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"Lex lupus": BUND kritisiert Gesetzentwurf zum Wolf

28. Mai 2019 | Naturschutz

Trotz der scharfen Kritik des BUND und anderer Verbände sind die geplanten Änderungsvorschläge des Bundesnaturschutzgesetzes am vergangenen Mittwoch vom Kabinett gebilligt worden. Die Gesetzesänderung soll zukünftig ermöglichen, Wölfe nach Übergriffen auf Weidetiere einfacher und rechtssicher schießen zu können. Doch eine wirkliche Abhilfe für Übergriffe auf Nutztiere bietet der Gesetzesvorschlag nicht – das kann nur konsequenter Herdenschutz ermöglichen.

Geht es nach Julia Klöckner, sollen ganze Wolfsrudel präventiv abgeschossen werden dürfen.  (heckepics / iStock.com)

Fatal ist, dass mit diesem Vorschlag der Artenschutz als Ganzes aufgeweicht wird. Denn eine wichtige Gesetzesänderung beinhaltet die Herabsetzung der für Abschüsse zugrundeliegenden Schadensbewertung – und zwar nicht nur für den Wolf, sondern für alle geschützten Arten.

Das heißt, in Zukunft könnten auch Arten wie Kranich, Fischotter und Co. wieder stärker verfolgt werden – eine echte Erosion des Artenschutzrechts in Deutschland. Der BUND wird weiter dafür kämpfen, das zu verhindern.

Ganze Wolfsrudel sollen ausgelöscht werden!

Weiterhin soll der Gesetzentwurf ermöglichen, nach und nach ganze Rudel zu schießen, wenn Risse nicht eindeutig zuzuordnen sind. Doch auch diese weitreichende Regelung reicht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) noch nicht – sie fordert nach wie vor den präventiven Abschuss ganzer Wolfsrudel. Also den vorbeugenden Abschuss von Wölfen, die möglicherwiese überhaupt keine Schäden angerichtet haben. Das muss mit aller Kraft verhindert werden! 

Der BUND fordert, dass auch in Zukunft alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, den tatsächlich für die Risse verantwortlichen Wolf zu identifizieren und diesen gezielt zu erlegen. Nur Übergriffe auf geschützte Weidetiere dürfen zählen – denn Wölfe, die ungeschützte Weidetiere erbeuten, sind keine auffälligen Wölfe.

Herdenschutz verbessern, nicht vernachlässigen

Der BUND befürchtet, dass vereinfachte Wolfsabschüsse die Konflikte mit der Weidetierhaltung nicht nachhaltig lösen werden. Wenn durch Abschüsse die Rudelstruktur zerstört wird, fremde Wölfe einwandern oder junge Wölfe plötzlich ohne Elterntiere Nahrung jagen müssen, können Nutztierrisse sogar zunehmen. 

Die Gesetzänderungen dürfen nicht dazu führen, dass der Herdenschutz vernachlässigt wird – im Gegenteil müssen die Bemühungen zum konsequenten Schutz von Weidetieren massiv verstärkt werden. Dafür müssen die Bundesländer den Weidetierhalter*innen endlich eine vollständige und unbürokratische Förderung von Herdenschutzmaßnahmen gewähren. Die schlechte wirtschaftliche Lage z.B. der schafhaltenden Betriebe muss dringend durch eine Weidetierprämie und eine Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden.

Debatte um den Wolf versachlichen

Die Debatte um den Wolf ist momentan aufgeheizt wie nie und wird jenseits von Fakten zunehmend zur politischen Profilierung benutzt. So gerät leicht in Vergessenheit, dass sich die überwiegende Mehrzahl der heimischen Wölfe unauffällig verhält. Nahrungsanalysen in der Lausitz zeigten, dass sich Wölfe zu 96 Prozent von Rehen, Hirschen und Wildschweinen ernähren. Nutztiere machten hingegen nur rund ein Prozent der Beute aus. In Deutschland leben mindestens 73 Rudel, 30 Paare und drei sesshafte Einzeltiere. 

Mit der Billigung des Gesetzesvorschlags durch das Kabinett ist der Gesetzentwurf noch nicht verabschiedet. Er muss noch durch Bundestag und Bundesrat kommen. Der BUND wird bis zuletzt alles dafür tun, dass dieser Entwurf nicht zum neuen Gesetz wird.

Mehr Informationen

Aufgeheizte Debatte um den Wolf

10.04.2019 | Günther Czerkus und Hubert Weiger, Frankfurter Rundschau

Weidetiere und Wölfe müssen miteinander leben. Alle müssen diese Co-Existenz ermöglichen, statt über einen Abschuss zu reden. Ein Beitrag des BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger und Günther Czerkus, Vorsitzender des Bundesverbands Berufsschäfer. 

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