An den felsigen ozeanischen Uferzonen der gemäßigten Breiten wachsen dichte Tangwälder: Der Kelpwald. Er besteht überwiegend aus Rot- und Braunalgen und spielt eine bedeutende ökologische Rolle. Es ist Laichgrund und Kinderstube vieler Tierarten, Schutzraum, Nahrungsquelle und CO2-Speicher.
Deutscher Bestand gering
Der deutsche Bestand ist vergleichsweise gering. Er findet sich in der Deutschen Bucht rund um Helgoland, von der Niedrigwasser-Ebene bis in eine Tiefe von zehn Metern, und im Biosphären-Reservat Südost-Rügen.
Der Palmentang (Laminaria hyperborea)
Der Palmentang (Laminaria hyperborea) ist eine sesshafte benthische Braunalge aus der Ordnung der Laminariales, Familie Laminariaceae. Er ist mit zwei bis vier Metern Gesamtlänge die größte Tangart in der Nordsee und wird bis zu 15 Jahre alt. Im Vergleich zum Fingertang (Laminaria digitata) ist die Blattfläche des Palmentangs heller und der Stiel runder, steifer und rauer. Er weist Jahresringe auf und hat einen Zentralkörper mit Leitungsbahnen. Der Blattansatz ist herzförmig.
Palmentang: Kräftiger Stiel
Der Palmentang folgt unter Wasser dem Rhythmus der Jahreszeiten. Ein kräftiger Stiel, der je nach Wassertiefe 0,2 bis 1,5 Meter lang ist, veranktert sich mit einer Haftkralle im Felsen. Auf diesem Stiel wächst jedes Jahr zwischen Januar und Mai ein lederiges großes Blatt, das vom Wellenschlag in Streifen zerteilt wird und so an eine Palme erinnert. Das alte Blatt wird abgeworfen.
Fortpflanzung des Palmentangs
Faszinierend für Laien ist die Fortpflanzung der Pflanze: Der Palmentang legt Eier. Ab dem dritten Herbst ihres Lebens sind auf dem Blatt dunkle Sporenflecken (Sori) zu sehen. Dort bilden sich Sporen, aus denen männliche und weibliche Zellfäden herauswachsen. Sie bilden bei niedrigen Temperaturen Ei- und Samenzellen, die sich befruchten und den neuen Tang entstehen lassen.
Rohstoff und Klimaretter
Angespülter Palmentang wird an manchen Küsten gesammelt und kommerziell zu Alginaten, Schleimstoffen für Kosmetika und Lebensmittel-Industrie genutzt. In früheren Zeiten wurde er auch als Dünger verwendet, nach Veraschung zur Seifen- und Glasherstellung genutzt oder zur Gewinnung von Iod. Die Schleimstoffe der Braunalgen können aber noch mehr: Sie nehmen große Mengen von Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf und binden sie langfristig in Form von Fucoidan, einem schwer abbaubaren Algenschleim. Dabei können signifikante Mengen erreicht werden – eine potentiell erweiterbare CO2-Senke neben den Seegraswiesen.
Bedrohter Tangwald
Nur gesunde Meere können diese stabilisierende Wirkung aufrechterhalten. Die Langzeitmessungen des Alfred Wegener Instituts auf Helgoland belegen, dass die Wassertemperatur vor der Küste Helgolands seit 1962 um 1,9 Grad Celsius gestiegen ist – doppelt so hoch wie der Durchschnittswert aller Meere weltweit. Dies trifft nicht alle Arten in gleicher Weise. Während der Fingertang bei 20 Grad Sommertemperatur abstirbt, kann sich der Palmentang derzeit weiter ausbreiten. Das biologische Gleichgewicht des Ökosystems und die Artenvielfalt sind aber zunehmend bedroht und die Folgen noch nicht absehbar. Ein rasches Gegensteuern ist dringend erforderlich. Die Rahmenrichtlinien der EU-Meeresstrategie müssen auch in Deutschland jetzt umgesetzt werden. Der BUND setzt sich für den verbesserten Schutz der Meere ein. Die wertvollen Lebensräume für Tiere und Pflanzen müssen erhalten bleiben, weniger Verschmutzung und Überdüngung sollen die Meere belasten.