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Neues Strahlenschutzgesetz muss Gesundheit klaren Vorrang einräumen

01. Dezember 2016 | Atomkraft

Ein Strahlenschutzgesetz, das seinen Namen verdient, muss dem Gesundheitsschutz absoluten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen einräumen. Doch im aktuellen Gesetzentwurf werden neuere Erkenntnisse über die schädliche Wirkung niedriger Strahlendosen nicht berücksichtigt. Der BUND-Atomexperte Thorben Becker fordert, die Strahlengrenzwerte für die Bevölkerung um den Faktor 10 zu senken.

Es gibt nichts Wichtigeres als die Bevölkerung vor Strahlenrisiken zu schützen.  (lassedesign / fotolia.com)

Der Gesundheitsschutz muss Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. Ein Strahlenschutz­gesetz, das seinen Namen verdient, hat sich daran auszurichten. Es ist inakzeptabel, dass der Entwurf eines neuen Strahlenschutzgesetzes den Gesund­heits­schutz gegenüber wirtschaft­lichen Interessen abwägen will. Es gibt nichts Wichtigeres als die Bevölkerung vor Strahlen­risiken zu schützen, das darf auf keinen Fall relativiert werden.

Der Gesetzentwurf lässt jedoch neuere Erkenntnisse über die schädliche Wirkung niedriger Strahlen­dosen unberücksichtigt. Neue epidemiologische Studien belegen, dass die Wirkung von Niedrig­strahlung bislang unterschätzt wird. Der BUND schließt sich den Empfehlungen der Wissen­schaftler an und fordert, die Strahlen­grenz­werte für die Bevölkerung um den Faktor 10 zu senken. Beim Rückbau von Atomkraftwerken fordert der BUND den vollständigen Verzicht auf die Freigabe gering radioaktiver Materialien, das sogenannte „Freimessen". Weil es keine untere Schwelle der Gefährlichkeit ionisierender Strahlung gibt, widerspricht die undeklarierte Freigabe gering kon­taminierter Reststoffe dem Minimierungsgebot des Strahlenschutzes.

Vier Forderungen an das neue Strahlenschutzgesetz:

1. Da es für Radioaktivität keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen eine Gefahr für die men­schliche Gesundheit ausgeschlossen werden kann, muss das Vermeidungs- und Mini­mierungsgebot eine zentralere Rolle einnehmen als in der aktuell vorliegenden Gesetzesfassung. Um diese Priorität zu verdeutlichen, sollte § 8 (Vermeidung unnötiger Exposition und Dosisreduzierung) vor § 7 (Dosisbegrenzung) erscheinen.

2. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft wurde die Wirkung geringer Strahlendosen bisher unterschätzt. Viele neue epidemiologische Studien weisen das nach. Daher muss der in §76 genannte Grenzwert für Einzelpersonen der Bevölkerung auf ein Zehntel gesenkt werden: Die Summe der effektiven Dosen durch Expositionen aus genehmigungs- oder anzeigebedürftigen Tätigkeiten darf demnach zukünftig nur noch maximal 0,1 Millisievert im Kalenderjahr betragen.

3. Ebenfalls muss der Dosisgrenzwert für beruflich strahlenexponierte Personen um den Faktor 10 herabgestuft werden.

4. Beim Rückbau von Atomkraftwerken fordert der BUND den vollständigen Verzicht auf die Freigabe gering radioaktiver Materialien. Die Freigabe gering kontaminierter Reststoffe widerspricht dem Minimierungsgebot des Strahlenschutzes. Materialien, für die bisher eine Freigabe entsprechend der Strahlenschutzverordnung vorgesehen war, sollten gesondert und gegen Freisetzungen gesichert aufbewahrt werden. Dies kann in besonders gesicherten Deponien oder in oberflächennahen Endlagern geschehen. Möglich sei auch die Lagerung in entkernten Gebäuden früherer Atomkraftwerke oder verbunkert auf deren Gelände. Diese vier Optionen sollten in den Genehmigungsverfahren für den Rückbau der Atomkraftwerke gleichwertig geprüft werden.

Mehr Informationen

Informationen und Rückfragen bei:
Thorben Becker
Leiter Atompolitik
Kaiserin-Augusta-Allee 5,
10553 Berlin  
Tel. (030) 2 75 86-421
thorben.becker(at)bund.net

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