hat eine beeindruckende Größe und scheint einen glatt verschlucken zu können, doch er ist für den Menschen vollkommen ungefährlich. Andersherum ist das leider nicht der Fall. Der Mensch stellt die größte Gefahr für den Giganten dar. Er ist durch Fischerei, Umweltverschmutzung und Klimawandel stark bedroht und schon heute in vielen Regionen zur Seltenheit geworden.

Der Riesenhai (Cetorhinus maximus)

Taucher nähern sich einem Riesenhai; Foto: Chris Gotschalk Taucher nähern sich einem Riesenhai.  (Chris Gotschalk)

Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist die einzige Art der Familie Riesenhai und gehört zur Ordnung der Makrelenhaiartigen (Lamniformes), zu welcher unter anderem auch der Weiße Hai gehört. Riesenhaie können Größen von bis zu 12 Metern und ein Gewicht von 4,5-5 Tonnen erreichen. Damit sind sie die zweitgrößte Fischart nach dem Walhai. Ihre Lebenserwartung wird auf über 50 Jahre geschätzt.

Riesenhaie sind meist dunkelgrau bis schwärzlich mit einer etwas helleren Unterseite, können aber auch bräunlich oder bläulich sein. Sie haben einen zylinderförmigen Körper mit einem breiten, gebogenen und vor allem riesigen Maul. Die Schnauze läuft spitz zu und überragt das Maul. Doch das Maul hat keine Zähne.

Planktonfresser

Der Riesenhai gehört zu den wenigen Hai-Arten, die sich nur von Plankton ernähren. Seine Lieblingsspeise sind Ruderfußkrebse der Art Calanus helgolandicus. Zur Nahrungsaufnahme schwimmt der Riesenhai mit offenem Maul durch das Wasser. Aus dem einströmenden Wasser wird die kleine Nahrung herausgefiltert und fließt dann durch die Kiemen wieder raus. Mit dieser Methode filtert ein erwachsenes Tier bis zu 2000 Tonnen Wasser pro Stunde und frisst 1000-2000 Kilogramm Plankton am Tag.

Langstreckenwanderer der Meere

Ein Riesenhai schwimmt im offenen Meer. Ein Riesenhai schwimmt im offenen Meer.  (mlharing / via canva.com)

Riesenhaie sind Langstreckenwanderer und legen Strecken von über 3000 Kilometern im Jahr zurück. Vorzugsweise halten sie sich in den gemäßigten bis kälteren Teilen des Atlantiks und Pazifiks auf, mit der Hauptwanderroute im Atlantik zwischen Nordafrika, den britischen Inseln und Island. Sie kommen aber auch in flacheren Gewässern wie dem Mittelmeer und der Nordsee beispielsweise auf der Doggerbank vor. Doch auch auf der Südhalbkugel sind die Riesenhaie anzutreffen: Die Tiere können zwischen den beiden Erdhalbkugeln hin- und herwandern, indem sie die Tropen in den tieferen Wasserschichten von bis zu 1.200 m Tiefe durchqueren. Häufig, aber nicht ausschließlich sind sie küstennah unterwegs.

Riesenhaie sind gerne in Gruppen unterwegs, die aus über hundert Individuen bestehen können. Die größte Gruppe, die gesichtet wurde, bestand sogar aus ca. 1.400 Tieren – ein unglaubliches Naturspektakel!

Konkurrenz für den Weißen Hai

Für gewöhnlich gleiten Riesenhaie majestätisch und gemächlich nahe der Wasseroberfläche dahin und sehen fast so aus als würden sie sich sonnen, daher kommt der englische Name „basking shark“. Da kann man sich kaum vorstellen, dass sie über kurze Strecken sehr schnell werden können und sogar gelegentlich Luftsprünge machen. Ein Forschungsteam hat dabei schon Geschwindigkeiten von 5,1 Metern pro Sekunde und eine Sprunghöhe von 1,2 Metern gemessen. Da macht der sonst so gemütlich wirkende Hai dem Weißen Hai glatt Konkurrenz.

Unerwartete Fähigkeit

Ein Riesenhai schwimmt im Wasser. Ein Riesenhai schwimmt im Wasser.  (John Millar / Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Und nicht nur da besteht eine unerwartete Ähnlichkeit zu dem riesigen Raubfisch. Forscher*innen des Trinity Colleges Dublin haben herausgefunden, dass Riesenhaie partiell warmblütig sind. Diese Eigenschaft war bislang nur bei Raubfischen bekannt, die schnell und in kaltem Wasser auf jagt gehen, wie dem Weißen Hai oder dem Roten Thunfisch. Die These der Wissenschaftler*innen, wieso auch der Riesenhai von dieser Fähigkeit profitiert, hat auch bei ihm mit seiner Nahrungsaufnahme zu tun. Wenn er mit weit geöffnetem Maul schwimmt, muss er gegen einen Wasserwiderstand von 0.9 m/s anschwimmen. Die partielle Warmblütigkeit könnte ihm helfen, um dies auch in kälteren Regionen schnell genug zu schaffen.

Gefahr für den Riesenhai

Durch den Klimawandel könnte das den Hai allerdings in Zukunft vor Herausforderungen stellen, da es ihn dann noch mehr Energie kostet, die Körpertemperatur über der Umgebungstemperatur zu halten. Er könnte dadurch aus Lebensräumen verdrängt werden und sich mehr in kältere Regionen zurückziehen. So könnte er aus der Nordsee und damit auch von der Doggerbank verschwinden.

Der Riesenhai ist allerdings nicht nur von Klimawandel bedroht, sondern auch sehr stark durch Fischerei. Zwischen 1946 und 1997 wurden um die 100.000 Tiere, zumeist weiblich, im Nordatlantik getötet. In den 50er und 60er Jahren kam es zu zahlreichen gezielten Tötungen durch Fischer*innen, da die Haie sich vermehrt in Lachsnetzen verfingen und diese zerstörten, wenn sie versuchten sich zu befreien. Des Weiteren wurden und werden sie für ihre Flossen sowie ihr Fleisch und Öl gezielt gefangen. Als Planktonfresser stellt zudem Mikroplastik eine zunehmende Belastung und Gefahr für die Riesenhaie dar.

Das alles hat dazu geführt, dass die Populationsgröße der Riesenhaie auf nicht mehr als 10.000 Tiere geschätzt wird. Durch ihr sehr langsames Wachstum, ihre späte Geschlechtsreife, die lange Tragzeit (Schätzung: 12-16 Monate) und die Pausen zwischen den Schwangerschaften haben die Haie den durch den Menschen zunehmenden Belastungen leider nur wenig entgegenzusetzen.

Dadurch musste der Riesenhai auf die Rote List der Weltnaturschutzunion IUCN aufgenommen werden und ist als gefährdet eingestuft. Seit 2005 gilt für ihn über die Bonner Konvention (Anhang I) der höchstmögliche Schutzstatus. Dennoch darf mit den Tieren, wenn auch seit 2006 nur noch mit speziellen Genehmigungen (Anhang II Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES), gehandelt werden.

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