Schadstoffe in Kosmetik: Was wird im ToxFox bewertet?

Der ToxFox bewertet nicht alle möglichen Stoffe in Kosmetika, sondern nur bestimmte Schadstoffgruppen, die besonders kritisch zu sehen sind: hormonelle Schadstoffe sowie Nanopartikel.

Insgesamt gibt es über 10.500 verschiedene Substanzen, die in Körperpflegeprodukten oder Kosmetikartikeln enthalten sein können. Es ist nahezu unmöglich, sich mit all diesen Chemikalien auseinanderzusetzen.

Der ToxFox konzentriert sich daher auf bestimmte Schadstoffgruppen, die der BUND kritisch sieht. Der BUND ist bemüht, die Liste der bedenklichen Stoffe stetig zu erweitern.  

Im Moment werden in der ToxFox-App folgende Schadstoffgruppen in Kosmetika bewertet:

Mutter mit Neugeborenem Hormonelle Schadstoffe sind z.B. während der Stillzeit eine große Gefahr.  (Iuliia Bondarenko / Pixabay)

Hormonelle Schadstoffe

Hormonelle Schadstoffe, im Fachjargon "endokrine Disruptoren" genannt, sind Substanzen, die das Hormonsystem negativ beeinflussen können. Es handelt sich dabei um körperfremde Chemikalien, die unseren körpereigenen Hormonen so ähnlich sind, dass sie deren Wirkung verstärken oder auch blockieren können. Die Inhaltsstoffe sind zwar nicht akut giftig. Sie stehen jedoch im Verdacht, wichtige Entwicklungsprozesse zu stören.

Besonders zu bestimmten sensiblen Zeitfenstern – etwa während der embryonalen Entwicklung, Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit – ist das ein Problem. Hormonelle Prozesse im Körper können dadurch zu früh, zu spät oder gar nicht einsetzen. Weil solche Prozesse unter anderem die Entwicklung des Gehirns und der Fortpflanzungsorgane steuern, kann dies weitreichende Folgen für die spätere Gesundheit haben. Wie echte Hormone wirken diese Chemikalien bereits in sehr geringen Mengen.

Hormonelle Schadstoffe werden in Kosmetika unter anderem als Konservierungsmittel und UV-Filter eingesetzt. Über die Haut können sie in den Körper aufgenommen werden. 

Die EU-Kommission hätte bereits 2015 den Umgang mit hormonaktiven Chemikalien überprüfen und geeignete Maßnahmen ergreifen sollen. Der BUND und viele andere Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler*innen, einzelne Mitgliedstaaten und das EU-Parlament forderten immer wieder gesetzliche Regelungen. Passiert ist bisher wenig. So ist beispielsweise die Definition von hormonell wirksamen Stoffen mit jahrelanger Verzögerung erst im Jahr 2018 verabschiedet worden. 

Immerhin: Im Mai 2019 hat die EU-Kommission eine Liste von 28 Stoffen mit potenziell hormonschädigender Wirkung veröffentlicht. Diese 28 Chemikalien bilden die Grundlage der Stoffe, die im ToxFox bewertet werden.

Ergänzt wird die Liste um Ethylparaben und alle Parabensalze (*). Wegen der strukturellen Ähnlichkeit aller Parabene stuft der BUND die ganze Gruppe als bedenklich ein. Darüber hinaus werden auch Inhaltsstoffe berücksichtigt, die auf der SIN-Liste der Organisation ChemSec als hormonell wirksam eingestuft werden (**).

Liste hormoneller Schadstoffe im ToxFox:

  • Benzophenone (UV-Filter): Benzophenone, Benzophenone-1, Benzophenone-2, Benzophenone-3, Benzophenone-4, Benzophenone-5
  • Benzyl Salicylate (UV-Filter)
  • Buthylhydroxianisol / BHA (Antioxidantium)
  • Butylhydroxytoluol /BHT (Antioxidantium)
  • Butylphenyl Methylpropional (Duftstoff)
  • Boric Acid** (antimikrobiell)
  • Camphor-Verbindungen (UV-Filer): 4-Methylbenzylidene Camphor, 3-Benzylidene Camphor** 
  • Cyclomethicone (Lösungsmittel)
  • Cyclotetrasiloxane / D4 (Lösungsmittel)
  • Cyclopentasiloxane / D5 (Lösungsmittel)
  • Diethyl Phthalate** (Vergällungsmittel)
  • Ethylhexyl Methoxycinnamate (UV-Filter)
  • Homosalate (UV-Filter)
  • Kojic Acid (Bleichmittel für die Haut)
  • Octocrylene (UV-Filter)
  • Parabene (Konservierungsmittel): Butylparaben, Methylparaben, Propylparaben, Ethylparaben*, Isobutylparaben*, Potassium Butylparaben*, Sodium Butylparaben*, Isopropylparaben*, Potassium Propylparaben*, Sodium Propylparaben*, Sodium Ethylparaben*, Sodium Methylparaben*
  • Resorcinol (Haarfärbemittel)
  • Salicylic Acid (Konservierungsmittel)
  • Triclocarban (Konservierungsmittel)
  • Triclosan (Konservierungsmittel)
  • Triphenyl Phosphate (Weichmacher)

Nanopartikel

Bei Nanopartikeln handelt es sich gemäß der aktuell angewendeten Definition in der EU-Kosmetikverordnung um "… ein unlösliches oder biologisch beständiges und absichtlich hergestelltes Material mit einer oder mehreren äußeren Abmessungen oder einer inneren Struktur in einer Größenordnung von 1 bis 100 Nanometern".

Nanomaterialien sind für die Kosmetikindustrie sehr interessant und werden in Produkten wie Sonnenschutzmittel, Make-Up und Zahnpasta verwendet. Dabei werden Nanopartikel zum Beispiel als UV-Filter eingesetzt, damit die Sonnencreme auch bei hohen Lichtschutzfaktoren transparent bleibt. Innerhalb der EU müssen Nanopartikel in Kosmetika mit dem Zusatz "(nano)" auf der Inhaltsstoffliste gekennzeichnet werden.

Durch die stark verringerte Größe der Nanopartikel verändern sich die Eigenschaften im Gegensatz zu größeren Substanzen. Dadurch können neben den Vorteilen auch Nachteile entstehen. Mehrere Studien zeigen zwar, dass Nanopartikel nicht durch gesunde Haut in den Körper eindringen können, bei verletzten Hautstellen sollte jedoch aus Vorsorgegründen auf eine Anwendung verzichtet werden. 

Die Europäische Kommission hat im November 2019 einen Katalog der Nanomaterialien in kosmetischen Mitteln, die in der EU in Verkehr gebracht wurden, herausgegeben. Diese Liste ist die Grundlage für die im ToxFox bewerteten Nanopartikel.  

Liste der Nanopartikel im ToxFox:

  • Carbon Black / Ruß (Farbstoff)
  • Hydroxyapatite (Schleifmittel)
  • MBBT / Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol  (UV-Filter)
  • Silber (antimikrobiell)
  • Silica Dimethyl Silylate (Hilfsstoff)
  • Siliziumdioxid (Schleifmittel, Hilfsstoff)
  • Titandioxid (Farbstoff, UV-Filter)
  • Tris Biphenyl Triazine (UV-Filter)
  • Zinkoxid (UV-Filter)

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