Natürlicher Küstenschutz

10. September 2026 | Naturschutz, Meere, Lebensräume

Im Herbst startet die Saison der Sturmfluten. Die Fluten an der Küste werden durch die Klimakrise häufiger und heftiger. Wir erklären, warum technischer Küstenschutz alleine nicht reicht und wie natürlicher Küstenschutz funktionieren kann.

Bohlenweg Bohlenweg im Langwarder Groden.  (Bild: Stephan Sprinz)

Warum brauchen wir Küstenschutz? 

Durch die Klimakrise steigt der Meeresspiegel: Wärmeres Meerwasser dehnt sich aus, zugleich schmelzen Gletscher und Eisschilde an Land. Sturmfluten können dadurch häufiger kritische Wasserstände erreichen. An ungeschützten Küstenabschnitten nimmt außerdem die Erosion zu. 

Welche deutschen Küsten sind besonders von Klimakrise betroffen? 

An der Nordsee sind die flachen Küstenniederungen, etwa in Nordfriesland, Dithmarschen, Ostfriesland, der Wesermarsch oder der Wurster Nordseeküste besonders betroffen. Auch an der Ostsee sind die Risiken erheblich, aber anders gelagert: Niedrig gelegene Förden, Buchten und Hafenbereiche können überflutet werden, während Strände, Dünen und Steilküsten durch Erosion bedroht sind.

Was ist technischer Küstenschutz? 

  • Deiche und Sperrwerke 
  • Hochwasserschutzmauern
  • Buhnen
  • Deckwerke
  • Sandaufspülungen
  • Siele und Pumpwerke zur Entwässerung des Hinterlands. 

Vorteile und Nachteile des technischen Küsenschutzes

Diese bewährten Schutzsysteme des technischen Küstenschutzes sind zum Schutz von Menschen, Infrastruktur und Ökosystemen unverzichtbar. Doch mit dem steigenden Meeresspiegel stoßen technische Bauwerke zunehmend an Grenzen: Ihre Anpassung und Verstärkung braucht Fläche und Material und verursacht immer höhere Kosten. Gleichzeitig verhindern diese festen Schutzlinien das natürliche Mitwachsen der Küste mit dem steigenden Meer. Auch das Ableiten von Regenwasser und Sturmfluten hinter den Deichen wird schwieriger und irgendwann unmöglich, wenn hohe Wasserstände den Abfluss ins Meer blockieren. Das erhöht die Gefahr von Überschwemmungen. Deshalb braucht es neben technischen Schutzmaßnahmen auch einen wirksamen natürlichen Küstenschutz.

Was ist natürlicher Küstenschutz? 

Zu natürlichen Küstenschutzmaßnahmen gehören: 

  • Wattflächen und Vorländer
  • Muschelbänke
  • Dünen und Strände
  • Seegraswiesen
  • Salzmarschen (salzige Wiesen) 

Sie wirken je nach Lebensraum und Standort unterschiedlich. Salzmarschen, Wattflächen und Vorländer können Wellen bremsen und Sedimente festhalten. Dünen und Strände puffern Sturmfluten und Erosion ab. Seegraswiesen und Muschelbänke stabilisieren den Meeresboden. So werden auch Deiche, Häfen und Infrastruktur an den Küsten geschützt. 

Vorteile des natürlichen Küstenschutzes

Anders als starre Bauwerke sind natürliche Küstenräume dynamisch: Salzmarschen und Wattflächen können sich an den steigenden Meeresspiegel anpassen und mitwachsen – wenn sie genügend Raum und Sediment haben. Damit unterstützen sie die natürliche Selbstregulierung der Küsten und machen natürlichen Küstenschutz zu einer kosteneffizienten und nachhaltigen Ergänzung von klassischen Schutzmaßnahmen.

Natürliche Küsten und Meeresböden als wichtige Kohlenstoffsenken

Gerade Seegraswiesen und Salzmarschen speichern außerdem große Mengen CO2. Auch schlickreiche Meeresböden können organischen Kohlenstoff langfristig einlagern. Bleiben diese Speicher intakt, kann der Kohlenstoff langfristig gebunden bleiben, statt kurzfristig wieder als CO2 freigesetzt zu werden. Außerdem bieten diese natürlichen Ökosysteme vielen Tier- und Pflanzenarten wichtigen Lebensraum und fördern die Artenvielfalt. Das macht ihren Schutz zu einem doppelten Gewinn für Klima und Natur.  

Erfolgsmodell natürlicher Küstenanpassung: Langwarder Groden

Am Langwarder Groden im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde ein Sommerdeich geöffnet. Durch die Öffnung wird das Gebiet wieder regelmäßig mit Salzwasser geflutet und Salzmarschen können sich bilden. Seitdem erweitern sich Priele. Typische Wattenmeerpflanzen und -vögel kehren zurück. Das Pilotprojekt zeigt, wie Naturschutz und Küstenanpassung Hand in Hand gehen können.

BUND fordert konsequente Förderung des natürlichen Küstenschutzes

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) appelliert an Bund, Länder und Kommunen, natürliche Küstenökosysteme konsequent zu schützen und wiederherzustellen. Natürlicher Küstenschutz muss neben dem technischen Küstenschutz eine gleichberechtigte Rolle spielen und von Anfang an in Klimaanpassungsstrategien verankert werden. Technische und natürliche Maßnahmen dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Pilotprojekte wie der Langwarder Groden zeigen, wie erfolgreiche Praxis aussehen kann.

Mehr Informationen: 

  • Arten in Nord- und Ostsee
  • Der BUND ist Teil der Forschungsmission mareXtreme der Deutschen Allianz Meeresforschung. Im Projekt METAscales werden Wege zur Anpassung der Küste an zukünftige marine Extremereignisse entwickelt.

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