Mikroplastik in Hand

Mikroplastik

Mikroplastik sind sehr kleine Plastikteilchen, die inzwischen überall in der Umwelt und in unseren Körpern sind. Wir erklären, wie schädlich Mikroplastik ist und was Sie tun können, um Mikroplastik zu reduzieren.

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Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind feste, sehr kleine Plastikteilchen. Sie sind kleiner als fünf Millimeter. Mikroplastik wird in primäres und sekundäres Mikroplastik unterschieden. Als primäres Mikroplastik werden Partikel bezeichnet, die bei Eintritt in die Umwelt bereits im Größenbereich von Mikroplastik sind. Dazu gehören beispielsweise Partikel, die in der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie eingesetzt werden,. Als sekundäres Mikroplastik wird Mikroplastik bezeichnet, das beim Zerfall größerer Kunststoffteile entsteht, beispielsweise durch Abrieb bei Nutzung, Verwitterungsprozesse wie Sonneneinstrahlung oder durch Wellenbewegungen. Noch kleinere Plastikteilchen (kleiner als 1 Mikrometer) werden als Nanoplastik bezeichnet.

Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Duschgel auf der Hand Mikroplastik ist in Duschgel und Shampoo noch erlaubt.  (Bild: atlasstudio via canva.com)

Mikroplastik kann zum Beispiel durch Abwasser, Reifenabrieb und Kunststoff-Sportplätze in die Umwelt gelangen.

Mikroplastik durch Reifenabrieb

Durch den Reifenabrieb beim Autofahren gelangt der größte Teil von Mikroplastik in die Umwelt. Die Mikroplastik-Partikel landen in der Luft und auf der Straße, wo sie durch Wind oder Regen weiter in die Umwelt gebracht werden.

Mikroplastik aus Körperpflegeprodukten

Mikroplastik aus Körperpflegeprodukten gelangt über das Abwasser beim Duschen in die Gewässer und Meere. Kläranlagen können die kleinen Plastikteilchen nur sehr bedingt rausfiltern. Flüssige Kunststoffe werden nicht rausgefiltert.

Mikroplastik durch synthetische Fasern aus Textilien

Beim Waschen von Kleidung, die synthetische Fasern beinhaltet, landet Mikroplastik im Abwasser. Dazu gehört beispielsweise Kleidung mit einem Anteil an Acryl, Polyester, Polyethylen, Polyamid oder Elastan.

Mikroplastik durch Kunststoffe auf Sportplätzen

In Deutschland gibt es circa 18.000 Sportplätze mit Kunststoffgranulat oder Kunstrasen. Sie emittieren rund drei Tonnen Mikroplastik pro Jahr und Platz. Das allein sind über 50.000 Tonnen im Jahr. Reitplätze sind hier noch nicht eingerechnet. 

Hunderttausende Tonnen schädliches Mikroplastik gelangen jährlich in unsere Umwelt. Ist das Mikroplastik einmal in unserer Luft, Böden, Gewässer und Meeren lässt es sich nicht mehr zurückholen. Auch in den entlegensten Gebieten, wie beispielsweise im Schnee der Antarktis, findet sich Mikroplastik.

Wie gelangt Mikroplastik in den menschlichen Körper?

Plastikflasche Verpackungsplastik ist leicht und günstig. Es kann aber auch in unserer Nahrung und so im menschlichen Körper landen.  (Bild: Wako Megumi / via canva.com)

Mikroplastik kann über die Nahrung, Trinkwasser, Kosmetik, Staub und Luft vom Menschen aufgenommen werden. Bei der Herstellung und Verpackung von Lebensmitteln können Stoffe aus Verpackungen, Materialien mit Lebensmittelkontakt oder aus Reinigungsprozessen in die Produkte gelangen. Auch durch Abrieb in Maschinen oder von Verpackungsmaterialien lassen sich solche Einträge nicht vollständig vermeiden. Während der Nutzung von Verpackungsmaterialien können Chemikalien in Lebensmittel übergehen. Je nach Art und Menge können sie gesundheitsschädlich wirken. Dieser Vorgang heißt chemische Migration. Besonders bei Kunststoffmaterialien mit Lebensmittelkontakt sind über tausend potenziell migrierende Chemikalien bekannt. Das liegt an der großen Vielfalt an Kunststoffen, Zusatzstoffen, Herstellungsverfahren und Anwendungen. Viele dieser Stoffe wurden bislang nicht ausreichend auf ihre Giftigkeit untersucht. Zu den besonders besorgniserregenden Stoffen zählen unter anderem krebserregende, erbgutverändernde und hormonell wirksame Chemikalien.

Wie viel Mikroplastik ist in Lebensmittel?

Über die tatsächliche Masse von Mikro- und Nanopartikeln in Lebensmitteln ist bislang wenig bekannt. Berechnungen gehen davon aus, dass Erwachsene im Durchschnitt etwa 883 Mikropartikel pro Tag aufnehmen. Der größte Anteil – rund 272 Partikel – wird dabei über die Atmung aufgenommen. Untersuchungen von Wasser zeigen Konzentrationen von fünf bis 200 Mikropartikeln pro Liter. Selbst wenn man annimmt, dass alle gefundenen Mikropartikel aus Kunststoff bestehen, entspräche das maximal etwa 0,06 Milligramm Kunststoff pro Liter Wasser. Neuere Studien zeigen jedoch, dass zum Beispiel in abgefülltem Wasser nur etwa zehn Prozent der nachgewiesenen Mikropartikel tatsächlich Kunststoff sind. Die häufig wiederholte Behauptung, der Mensch nehme täglich die Menge einer „Kreditkarte aus Mikroplastik“ auf, ist daher nicht seriös. In Fischereierzeugnissen wurden Gehalte zwischen 18 und 300 Milligramm pro Kilogramm gemessen.

Was macht Mikroplastik im Körper?

Mikro- und Nanoplastik wird vom Menschen über Wasser, die Nahrung, die Haut oder die Atemwege aufgenommen. Primäres Mikroplastik von Kosmetika kann auch über die Haut aufgenommen werden. Die Partikel sind weit verbreitet im menschlichen Körper, bis hin zum Gehirn, zur Plazenta und Muttermilch. Über die Nahrungskette kann Mikroplastik angereichert werden. Die Folgen sind noch nicht abschließend erforscht. Doch es zeichnet sich ab, dass Mikroplastik Entzündungsreaktionen hervorruft und es gibt erste Hinweise darauf, dass es die Bildung von Metastasen und Thrombosen begünstigt und ein Zusammenhang mit Parkinson bestehen könnte. Die enthaltenen Schadstoffe verursachen allein in den USA Gesundheitskosten von jährlich 249 Milliarden US Dollar.

Warum ist Mikroplastik gefährlich?

Kaum erkennbar aber da: weiß-glasige Plastik-Pellets am Strand von Norderney  (Rik Folkerts)

Kunststoff wirkt aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf viele Umweltchemikalien und Pathogene (Mikroorganismen, die Krankheiten auslösen können). Diese können sich auf der Kunststoffoberfläche anreichern. Hier lassen sich beispielsweise hundertmal höhere Konzentrationen als im Meerwasser messen.

Mikroplastik im Meer

Durch Abwasser, Regenwasser und Überschwemmungen gelangt Mikroplastik in die Meere. Je kleiner die Kunststoffpartikel sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Meeresbewohner die Partikel aufnehmen. Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen. Sie nehmen es über die Nahrung oder passiv durch Filtration auf. Die Schadstoffe, die sich auf dem Mikroplastik angesammelt haben, werden dann im Magen-Darm-Trakt der Meeresbewohner wieder freigesetzt werden und können den Organismus schädigen. Die Auswirkungen der Mikroplastikaufnahme sind vielseitig: Studien verweisen auf Gewebeveränderungen bzw. Entzündungsreaktionen und toxikologische Auswirkungen, bis hin zu inneren Verletzungen und Todesfällen. Kleinstlebewesen, wie das Zooplankton, sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische. Diese werden wiederum von größeren Raubfischen gefressen. Der nicht abgebaute Kunststoff und die Schadstoffe können sich im Gewebe ansammeln und so Teil der Nahrungskette werden.

Mikroplastik im Alltag vermeiden

Mit der kostenfreien BUND-Toxfox App können Sie herausfinden, in welchen Kosmetik- und anderen Produkten Mikroplastik sowie flüssige Kunststoffe enthalten sind.

In diesen Produkten ist Mikroplastik verboten: 

Die EU hat im Jahr 2023 ein Verbot für bestimmte Mikroplastik-Anwendungen verabschiedet. Doch die Verbote gelten zeitversetzt.

  • Mikroperlen oder loser Glitzer sind seit dem Jahr 2023 verboten
  • ab dem 17. Oktober 2027 ist Mikroplastik in auszuspülenden oder abzuspülenden kosmetische Mitteln wie Shampoo oder Duschgel verboten.
  • ab dem 17. Oktober 2029 ist Mikroplastik in Kosmetik, die auf der Haut oder in den Haaren bleibt, wie Cremes oder Haargel, verboten.
  • ab dem 17. Oktober 2035 ist Mikroplastik für Lippenstifte, Nagellacke und für Make-up-Produkte verboten.
  • ab dem 17. Oktober 2028 ist Mikroplastik in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln verboten. Auch in Wachsen, Poliermitteln und Lufterfrischer ist Mikroplastik dann verboten.
  • ab dem 17. Oktober 2031 ist Mikroplastik in Einstreugranulat für synthetische Sportböden verboten. 

Darüber hinaus gelten weitere Vorschriften zum Einsatz von Mikroplastik bei Düngemitteln oder Pflanzenschutzmitteln. 
 

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