Baum des Jahres

Jedes Jahr erinnert der Baum des Jahres daran, wie wichtig Bäume für Natur, Klima und unser tägliches Leben sind. Er lenkt den Blick auf heimische Baumarten und auf die Lebensräume, die mit ihnen verbunden sind.

Was ist der Baum des Jahres?

Jedes Jahr steht beim "Baum des Jahres" für zwölf Monate eine bestimmte Baumart im Fokus. Diese Aktion macht deutlich, wie wichtig Bäume für Natur, Klima und uns Menschen sind, und weist auf ihre Gefährdung hin. In Deutschland wird der Baum des Jahres von der „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz“-Stiftung ausgerufen. Der BUND bringt sich als Mitglied des Kuratoriums aktiv in die Auswahl ein.

Seit wann gibt es den Baum des Jahres?

Den Baum des Jahres gibt es in Deutschland seit 1989, der erste Jahresbaum war die Stiel-Eiche. Ausgerufen wurde er zunächst vom Verein Baum des Jahres, den Dr. Silvius Wodarz als Forstwirt und Umweltschützer gegründet hatte. Heute übernimmt das die nach ihm benannte Stiftung.

Wie wird der Baum des Jahres ausgewählt?

Den Baum des Jahres wählt das Kuratorium Baum des Jahres. Es wurde 1991 als Fachbeirat gegründet und hat heute 32 Mitglieder, darunter Verbände, Institutionen und Forschungseinrichtungen. Auch der BUND gehört dem Kuratorium an und stimmt jedes Jahr über den neuen Jahresbaum mit ab.

Die Auswahl läuft in zwei Schritten ab. Bei seinem jährlichen Treffen im Herbst in Berlin schlägt das Kuratorium zunächst drei Baumarten als Kandidaten vor. Einige Wochen später stimmen die Mitglieder geheim über diese drei Arten ab. Verkündet wird der neue Baum des Jahres im Herbst, meist im Oktober oder November, jeweils für das folgende Jahr.

Baum des Jahres 2027: Die Esche

Baumkrone der Esche (fraxinus excelsior)  (Terrence Pickles / via canva.com)

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist Baum des Jahres 2027. Mit bis zu 40 Metern Höhe gehört sie zu den höchsten Laubbäumen Europas und prägt vor allem Auwälder und feuchte Bachtäler. Seit 2002 setzt ihr in Deutschland das Eschentriebsterben zu, eine Pilzkrankheit, die viele Bäume absterben lässt. Die Wahl lenkt den Blick auf einen Baum, der dringend Unterstützung braucht, und auf die Hoffnung, ihn zu erhalten.

Wie sieht eine Esche aus?

Unverwechselbar sind die schwarzen Knospen, die keine andere heimische Gehölzart hat. Sie wollen die Esche finden? Unsere Broschüre “Laubbäume bestimmen” hilft weiter!

Warum ist die Esche Baum des Jahres 2027?

Die Esche ist zum zweiten Mal Baum des Jahres, weil sich ihre Lage seit ihrer ersten Wahl 2001 dramatisch verändert hat. Damals galt sie als gesunder Hoffnungsträger, kurz danach erreichte das Eschentriebsterben Deutschland. So hat die Esche hat derzeit nur noch einen Waldanteil von etwa 2,5 Prozent. 

Gleichzeitig ist die Esche eine der wichtigsten heimischen Laubbaumarten. Sie prägt Auwälder, festigt Ufer, verbessert mit ihrem schnell zersetzten Laub den Boden und bietet Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Lebensraum. Ihr zähes Holz zählt neben Buche und Eiche zu den wichtigsten Laubnutzhölzern Mitteleuropas. Als Baum des Jahres 2027 rückt die Esche ins Bewusstsein, solange es noch viele von ihr gibt.

Was ist das Eschentriebsterben?

Das Eschentriebsterben ist eine Pilzkrankheit, die die Gemeine Esche in ganz Europa bedroht. Auslöser ist das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), ein Schlauchpilz aus Ostasien, der in Deutschland erstmals 2002 in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen wurde. Seine Sporen infizieren die Blätter, von dort wächst der Pilz in die Triebe. Nach und nach sterben Zweige und ganze Kronenteile ab, und geschwächte Bäume werden anfällig für weitere Schäden wie Fäule am Stammfuß.

Typische Zeichen des Eschentriebsterbens sind abgestorbene Triebe und welke, braun verfärbte Blätter. Die Krone wird nach und nach licht, oft stirbt der Baum von oben nach unten ab. 

Ein einsatzbereites Mittel gibt es noch nicht, aber die Forschung macht Hoffnung. Als aussichtsreichster Kandidat für eine biologische Bekämpfung gilt derzeit das Bakterium Schauerella fraxinea, dass das Wachstum des Pilzes hemmen kann.

Die größte Hoffnung liegt in der Esche selbst. Auch in stark geschädigten Beständen gibt es gesunde Einzelbäume, sogenannte tolerante Eschen, die vermutlich eine genetische Widerstandskraft mitbringen. Wichtig ist, diese resilienten Eschen so lange wie möglich zu erhalten. Gesunde oder nur geringfügig geschädigte Eschen sollten nicht gefällt und Eschenbestände nicht vorsorglich großflächig gerodet werden. 

Die Esche ist nicht gerettet, aber auch nicht verloren.

Die Esche und der Klimawandel

Die Esche galt als Hoffnungsträger für klimaangepasste Wälder. Sie kommt mit Trockenheit gut zurecht, verträgt Überflutungen und wächst auf sehr unterschiedlichen Standorten. Damit kann sie in Mischwäldern helfen, die Folgen von Hitze und Dürre abzufedern. Fällt die Esche durch das Eschentriebsterben aus, geht eine Baumart verloren, deren große Standortbreite von keiner anderen Baumart allein erreicht wird.

Esche ist wichtig für Auenwälder

Die Esche ist charakteristisch für Auenwälder. Auenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen überhaupt. Nur etwa neun Prozent der verbliebenen Flussauen in Deutschland sind noch ökologisch intakt. Auwälder sind von großer Bedeutung für die Biodiversität, das Klima und den Rückhalt von Hochwasser. Zunehmende Trockenheit und Hitze infolge der Klimakrise setzen den Auwäldern immer mehr zu. Die Esche steht stellvertretend für die gestressten Auwälder.

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