PFAS kurz erklärt
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 10.000 vom Menschen hergestellten Chemikalien. Sie kommen in vielen Produkten vor, zum Beispiel in antihaftbeschichteten Pfannen, Textilimprägnierungen, Pizzakartons oder Pestiziden. Während der Herstellung, Nutzung und Entsorgung gelangen diese Stoffe in die Umwelt und unsere Gewässer. Inzwischen sind PFAS weltweit verbreitet. Durch ihre breite Anwendung steigen die Konzentrationen in der Umwelt und in unseren Körpern kontinuierlich an. Auch in Deutschland werden PFAS in großen Mengen hergestellt, so etwa in Leverkusen von Covestro, Bayer und Momentive, in Bad Wimpfen von Solvay, in Frankfurt am Main von Daikin und in Burgkirchen an der Alz von Dyneon, Archroma und W.L. Gore.
Diese Lebensmittel sind besonders mit PFAS belastet
Vor allem tierische Lebensmittel sind mit PFAS belastet.
(Grafik: Générations Futures, übersetzt vom BUND)
Viele unserer Lebensmittel sind bereits mit PFAS-Chemikalien verunreinigt. Dies wird durch Daten von Behörden aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Frankreich bestätigt, die wir in unserem ToxFox Test zu Lebensmitteln aufbereitet haben. Die Analyse der Daten zeigt, dass vor allem tierische Lebensmittel mit PFAS belastet sind: Mehr als die Hälfte der untersuchten Proben von Fisch und Innereien enthielten PFAS. Gemüse war hingegen nur in etwa jedem zehnten Fall betroffen.
In folgenden Lebensmitteln wurden besonders hohe Konzentrationen an PFAS nachgewiesen:
- Innereien wie beispielsweise Leber
- Fische, insbesondere Süßwasserfische
- Hühnereier von Hobbyhaltern (Stichprobe von Hühnereiern getestet im Auftrag des BUND)
Auch in diesen Produkten wurde mindestens eins von vier getesteten PFAS nachgewiesen:
- 55 Prozent der untersuchten Muscheln
- 39 Prozent der untersuchten Eier
- 27 Prozent der untersuchten Krustentiere
- 23 Prozent der untersuchten Milch
- 14 Prozent des untersuchten Fleischs
- sieben Prozent des untersuchten Gemüses
- drei Prozent der untersuchten Früchte
Auch in Leitungs- und Mineralwasser konnte der BUND bereits PFAS nachweisen. Den vollständigen Trinkwassertest zu PFAS finden Sie hier.
PFAS vermeiden: Tipps für Verbraucher*innen
- Aufnahme von PFAS durch Lebensmittel reduzieren: Eine Reduktion von tierischen Produkten würde nach jetziger Datenlage die PFAS-Aufnahme verringern.
- Achten Sie auf die Kennzeichnungen „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorcarbonfrei“. Die Formulierungen werden synonym verwendet.
- Achten Sie beim Kauf von Kühlschränken und Wärmepumpen darauf, dass sie ohne fluorierte Kältemittel (F-Gase) sind.
- Nutzen Sie die kostenlose ToxFox-App, um Schadstoffe wie PFAS in Alltagsprodukten und Kosmetik aufzuspüren und Firmen zu zeigen, dass Sie Produkte ohne Gift wollen. Einfach Barcode scannen und eine Giftfrage an Hersteller oder Händler schicken.
- Noch mehr Tipps, wie Sie PFAS in der Küche vermeiden können, lesen Sie hier.
Gesundheitsrisiken durch PFAS in Lebensmitteln
PFAS sind in den bisher aufgetretenen Konzentrationen nicht akut giftig. Allerdings zeigen Studien Gesundheitsauswirkungen auch bei geringeren Konzentrationen, wenn man PFAS langfristig ausgesetzt ist. Studien weisen auf eine Schwächung des Immunsystems, erhöhten Cholesterinspiegel und Leberschäden hin.
So setzen Sie sich gegen Schadstoffe ein
Auch Sie können sich für einen giftfreien Alltag starkmachen – mit Ihrer Spende. Beispiele, wie Ihrer Spende hilft:
- Mit 35 Euro finanzieren Sie unsere Produkttests sowie unabhängige Studien zur Chemieindustrie und Rechtsgutachten.
- Mit 50 Euro unterstützen Sie uns dabei, unsere ToxFox-App weiterzuentwickeln, um noch mehr Menschen über Schadstoffe aufzuklären und sie vor ihnen zu schützen.
- Mit 75 Euro stärken Sie uns, Druck auf die Politik und Wirtschaft auszuüben, um sie z. B. von einem PFAS-Verbot oder dem Umbau der Chemieindustrie zu überzeugen.
PFAS-Grenzwerte: Regelung unzureichend
Um die weitere Belastung unserer Umwelt, unserer Böden und unserer Wässer mit PFAS zu stoppen, braucht es schnellstmöglich eine Beschränkung der gesamten PFAS-Gruppe. Doch viele PFAS sind bereits in unserer Umwelt, oder werden noch eingebracht, bis eine Beschränkung in Kraft tritt. Dort verbleiben sie für Generationen. Daher braucht es begleitend Grenzwerte, die unsere Gesundheit schützen.
In der EU gibt es für tierische Lebensmittel Grenzwerte für vier PFAS-Verbindungen ("PFAS-4"). Dabei werden die Stoffe PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS berücksichtigt und deren Konzentrationen zusammengezählt. Für andere Lebensmittel existieren lediglich unverbindliche Leitwerte. Zur Gruppe der PFAS zählen über 10.000 verschiedene Chemikalien. Beispielsweise wurde bei verschiedenen Lebensmitteltests auch PFDeA nachgewiesen. Dieser Stoff gilt als fortpflanzungsschädigend und potenziell krebserregend. Laut EU-Kommission ist PFDeA siebenmal giftiger für die Leber als PFOA. Bislang ist die Produktion und Verwendung jedoch nur von etwa zehn verschiedenen Ewigkeitschemikalien in der EU überhaupt reguliert. Da nur zehn von über 10.000 Chemikalien betrachtet werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Risiken übersehen oder zu spät erkannt werden.
Risiken trotz Einhaltung der PFAS-Grenzwerte
Differenz zwischen der zulässigen Menge an PFAS pro Nahrungsmittel und der tolerierbaren Menge pro Woche.
(Grafik: Générations Futures, übersetzt vom BUND)
Selbst wenn Grenzwerte eingehalten werden, könnten bestimmte Gruppen, wie zum Beispiel Kinder, besonders betroffen sein. Aufgrund ihres geringen Körpergewichts kann die tolerierbare PFAS-vier-Wochendosis schneller überschritten werden. So reicht bei Kleinkindern bereits ein einziges stark belastetes Hühnerei oder 50 gramm Barsch pro Woche – auch wenn diese Lebensmittel innerhalb der Grenzwerte liegen – aus, um die Dosis zu überschreiten.
Was bei den Grenzwerten unberücksichtigt bleibt: PFAS gelangen auch regelmäßig über Alltagsprodukte, Hausstaub, pflanzliche Lebensmittel und Trinkwasser in unseren Körper, oft in geringen Mengen. Essen und Trinken kann durch Lebensmittelverpackungen oder kontaminierte Böden unbemerkt belastet sein.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte bereits 2021 fest, dass die täglich aufgenommene PFAS-Menge bei Menschen in Deutschland den gesundheitlich kritischen Wert übersteigt. Eine Beeinträchtigung des Immunsystems kann daher nicht ausgeschlossen werden.
PFOA-Äquivalente: Ein besserer Ansatz zur Bewertung von PFAS
Die Methode der PFOA-Äquivalente wird genutzt, um die Gesamtrisiken verschiedener PFAS besser einschätzen zu können. Dabei wird nicht nur auf einzelne, gesetzlich regulierte Stoffe geschaut, sondern alle gefundenen PFAS werden hinsichtlich ihrer Giftigkeit mit PFOA verglichen.
Jede PFAS-Chemikalie hat ein unterschiedliches Gefährdungspotenzial (Toxizität). Um diese Unterschiede zu berücksichtigen, wird für jede Substanz ein sogenannter „Äquivalenzfaktor“ berechnet: Wie schädlich ist sie im Vergleich zu PFOA? Die gemessenen Konzentrationen aller PFAS in einer Probe werden dann mit diesen Faktoren multipliziert und aufsummiert.
Statt nur die vier am besten untersuchten PFAS (PFOS, PFOA, PFHxS, PFNA) zu betrachten, werden so auch andere, weniger regulierte PFAS in die Risikobewertung einbezogen. Das hilft, die tatsächliche Gesundheitsgefahr realistischer abzuschätzen – besonders, da viele PFAS gemeinsam auftreten und sich ihre Wirkungen addieren können. In den Niederlanden wird diese Methode bereits angewendet.
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