Hochwasser an der Weser – ein weiteres Beispiel für politische Tatenlosigkeit

09. Januar 2024 | BUND, Flüsse & Gewässer, Klimawandel, Naturschutz

Die Pegel im Wesereinzugsgebiet sinken. In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, wie groß die Schäden sind und wie knapp man einer größeren Katastrophe entgangen ist. Eins steht fest: Der bemerkenswerte Kraftakt aller Beteiligten war auch ein Kampf aufgrund der politischen Versäumnisse der letzten Jahrzehnte.

Hochwasser in Preußisch Oldendorf am Mittellandkanal zum Jahreswechsel 2023/2024  (mb-fotos / via canva.com)

Bereits nach dem katastrophalen Oderhochwasser 1997 forderte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Regierungserklärung: „In allen Anrainerstaaten müssen wir dabei die Lehre beherzigen, die sich mit der Hochwasserkatastrophe verbindet: Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen. Sie holen ihn sich sonst – mit schlimmen Folgen für die betroffenen Menschen – zurück.“ Was hat sich danach geändert?

Hochwasser und Wassermangel – zwei Gesichter der Klimakrise

Seitdem fanden in Deutschland aber nur wenige Deichrückverlegungen und andere hochwasserwirksame Maßnahmen statt. Den Flüssen steht nur noch rund ein Drittel ihrer ehemaligen Überflutungsflächen zur Verfügung. Nur noch etwa neun Prozent der überflutbaren Auen gelten als weitgehend ökologisch intakt. Und von dem einst prägenden Auwald ist nur noch rund ein Prozent übriggeblieben. 

Dass natürliche Flusslandschaften und Auen Überschwemmungsflächen bieten, die Hochwasser in der Fläche zurückhalten können, ist den meisten von uns bekannt. Aber gesunde Auen-Ökosysteme können auch gegen die Klimakrise und den Verlust an Biologischer Vielfalt wirken. Regelmäßig überflutete Auen speichern bis zu 30 Prozent mehr Kohlenstoff und damit klimaschädliches CO2, reinigen das Wasser und geben es bei Trockenheit nach und nach wieder an die Landschaft ab.

Baggern für die Natur

Der BUND als großer deutscher Flussverband hat dies mit dem Naturschutzgroßprojekt Lenzener Elbtalaue bereits aufgezeigt, indem wir 420 Hektar Auenlandschaft wiederherstellten. Dadurch wurde der Wasserspiegel vor Ort beim Elbhochwasser 2013 laut Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) um fast 50 Zentimeter gesenkt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das Gebiet der Deichrückverlegung bei Lenzen bereits jetzt eine höhere Vielfalt an Pflanzen und Tieren gegenüber der umgebenden Landschaft aufweist. 

Wer durch Renaturierung Platz für Flüsse und Bäche schafft, schützt uns und die Natur gleichermaßen.

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