Am Langwarder Groden wurde ein Sommerdeich geöffnet.
(Bild: Matthias Süßen, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)
Warum brauchen wir Küstenschutz?
Deiche, Sperrwerke und Maßnahmen des natürlichen Küstenschutzes schützen Menschen, Infrastruktur und Ökosysteme. Durch die Klimakrise steigt der Meeresspiegel. Das führt zu stärkeren und häufigeren Sturmfluten und Mehr Küstenerosion an Nord- und Ostsee. Bewährte Schutzsysteme wie Deiche und Sperrwerke sind zum Schutz von Menschen, Infrastruktur und Ökosystemen unverzichtbar. Doch technische Bauwerke stoßen zunehmend an Grenzen: Ihre Erhöhung und Verstärkung verursachen immer höhere Kosten, gleichzeitig verhindern sie das natürliche Mitwachsen der Küste mit dem steigenden Meer. Das erschwert auch das Ableiten von Regenwasser und Sturmfluten hinter den Deichen und fördert so die Gefahr von Überschwemmungen. Neben den technischen Schutzmaßnahmen kommt es also auch auf natürlichen Küstenschutz an.
Was ist natürlicher Küstenschutz?
Zu natürlichen Küstenschutzmaßnahmen gehören:
- Muschelbänke
- Dünen
- Seegraswiesen
- Salzmarschen (salzige Wiesen)
Sie wirken als lebendige Pufferzonen, in dem sie bremsen Wellen abbremsen und den Boden stabilisierien. So schützen sie die Küste vor Erosion. Anders als starre Bauwerke passen sie sich an den steigenden Meeresspiegel an und unterstützen damit die natürliche Selbstregulierung der Küsten. Natürlicher Küstenschutz ist damit eine kosteneffiziente und nachhaltige Ergänzung zu klassischen Schutzmaßnahmen.
Natürliche Küsten als wichtige CO2-Speicher
Gerade Seegraswiesen und Salzmarschen speichern außerdem große Mengen CO2. Sie bieten vielen Tier- und Pflanzenarten wichtigen Lebensraum und fördern die Artenvielfalt. Das macht sie zu einem doppelten Gewinn für Klima und Natur.
Erfolgsmodell natürlicher Küstenanpassung: Langwarder Groden
Am Langwarder Groden im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde ein Sommerdeich geöffnet. Durch die Öffnung wird das Gebiet wieder mit Salzwasser geflutet und Salzmarschen können sich wieder bilden. Seitdem entwickelt sich die Landschaft dynamisch: Priele erweitern sich und typische Wattenmeerpflanzen und -vögel kehren zurück. Das Pilotprojekt zeigt, wie Naturschutz und Küstenschutz Hand in Hand gehen können.
BUND fordert konsequente Förderung des natürlichen Küstenschutzes
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) appelliert an Bund, Länder und Kommunen, natürliche Küstenökosysteme konsequent zu schützen und wiederherzustellen. Natürlicher Küstenschutz muss neben dem klassischen Küstenschutz eine gleichberechtigte Rolle spielen und in Klimaanpassungsstrategien verankert werden. Pilotprojekte wie der Langwarder Groden zeigen, wie erfolgreiche Praxis aussehen kann.
Mehr Informationen:
- Arten in Nord- und Ostsee
- Der BUND ist Teil der Forschungsmission mareXtreme der Deutschen Allianz Meeresforschung. Im Projekt METAscales werden Wege zur Anpassung der Küste an zukünftige marine Extremereignisse entwickelt.