Schienen-Infrastrukturprojekte und Biodiversität

Schienen-Infrastrukturprojekte haben weitreichende Auswirkungen auf die Biodiversität. Dabei kommt es auf die konkreten Planungen und die Maßnahmen zum Schutz der Natur an.

Die Folgen sind sehr komplex und hängen stark von der jeweiligen Artengruppe ab. Während für Vögel und Reptilien bereits einige Daten vorliegen, gibt es insgesamt wenig Forschung zum Thema Schienenverkehr und seine Effekte auf die Tier- und Pflanzenwelt.

Auswirkungen von Straße und Schiene auf Natur unterscheiden sich

Die Ergebnisse aus dem Straßenverkehr können dabei nicht einfach auf den Schienenverkehr übertragen werden. Zum Beispiel können Auswirkungen der Zugfrequenz auf Individuenverluste bei Vögeln und Säugetieren bisher nicht eindeutig abgeschätzt werden. Die absoluten Verluste im Straßenverkehr sind deutlich höher. Auf den Streckenkilometer bezogen kommt es jedoch bei der Schiene zu deutlich mehr Kollisionen. Ein Ausbau von einer konventionellen zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke führt in der Regel zu einer erheblichen Zunahme der Individuenverluste. Wildunfälle treten bereits bei Geschwindigkeiten über 120 km/h überproportional häufig auf.

Verlust von Lebensräumen

Luftbild vom Grünen Band; Foto: Klaus Leidorf Intakte Lebensräume sind für viele Tier- und Pflanzenarten überlebenswichtig.  (Klaus Leidorf)

Ein wesentlicher negativer Effekt von Neu- und Ausbauten ist der Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen. Der Bau neuer Schienenstrecken kann Gebiete zerstören, wodurch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensräume verlieren. Besonders gefährdet sind dabei Arten, die auf großflächige und ungestörte Ökosysteme angewiesen und solche, die wenig mobil sind. Der Verlust von Habitaten führt oft dazu, dass die Arten aus einem Gebiet verdrängt werden oder Populationen isoliert werden. Dadurch kann eine genetische Verarmung entstehen, die langfristig die Überlebensfähigkeit der Art einschränkt. Auch bei Veränderungen oder Instandhaltungsmaßnahmen an bestehenden Strecken kommt es oft zur Zerstörung von Gleiskörper, die selbst ein Biotop darstellen können.

Zerschneidung von Lebensräumen

Barrieren schränken den natürlichen Bewegungsraum von Tieren ein. Züge und Bahnanlagen können für viele Arten, insbesondere für Amphibien, Reptilien und Säugetiere, ein Hindernis sein. Neue oder ausgebaute Trassen können ihre Wanderungen zu Nahrungsquellen, Fortpflanzungsgebieten oder anderen lebenswichtigen Orten erschweren. In einigen Fällen führt dies zu einer direkten Beeinträchtigung der Fortpflanzung und des Überlebens der Tiere. Eine hohe Zugfrequenz auf mehrgleisigen Strecken, insbesondere bei über 15 Zugbewegungen pro Stunde, verstärkt die Zerschneidungswirkung und erhöht den Verlust von Lebensräumen. Viergleisige Strecken können außerdem eine absolute Barriere für Säugetiere darstellen.

Lärm hat nur bei bestimmten Bedingungen Auswirkungen auf Biodiversität

Ein weiteres Beispiel für die Komplexität ist die Annahme, dass Lärm durch den Schienenverkehr negative Auswirkungen auf die Biodiversität hat. Dies wurde jedoch mittlerweile widerlegt. Lärm hat lediglich bei sehr hoher Verkehrsdichte und bei bestimmten Arten spürbare Auswirkungen. Für jede Artengruppe müssten die verschiedenen Faktoren wie Frequenz, Geschwindigkeit und Lautstärke individuell geprüft werden, da diese Phänomene unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Tierarten haben – von gar keinen bis hin zu erheblichen Effekten. Besonders beim Neubau von Schienenstrecken wäre es wichtig, alle betroffenen Artengruppen zu berücksichtigen.

Ausgleichsmaßnahmen werden gebraucht

Schieneninfrastrukturprojekte sind ebenso wie Straßenbauprojekte Eingriffe in den Naturhaushalt. Sie müssen durch geeignete Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. Durch die Renaturierung von Landschaften oder die Schaffung neuer Naturschutzprojekte können wertvolle Lebensräume für die Biodiversität geschaffen werden. Solche Maßnahmen tragen dazu bei, die negativen Effekte des Bauens von Bahnstrecken abzumildern und die lokale Artenvielfalt zu fördern. 

Alle Informationen zum Thema finden Sie auch im pdf-Format:

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Kontakt

Gabriel Kapfinger

Referent Verkehrs- und Infrastrukturpolitik
E-Mail schreiben Tel.: +493027586221

Förderhinweis

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

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