Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

OK

Unser Tipp im Januar: Wildschweine im Rausch der Liebe

04. Januar 2019 | Naturschutz

 (Marisa04 / Pixabay)

Schwarzkittel, Überläufer, Frischling, Bache, Rotte und Keiler: Jäger können auf einen großen Wortschatz zurückgreifen, wenn es um die Stammform unseres Hausschweines geht. Die Wildsau, der kulinarische Höhepunkt der Festgelage von Asterix und Obelix, ist erkennbar an seinem grauschwarzen Borstenfell und seinen Hauern, den säbelförmig nach unten gebogene Eckzähnen, die beim Männchen bis zu 30 Zentimeter lang werden können. Das männliche Tier – der Keiler – kann bis zu 200 Kilogramm schwer werden.

Beim Fressen sind Wildschweine nicht wählerisch und verzehren Wurzeln, Eicheln, Schnecken, Würmer und auch Mäuse. Während die Keiler als Einzelgänger unterwegs sind, leben Weibchen (Bachen) und Jungtiere in Gruppen. Das erfahrenste Weibchen leitet die Rotte von Tieren, da es die ergiebigsten Nahrungsplätze, sichersten Lagerstätten und Wasserquellen kennt.
Leitbache legt Beginn der Paarungszeit fest.

Der Tagesablauf, aber auch die Zeit der Paarung, werden von der Leitbache bestimmt. Von November bis Februar kann es soweit sein: Die Matriarchin reibt einen Mix aus Sexualduftstoffen an umliegende Bäume, als Signal an die Keiler, dass die Rotte in Paarungs­stimmung ist. Nun kommt es zum Kampf um die Weibchen. Jüngere  Konkurrenten werden durch Drohgebärden verjagt oder mit einem Schulter­stemmen besiegt. Bei stärkeren Rivalen kommt es zu einer Keilerei. Die Hinterbeine scharren, der Borstenkamm ist aufgestellt, Urin wird verspritzt, die Kiefer werden gewetzt oder aufeinander geschlagen, das Maul schäumt.

Reicht dieses Imponiergehabe nicht zum Sieg, wird der Kampf hand- bzw. hauergreiflich. Die Unterkiefereckzähne können Bauch und Seite des Widersachers blutige Wunden zufügen. Der Kampf ist entschieden, wenn eines der Männchen die Flucht ergreift. Für den Gewinner ist die Anstrengung noch nicht vorbei. Denn nun muss die Wildschweindame zur Paarung gewonnen werden. Mit seinem Rüssel boxt er den Rücken der Dame, die Flanken werden durch leichte Hiebe massiert, begleitet von rhythmischem Grunzen, um den Duldungsreflex auszulösen. Die Bache steht still und er "reitet auf". Dies wiederholt sich mit allen paarungsbereiten Bachen.

Wachsende Wildschweinbestände in Deutschland

Die Wildschweinpopulation ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die anpassungsfähigen Tiere haben auch die Ballungszentren erobert. Maisfelder, Gärten und Mülltonnen locken die Tiere, die bis in die Stadtzentren vordringen (wie 2003 zwei Wildschweine am Berliner Alexanderplatz). So wird der Bestand im direkten Stadtgebiet Berlins auf etwa 4000 Tiere geschätzt.

Beobachtungstipp

Wildschweine leben vorzugsweise in Laub- und Mischwäldern und suchen ihre Nahrung oft auf Feldern. Im Wald weisen weißgraue Baumrinden auf Wildschweine hin. Da die Tiere mit ihrem kurzen Hals lästige Parasiten nur schwer loswerden, suhlen sie sich gerne im Schlamm und scheuern sich danach an Bäumen mit grober Rinde. Beliebte "Malbäume" werden über Generationen genutzt und zeigen oft deutliche Einbuchtungen. Bevorzugt reiben sich Wildschweine an Eichen, Kiefern und Fichten.

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).
 

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb