(Rudmer Zwerver
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- Alle Luchse in Deutschland gehen auf Auswilderungen zurück
- Großkatzen nicht so wanderfreudig wie etwa Wölfe
- Wälder vernetzen – mehr Grünbrücken für sichere Wanderrouten bauen
Zum Internationalen Luchstag am 11. Juni zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine gemischte Bilanz: Die Bestände wachsen leicht, doch Luchse sind immer noch sehr stark auf menschliche Unterstützung angewiesen – im Gegensatz zu anderen rückkehrenden Arten wie Wildkatze, Wolf oder Seeadler, die in den letzten Jahrzehnten bereits viele Teile ihrer alten Heimat erfolgreich wiederbesiedelt haben.
Friederike Scholz, Wildtierexpertin beim BUND: „Luchse waren bei uns vollständig ausgerottet. Die wenigen Tiere in unseren Wäldern stammen alle von früher ausgewilderten Tieren ab oder sind kürzlich ausgewildert worden“.
Luchse breiten sich nur langsam aus. Die großen Katzen sind nicht so wanderfreudig wie zum Beispiel Wölfe. Besonders die Weibchen bleiben gerne in der Nähe ihrer Geburtsorte. Von den meist zwei bis vier Jungtieren überlebt oft nur eines bis zur Geschlechtsreife.
Scholz: „Luchse haben es bei uns nach wie vor schwer: Straßen, Siedlungen, Industrie- und Gewerbegebiete versperren wandernden Tieren den Weg. Sie werden überfahren, vereinzelt immer noch illegal getötet oder kommen anderweitig um."
Jüngstes Beispiel ist ein Fund in Hessen: Dort wurde der abgetrennte Kopf eines Luchses an einer Waldeinfahrt gefunden. Wie der Luchs zu Tode kam, ist bislang völlig unklar. Fest steht aber, dass es sich um ein wildlebendes Tier handelt, das der Harzpopulation entstammt.
Auswilderungsprojekte spielen daher eine zentrale Rolle bei der Rückkehr der Luchse. Denn an geeigneten Wäldern mangelt es nicht.
Der BUND fordert daher:
- Der Luchs soll in Deutschland in allen geeigneten Lebensräumen wieder vorkommen
- Wälder müssen vernetzt und mehr Grünbrücken für sichere Wanderrouten gebaut werden
- Konsequente strafrechtliche Verfolgung illegaler Tötungen
- Mehr Toleranz gegenüber einem Beutegreifer wie dem Luchs als Teil unserer Natur
- Weitere Auswilderungen von Luchsen für eine stabile mitteleuropäische Population
Positive Entwicklung gibt es insbesondere in Thüringen: Das „Luchs Thüringen-Projekt“ von BUND, WWF und vielen anderen Partnern hat seit 2022 bereits sieben Luchse ausgewildert. Auch der erste Nachwuchs wurde schon dokumentiert. In Nordrhein-Westfalen koordiniert der BUND die Gespräche zu einem neuen Auswilderungsprojekt. Das Projekt „Luchsland Sachsen – Entdecke die Welt der Pinselohren!“ des BUND Sachsen möchte mit Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit die Akzeptanz des Luchses in der Bevölkerung stärken. Hessen und Bayern sind weitere wichtige Schwerpunkte in der Luchsarbeit des Verbandes.
Hintergrund:
Laut der Roten Liste bedrohter Arten gilt der Luchs in Deutschland noch immer als „vom Aussterben bedroht“. Laut den letzten behördlichen Zahlen aus dem Jahr 2024 streifen mindestens 189 Luchse durchs Land. Alle Luchse in Deutschland stammen von früher ausgewilderten Tieren ab oder wurden kürzlich selber ausgewildert. Die meisten Luchse leben im Harz und im Bayerischen Wald. Hinzu kommen einige Luchse im Pfälzerwald, in Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen und Hessen. Die wenigen Luchsvorkommen sind stark voneinander isoliert.
Das Projekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ setzt sich dafür ein, dass der Luchs langfristig auch in Thüringen heimisch wird und seine Lebensräume europaweit besser vernetzt werden. Auswilderungen sind ein wichtiger Bestandteil. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie den rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt wird im Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ umgesetzt und vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert.
Das BUND-Projekt „Luchsland Sachsen: Entdecke die Welt der Pinselohren!“ wird von der Europäischen Union kofinanziert. Im Fokus des Projektes steht für die nächsten drei Jahre die Kommunikation rund um den Luchs. Unter anderem mit einer Theatertournee, einer Wanderausstellung und Podcasts soll der Luchs den Menschen nähergebracht werden.
Weitere Informationen:
- BUND/WWF-Luchsprojekt Thüringen
- BUND-Luchsprojekt Sachsen
- Ab 11. Juni 2026: Luchsprojekt NRW
- Pressemitteilung zum Fund des Luchsschädels in Hessen
Kontakt:
- Friederike Scholz, BUND-Wildtierexpertin, Tel.: 030 27586-566, E-Mail: friederike.scholz(at)bund.net
- BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak
Tel.: +49 30 27586-497 | -531 | -464 | -425
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Der Luchs im Bild
Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet zog sich von Frankreich quer durch Europa bis über den Balkan nach Asien.
(Erwin Sparreboom
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Schon im 19. Jahrhundert war der Luchs aus weiten Teilen West- und Mitteleuropas verschwunden und in Rest-Europa nur noch in ausreichend bewaldeten und schwer zugänglichen Gebieten zu finden.
(Jiří Bohdal)
Lucky gehörte zu den ersten drei Luchsen, die 2016 im Pfälzerwald freigelassen wurden. Im Mai 2019 wurde er tragischerweise von einem Auto erfasst und starb.
(Annina Prüssing
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snu.rlp.de)