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Industrielle Tierhaltung braucht Antibiotika – und erhöht das Risiko resistenter Bakterien

Die Produktion von Billigfleisch bedeutet immer, dass eine zu hohe Zahl von Nutztieren auf zu wenig Raum gehalten wird – und dies ist nur unter Einsatz großer Mengen von Antibiotika möglich.

Antibiotika sollten sparsam und zielgerichtet eingesetzt werden. Unser investigatives Huhn zeigt auf, wie ihr massenhafter Einsatz auch den Menschen das Leben kosten kann.

Antibiotika sollten jedoch nur sparsam und ziel­gerichtet eingesetzt werden, um die "Lebens­dauer" also ihre Wirksamkeit möglichst lange zu erhalten.

Denn die häufigen und oft willkürlichen Anti­biotika­ga­ben erhöhen das Risiko, dass sich resistente Bakterien bilden. In der industriellen Tierhaltung sind die Umstände dafür ideal. Durch die Dichte, in der die Tiere nebeneinander stehen, können sich Keime in rasanter Ge­schwin­dig­keit verbreiten.

VerbraucherInnen sind gefährdet

Die resistenten Bakterien können die VerbraucherInnen dann über unterschiedliche Wege erreichen. Sie können, u.a. durch unsaubere Verarbeitung in den Schlacht- und Zerlegebetrieben, bis zum Endprodukt erhalten bleiben. Sie werden also mitgekauft und eventuell mitverzehrt, falls z.B. das erworbene Stück Fleisch nicht hygienisch verarbeitet und ausreichend erhitzt wurde. Doch auch VegetarierInnen und Rohköstler sind unter Umständen gefährdet: Selbst auf Gemüse wurden bereits resistente Bakterien gefunden. Kein Wunder, werden die Bakterien doch über die Abluft der Ställe in die Umwelt getragen oder mit der Gülle auf Felder ausgebracht. Durch Abdrift gelangen sie ins Oberflächenwasser.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verkaufen Pharmafirmen jährlich 837 Tonnen Antibiotika an Tierärztinnen und Tierärzte (Stand August 2016). Gut ist, dass der Verbrauch kontinuierlich zurückgeht, seitdem Umweltverbände wie der BUND den massiven Antibiotikaeinsatz im Stall kritisieren. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings der enorme Verbrauch von Reserveantibiotika, die eigentlich für Menschen reserviert sein sollten. Zwischen 2011 und 2015 kam es zu einem Anstieg von 82 Prozent.

Putenfleisch von Aldi, Lidl & Co. mit antibiotikaresistenten Keimen belastet

Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, resistente Bakterien mitzukaufen, zeigt unsere Analyse mit Putenfleisch-Proben. Auf 88 Prozent der bei Discountern gekauften Putenfleisch-Proben hat der BUND antibiotikaresistente Keime gefunden. Laboruntersuchungen der Fleisch-Stichproben von Aldi, Lidl, Netto, Penny und Real wiesen sowohl MRSA-Keime als auch ESBL-bildende Keime nach.

Sämtliche Schlachthofkonzerne und Zerlegebetriebe, die das vom BUND getestete Putenfleisch an die Discounter geliefert haben, gehören dem von der Fleischwirtschaft eingerichteten Qualitätssicherungssystem QS an. Und trotzdem ist das Fleisch massiv mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das zeigt, dass Änderungen im Tierschutz- und im Arzneimittelrecht notwendig sind, um die Schwächen dieses sogenannten Qualitätssicherungssystems abzustellen.

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