Anti-Atomkraft-Symbol; Foto: © lassedesign - Fotolia.com

Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle

Bundesweit lagern hochradioaktive Abfälle aus den stillgelegten AKW in oberirdischen Zwischenlagern. Doch die sind unsicher und das Risiko steigt weiter, denn der Müll muss wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte an diesen Standorten stehen.

Was ist ein Zwischenlager? 

Ein Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle ist eine meist oberirdische Anlage zur Aufbewahrung von abgebrannten Brennelementen aus Atomkraftwerken oder verglasten Abfällen aus der Wiederaufarbeitung. Die Betonhallen der Zwischenlager ähneln gewöhnlichen Industriehallen, wie man sie von Gewerbegebieten kennt. In den Hallen werden die Abfälle in sogenannten Castor-Behältern gelagert, die Strahlung abschirmen sollen. Alle Zwischenlager sollen Übergangslösungen darstellen, bis ein Standort für eine dauerhafte unterirdische Lagerung gefunden wird. Ursprünglich war die Zwischenlagerung auf maximal 40 Jahre ausgerichtet. Spätestens dann sollten die gefährlichen Abfälle dauerhaft in einem Bergwerk in mehreren hundert Metern Tiefe gelagert werden.

Das Zwischenlager-Problem 

Obwohl dieser Zeitplan von Anfang an unrealistisch war, haben sich zuständige Politiker*innen und Behörden lange nicht darum gekümmert, wie der Atommüll nach Ablauf der Zwischenlagergenehmigungen bis zur „Endlagerung“ sicher gelagert werden kann. Deutschland steht vor einem Dilemma: Die Zwischenlagergenehmigungen laufen aus, aber es gibt weder ein „Endlager“ noch ein tragfähiges Konzept für die Langzeit-Zwischenlagerung. Bis ein geeigneter „Endlager“-Standort gefunden, das Bergwerk gebaut und der Atommüll eingelagert ist, werden noch etwa 80 Jahre vergehen. Die heute bereits unsicheren Zwischenlager sind nicht auf 100 Jahre und heutige Bedrohungslagen ausgelegt. Der BUND fordert daher eine neues sicherheitsgerichtetes Gesamtkonzept.

Zwischenlager in Deutschland

Zwischenlager in Ahaus Das Zwischenlager in Ahaus.  (Bild: By Stahlkocher, CC BY-SA 3.0)

In Deutschland gibt es insgesamt 16 Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle, die sich vorwiegend an den Standorten der abgeschalteten Atomkraftwerke befinden. Zudem befinden sich im niedersächsischen Gorleben, in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) und in Ahaus in Nordrhein-Westfalen drei zentrale Zwischenlager. Die Zwischenlager unterscheiden sich baulich zum Teil, beispielsweise in Wand- und Deckenstärke. Am Standort Neckarwestheim (Baden-Württemberg) ist der Müll in einem Tunnel knapp unter der Erdoberfläche gelagert. Darüber hinaus gibt es noch rund 50 Zwischenlager in ganz Deutschland in denen schwach- und mittelradioaktiver Müll gelagert wird.

Wer ist für die Zwischenlager verantwortlich? 

Bis auf das Zwischenlager Brunsbüttel, das aufgrund einer fehlenden Genehmigung vom AKW-Betreiber weitergeführt wird, werden alle Lager von staatlichen Unternehmen betrieben. Die meisten davon von der Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ). Die AKW-Betreiber haben sich mit einer Einmalzahlung in Höhe von rund 24 Milliarden Euro aus der Verantwortung freigekauft.

Gefahren der Zwischenlagerung

Die Zwischenlagerung des hochradioaktiven Abfalls ist aus Sicht des BUND schon jetzt hochproblematisch. In einer mehrfach aktualisierten BUND-Studie macht die Expertin Oda Becker deutlich, dass es bei den Sicherungs- und Sicherheitsmaßnahmen der Zwischenlager großen Nachbesserungsbedarf gibt.

Gesamte Studie

Sicherung: Unzureichender Schutz gegen Einwirkungen von Außen

Der Begriff “Sicherung” umfasst den Schutz vor absichtlichen Eingriffen, zum Beispiel vor Diebstahl, Sabotage oder Terroranschlägen. Maßnahmen für die Sicherung sollen Zutrittskontrollen, Zäune, Überwachungssysteme aber auch die bauliche Gestaltung des Zwischenlagers darstellen. Die Studie im Auftrag des BUND zeigt, dass die Zwischenlager dagegen unzureichend geschützt sind. Das betrifft insbesondere den Schutz gegen Abstürze großer Verkehrsflugzeuge, den Beschuss mit panzerbrechenden Waffen, neuartige Bedrohungen wie Drohnenangriffe oder kriegerische Einwirkungen. Der schreckliche Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine zeigt, dass auch Atomanlagen Kriegsziele sein können.

Beispiel: Das Zwischenlager Brunsbüttel verlor 2013 nach Klage eines Anwohners seine Betriebserlaubnis. Der Betreiber konnte vor Gericht nicht nachweisen, dass das Zwischenlager ausreichend gegen den Absturz eines großen Verkehrsflugzeuges und terroristische Angriffe abgesichert ist. Trotzdem duldet das Umweltministerium in Schleswig-Holstein den Weiterbetrieb. Bereits 2010 hat das Bundesumweltministerium alle deutschen Zwischenlager aufgefordert mit sogenannten „Härtungen“ nachzurüsten. Diese sind jedoch noch nicht an allen Standorten umgesetzt und zudem längst nicht ausreichend.

Sicherheit: Viele Fragen zur Sicherheit der Behälter offen

"Sicherheit" bedeutet im Bereich der Zwischenlagerung, dass die Abfälle so gelagert werden sollen, dass keine Gefahr für Menschen und Umwelt entsteht. Dazu gehören der Strahlenschutz, die Stabilität der Lagerbehälter und der Schutz vor Störfällen. Die zentrale Sicherheitsbarriere stellen laut Betreiber und Behörde die Behälter dar.

Bisher ist völlig unklar, wie sich die Behälter und ihr Inhalt bei einer noch längeren Lagerung verhalten werden. Schon jetzt bestehen laut Expert*innen Zweifel an der Haltbarkeit von Dichtungen und damit an der langfristigen Dichtigkeit der Behälter. Auch das Verhalten der Brennelemente über lange Zeiträume ist laut einer BUND-Studie bislang nicht ausreichend untersucht. Zudem gibt es bislang keine klaren Konzepte, wie die Behälter über Jahrzehnte hinweg zuverlässig überwacht werden können. Aus Sicht des BUND braucht es ein permanentes und auf Redundanzen – das heißt auf mehrere gleichwertige und parallel greifende Schutzmaßnahmen – ausgelegtes Kontrollsystem. Aus Sicht des BUND braucht es ein neues Reparaturkonzept und eine sogenannte „Heiße Zellen“ an langfristigen Zwischenlagerstandorten. Eine heiße Zelle ist ein stark abgeschirmter Raum, in dem radioaktive Stoffe sicher bearbeitet werden. Mitarbeitende steuern die Arbeiten über Greifarme und Kameras, ohne direkten Kontakt zur Strahlung.

Keine Genehmigungen: Unsichere Zukunft

Die Zwischenlager Brunsbüttel und Jülich besitzen aufgrund von Sicherheitsmängeln seit mehr als 10 Jahren keine Genehmigung. Trotzdem steht der Müll dort aufgrund aufsichtlicher Anordnungen. Die Genehmigungen der anderen Zwischenlager laufen zwischen 2034 und 2047 aus. Der Atommüll muss jedoch bis zur Überführung an den zukünftigen Endlager-Standort noch für mindestens weitere 50 bis 60 Jahre zwischengelagert werden. Schon jetzt deutet sich eine riskante Flickschusterei an: Statt eines Gesamtkonzeptes, was es aus Sicht des BUND dringend braucht, könnten die Zwischenlager immer wieder einzeln, zeitweise, mit höchstens kleineren Nachbesserungen verlängert werden.

Der BUND fordert: 

  • Ein neues, umfassendes und sicheres Zwischenlagerkonzept, das die verlängerte Lagerzeit und moderne Bedrohungen berücksichtigt.
  • Eine öffentliche Debatte über die Zukunft der Zwischenlagerung – transparent und unter Beteiligung der Betroffenen, Initiativen, Wissenschaftler*innen und Umweltverbände.
  • Sofortige Sicherheitsüberprüfungen aller Zwischenlager auf den neuesten Stand der Technik und Nachrüstung der Zwischenlager.

Gemeinsam mit vielen Verbänden und Initiativen hat der BUND zentrale Forderungen zur Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle aufgestellt.

Forderungspapier zwischenlagerung

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Ihre Ansprechpartnerin

Juliane Dickel

Leitung Atom- und Energiepolitik
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