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Kein Ei mit der 3

09. April 2019 | Massentierhaltung, Landwirtschaft, Nachhaltigkeit

Der Eierstempel gibt Auskunft über Haltungsform, Herkunftsland und Betriebsnummer.

Seit einigen Jahren ist die Einzelhaltung von Legehennen in Deutschland verboten. Nicht verboten ist aber die Haltung von Legehennen in sogenannten "ausgestalteten Käfigen" oder "Kleingruppenhaltung".

Dahinter verbirgt sich ein Käfig mit nur wenig mehr Platz als in den alten Legebatterien.

Achten Sie auf den Stempel

Schauen Sie beim Einkauf auf den Eierstempel und achten Sie auf die erste Ziffer. Diese gibt Auskunft über die Haltungsform. Und Vorsicht bei gefärbten Eiern: Sie müssen nicht gekennzeichnet werden. Steht nichts anderes darauf, so stammen diese in aller Regel aus Käfighaltung!

Die Buchstaben verraten das Herkunftsland. So steht etwa "DE" für Deutschland oder "NL" für Niederlande. Die Ziffern hinter dem Länderkürzel geben Auskunft über die Betriebsnummer.

Haltungsformen

  • 0: Ökologische Haltung und Biofutter – Genuss für alle; doch erst 11 Prozent der Eier*
  • 1: Freilandhaltung – viel Auslauf, aber konventionelles Futter; 19 Prozent der Eier
  • 2: Bodenhaltung – kein Käfig, aber wenig Platz; 63,2 Prozent der Eier
  • 3: Käfighaltung (auch "Kleingruppen" oder "Kleinvoliere") – grausame Tierquälerei und Salmonellenrisiko; 6,8 Prozent der Eier

Der Stempel auf jedem Frühstücksei zeigt, dass Kennzeichnung wirkt: Eier mit einer "3" werden fast gar nicht mehr verkauft, denn sie werden von den Verbraucher*innen abgelehnt und vom Handel ausgelistet. Viel lieber wird zu den tierfreundlicheren Alternativen aus Boden- und Freilandhaltung oder besser noch zu Bioproduktion gegriffen. Diese Tierhaltungs-Kennzeichnung ist eine Erfolgsgeschichte, die aus Sicht des BUND ausgeweitet werden muss.

Verarbeitete Eier sollten darum ebenfalls kennzeichnungspflichtig sein – beispielsweise in Fertigprodukten oder im Restaurant. Darüber hinaus fordert der BUND eine generelle Tierhaltungs-Kennzeichnung für alle tierischen Lebensmittel, die sich an der Eier-Kennzeichnung anlehnen sollte. Ein staatliches, verpflichtendes Tierwohl-Label ist längst überfällig!

Eier vom Zweinutzungshuhn: mehr als "nur" Bio

Sie können noch mehr tun, als auf den Stempel auf dem Ei zu gucken: etwa, auf Eier vom sogenannten Zweinutzungshuhn zu achten. Darunter versteht man eine Hühnerrasse, die sowohl zur Eier- als auch zu Fleischerzeugung gehalten werden kann. Das heißt, die Henne eignet sich zur Eierproduktion und die Hähne gleichzeitig zur Mast.

Die Vereinigung dieser beiden Eigenschaften in einer Rasse ist heute in der Landwirtschaft nicht mehr üblich. Hühner werden aus wirtschaftlichen Gründen ausschließlich auf eine Eigenschaft gezüchtet. Diese Spezialisierung hat jedoch zur Folge, dass bei den Legehennen-Rassen nur die weiblichen Tiere zum Eierlegen weiterleben dürfen. Männliche Küken setzen nicht genug Fleisch für die Mast an und werden daher nach dem Schlüpfen getötet.

Darum: Fragen Sie in Ihrem Bioladen nach Eiern vom Zweinutzungshuhn!

Auch Bruderhahn-Initiativen sind zu empfehlen

Im Handel gibt es zudem zunehmend Eier aus sogenannter "Bruderhahn-Aufzucht". Bei diesen Initiativen werden ebenfalls die männlichen Küken aufgezogen. Es handelt sich dabei aber nicht um Zweinutzungshühner, sondern um herkömmliche Hybridrassen. Dementsprechend setzen die Brüder nur sehr wenig Fleisch an, was die Mast aus wirtschaftlichen Gründen normalerweise unrentabel macht.

Bei den Bruderhahn-Inititativen wird die Mast der Hähne durch den Verkauf der Eier "gesponsert". Das bedeutet: Die Eier sind um einige Cent teurer als andere Eier und dank dieses zusätzlichen Ertrages können die Bruderhähne mit aufgezogen werden. 

* Alle Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt für das Jahr 2018

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