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Kommerzieller Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden seit 1995 kommerziell angebaut. Der Anbau konzentriert sich auf acht Länder: USA, Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada, China, Pakistan und Paraguay.

Wo werden sie angebaut?

Anbauländer von Gentech-Pflanzen. Quelle: ISAAA 2017 Der Anbau von Gentech-Pflanzen konzentriert sich auf acht Länder: USA, Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada, China, Pakistan und Paraguay.  (BUND / Quelle: ISAAA 2017)

Im Jahr 2016 wuchsen sie nach Industrie­an­gaben auf 185 Millionen Hektar. Bezogen auf die weltweite Ackerfläche von etwa 1,4 Milliarden Hektar, sind das ungefähr 13,2 Prozent. Bezogen auf die fünf Milliarden Hektar an landwirtschaftlich genutzter Fläche (Ackerflächen, Dauergrünland und Dauerkul­turen) der Erde entspricht das 3,7 Prozent.

Die Angaben über die Anbauflächen der Gentech-Pflanzen stammen von der Lobbyagentur ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications). Die ISAAA und der von ihr jährlich herausgegebene Bericht werden von der Gentech-Industrie finanziert. Da keine Quellen genannt werden, sind die in den Berichten aufgeführten Zahlen nicht überprüfbar. Unabhängige Statistiken zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen stehen bisher kaum zur Verfügung, da viele Länder den Anbau von Gentech-Pflanzen nicht gesondert erfassen. Auch offizielle Regierungsangaben liefern kein genaues Abbild der Wirklichkeit, da sie auf Schätzungen beruhen. Dazu erfragt eine Regierung die Verkaufszahlen des Gentech-Saatguts bei Saatguthändlern und leitet daraus die Größe der bestellten Ackerflächen ab.

Rund 87 Prozent aller gentechnisch veränderten Kulturen wachsen in Nord- und Südamerika. Die Äcker der EU hingegen sind bisher weitgehend frei von Gentech-Anbau.

Welche gentechnisch veränderten Pflanzen gibt es?

Anteil der verschiedenen Gentech-Pflanzen. Quelle: ISAAA 2017 Der Anteil folgender gentechnisch veränderter Pflanzen: Soja, Mais, Baumwolle, Raps, andere.  (BUND / ISAAA 2017)

Der kommerzielle weltweite Anbau beschränkt sich hauptsächlich auf vier Pflanzenarten: Soja, Mais, Baumwolle und Raps.

Bei der Hälfte aller gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Gentech-Soja, überwiegend die RoundupReady-Soja des US-Konzerns Monsanto. Diese Soja ist gegen Glyphosat resistent.

Welche Eigenschaften haben die Pflanzen?

Eigenschaften gentechnisch veränderter Pflanzen. Quelle: ISAAA 2017 Welche Eigenschaften besitzen die gentechnisch veränderten Pflanzen.  (BUND / ISAAA 2017)

2016 waren rund 47 Prozent aller gentechnisch veränderten Pflanzen resistent gegen Herbi­zide, etwa 12 Prozent gegen Insekten und 41 Prozent verfügten über beide Resistenzen.

Herbizidresistente Pflanzen überstehen die Anwendung eines Totalherbizids, d.h. im Gegensatz zu allen anderen Pflanzen auf dem Acker sterben sie nicht ab, wenn sie mit Spritz­mitteln behandelt werden.

Um der Resistenzbildung von Unkräutern zu begegnen, entwickeln die Gentech-Unternehmen Pflanzen, die möglichst hohe Mengen an Spritz­mitteln vertragen. "Wir haben angefangen, unser Saatgut so zu verändern, dass es mehr Herbizide verträgt", sagte Hugh Grant, Chef des US-Unternehmens Monsanto, 2009 gegenüber der Zeit.

Insektenresistente Pflanzen sind gentechnisch so verändert, dass sie in jedem Teil der Pflanze ein Gift produzieren, das Insekten tötet, die von ihnen fressen. Auf dem Markt befinden sich bisher so genannte Bt-Pflanzen, die während der gesamten Vegetationsperiode in jeder ihrer Zellen das Gift des Bacillus thuringiensis (Bt) bilden. Diese Bt-Pflanzen sind tödlich für alle Insekten, die von ihnen fressen.

Herbizid- und insektenresistente Pflanzen kombinieren mehrere Eigenschaften. Sie sind resistent gegen ein oder mehrere Herbizide und produzieren verschiedene insektengiftige Bt-Toxine.

Ackerfläche im Verhältnis zur Gentech-Anbaufläche mit den jeweils verwendeten Pflanzen in den Hauptanbauländern im Jahr 2016 (in Mio ha)

Ackerfläche im Verhältnis zur Gentech-Anbaufläche mit den jeweils verwendeten Pflanzen in den Hauptanbauländern im Jahr 2015 (in Mio ha)
Land und Rang Gesamte Ackerfläche Gentech-Pflanzen Gentech-Anteil Angebaute Gentech-Pflanzen
1. USA 155,1 77,9 47% Mais, Soja, Baumwolle, Raps, Zuckerrübe, Luzerne, Papaya, Kürbis, Kartoffel
2. Brasilien 72,6 49,1 67,6% Soja, Mais, Baumwolle
3. Argentinien 39,3 23,8 60,6% Soja, Mais, Baumwolle
4. Kanada 45,9 11,6 25,3% Raps, Mais, Soja, Zuckerrübe, Luzerne
5. Indien 156,2 10,8 6,9% Baumwolle
6. Paraguay 4,4 3,6 81,8% Soja, Mais, Baumwolle
7. Pakistan 21,2 2,9 13,7% Baumwolle
8. China 106,5 2,8 2,6% Baumwolle, Papaya, Luzerne
9. Südafrika 12,0 2,7 22,5% Mais, Soja, Baumwolle
10. Uruguay 1,8 1,3 72,2% Soja, Mais
11. Bolivien 4,3 1,2 27,9% Soja
12. Australien 47,1 0,9 1,9% Baumwolle, Raps
13. Philippinen 4,4 0,8 18,2% Mais
14. Myanmar 10,8 0,3 2,8% Baumwolle
15. Mexiko 23,1 0,1 0,4% Baumwolle, Soja
16. Spanien 12,4 0,1 0,8% Mais
17. Kolumbien 1,6 0,1 6,3% Baumwolle, Mais
18. Sudan 21,0 0,1 0,5% Baumwolle

Quellen: ISAAA-Bericht 2017 (ergänzt); FAOSTAT

Mehr zu den Anbaugebieten

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Gentechnik in Nordamerika

Knapp die Hälfte aller weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen wächst in den USA und in Kanada. Auf rund 42 Prozent des nordamerikanischen Ackerlandes werden Gentech-Pflanzen angebaut. Der Großteil wandert in die Futtermittelherstellung. Der Rest wird zu Agrosprit oder Lebensmittel verarbeitet.

Während in Kanada bisher keine Kennzeichnungspflicht für GVO-Bestandteile in Lebensmitteln besteht, soll in den USA in den nächsten zwei Jahren ein Gesetz zur Kennzeichnungspflicht umgesetzt werden. Kennzeichnung bedeutet aber nicht, dass sich ein entsprechender Aufdruck auf den Gentech-Produkten befinden muss. Verbraucher*innen können auch an eine Info-Hotline verwiesen werden oder auf einen QR-Code, den sie mit dem Smartphone abrufen können. Außerdem enthält die Kennzeichnungspflicht viele Ausnahmen, zum Beispiel für aus Gentech-Soja hergestellte Öle.

Anbauflächen

Seit 1996 wird in den USA Gentech-Soja angebaut, seit 1995 in Kanada Gentech-Raps. 2016 wuchs in den USA weltweit die größte Anzahl unterschiedlicher Arten genmanipulierter Pflanzen: Mais, Soja, Baumwolle, Zuckerrüben, Raps und Alfalfa (Luzerne) sowie in deutlich geringerem Umfang Kürbis, Kartoffeln und Papaya.

US-amerikanische Farmer klagen über Unkrautresistenzen

Die meisten in Nordamerika angebauten Gentech-Pflanzen sind herbizidresistent, das heißt, sie überleben die Anwendung eines Totalherbizids, meistens Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat. 20 Jahre Gentech-Anbau haben die Glyphosatresistenz bei Unkräutern massiv beschleunigt. Die von der Industrie finanzierte Website www.weedscience.org listet für die USA derzeit 16 glyphosatresistente Unkräuter auf. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums waren 2013 rund 28 Millionen Hektar mit glyphosatresistenten Unkräutern befallen. Dies entspricht rund 18 Prozent der US-Ackerfläche.

Als Folge werden zusätzliche Unkrautvernichtungsmittel verwendet. Nach Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wurden 2008 auf Gentech-Ackerflächen in den USA im Durchschnitt 26 Prozent mehr Pflanzenschutzmittel pro Hektar eingesetzt als auf Flächen mit konventionellen Sorten – obwohl die Gentech-Pflanzen laut Herstellerangaben den Einsatz eigentlich senken sollten. Aus einem USDA-Report vom Frühjahr 2014 geht hervor, dass der Einsatz von Herbiziden bei gentechnisch verändertem Mais von 2001 bis 2010 um 33 Prozent gestiegen ist. Die Studie zeigt auch, dass mit der Nutzung von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht die Erträge, sondern die Zahl der resistenten Wildkräuter, Insekten sowie die Saatgutpreise steigen.

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