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Massentierhaltung: unökologisch, unsozial, unethisch, ungesund

Bei der Massentierhaltung setzen Regierung und Agrarlobby auf Wachstum. Dabei ist jede neue Mastanlage einzig für den Export gedacht! Der BUND setzt sich seit Jahren für den Umbau der Tierhaltung ein: Weg von der Massen­tierhaltung, hin zu art­gerechten Haltungs­verfahren.

Bundesregierung und Agrarlobby setzen weiterhin auf Wachstum. Dabei ist jede neue Mastanlage einzig für den Export gedacht!

Fleischproduktion in Deutschland – vor allem billig

Über den Export sollen neue Märkte erschlossen werden. Dafür soll immer mehr und immer billiger produziert werden – zulasten der Tiere, der Bürger*innen sowie der Umwelt. Aus diesem Grund gibt es auch keine verbindlichen Standards für viele Tiere in der Tierschutz-Nutztier­haltungs­verordnung und darum ermöglicht das Baugesetzbuch immer noch riesige Mastanlagen.

Allein beim Geflügel ist der Export innerhalb von wenigen Jahren um über 150 Prozent gestiegen. Darüber kann sich jedoch nur die Agrarindustrie freuen. Denn gleichzeitig bedeutet es auch:

  • ein Leben unter Qualen für die Tiere,
  • ein ruinöser Wettbewerb für kleinere und mittelgroße Agrarbetriebe,
  • gesundheitliche Risiken für uns Verbraucher*innen,
  • ein Leben in Gestank und rechtlicher Ohnmacht für die Nachbarschaft,
  • enorme Umweltprobleme durch die scheinbar grenzenlos wachsende industrielle Tierhaltung.

Der BUND setzt sich für den Umbau der Tierhaltung ein

Schafe auf der Wiese. Foto: Luka Tomac / Friends of the Earth Europe Schaf- und Ziegenhaltung sollten aus naturschutzfachlicher Sicht ausgebaut werden.  (Luka Tomac / Friends of the Earth Europe)

Für den BUND ist die Einführung einer verbindlichen staatlichen Hal­tungs­ken­nzeich­nung ein wichtiger Baustein hin zu einer umwelt- und klima­freund­lichen, an die Fläche und die Natur angepassten und tiergerechten Nutztierhaltung.

Die externen Kosten der Tierhaltung – sowohl was die Eutrophierung der Gewässer betrifft oder die Inanspruchnahme von Flächen zum Anbau von Futtermitteln – sind enorm. Die Bundesregierung darf den Umbau nicht weiter blockieren, sondern muss ihn endlich in die Wege leiten. Klar ist, dass ein solcher Umbau eine Reduzierung der gehaltenen Nutztiere bedeuten muss – sonst wären beispielsweise unsere Klimaschutzziele nicht erreichbar.

Aus Sicht des BUND muss die zukünftige Tierhaltung an die Fläche gebunden und vor allem grünfutterbasiert sein. Extensive Weidetierhaltung – auch von Rindern – gehört genauso dazu wie der aus naturschutzfachlicher Sicht wichtige Ausbau der Schaf- und Ziegenhaltung.

Ein reduzierter Konsum tierischer Lebensmittel geht mit einer gesünderen Ernährung einher. Darüber hinaus wird dies nicht zu weniger Wertschöpfungsmöglichkeit für die Landwirtschaft führen. Ganz im Gegenteil: Gerade eine transparente und vertrauenserweckende Kennzeichnung bietet den Agrarbetrieben die Möglichkeit, in gesellschaftlich erwünschter Art und Weise ihre Tiere zu halten. Die Preisdifferenzierung durch ein staatliches Tierwohl-Label kann die Mehrkosten, die aus dem Umbau der Tierhaltung entstehen, nur teilweise ausgleichen.

Nationale Nutztierstrategie

Die Massen­tierhaltung steht seit vielen Jahren in der Kritik. Nicht zuletzt, weil die gegen­wärtigen Formen der Tierhaltung viele Tiere krankmachten. Fleisch­skandale, Ekelbilder aber auch gerade das Leid der Tiere führen dazu, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung die industrielle Tierhaltung in Mega-Ställen ablehnt. Jedes Jahr gehen deshalb tausende auf die Straße und fordern "Bauernhöfe statt Agrar­fabriken".

Klar ist: Vielen Haltungsformen fehlt inzwischen die gesell­schaftliche Akzeptanz. Das sagt sogar der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik (WBA) beim Bundes­ministerium für Ernährung und Land­wirtschaft (BMEL) im März 2015 in seinem Gutachten "Wege zu einer gesell­schaftlich akzeptierten Nutztier­haltung". Dort beschreibt der Beirat, wie der Weg raus aus der Massen­tierhaltung gegangen werden könnte, wenn die Agrarpolitik das will. Das Gutachten zeigt auf 425 Seiten, wie der dringend not­wendige Umbau der Nutztier­haltung in Deutschland gestaltet und finanziert werden kann.

Der BUND fordert seit Jahren ein ent­sprechendes Umbau­programm: Weg von der Massen­tierhaltung, hin zu art­gerechten Haltungs­verfahren wie Weide­tierhaltung, Öko-Tierhaltung und Neuland-Haltung. Damit dieser Umbau endlich beginnt, ist eine verbindliche, nationale Nutztier­strategie erforderlich, die öffentlich diskutiert und zeitnah beschlossen werden muss. Diese Strategie muss den Umbau­plan der kommenden Jahre zeitlich, rechtlich und finanziell festlegen. Bundes­agrar­minister Schmidt stellte seinen Entwurf einer "Nutztierhaltungs­strategie" im Sommer 2017 vor, wenige Wochen vor dem Ende der Legislatur­periode des Bundestages.

Ihr Ansprechpartner

Christian Rehmer

Christian Rehmer

BUND-Agrarexperte
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FAQs – Nutztierhaltung

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Wie lange dauert der Umbau der Tierhaltung?

Der BUND geht davon aus, dass der Umbau der Tierhaltung 20 bis 30 Jahre dauern wird. Man kann nicht 10.000ende Hühner aus einem Mega-Stall einfach auf die Weide lassen. So müssen beispielsweise Ställe umgestaltet, die Zucht verändert, Futtermittel angepasst und Betreuungspersonal geschult werden. Deshalb ist es unverzichtbar, dass die nächste Bundesregierung mit dem Umbau der Tierhaltung beginnt. In einem gesellschaftlichen Dialog muss sich auf eine zukünftige Vision einer umwelt- und tiergerechten Nutztierhaltung geeinigt werden.

Wie kann der Umbau der Tierhaltung aussehen?

Aus Sicht des BUND muss die Nutztierhaltung im Einklang mit den umwelt-, klima-, entwicklungs- und naturschutzpolitischen Zielen sein. Das geht nur mit einer reduzierten Nutztierhaltung und einem veränderten Konsumverhalten der Verbraucher*innen.

Für den Umbau braucht es neben der Vision einen klaren zeitlich und finanziell untersetzen Fahrplan. Rechtliche Änderungen, bspw. im Tierschutzgesetz oder im Baurecht, sind ebenfalls in diesen Prozess einzubeziehen. Die Landwirt*innen dürfen in diesem Prozess nicht alleine gelassen und müssen auf dem Weg zu einer umwelt- und tiergerechten Nutztierhaltung mitgenommen werden. Denn ohne Bäuerinnen und Bauern kann der Umbau nicht gelingen. Deswegen bedarf es ausreichender Finanzmittel für Beratungsleistungen der Agrarbetriebe. Und letztendlich geht es um ein verändertes Konsumverhalten, weniger tierische Lebensmittel und mehr pflanzliche Kost.

Was kostet der Umbau?

Der Umbau der Tierhaltung wird teuer, aber die Umweltschäden und das Tierleid der Massentierhaltung sind bereits heute ein relevanter Kostenfaktor. Das für den Umbau notwendige Geld können Bäuerinnen und Bauern nicht selbst aufbringen. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik stellt dazu fest, dass „der Wettbewerbsdruck in der durch die Strategie der Kostenführerschaft geprägten Fleisch- und Milchwirtschaft so hoch ist, dass eine gesetzliche Anhebung von nationalen Mindeststandards ohne begleitende Politikmaßnahmen zur Abwanderung von Teilen der Produktion ins Ausland führen würde.“ Daher hat der WBA einen Mix unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente vorgeschlagen und kalkuliert, dass der Umbau jährlich zwischen drei bis fünf Milliarden Euro kosten wird.

Aus Sicht des BUND müssen sowohl die Preise tierischer Lebensmittel steigen (drei bis sechs Prozent schätzt der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik), Agrarfördermittel aus Brüssel gezielt für den Umbau eingesetzt und Steuermittel für Investitionen, Beratung und Forschung bereitgestellt werden. Alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette haben ihren Beitrag zur Finanzierung des Umbaus zu leisten. Durch eine klare Kennzeichnung besserer Haltungsbedingungen kann die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher*innen erhöht werden.

Was sagt der BUND zur Nutztierhaltungsstrategie des Bundesagrarministers?

Im 60-seitigen Entwurf von Bundesagrarminister Christian Schmidt steht viel Richtiges. Es wird bspw. beschrieben, welche Umweltprobleme die Tierhaltung verursacht. Die einseitigen Zuchtziele sowie die Haltungsbedingungen von Schweinen, Geflügel, Puten und Rindern werden kritisiert. Die Strategie nimmt an vielen Stellen Bezug auf das Gutachten des Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik und zeigt ansatzweise eine Offenheit für Veränderungen in der Nutztierhaltung.

Bundesagrarminister Schmidt versteht die Strategie auch als Angebot zur Diskussion. So wird in dem Entwurf die Einrichtung eines "Rates für nachhaltige Nutztierhaltung" vor geschlagen, der in den kommenden Jahren als Beratergruppe den Umbauprozess begleiten soll. Im August 2017 fanden zwei Diskussionsrunden mit den Bundesländern, den Branchenverbänden und (Umwelt)verbänden wie dem BUND statt.

Der BUND begrüßt, dass die Notwendigkeit eines dringenden Umbaus der Nutztierhaltung nun auch im BMEL angekommen ist. Der Entwurf ist uns aber zu unverbindlich. Der Umbau muss zügig erfolgen. Daher erwartet der BUND eine offene Diskussion mit allen Beteiligten und verbindliche finanzielle, zeitliche und rechtliche Regelungsvorschläge. Die nationale Nutztierstrategie muss die gesellschaftlichen Forderungen nach einem Umbau der Tierhaltung auf Grundlage des Nutztiergutachtens des wissenschaftlichen Beirates des BMEL mit konkreten Zeitetappen und Finanzierungsfestlegungen umsetzen.

BUND-Hintergrund zur Nutztierhaltungsstrategie der Bundesregierung (PDF)

Was fordert der BUND?

Der BUND fordert ein umfassendes Umbauprogramm „Raus aus der Massentierhaltung“. Dafür ist das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik eine gute Grundlage. Nur wenn die Nutztierstrategie mit zeitlichen, rechtlichen und vor allem finanziellen Festlegungen versehen wird, ist nach Ansicht des BUND der wirkliche Umbauwille der Bundesregierung erkennbar. Um die Ernsthaftigkeit des Umbauprozesses zu unterstreichen, sind bereits im Jahr 2018 erste Sofortmaßnahmen zu erlassen. Die Einführung einer verbindlichen staatlichen Haltungskennzeichnung, das Verbot von Reserve-Antibiotika in der Nutztierhaltung sowie das Verbot des Küken-Tötens

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