Die fettreichen Sprotten gehören zu den wichtigen europäischen Nutzfischen - doch zu welchem Preis?
(Triin Kepler
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Überfischung Made in Germany
Deutschland hat ein massives Problem mit der Überfischung in einheimischen Gewässern. Ein besorgniserregendes Beispiel sind die Bestände von Dorsch und Hering, die in der Ostsee vollständig zusammengebrochen sind und in der Nordsee weiter schrumpfen.
Die Versorgung mit Fischprodukten, einschließlich Krebs- und Weichtieren, erfolgt schon seit langem nicht mehr ausschließlich regional – über 80 % des in Deutschland konsumierten Fisches wird aus dem Ausland importiert.
Die Auswirkungen der Überfischung sind gravierend: Raubfische verschwinden aus den Weltmeeren, befischte Arten werden immer kleiner und es treten auch soziale Probleme wie Hunger und Armut auf.
Fischkonsum in Deutschland hoch
Weltweit deckt Fisch etwa 15 % der tierischen Eiweißversorgung ab, in einigen asiatischen und afrikanischen Ländern sogar mehr als 50 %. Während der Fischkonsum besonders in den Industrienationen hoch ist, wird in Afrika deutlich weniger Fisch verzehrt: In Europa liegt der durchschnittliche Fischkonsum pro Kopf und Jahr bei rund 22 Kilogramm, in Afrika hingegen nur bei rund 9 Kilogramm.
Die Entwicklung des Fischkonsums in Deutschland
Ob als Matjesbrötchen an der Küste, Räucherfisch auf dem Wochenmarkt oder festliches Fischgericht zu besonderen Anlässen: Fisch in Deutschland ist beliebt. Allerdings sind Meeresprodukte schon lange in den Supermärkten und Fast-Food-Ketten angekommen. Ähnlich wie Fleisch hat sich Fisch vom besonderen Sonntagsgericht zur alltäglichen Massenware entwickelt.
Empfehlungen zum Fischkonsum sind kritisch
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche à 120 Gramm zu essen – das ist deutlich mehr, als aktuell tatsächlich verzehrt wird. Diese Ernährungsempfehlungen sollten überdacht werden. Denn eine gesunde Ernährung ist auch ohne regelmäßigen Fischkonsum möglich. Wenn alle Menschen in Deutschland zweimal pro Woche Fisch essen würden, würde der Pro-Kopf-Verbrauch stark ansteigen.
Anlässlich des diesjährigen End of Fish Day fordert ein Bündnis von Verbänden von der DGE ihre Konsumempfehlung für Fisch auf 0 bis 1 Portion pro Woche zu senken. Da sich in Deutschland die Gemeinschaftsverpflegungen, wie Kitas, Schulen und Unis sich nach den Empfehlungen der DGE richten, könnte die kleine Veränderung in den Empfehlungen große Auswirkungen haben.
Die Politik sollte mehr Verantwortung zeigen
Der Schutz der Meere und ihrer Artenvielfalt ist in erster Linie eine politische Aufgabe und sollte nicht allein den Bürger*innen überlassen werden. Es muss gewährleistet sein, dass Fischprodukte auf unserem Markt aus fairen und umweltfreundlichen Quellen stammen – sowohl aus eigener Produktion als auch aus Importen. Gleichzeitig ist es wichtig, Fische und ihre Lebensräume durch Maßnahmen wie wirksame Meeresschutzgebiete besser zu schützen.
Was Sie konkret tun können
Gleichzeitig können Sie als Verbraucher*in Meere und ihre Artenvielfalt schützen, indem Sie Ihren Fischkonsum reduzieren und bewusster gestalten. Statt zu Lachs aus konventioneller Aquakultur zu greifen, probieren Sie regionale Fischarten wie Wels oder pflanzliche Produkte wie Algen. Informationen zur Fischerei mit finden Sie hier.
Gute Nachrichten zum Schluss
Der Fischkonsum in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen, auf 12,8 Kilogramm pro Person pro Jahr. In Verbindung mit einer leicht erhöhten Produktion von Fisch, Muscheln und anderen Meerestieren verschiebt sich der End of Fish Day im Vergleich zum Vorjahr um 10 Tage nach hinten.
Mehr Informationen
- Forderungspapier der Umweltverbände an die DGE
- Mehr zu Überfischung, Meeresschutz und Meeresschutzgebiete
- Der „End of Fish Day“ wird jährlich auf Grundlage der neusten Daten zu Versorgungsbilanzen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) berechnet.
So schützen Sie unsere Meere
Wir kämpfen für echten Schutz der Meere und ihrer Bewohner. Doch dafür brauchen wir Ihre Hilfe:
- Mit 25 Euro helfen Sie uns, Müllsammel-Aktionen an Stränden durchzuführen. Zudem setzen wir uns für weniger Unterwasserlärm und ein Ende der Plastik- und Schadstoffeinträge ein.
- Mit 55 Euro ermöglichen Sie uns, an politischen Verhandlungen über Fischfangquoten teilzunehmen und Beifänge sensibler Arten wie der Kegelrobbe effektiv zu reduzieren.
- Mit 75 Euro unterstützen Sie uns, politischen Druck auszuüben – notfalls juristisch. Für den Schutz unserer Natur gehen wir im Fall der Fälle bis zur letzten Instanz.