Wärmepläne im BUND-Check: Abschied vom fossilen Heizen muss abgesichert werden

11. Mai 2026 | Energiewende

Gebäudemodernisierungsgesetz erhöht Risiken für kommunale Wärmewende

Die Bundesregierung plant mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) einen fossilen Rollback im Heizungskeller. Das wirft auch den Kommunen Knüppel zwischen die Beine, die bereits für die Zeit nach der Gasheizung planen und investieren müssen. Denn vor Ort wird die Wärmewende bereits konkret. 

Bis Ende Juni müssen Großstädte ihre Wärmepläne vorlegen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat auf Basis von Daten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) zum Zeitpunkt der Auswertung vorliegenden 38 Wärmepläne der 80 deutschen Großstädte untersucht. Ein zentrales Ergebnis dieses BUND-Wärmewende-Checks: Aktuell dominiert das Heizen mit Gas. Doch die Städte rechnen in ihren Zielszenarien mit einem Abschied von der Gasheizung. 

Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND: „Die Wärmewende nimmt auf kommunaler Ebene Gestalt an. In den von uns untersuchten Großstädten zeigt sich: Der Großteil sieht weder für fossile Energie noch für teure ‚Bio-Gase‘ eine Zukunft im Heizungskeller. Die Wärmepumpe oder der Anschluss an ein Wärmenetz sind für die allermeisten das Mittel der Wahl. Das von der Bundesregierung geplante Gebäudemodernisierungsgesetz durchkreuzt genau diese Planungen. Es ermöglicht den weiteren Einbau von Öl- und Gasheizungen und setzt nicht mal ein Enddatum für fossiles Heizen. Dieser miserable Gesetzentwurf verunsichert Kommunen ebenso wie Verbraucher*innen und gefährdet Investitionen in eine erneuerbare Wärmeversorgung. Stattdessen braucht es klaren Kurs auf erneuerbares Heizen und Unterstützung für die kommunalen Akteure, um die Mammutaufgabe Wärmewende zu stemmen.“ 

Zielbilder machen Mut – aber Umsetzung unsicher

Umso wichtiger ist, dass die Kommunen den Abschied von der Gasheizung vor Ort absichern. Die Zielbilder der untersuchten Großstädte machen hier Mut. Doch ein genauer Blick in die Dokumente offenbart auch Unsicherheiten, die durch das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz verstärkt würden. So ist für die Bürger*innen vielerorts noch unklar, ob etwa in ihrem Quartier ein Wärmenetz zur Verfügung stehen wird. Für die Auswertung lagen nur in vier der 38 Großstädten Aussagen für einen Plan zur Gasverteilnetzstilllegung vor. Auch beim Thema Wasserstoff halten die Kommunen die Tür vielerorts einen Spalt breit offen: Rund die Hälfte der ausgewerteten Großstädte schließt eine Nutzung von Wasserstoff im privaten Heizungskeller nicht explizit aus, obwohl es im Zielbild nur in Ausnahmefällen als Wärmequelle genannt wird.

Löffelsend: „Die Pläne der Kommunen machen grundsätzlich Mut – müssen aber dringend abgesichert und verbindlich umgesetzt werden. Angesichts der bundespolitischen Unsicherheiten appellieren wir umso mehr an die Kommunen, vor Ort für einen klaren Ausstieg aus dem Heizen mit Gas zu sorgen. Das heißt: Klartext statt Hintertüren für Biomethan oder Wasserstoff und verbindliche Pläne für die Gasverteilnetzstilllegung. Denn die Zukunft ist erneuerbar."

Die Kernpunkte der Studie im Überblick:

  • Methodik und Stichprobe: Die Auswertung umfasst 38 von 80 deutschen Großstädten, deren Wärmepläne bis zum 15.03.2026 beim Kompetenzzentrum kommunale Wärmewende online publiziert waren. Die Analyse basiert auf Daten, die durch das Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg erhoben wurden. In den untersuchten Städten leben 9,6 Millionen Menschen und sie liegen über das Bundesgebiet verteilt, mit einem Schwerpunkt auf Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Wärmepläne und ausgewerteten Daten lassen hauptsächliche Aussagen zur dezentralen, jedoch kaum zur zentralen Wärmeversorgung (Wärmenetze) zu. 
    Die Daten zu den aktuellen und geplanten Energieträgern wurden in eine einheitliche Struktur des Endenergiebedarfs verschiedener Energieträger inklusive der über elektrischen Wärmepumpen genutzten Umweltwärme überführt. In der Auswertung werden die jeweiligen Basisjahre der Wärmepläne und die jeweiligen Zieljahre gegenübergestellt. Die beschriebenen Daten müssen unter Berücksichtigung gegebenenfalls unterschiedlicher Zieljahre (zwischen 2035 und 2045) gelesen werden. Für die Auswertungen zu den Zielszenarien wurden nur 37 Städte berücksichtigt, da für Rostock keine Daten vorlagen.
  • Ausgangslage der 38 untersuchten Großstädte: Erdgas deckt heute im Durchschnitt über 60 Prozent des Endenergiebedarfs (inkl. Umweltwärme) für die Wärmeversorgung der untersuchten Städte ab, Heizöl weitere 12 Prozent. Nur 20 Prozent des Wärmebedarfs wird aktuell über Wärmenetze gedeckt. Allein der dezentrale Erdgasverbrauch der untersuchten Städte verursacht jährlich rund 12 Millionen Tonnen CO2 durch Verbrennung sowie weitere 2,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entlang der Lieferkette. Den Kommunen bleiben im Schnitt rund 17 Jahre für die Umsetzung der Wärmewende – gerechnet ab Abgabe ihrer Wärmepläne.
  • Zielszenarien: Die Städte planen ihre Wärmewende im Schnitt bis 2040. Der Anteil der Wärmenetze soll im Zielbild 46 Prozent und dezentrale Wärmepumpen 38 Prozent des Endenergiebedarfs der Wärme (inkl. Umweltwärme) der untersuchten Städte ausmachen – der Wärmepumpenanteil wächst damit um den Faktor 25. Dezentral eingesetzte Gase verzeichnen ein Rückgang um 92 Prozent. 16 Städte planen im Zieljahr ganz ohne den Einsatz von Gasen im dezentralen Bereich. Für die Wärmeerzeugung in Wärmenetzen sind keine Aussagen möglich, da flächendeckend Daten fehlen. Der gesamte Endenergiebedarf an Wärme (inkl. Umweltwärme) soll über alle untersuchten Städte um 28 Prozent sinken – getragen vor allem durch deutlich höhere Gebäudesanierungsraten.
  • Umsetzungslücken: Trotz relativ klarer Zielbilder bleiben Lücken bei der konkreten Umsetzung. Nur in vier der 38 ausgewerteten Städte liegen Aussagen zu Plänen zur Stilllegung von Gasverteilnetzen vor. Knapp die Hälfte der Städte hält Wasserstoff im privaten Bereich weiterhin offen. Bei acht von 38 Städte ist die Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Wärmepläne, der Online-Informationsportale und zugänglichen Geoinformationssysteme zur Wärmeplanung als eher niedrig oder niedrig zu bewerten. Ein Viertel der Kommunen verfügt noch über kein Online-Kartentool für Bürger*innen. Die Umsetzungsstrategien der untersuchten Wärmepläne variieren ebenfalls und die Städte liefern zum Teil nur sehr grobe und unkonkrete Aussagen zu Umsetzungsmaßnahmen. 

Mehr Informationen: 

Kontakt:

  • Jan Warode, wissenschaftlicher Mitarbeiter Wärmewende beim BUND, Tel.: +49 30 27586-568, jan.warode(at)bund.net
  • Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND, Mobil: +49 176 20067099, tina.loeffelsend(at)bund.net
  • BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak
    Tel.: +49 30 27586-497 | -531 | -464 | -425
    presse(at)bund.net

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