Zunehmende Menge an Arzneimitteln macht unsere Gewässer krank

17. Januar 2020 | Flüsse & Gewässer, Lebensräume

Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt deutlich, welche fatalen Auswirkungen der zunehmende Verbrauch von Arzneimitteln auf unsere Gewässer hat und welche Risiken es für das Trinkwasser birgt.

Arzneimittel gehören nicht ins Abwasser  (anmbph / iStock.com)

Nehmen wir ein Medikament ein, werden Rückstände des Medikaments ausgeschieden und gelangen über das Abwasser in Kläranlagen. Dort können sie nur teilweise beseitigt werden und landen somit schließlich in unseren Oberflächengewässern.

Wie gefährlich das ist, zeigt der aktuelle Bericht über Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, der im Auftrag des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung verfasst wurde.

Immer mehr Arzneimittel haben fatale Folgen

Der Arzneimittelkonsum – und damit auch dessen negative Auswirkungen – steigen stetig an. Von 2002 auf 2012 erhöhte sich allein der Verbrauch von Humanarzneimitteln in Deutschland um 30 Prozent. Dabei sind 33 Prozent der Humanarzneimittel und 45 Prozent der Tierarzneimittel für die Umwelt giftig. Ungefähr 2.300 zugelassene Wirkstoffe sind allein in Humanarzneimitteln enthalten. Schon sehr geringe Konzentrationen dieser Stoffe können fatale Folgen für Wasserlebewesen haben. 

Problematisch ist auch die Zusammenwirkung verschiedener Spurenstoffe, die in Gewässern landen. Denn solche Stoffgemische aus Arzneimittelrückständen und anderen Mikroverunreinigungen haben komplexe Wirkungsweisen. Die Auswirkungen auf Wasserlebewesen sind oftmals unvorhersehbar und schwer zu erforschen. Im besten Fall muss also verhindert werden, dass solche Stoffe überhaupt in die Umwelt gelangen.

Schmerzsalbe "Voltaren" ist extrem schädlich

Ein Beispiel ist das Schmerzmittel Diclofenac, das u.a. als "Voltaren" im Handel erhältlich ist. "Voltaren" wird breitflächig als Schmerzsalbe zur vorsorglichen Anwendung beworben und benutzt. 

Der größte Anteil der Salbe wird bei der anschließenden Dusche ins Abwasser gespült, kann nicht von der Kläranlage entfernt werden und landet im Gewässer, wo es Fische und Gewässerorganismen erheblich schädigt. 

Gefährliche Arzneien kennzeichnen!

Vielen Verbraucher*innen ist dies nicht bewusst – die intensiv beworbene Salbe ist rezeptfrei erhältlich und auf dem Beipackzettel findet sich kein Hinweis zur Gewässerschädlichkeit des Stoffes. Der BUND fordert deswegen zu prüfen, ob gewässerschädliche Stoffe nicht durch ungefährliche ersetzt werden können. 

Ist dies nicht sofort möglich, muss bei Medikamenten mittels Rezept- und Verschreibungspflicht, Werbeverboten und einer klaren, warnenden Kennzeichnung des Produkts als "gewässerschädlich" verhindert werden, dass Arzneimittel übermäßig und unsachgemäß angewendet werden. Nur so haben die Verbraucher*innen die Möglichkeit, eine bewusste, gewässerfreundlichere Entscheidung zu treffen.

Der BUND begrüßt die in der Studie vorgeschlagene Gesamtstrategie, welche darauf abzielt, "die Einträge von Arzneimittelrückständen aus unterschiedlichen Quellen zu vermindern, gleichzeitig aber auch die Wissensgrundlage zu verbessern, das Verursacherprinzip zu stärken und die Akzeptanz der Maßnahmen zu fördern." 

Absoluten Vorrang müssen jedoch Maßnahmen haben, die an der Quelle ansetzen, damit Mikroschadstoffe erst gar nicht produziert und eingesetzt werden und so in die Umwelt gelangen.

Bisher keine Gefährdung des Trinkwassers

Es gibt laut der Studie bisher keine Hinweise darauf, dass die menschliche Gesundheit akut durch Arzneimittel im Trinkwasser gefährdet ist. Bei steigenden Konzentrationen müssen jedoch Risikogruppen wie Kleinkinder oder ältere Menschen besondere Vorsicht walten lassen.

Das können Sie tun:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker über Alternativen und informieren Sie sich über die korrekte Anwendung der Medikamente. 
  • Entsorgen Sie keine Medikamente über die Toilette oder Spüle. In den meisten Fällen können Medikamente und Arzneimittel in der Restmülltonne entsorgt werden, in speziell dafür vorgesehenen mobilen Schadstoff-Sammelstellen oder in Recyclinghöfen. Auch bieten einige Apotheken die Rücknahme von Medikamenten auf freiwilliger Basis an. Weitere Informationen

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